Nur dass es nicht verloren geht…

In Coburg hat ein Schulleiter alle Deutsch-Abituraufgaben pauschal um einen Punkt nach oben gesetzt. Offiziell war der Schulleiter, der auch Deutschlehrer war, wohl Drittprüfer – ungewöhnlich, dass es nur einen Drittprüfer für einen ganzen Jahrgang gibt, aber tatsächlich braucht man den selten, nämlich nur dann, wenn sich Erst- und Zweitprüfe rnicht einig werden.
Das mit der eigenmächtigen Notenverbesserung darf er natürlich nicht, aber die Noten gelten trotzdem, sagt das Kultusministerium.

Fachlich beruft sich der Schulleiter wohl darauf, dass die Korrekturen der Deutschlehrer „zu penibel“ waren.

Das Ministerium gibt dem Schulleiter fachlich recht, wohl in Form des zuständigen MB, der extrem fleißig gewesen sein muss, um sich die Arbeiten gründlich genug angesehen zu haben.

Der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands stellt sich – siehe Neue Presse – voll hinter das Kultusministerium.

Ich kann mir das mit den zu penibel korrigierten Arbeiten nicht vorstellen. Es sieht eher so aus, als will ein Schulleiter ein Exempel statuieren (dass ich so etwas je schreiben würde…) und seinen Deutschlehrern zeigen, wer der Chef ist. Aus der Ferne lässt sich das schlecht beurteilen. Positiv allerdings, dass es Schulleiter gibt, die sich so etwas trauen. Aber so richtig böse wird das Kultusministerium in dem Fall ja auch nicht werden.

(Alle Links aus den lehrerforen.de)

45 Antworten auf „Nur dass es nicht verloren geht…“

  1. Ich gehe völlig konform mit Ihnen, Herr Rau.
    Aber dass sich da einer traut, ist das wirklich was Positives? Da sollte man sich andere Sachen trauen.

  2. Ich halte das für eine üble Eigenmächtigkeit, aus der einfach nur abgrundtiefes Misstrauen gegen die Lehrerschaft spricht (und ein sehr gesundes Selbstbewußtsein, was das eigene Einschätzungsvermögen betrifft). Ich weiß, wie bei uns Abiarbeiten korrigiert werden:genau, mit Herzblut, dem Erwartungshorizont und dem Schüler im Blick. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in dieser Schule so anders sein sollte, und dass die ganze betroffene Deutschfachschaft inkl. 2.-Prüfer nichts anderes sind als penible Pauker-Psychopathen, die kein anderes Ziel kennen, als die Schüler um ihnen zustehende Punkte zu bringen.
    Dass das Kultusministerium das abnickt, ist ebenfalls übel. Ich wage mal zu behaupten, dass das zu der Politik passt, möglichst viele Abiturienten mit möglichst vielen Punkten zu generieren. Aber was, wenn der nächste Direktor lustig drauf ist und alle Arbeiten einen Punkt schlechter setzt? Ich freue mich auf das Toben aus dem Kumi…

  3. Dass sich einer ausgerechnet so etwas traut, und trauen darf, ist nicht positiv, da gebe ich Ihenn ganz recht, Jürgen. Zum Glück gibt es andere Schulleiter, die sich bessere Sachen trauen.

    Susann, ich kann mir nur vorstellen, dass da ein jahrelanger Streit zwischen Schulleitung und Deutschlehrern im Hintergrund ist. Im Zweifelsfall bin ich dann eher auf der Seite der Deutschlehrer. Eigentlich eine Frechheit des Kultusministeriums, das abzunicken. (Andererseits: wenn es jetzt etwas an den Noten änderte, wäre das ganz schlechte Presse. Hamse halt Glück gehabt, die Schüler in Coburg, und Pech für die anderen.)

  4. Nachdem ich ein paar Jahre lang an einem anderen Coburger Gymnasium gearbeitet habe, kann ich mich, glaube ich, aus Erfahrung sagen trauen, dass besagter Schulleiter durch sehr offensive Bemühungen, seine als elitär bekannte Schule (teilweise auf Kosten der anderen) noch besser dastehen zu lassen, bereits über Jahre hinweg einen gewissen Notorietätsgrad erreicht hat. Anders ausgedrückt: nicht nur für mich kaum überraschend. Ich bin morgen auf dem Schulfest meiner ehemaligen Schule & werde die Stimmung live erleben können…

  5. Realschüler zu fördern und sich gleichzeitig als Eliteschule zu definieren, da passt nicht zum Selbstverständnis etlicher Kollegen.

    Bei uns wurden, auf Veranlassung aus dem Kollegium, ebenfalls Klassenarbeiten nachkorrigiert, jedoch weil sie angeblich zugut ausgefallen sind. Und jetzt?

    Aus dem G8, etc., das Beste machen oder die alten, meiner Meinung nach, abgenudelten bayerischen Niveau-Mythen, auf Kosten der Schüler, weiter zu Pflegen, darum geht es doch in Wirklichkeit bei diesem Streit.

    Und wenn das KuMi und die bayerische Philologenmafia den Vorgang für GUT befinden, dann dürfen wir uns, als pädagogisches Fussvolk, nicht erblöden, an diesen Autoritäten zu zweifeln. :)
    Ein Hoch auf die bayerische Bildungspolitik!

