Was ich mir wünsche: Youtube für Unterrichtsmaterial

Kurze Fortsetzung von vor ein paar Tagen, ich will das nur an auch für mich prominentere Stelle rücken, damit ich das nicht aus den Augen verliere. Kurz nochmal Lisa Rosas Kommentar zitiert:

ich stelle mir neben der Sammlung von Mengen von Unterrichtsmaterial und dessen Sortierung mittels Taggen und Bewerten durch die User noch was anderes vor: Eine Art Experimentierwerkstatt, wo man gemeinsame Unterrichtsentwürfe machen kann, die dann ausprobiert und die Erfahrungen wieder zurück in die Werkstatt trägt – zu ausgewählten Gegenständen, die sich als zu sperrig erweisen für die bisherige traditionelle Vermittlung durch Instruktionslernen. Man könnte einfach neue Zugänge und Methoden testen und Ergebnisse erörtertern und optimieren. Eben das, was mit den Kollegen vor Ort und f2f aus vielen verschiedenen Gründen häufig eben nicht geht

Da will ich letztlich auch hin. Für mich sieht der Weg so aus: Ich habe eine nette, unspektakuläre Idee für etwas, das ich im Unterricht machen kann. Zum Beispiel das Erstellen von interpretierenden Pulp-Titelbildern zu Literaturklassikern (so wie hier bei Slate). In Kunst, Informatik oder Literatur. Ich würde mir Gedanken machen, wie man das einsetzen könnte, auch zur anschließenden Versprachlichung der Ergebnisse – und normalerweise würde ich das dann hier bloggen oder, traditioneller, in einer Fachzeitschrift veröffentlichen.

Ich wünsche mir jetzt einen Ort, wo ich meine Idee hochladen kann, wo ich und andere Leute diese Idee taggen, so dass sie gefunden wird. Dann wird sie vielleicht ausprobiert, es gibt Rückmeldungen dazu in Form einer Bewertung, weiterer tags oder gar Kommentaren und Erfahrungsberichten. Dafür ist ein Blog nicht geeignet, das bringt auch auf Ideen, aber unstrukturiert, und lädt nicht in dieser Form zu einer Gemeinschaftsarbeit ein.

Ein offensichtliches Problem ist das Urheberrecht, das gerade bei modernen Texten das Zusammenarbeiten erschwert. Ein weiteres Problem ensteht, wenn mehrere Leute sehr ähnliche Ideen einstellen – da wäre es besser, man könnte die Ideen zusammenführen. Das geht in einem Wiki-artigen Zusammenhang besser.

Statt Youtube ist vielleicht sourceforge.net als Zusammenarbeitsform das bessere Modell. Aber das ist nicht so bekannt und nicht so griffig als Vorbild.

Update Mai 2009: Facebook für Englischlehrer?

27 Antworten auf „Was ich mir wünsche: Youtube für Unterrichtsmaterial“

  1. > Statt Youtube ist vielleicht sourceforge.net als Zusammenarbeitsform das bessere Modell.

    Verstehe ich nicht. „SourceForge.net is the world’s largest Open Source software development web site.“ Was haben deine Unterrichtsideen mit Software zu tun?

  2. Eigentlich ist das die Aufgabe eines deutschen Bildungsservers: Seien es Metadaten (hierarchisches Modell) oder die räumliche Verschlagwortung in Tagclouds erfassen um so bereitgestellte Unterrichtsmaterialien, Video-on-demand-Angebote, Lernobjekte unter einen Hut zu bringen. Die Tiroler haben hier vor Jahren Standards entwickelt in der „Contake“ – sowas sehe ich in Deutschland noch nirgends in Sicht. Mal das „Melt“-Projekt abwarten, wobei EU-Projekte…naja lassen wir das.
    Ich träume von einer Seite, die sehr einfach ist: Sie enthält ein Suchfenster und einen Button „Durchsuche“…

  3. @Jochen: Damit es dereinst heißen kann:
    “LessonForge.net is the world’s largest Open Source teaching development web site: What and How and Wherefore – teaching materials, teaching methods and teaching philosophies in the making”
    Die Domain scheint übrigens frei zu sein. ;-)

  4. LessonForge: Jawoll!

    Sourceforge (Wikipedia) ist eine Softtware zur kollaborativen Softwareentwicklung, die auf der Seite sourceforge.net genutzt wird. Dort sind viele Softwareprojekte in unterschiedlichen Entwicklungszuständen versammelt, hier etwa Audacity. Das ganze sieht bei jedem Projekt einheitlich, aber eher technisch aus; für viele Projekte gibt es parallel dazu auch einladendere Seiten.
    Bei vielen Open-Source-Projekte gelingt ja das Zusammarbeiten örtlicher getrennter Personen an einem gemeinsamen Projekt, und eine geeignete Infrastruktur hilft dabei.