  6. Kommen in Bayern die (Dritt-)Korrektoren aus demselben Haus wie die Erst-(oder auch Zweit-?)korrektoren.

  7. Ja, Db, Erst- und Zweitkorrektoren kommen aus derselben Schule; der Drittkorrektor ebenso. Der wird aber nur sehr selten gebraucht. — Anonyme Korrekturen würden mir im Prinzip gefallen, aber ob sie wirklich gerechter sind, bezweifle ich. Aber vielleicht wären die Noten weniger inflationär.

  8. Natürlich macht das Ministerium nichts. Im Wahljahr sind gute Abischnitte besonders gern gesehen. Was wäre das für ein Aufruhr gewesen, wenn man die Prüfungen hätte wiederholen müssen. Im Nachhinein Noten wieder runtersetzen ist ja nicht möglich, oder? Selbst bei einem solch gravierenden Fall…

  9. Ich wohne in der Nähe von Coburg und habe hier die Vorgänge in den Zeitungen genauer mitbekommen – im Internet sind nicht alle Artikel. Die Sache berührt mich als Deutschlehrerin sehr, auch wenn ich nicht an dieser Schule unterrichte.
    Laut Internetkommentaren sind von der Sache 5 Kurse betroffen, insgesamt waren es 10 Lehrer, die sich alle in ihrer Benotung einig waren. Nach einer nur stichprobenhaften Durchsicht (!), die Arbeiten aus jedem Notenspektrum umfasst habe, wie der Schulleiter selbst in der Zeitung ausgeführt hat, entschloss er sich ALLE Arbeiten um einen Punkt anzuheben. Er hat sich also nicht mal die Mühe gemacht, alle Arbeiten anzusehen.
    Dazu muss man wissen, dass der Schulleiter vor seiner jetzigen Tätigkeit in den 1990er Jahren im Ministerium tätig war(in der Gymnasialabteilung) und somit wohl seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in der Oberstufe Deutsch unterrichtet hat und deswegen über keinerlei eigene Korrekturerfahrung verfügt. Wie soll jemand, der seit wenigstens 20 Jahren nicht mehr Abitur korrigiert und Oberstufe unterrichtet hat, überhaupt solide urteilen können?
    Weiter war in der Zeitung zu lesen, dass von 91 Schülern vier ursprünglich mit 0 Punkten zensiert waren, diese haben durch die Notenänderung halt dann ihr Abi bestanden. Ist doch fein, schließlich darf doch auf keinen fall der Eindruck enstehen, dass im G8 mehr Leute als früher durchs Abi rasseln oder in die Nachprüfung müssen.
    In inzwischen gelöschten Internetkommentaren wurde der Direktor übrigens als [entfernt] bezeichnet… Er hat hier im Umland den Ruf EXTREM linientreu zu sein.
    Ich kenne einiger der Deutschkollegen aus der Schule von Fortbildungen etc. Meiner Einschätzung nach trifft auf diese genau die obige Formulierung zu: Korrektur „mit Herzblut, dem Erwartungshorizont und dem Schüler im Blick“ .
    Persönlich bin ich auch sehr aufgebracht, weil man uns doch immer die große Bedeutung der Wortgutachten predigt. Gerade bei Abituraufsätzen hängt man sich doch immer sehr rein. Die Wortgutachten sind doch jetzt dort Makulatur, in seiner Nacht und Nebelaktion hat der Direktor doch nie und nimmer 91 Gutachten neu geschrieben. Wie kann das sein, dass Wortgutachten und Benotung differieren?
    Der Philologenverband hat mich übrigens gesehen, werde aufgrund dieser Sache dort austreten. So eine Berufsvertretung braucht man nicht. Mich reut jeder Euro, den ich in den letzten Jahren an Mitgliedsbeiträgen bezahlt habe.

  10. „… und seinen Deutschlehrern zeigen, wer der Chef ist. […] Positiv allerdings, dass es Schulleiter gibt, die sich so etwas trauen.“ Verstehe immer noch nicht, was Sie damit ausdrücken wollen. Finden Sie es positiv, wenn sich ein Schulleiter in diktatorischer Manier gegen seine Deutsch-Fachschaft stellt? Ich suche die Ironie…

  11. >Verstehe immer noch nicht, was Sie damit ausdrücken wollen.

    Ich kommt wohl nicht oft vor, dass Schulleiter bewusst etwas machen, das ihnen Ärger mit dem Ministerium einbringt. (Und Ärger gibt es hiner den Kulissen ja wohl.) Das sehe ich als Pluspunkt. Dass das Verhalten ansonsten ganz, ganz schlecht ist, ist hoffentlich offensichtlich.

  12. Ach so, jetzt verstehe ich die Aussage. Ich glaube aber nicht, dass der Schulleiter damit gerechnet hat, dass sein Vorgehen dem Ministerium überhaupt bekannt wird.

  13. Gut möglich, ja – nach dem, was man von denen hört, die näher dran sind – wahrscheinlich, dass in dem konkreten Fall der Direktor im Unrecht ist. (Ich frage mich freilich, wer gibt ihm überhaupt das Recht, gegen zwei übereinstimmende Gutachten, ohne ein drittes einzuholen, seine Meinung einfach durchzusetzen? Gilt in Bayern etwa das Führerprinzip?)
    Doch Notengebung ist so eine Sache.
    Als ich von Deutschland ins System der Europäischen Schulen kam, setzte der Zweitkorrektor ca. 70% meiner Noten in Deutsch im schriftlichen Abitur um eine Note herauf (mindestens eine von 3 auf 1). Bei meinem letzten Europäischen Abitur wurde eine 1, die ich gegeben hatte, durch Zweit- und Drittprüfer in eine 4/5 umgewandelt. Dieselbe Schülerin wurde übrigens im mündlichen Abitur vom externen Prüfer mit 2 bewertet.
    Als ich in deutsche System zurückkam, gab ich einer Schülerin, die nachher ein Abitur mit einem Schnitt von 1,0 hinlegte, in der ersten Deutscharbeit eine 3+ (entspricht 9 Punkten). Sie war mir übrigens sehr sympathisch, und ich war bald mit der Familie befreundet.
    Wenn man glaubt, das gäbe es nur in Deutsch, so ein anderer Fall.

    Mathematik(!)lehrer einigten sich nach ausführlicher Diskussion auf einheitliche Bewertungskriterien. Danach wurde ihnen eine anonyme Arbeit vorgelegt. Die Bewertungen schwankten zwischen 2 und 5.

    Nach diesen Erfahrungen habe ich mir gesagt: Jede (!) Arbeit, die ich mit bestem Wissen und Gewissen bewertet habe, kann zu Recht einen Punkt besser und einen Punkt schlechter bewertet werden.

    Freilich, wenn ein(e) Schüler(in) in der schriftlichen Prüfung mit 13 Punkten bewertet wird, diese Arbeit vom Zweitprüfer mit 9 Punkten beurteilt wird und in der deshalb erforderlich gewordenen Prüfung sie so glänzend vorträgt und Zusatzfragen so gut beantwortet, dass die meisten Anwesenden der Meinung sind, noch nie eine so gute Prüfung in dem Fach gesehen zu haben, dann sind ihr die 9 Punkte wohl nicht gerecht geworden.
    Eine Abweichung um einen (!) Punkt (von 15) liegt m.E. eindeutig im Bereich der Abweichung, die kein menschliches Bewertungssystem ausschließen kann.
    Dass man einen IQ punktgenau festlegen kann, ist etwas anderes. Da gilt nur: IQ ist das, was der Test misst. – Ein Physiker, der bei IQ-Test mit 85 abschnitt, konstruierte daraufhin einen anderen, der mit dem anderen weitestgehend korrelierte, ihm selbst aber ein Ergebnis von über 110 brachte. (Das habe ich freilich nur gelesen, ist vielleicht eine „Spinne in der Yuccapalme“.)

  14. Verstehendes Lesen ist selbst im Kollegium oft sparsam vertreten. Siehe Lehrplan und dessen Realität in der Umsetzung.

    Sowohl Deutsch, als auch die Sprachen, lassen einen breiten Spielraum, was die Notengebung anbelangt. Verschiebe ich die Gewichtung der Bewertungseinheiten etwas, dann erhalte ich ein anderes Ergebnis. Wer behauptet, es gäbe bei der Benotung so etwas wie Objektivität, der lügt sich in die eigene Tasche.

  15. „Wer behauptet, es gäbe bei der Benotung so etwas wie Objektivität, der lügt sich in die eigene Tasche.“

    Das halte ich – zumindest in dieser Formulierung – für entweder unwichtig oder für Unsinn. Wenn es „so etwas wie Objektivität“ nicht gibt, heißt das, dass bei jeder Leistung bei jeder Lehrkraft beliebige Noten herauskommen können. (Wenn man Aufsätzen Reliabilität zugesteht, dann wenigstens je nach Lehrkraft immer dieselbe.) Ich habe ja auch einiges an Noten auszusetzen, aber das entspricht nicht der Realität.

    Unwichtig ist es insofern, als Objektivität sagt, dass derselbe Test bei unterschiedlichen Prüfern zu anderen Ergebnissen führt. Es handelt sich aber nie um denselben Test. Jeder Lehrer bereitet anders auf einen Aufsatz vor und setzt andere Schwerpunkte. Damit kann ein Aufsatz gar nicht objektiv in dem Sinn sein, dass es eine eindeutig zu erteilende Note dafür gibt. (Wichtig ist, dass die Schüler diese Schwerpunkte kennen und darauf vorbereitet wurden. Das muss ohnehin geschehen, da ja nie einfach die gleiche Schulaufgabenart wie im Vorjahr geschrieben wird, sondern die Formen und Ansprüche von Jahr zu Jahr steigen.)

    Dass es um einen von 15 Punkten hin- und hergehen kann, Fontanefan: das stimmt. Theoretisch sollte man aber nicht nach 15 Punkten Noten vergeben, sondern immer noch nach 6 Notenstufen. Der Unterschied zwischen 3 und 4 Punkten ist ein anderer als der zwischen 4 und 5 – die Grenze zwischen ausreichend und nicht ausreichend ist eine besondere Grenze. Für die 6 Notenstufen gibt es schriftlich festgehaltene Kriterien, die man eigentlich ganz gut heranziehen kann. Man tut es nur nicht, weil diese Kriterien Lehrplanmacherblütenträume sind; hielte man sich daran, gäbe es sehr viel mehr schlechte Noten.