    Weiterer Vorschlag zur Konkretisierung: Tafelbilder. Manche Tafelbilder hebe ich auf – als Bilddatei, erzeugt mit einer Art Mindmap-Programm. (CmapTools – ein richtig geeignetes Programm oder gar ein verbreiteter Standard fehlen mir allerdings noch.) Die Bilder baue ich sehr gelegentlich hier ins Blog ein, wo sie vielleicht gar nicht als potentielle Tafelbilder erkannt werden und sicher nicht einfach zu finden sind.
    An sich sind Tafelbilder eine meiner Schwächen als Lehrer; ich halte zu wenig an der Tafel fest. Von einem Flickr mit Tafelbildern würde ich profitieren und da auch mitmachen.

    (Danke für die Links und Hinweise, ich komme in ein paar Tagen dazu, ihnen zu folgen.)

  5. Ein Beispiel, wie so etwas aussehen könnte, obwohl ich mich nicht auf Flickr festlegen muss: eine Flickr-Gruppe „Tafelbilder“. Anscheinend kann man die Bilder im Pool nur sehen, wenn man der Gruppe beigetreten ist, was aber jeder kann.

    Wer will, kann die Tafelbilder auch erst einmal über meinen eigenen Flickr-Account anschauen. Zusammen mit den drei Fotos, die ich vor Jahren mal eingestellt habe.

  6. würde sich da nicht eine Zusammenarbeit mit einer Universität anbieten? Medienbildner und Pädagogen sind für sowas eigentlich immer zu haben.

    Ich finde die Idee eigentlich ziemlich gut und glaube, dass die technische Seite der Lösung da nicht so schwer zu realisieren ist.

  7. Prima Sache, die Flickr-Gruppe. Da mache ich mit, wenn auch meine Tafelbilder selten geplant und häufig krakelig sind (Linkshänder ;-)).

  8. Mir fällt beim Lesen das ZUM-Wiki ein. Wäre das nicht etwas in die genannte Richtung.

  9. Ich habe mir die Tafelbilder bei Flickr mal angesehen und finde die Idee grundsätzlich gut. Aller dings könnte ich mir vorstellen, dass das bei vielen Bildern relativ unübersichtlich wird. Die Tags sind nämlich erst dann sichtbar, wenn ich ein Bild angeklickt habe. Natürlich könnte man auch den Tag direkt suchen, ich bekomme beim Tag „Shakespeare“ aber immerhin 30.116 Treffer.

  10. Das ist allerdings ein echtes Problem. Ich kenne mich mich Flickr nicht gut aus, will aber schauen, ob man das ändern kann – das ist schließlich ein Ausschlusskritierium.

    Flickr muss auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ein Wiki hat auch Vorteile, aber da sind die Hemmschwelle und der Aufwand um ein noch so kleines weniges größer. Und ich denke, man muss es uns Lehrern schon sehr leicht machen, wenn wir mitmachen sollen.
    Eine Alternative wäre vielleicht auch ipernity – „Share whatever you want with whoever you want“, zu dem viele Leute umgezogen sind, als Flickr in der Bloggosphäre an Beliebtheit verlor.

    Am liebsten wäe mir ein XML-Standard für Unterrichtsmaterial, mit tags und abstract. Keine Ahnung, ob RSS da ausreicht. Das ist aber schon wieder mehr Aufwand für Teilnehmer.

  11. Ich frage mich, ob ein Blog/Wiki mit den entsprechenden Plugins nicht doch ausreicht. Was bräuchte man denn?

    Speicherplatz zum Dateiupload (wird sicher mit der Zeit ein Problem)
    einfache Navigation (Kategorien und Tags zB)
    Möglichkeit der Diskussion mit anderen Mitglieder (halbwegs „geschlossene“ Benutzergruppe sollte das schon sein)
    einfacher Upload/einfache Bedienung (kurze Klickwege usw.)

    an Flickr stört mich persönlich, dass es zwischenzeitlich ziemlich unübersichtlich ist. Das ipernity hab ich mir noch nicht angeguckt. Aber an sich ist es in den Standard Blog/Wiki/CM Systemen kein großes Problem Dateien (Bilder, Dokumente usw.) einzubinden, einzig die Konzeption muss stehen. Und der Speicherplatz muss da sein, was wahrscheinlich ein Problem werden wird.

    Was wird denn so als Hemmschwelle angesehen bei der Benutzung eines Systems? Also ich persönlich will mich nicht ständig bei irgendwas neuem anmelden. Bei Wiki-Systemen stört mich, dass es meistens kein WYSIWYG ist, sondern man einen neuen Formatierungscode lernen muss. Ist die Seite dann auch noch von der Navigation her unübersichtlich, dann wird sie wahrscheinlich nie mehr besucht.