  16. Die Notendiskussion über einen Punkt hin oder her ist für mich zweitrangig. In diesem Fall finde ich es aber viel brisanter und regelrecht skandalös, dass ein Schulleiter in vollem Bewusstsein gegen geltendes Schulrecht verstoßen hat, das Kultusministerium das auch erkennt, sich aber hinter ihn stellt. So kann der Schulleiter in lokalen Zeitungsartikeln verbreiten, dass „er sich bestätigt“ fühle: http://www.infranken.de/regional/coburg/Geschoente-Abi-Noten-Schulleiter-sieht-sich-bestaetigt;art214,480745
    Was kann man nun daraus für Konsequenzen für das eigene Lehrerdasein ziehen?
    Das KM hat meiner Meinung nach einen Präzedenzfall geschaffen. Ich kann mir also nie sicher sein, dass mein Schulleiter in einem Willkürakt gegen geltendes Schulrecht verstößt, das aber ohne Konsequenzen für ihn durchbringt, solange das KM das Ergebnis gutheißt. So nach dem Motto „entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Und von meinem Berufsverband habe ich dann auch nichts zu erwarten. Keine schöne Vorstellung…

  17. Dass der Mann, wie oben beschrieben, endlos lang im Ministerium tätig war, lässt drauf schließen, dass er dort zumindest viel Kontakt und wohl auch Rückendeckung hat. Das lässt sein Verhalten viel weniger „mutig“ erscheinen, als Herr Rau ursprünglich schrieb.
    Es heißt ja nicht zu Unrecht „eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Wer weiß, ob sich der Mann nicht im Vorfeld informell bei seinen Exkollegen im Kumi rückversichert hat.
    Für mich bleibt die Sache jedenfalls wirklich eine Unter-jeder-Kritik-Aktion. Uns predigt man die Wichtigkeit der Transparenz bei Korrekturen, des individuellen Eingehens auf den Schüler, der hilfreichen Korrekturbemerkungen – siehe Respizienzbögen – und dann kommt so ein oberer (Knall)charge und wirft mit einem Federstrich (und nach Nachkorrektur von 4 von 91 Arbeiten) all das über den Haufen, um sein Ego zu streicheln, der Lehrerschaft eins auszuwischen, was auch immer. GEHT’S NOCH?

  18. Ich teile völlig eure Meinung, dass das gar nicht geht. Im Philologenverband bin ich nicht, aber eine Stellungnahme dessen würde mich schon brennend interessieren.

  19. Die Reaktion gibt es doch schon, leider unterstützt der Vorsitzende nicht die Lehrer, sondern das KM: http://www.np-coburg.de/regional/franken/schauplatzregionnp/GEW-sieht-keinen-Einzelfall;art83463,

    Am besten finde ich die Aussage „An der Überprüfung durch das Kultusministerium lässt Schmidt keinen Zweifel: „Die nächst höhere Instanz arbeitet noch genauer als die vorherige.“ Einen Tag darauf ist in der Zeitung zu lesen, dass der Schulleiter die Aufsätze nur stichprobenhaft durchgesehen hat…

    Na ja, eigentlich wusste ich ja schon immer, dass

  20. Philologenverband eine Lobbyistenvereinigung für A15 und höher ist.

    @Susann: Der Schulleiter war ein paar Jahre laut Zeitung in den 90er Jahren in der Gymnasialabteilung, er ist schon ziemlich lange an der Schule.
    „Wichtigkeit der Transparenz bei Korrekturen, des individuellen Eingehens auf den Schüler, der hilfreichen Korrekturbemerkungen“ – überflüssig – schreiben Sie doch bei Ihrer nächsten Korrektur einfach „vom Trend her eine 1“, Hauptsache die Ergebnisse passen!

  21. „Wenn es “so etwas wie Objektivität” nicht gibt, heißt das, dass bei jeder Leistung bei jeder Lehrkraft beliebige Noten herauskommen können.“
    Ja, das heisst es und das wurde in diversen Test und Studien so auch nachgewiesen.

    Dass ihr euch hier so ereifert, finde ich gelinde gesagt sehr drollig. Ich kenne Schulen, dort gibt es regelmässig Arbeiten mit einem Notenschnitt von 5,… . Das wird so als gottgegeben und notwendig und normal angesehen. An einer dieser Schulen hat sich ein Kollege, der ziemlich ok ist und bei den Schülern sehr beliebt, erlaubt, regelmässig bessere Schnitte als die Kollegen zu korrigieren. Was tut nun die Fachschaft? Sie erblödet sich, diesen Kollegen zu rügen und lässt seine Arbeiten nachkorrigieren, weil er angeblich zu gut korrigiert.

    Das was die Fachschaft hier veranstaltet, ist nichts anderes, als die in euren Augen unzulässige Korrektur durch den Direktor, den ich übrigens auch nicht als besonders mutig erachte, da das KuMi in Wahlkampfzeiten Erfolgsmeldungen sehen will und viele Eltern und damit auch Wähler, dem Brimborium, das im Kollegium um diesen Notenfetischismus gemacht wird, kopfschüttelnd gegenüber steht.

    Bildung, liebe Kolleginnen und Kollegen, hat nichts mit den, von euch als Monstranz vor euch hergetragenen, immer subjektiven (auch wenn Herr Rau das nicht gerne hört) Noten zu tun.
    Mir ist es bis heute unverständlich, dass wir diejenigen SuS, die ja speziell in Bayern nicht durch Elternwillen, sondern durch die professionelle Gnade unserer Grundschulkolleginnen, den Übertritt ans Gymnasium gestattet bekommen, nun potentiell jeden Tag, acht Jahre lang, darauf hin meinen prüfen zu müssen, ob sie noch weiterhin diese ‚vermeintliche‘ Bildung geniessen dürfen.
    Zuviel Bildung gibt es nicht. Oder?

    Der Selektionswahn an vielen Schulen, der nicht mit der Grundschule beendet ist, wird nirgendwo durch den aktuellen Lehrplan gedeckt, auch die bayerischen Verfassung spricht lediglich von der Förderung der Begabung.
    Falls wir dir, Herrn Rau, glauben, dann ist die Benotung per se eine objektive, folglich haben die Grundschulehrerinnen richtig erkannt, dass die Kinder die zu uns ans Gymnasium kommen, gymnasialfähig sind. Deshalb könnten wir uns sogar die weiter Benotung ersparen und unser Augenmerk nur noch auf die Bildung legen.
    Oder die Benotung ist nicht objektiv, folglich hat sich die Grundschullehrerin geirrt oder wir irren uns vielleicht, denn auch unsere Benotung ist dann nicht objektiv und und und … .

    Die Einfältigen leben vermutlich besser mit der Überzeugung, dass sie nicht irren können, aber die irre Überzeugung einer zehnköpfigen Fachschaft, sie wüssten es besser als der Kollege, die ist ebenso gewagt, wie die Behauptung, eine Klasse sei eben so leistungsschwach, dass regelmässig ein Notenschnitt von 5,… herauskommt und deshalb wären 20-60% dieser Schüler am Gymnasium von Anfang an falsch.

  22. Der von Lempel gesetzte Link erscheint bei mir unvollständig, deshalb hier noch einmal:
    http://www.np-coburg.de/regional/franken/schauplatzregionnp/GEW-sieht-keinen-Einzelfall;art83463,2710083

    Die Reaktion des bpv und Aussage von Schmidt senden ein katastrophales Signal an die Lehrerschaft, nämlich sinngemäß: „Wir stehen hinter jeder noch so absurden Entscheidung des KM. Schulleiter und KM sind unfehlbar, während ihr nicht genau genug arbeitet!“ War Schmidt bei diesem Aussetzer bestochen, bedroht oder besoffen? Ich würde mich gerne mit Grauen abwenden, wenn es irgendeine echte Alternative geben würde…

    Also ob 10 (!) Deutschlehrer, die aktiv im Dienst stehen und sich alle einig waren, ungenauer arbeiten würden als der Direktor, der seit 20 Jahren kein Abitur mehr korrigiert hat und der wohl nur stichprobenartig 4 Arbeiten durchgeschaut hat. Nach Schmidt´scher Logik, nach der ja die Genauigkeit von Instanz zu Instanz zunimmt, hat wohl der vom KM beauftragte Überprüfer dann seit 30 Jahren nicht mehr selbst korrigiert und max. eine halbe Arbeit durchgelesen…
    (Die Diskussion, ob Noten völlig exakt sind oder es nicht doch einmal Abweichungen von 1 Punkt nach oben oder unten geben kann, ist hier übrigens völlig fehl am Platz. Solche Abweichungen kann und wird es natürlich geben, würden sich aber meist herausmitteln. Hier sollten eher mal Anwälte prüfen, ob nicht Rechtsbruch, Rechtsbeugung o.ä. vorliegen…)

    Ich muss sagen, mit den andauernden Lehrplanänderungen, G8-Reförmchen, von oben gewollter Steigerung der Abiturientenquote gepaart mit solchen Nachrichten stellt sich bei mir langsam aber sicher ein fatales „Ist-mir-doch-eh-alles-Wurst-Gefühl“ ein. Warum sollte ich mich tagelang hinsetzen und gewissenhaft korrigieren, wenn dann alles mit einem Federstrich geändert werden kann? Warum sollte ich mir Gedanken über die Erfüllung des Lehrplans machen, wenn der sowieso alle 2 Jahre geändert wird und damit eine gewisse Beliebigkeit erfährt? Warum nicht einfach mit allen Schülern einen schönen Lenz machen und durchweg gute Noten verteilen? Dann ist man laut Elke T. „ziemlich ok und bei den Schülern sehr beliebt“, bekommt mit dem Direktor keinen Ärger, wird vom KM und bpv unterstützt und hat viel mehr Freizeit bei weniger Korrekturaufwand.
    Zum vermeintlichen Zirkelschluss, den Elke T. bzgl. der gymnasialen Eignung und Benotung anbringt: Natürlich kann sich eine Grundschullehrerin irren. Natürlich können sich 10 Deutschlehrer gleichzeitig irren. Natürlich kann es heute Nacht gewittern. Natürlich kann heute Nacht ein Meteorit auf die Erde herabstürzen und uns auslöschen. Die Frage ist nur, was ist wie wahrscheinlich? Und bin ich jetzt einfältig, wenn ich für übermorgen eine Grillfeier plane, ohne sämtliche Umlaufbahnen aller näheren Meteorite überprüft zu haben und einfach mal davon ausgehe, dass wir übermorgen noch existieren? Überdies eine 10-köpfige Fachschaft aus der Ferne quasi als irre zu bezeichnen, zeugt schon auch von einer besonderen Hybris.

    PS: Ich bin NICHT der Meinung, dass es ein zuviel an Bildung gibt, aber ich bin überzeugt, dass es unterschiedliche Begabungen, Interessen und Arbeitseinstellungen gibt und tatsächlich nicht jedes Kind auf dem Gymnasium glücklich werden kann.

  23. @Mela: Dass der Direktor nur vier Arbeiten angeschaut hat, stand so nicht in der Zeitung. Er hat angegeben, stichprobenhaft Arbeiten aus verschiedenen Notenbereichen angesehen zu haben. Macht sein Vorgehen aber nicht besser. Ich will das nur richtigstellen.

    Melas Beitrag spricht mir übrigens aus der Seele! Auch in mir macht sich das angesprochene Wurstigkeit-Gefühl breit. Warum sich noch Mühe machen? Unterrichtsqualität interessiert eh keinen. Solange du einen Schnitt von 3,0 und besser vorweisen kannst, wegen dir keiner durchfällt und du vielleicht noch ein bisschen heiße Luft produzierst (Stichwort Außenwirkung), wirst du von allen Seiten (Eltern, Schülern, Schulleitung, KM) Anerkennung erfahren. Ist doch klasse! Und für Hobbys und Familie bleibt doch auch gleich noch viel mehr Zeit übrig.
    Jetzt muss ich nur noch aus dem Philologenverband austreten (setze gleich den Brief auf, mein Kündigungsschreiben bekommt Herr Schmidt mit ein paar Ausführungen persönlich), dann bleibt am Monatsende sogar noch mehr netto vom brutto übrig. Hurra! Es kommen goldene Zeiten auf mich zu…

  24. Ich verstehe eure Empörung nicht, denn sie geht am Kern der Sache vorbei.

    Natürlich musst du deine Arbeiten ordentlich korrigieren, Mela, ebenso bist du verpflichtet einen ordentlichen und qualitativ hochwertigen Unterricht zu halten. Das nennt sich dann Fachkompetenz und Bildungsauftrag.

    Leider verwechselt ein Teil des Kollegiums das noch immer mit der Notengebungskompetenz.

    Als Beamtin bist du hier in der Pflicht und zusätzlich Weisungsgebunden. Der Lehrplan und die Notengrenzen, z.B. beim Übertritt und NC, sind politisch definiert. Auch die Länge der Schulzeit ist eine politische Entscheidung.

    Selbst die Naivsten im Kollegium sollten seit dem Abitur des ersten G8-Jahrganges wissen, dass die Notengebungskompetenz nicht bei uns liegt, sondern am Ende bei dem amtierenden KM.
    Kompetenz-Kompetenz heisst dieses Faktum so schön.

    Dass sich jedoch im einen Fall eine Fachschaft empört, dass Sie ihre subjektive Notengebung nicht durchziehen kann und im anderen Fall ganz selbstverständlich einem Kollegen vorschreiben möchte, wie er zu korrigieren hat, das erstaunt mich wirklich.

    Wer kompetent, qualitativ und begeisternd unterrichtet, dem ist die Vergabe schlechte Noten nicht so wichtig. Und als Disziplinierungsmittel oder gar Motivationsmethode sind Noten leider völlig ungeeignet, aber bei den Inkompetenten im Kollegium sehr beliebt.

    Wir stehen doch nicht in einem Aussortierungswettbewerb. Wir sollten möglichst viel Kinder zu kompetenten und mündigen Staatsbürgern bilden. Bei dem mangelnden Interesse an der NSA-Affaire, auch und gerade im Kollegium, habe ich daran grosse Zweifel.

  25. @Elke

    Die Fachschaft empört sich höchstwahrscheinlich nicht, weil sie schlechte Noten vergeben möchte, um Schüler zu disziplinieren oder motivieren. Das sind Abinoten. Die Schüler sind dann weg, und deren Disziplinierung und Motivation fürderhin nicht mehr Problem der Fachschaft.
    Was die Fachschaft ärgert, ist doch etwas ganz anderes: dass die Stunden über Stunden nach bestem Wissen und Gewissen x-Dutzende Schülerarbeiten gelesen, bewertet und benotet haben – und dann ihr selbstherrlicher, in der Sache wohl weniger kompetenter Chef ihre Arbeit mit einem Federstrich für ungültig erklärt.

    Übrigens würde ich bestreiten, dass Noten so schädlich und wenig aussagekräftig sind, wie Sie andeuten, und dass allein die Unterrichtsqualität reicht, alle Schüler zu motivieren und zur häuslichen Arbeit zu bewegen.

    Warum Notengebung und die Bildung von Kindern zu kompetenten und mündigen Staatsbürgern einander ausschließen, erschließt sich mir nicht. Um ein mündiger und kompetenter Staatsbürger zu sein, sollte man doch zumindest eine solide Allgemeinbildung und Methodenkenntnis mitbringen, als Basis für kritische Betrachtungen jeder Art.

  26. @Susann

    In den nordischen Ländern soll es bis zur 7. Klasse keine Noten geben. Es scheint also auch ohne zu gehen und nicht notwendig für eine wie auch immer geartete Motivation.

    Zwei Aussagen, die ich mir in diesem Zusammenhang zu Herzen genommen habe:

    Herr Rau sagt: „Folgendes gilt nur für Gymnasien in Bayern, bei allen anderen Schulen kenne ich mich nicht aus.

    Es gibt erstmal für kein Fach und – abgesehen von vom Abitur(!) – für keine Jahrgangsstufe irgendwelche Vorgaben und Vorschriften, was den Notenschlüssel betrifft. Das gilt für Mathematik ebenso wie für Englisch. Stattdessen legt jeder Lehrer den Notenschlüssel selbst fest. Das ist dem Kultusministerium sogar so wichtig, dass es in einem Schreiben an die Lehrer betont hat, dass man sich an fest ausgemachte Notenschlüssel nicht halten muss, und seien sie auch von der Fachlehrerkonferenz an der Schule festgelegt.
    Denn üblicherweise einigen sich die Fachlehrer (zum Beispiel in Mathematik, Englisch, Französisch) tatsächlich auf einen Richtwert. Das ist aber wirklich nur ein Richtwert. In Englisch gilt in der Unterstufe und im Großteil der Mittelstufe am häufigsten die Faustregel, dass man mit 60% der Punkte gerade noch eine 4 erhält. Das ist aber nur eine Faustregel.“

    Meine solide Allgemeinbildung und meine Methodenkenntnis, die ich als Basis mitbringen, für eine kritische Betrachtungen der Notengebung, orientiert sich an Informationen wie diesen:

    Sind Jungs dümmer als Mädchen?

    „-Sind die Jungs dümmer als Mädchen, bekommen sie zu Recht schlechtere Noten in der Schule, bleiben häufiger sitzen, machen seltener das Abitur? . Mädchen erhalten demnach im Schnitt bessere Schulnoten als Jungs (2,58 versus 2,67) – obwohl sie in standardisierten Leistungstests sogar schlechter abschneiden. Und auch Helbig weiß, dass Mädchen bessere Noten bekommen – „selbst in den Fächern, in denen sie im Durchschnitt geringere Kompetenzen haben als Jungen, zum Beispiel in Mathematik“.-“

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/geschlechterrollen-in-der-schule-faul-fahrig-junge-12145909.html

  27. Cato soll ja am Ende seiner Reden immer wieder auf das zu zerstörende Karthago zurückgekommen sein. Bei dir, Elke T., scheinen es die Noten zu sein, die zerstört werden sollen – unabhängig vom Thema. Unsere Empörung geht vielleicht an dem Kern *deiner* Sache vorbei, aber unsere Sache ist eine andere.

  28. Liebe Elke T., ich wär sehr interessiert an einer belastbaren Quelle zu dieser Aussage:

    “ …Das ist dem Kultusministerium sogar so wichtig, dass es in einem Schreiben an die Lehrer betont hat, dass man sich an fest ausgemachte Notenschlüssel nicht halten muss, und seien sie auch von der Fachlehrerkonferenz an der Schule festgelegt.“

  29. Da hat Elke T. mich zitiert, in einem alten Blogeintrag hier. Die Quelle steht möglicherweise dort, irgendein KMS, ich müsste es heraussuchen. Grundsätzlich sind Fachschaftsbeschlüsse ohnehin nicht bindend, anders als Anweisungen der Schulleitung, und die natürlich auch nicht immer.

  30. @Elke

    Bis zur 7. Kl. haben wir hier auch nicht die großen Motivationsprobleme, denke ich. Die Mittelstufe ist das große Thema, aber auch Schüler der Oberstufe, die noch immer nicht wissen, was sie eigentlich an der Schule sollen.
    Bei einem Besuch einer Oberschule in Finnland haben Schüler übrigens erzählt, dass es a) selbstverständlich Noten gibt, b) Frontalunterricht die Norm ist und c) sie ganz selbstverständlich ganz schön viel lernen müssen.

    Wo wir uns einig sind – ich halte es mit Malik, der meint, motivieren kann sich ein Mensch längerfristig nur selbst. Wenn es einem Menschen wichtig ist, wird er sich in Bio anstrengen. Wenn nicht, dann nicht. Wenn der Lehrer eine volle Entertainmentshow abzieht, wird er sich die vielleicht mit einem gewissen Interesse ansehen, aber wird er sich danach hinsetzen und die boring facts lernen? So ganz ohne Druck? Für ein Fach, das ihn nicht interessiert? Ich muss gestehen, der einzige Grund, warum ich Latein gelernt habe, war der enorme Stress, den die Lehrerin gemacht hat, wenn man bei der Ausfrage nichts wusste. Den wollte man in meiner Klasse einfach vermeiden, und so haben die meisten doch etwas gelernt. Aber aus Interesse, Liebe zur Lehrkraft, dem Humboldtschen Bildungsideal? Eher nicht…knapp vor dem Abi merkte auch der letzte Schüler, dass es jetzt um den Persilschein ging, konnte sich plötzlich selbst motivieren und tat sein Möglichstes, um das Gymnasium doch noch zu schaffen. Natürlich ist das anecdotal evidence, aber zumindest in meiner Schulklasse wurde hauptsächlich gelernt, weil es Notendruck gab und Stress, wenn die Noten nicht ein bestimmtes Niveau hatten.
    Und aus den Mitschülerin ist übrigens auch was geworden, trotz des Notendrucks. :-)

  31. So, nachdem das KuMi die Sache wohl schon längst abgehakt hatte, hat sich in der Sache doch noch was bewegt. Der Schulleiter hat wegen Falschbeurkundung im Amt einen Strafbefehl über 90 Tagessätze bekommen, den er aber wohl nicht annehmen will. Er lässt es tatsächlich auf eine Verhandlung ankommen.
    http://www.br.de/nachrichten/oberfranken/coburg-abi-schummelvorwuerfe-100.html
    http://www.infranken.de/regional/coburg/Coburger-Casimirianums-Spachmann-erhaelt-Strafbefehl;art214,641091
    Als Deutschlehrer empfinde ich ein klein wenig Erleichterung, bin aber deprimiert, dass nur eine anonyme Anzeige das Verfahren in Gang gehalten hat.

  32. An dem ganzen Fall finde ich besonders – sagen wir mal „befremdlich“, dass der besagte Schulleiter wohl immer noch die Deutschlehrer beurteilt, die mittlerweile in zwei Gerichtsverfahren „gegen“ ihn ausgesagt haben. Hätte ich mir vorher auch nie vorstellen können, dass das möglich ist.

  33. … und am Ende wurde Karthago dann auch zerstört! :)

    Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, dass eine Fachschaft eine Kollegin wegen, in den Augen der Fachschaft, zu guter Noten, zur Nachkorrektur gezwungen hätte und es in diesem Fall keinen empörten Aufschrei der Kollegen gab, bis auf sehr wenige Ausnahmen, dann könnte ich über eure Empörung müde lächelnd hinweg gehen, aber unter diesen Umständen halte ich es dann doch lieber wie Cato und sage: Noten sind weder objektiv, noch vergleichbar, noch aussagekräftig. Auch wenn der „Kern“ eurer Sache ein anderer sein sollte.

    @susann
    Dieser Brief einer Mutter an den Lehrer ihres pubertierenden Sohnes, sagt mehr über die Motivation zur Selbstmotivation im schulischen Kontext aus, als die meisten Studien, die trocken ähnliches konstatieren:

    Lieber Herr Röhrs,

    Warum ich Ihnen nun aber schreiben wollte, hat einen ganz simplen Grund: Ich möchte mich bei Ihnen bedanken.
    Ich verehre und bewundere Sie!

    Und ein wenig bin ich traurig, dass ich nicht Sie in der Schule hatte, sondern diesen Besen. Was hätte alles aus mir werden können, wenn nicht …

    http://nikolahotel.com/lieber-herr-roers/

    (Und selbst aus dieser Mutter ist etwas geworden, aber mit Herrn Röhrs als Motivatior
    was wäre wohl aus ihr geworden? Und sie wäre vermutlich gerne in die Schule gegangen. Ach was sage ich, Generationen von SuS wären gerne zur Schule gegangen und vielleicht würden so auch weniger unserer KollegInnen krank werden und dadurch müssten wir weniger Vertretungsstunden halten und wären selbst entspannter und unser eigener Unterricht würde entspannter und wir könnten unsere Schüler besser motivieren oder zumindest mehr interessieren und unsere Schulen würden plötzlich zu einem freundlichen und freudig angenommen Abschnitt unserer Lebenszeit.)

  34. Lempel, was denkst du?

    Für mich gilt, gerade bei Noten: Im Zweifel für die SuS.
    Ich halte Noten für überbewertet.
    Hätte er die Noten verschlechtert, dann hätte ich mich deinem Protest angeschlossen. :)

    Ich halte es für sinnvoller, den Schulalltag für unsere SuS zu verbessern, z.B. aktuelle Erkenntnisse umzusetzen, als über bessere Noten zu jammern:
    Unterrichtsbeginn: Warum Schule und Schlafrhythmus kollidieren
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/schule-frueher-unterrichtsbeginn-stoert-schlafrhythmus-a-1001597.html

  35. @Elke:
    es gibt doch wahrscheinlich in allen Kollegien Bayerns Diskussionen über eine sinnvolle Notengebung. Da prallen überall unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, was streng genug und was einfühlsam und nachsichtig genug ist. Über ganz viele fachspezifische und überfachliche Aspekte kann und soll man diskutieren. Immerzu. Und hellhörig werden bei allen, die absolut klar sehen, wie Noten zu geben sind. Also Casi ist in diesem Punkt doch überall.

    Aber: stehen denn in allen Schulen Bayerns Kollegen wegen einer von irgendeiner Norm abweichenden Notengebung vor Gericht? Nein. Weil der Fall Spachmann eher wenig mit deinem Herzensanliegen zu tun hat, sondern vielmehr mit dem sehr schrägen Rollenverständnis eines Schulleiters.
    Ich find es gelinde gesagt äußerst befremdlich, wenn DIESES Vorgehen eines Schulleiters geduldet würde, nur weil die Tendenz seines Eingriffs in die eigene bildungspolitische Agenda passt.

  36. Steff, mir erscheint dieses Denken in Verwaltungsakten sehr merkwürdig. Zumal vor dem Hintergrund der ersten bayernweiten G8 Noten-Korrektur, nach oben, durch den/das KuMi.

    Dass wir es sehr oft mit sehr schrägen Rollenverständnissen der Leitungseben zu tun haben, das ist eine traurige Tatsache. Manche im Kollegium stehen diesen jedoch in nichts nach.

    Dass leider noch keine Fachschaft von betroffenen Kollegen vor ein Gericht gezerrt wurde, die vielfach schon ein ähnliches Verhalten wie dieser Schulleiter gezeigt haben, bedauere ich vor diesem Hintergrund gerade sehr.

    Um die Leistung der SuS geht es in dieser Diskussion leider nicht, sondern um die Egoismen der beteiligten Parteien. Mich macht das traurig.

  37. Die Gutachter in dem Verfahren haben festgestellt, dass die Deutschlehrer weder willkürlich noch fachlich falsch korrigiert haben. Hinsichtlich der Notengebung selbst waren sie der Auffassung, dass sie bei den Noten im unteren Bereich etwas besser bewertet hätten, die im oberen Bereich aber von den Gutachtern sogar strenger benotet worden wären! Das liege aber alles im üblichen Ermessensspielraum.
    Aber: Die Deutschkollegen wurden von ihrem Schulleiter massiv unter Druck gesetzt. Sein Verhalten hat sich sogar strafverschärfend auf das Urteil ausgewirkt.
    Dass Sie vor diesem Hintergrund den Kollegen Egoismus vorwerfen, macht MICH traurig.

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