  12. Ich denke auch, dass ein Blog ausreicht. WP unterstützt jetzt Tags, eine einfache Anmeldung zum Schreiben ist leicht hinzubekommen und die Kommentarfunktion ist auch da. RSS geht ebenfalls. Die Einrichtung ist schnell erledigt (wenn man auf ein Standarttheme zurück greift). Im Grunde müsste man nur überlegen, wo man das hostet und wie man das bezahlt.
    Ich sehe „nur“ ein Problem: was geschieht, wenn urheberrechtlich geschütztes Material hochgeladen wird. Wenn man mit Flickr o.ä. arbeitet, ist das zunächst mal deren Problem, hier wäre das anders gelagert. Dennoch biete ich meine Mitarbeit an.

  13. Man könnte es einfach mal ausprobieren. Kollaborative Fotoblogs gibt es einige, zum Beispiel: Mach doch mal was mit Tieren. Es bräuchte Bewertungs- und Verschlagwortungsplugins, die gibt es sicher. Letztlich kann man WordPress nehmen oder Drupal oder ein Wiki.

    Speicherplatz, Kosten, Urheberrecht, Hackerschutz: Bei Flickr ein geringes Problem, bei eigenem Server sicher auch lösbar. Ich will mich nicht vordrängen, könnte aber sicher ein WordPress-Fotoblog einrichten um das auszuprobieren. Aber wenn mir jemand anderes zuvorkommt, habe ich auch nichts dagegen. Und wenn jemand anderes ein Wiki anbietet, mache ich sicher auch mit. Ein Wiki ist gut für Text, aber typischerweise etwas umständlicher bei Bildern. Andererseits gilt das für WordPress vielleicht auch.
    Blogsoftware hätte den Vorteil, dass man da viel mehr konfigurieren kann als bei Flickr. Kennt jemand ein gutes Bewertungsplugin für WordPress?

    Ich denke, bei Flickr oder einem anderen professionell-kommerziellen Anbieter meldet man sich leichter an oder hat eh einen Account als bei WordPress. Ich gestehe: Bei allen WordPress-Installationen, bei denen ich mich zum Kommentieren erst anmelden muss, lasse ich das sein.

  14. Webspace/Datenbank hab ich leider nicht mehr zur Verfügung, ansonsten würde ich den auch (erstmal) stellen.

    Zu den Plugins: Es gibt den WP-Vault als Plugin um vereinfacht Dateien hochzuladen, weiß allerdings nicht wie gut/schlecht das Plugin ist.

    Bewertung würde mir Rate-It http://wordpress.org/extend/plugins/rate-it/
    oder Rate-Anything einfallen http://wordpress.org/extend/plugins/rate-anything/#post-252

    beides zwar schonmal runtergeladen aber noch nicht installiert.

  15. Auch auf die Gefahr, dass ich mich jetzt unbeliebt mache: ich habe gute Erfahrungen mit LiveWriter von MS gemacht. Bilder kann ich wie in Word einfügen, Text und Überschrift dazu, am Ende noch meine Tags eingeben und evtl. eine Kategorie – abschicken – fertig.
    Zum Anmelden: die Kommentierung kann man ja ohne Anmeldung laufen lassen, ein PW wäre nur nötig, wenn man Inhalte einstellt.

  16. Livewriter und WordPress (und andere) sind kompatibel, habe noch nie damit gearbeitet.
    Ein Problem bei P2P ist, dass man dazu einen Client installieren muss – und das ist schon wieder ein bisschen Mehraufwand, der das Mitmachen erleichtert.

    Blogs haben den Nachteil, erst einmal linear strukturiert zu sein, was für so ein Projekt nicht sinnvoll ist. Allerdings lässt sich das durch geeignete Verzeichnisstruktur umgehen.

    Weitere kleine Frage: Ob Blog oder Wiki, unter welcher Lizenz sollten die Tafelbilder stehen? Bei Flickr kann das jeder Einsteller selbst entscheiden, bei WordPress köntne man das auch individualisieren – aber schon wieder durch ein bisschen mehr Aufwand. Wäre eine einheitliche Creative-Commons-Lizenz fürs ganze Blog/Wiki sinnvoller?

  17. also an sich wäre eine einheitliche Lizenz doch einfacher und auch irgendwie sinniger. So eine Plattform würde ja vom gegenseitigen Geben und Nehmen leben. Wenn dann gleiche Rechte für alle gelten, dann würde ich persönlich das besser finden. So weiß jeder gleich auf was er sich einlässt.

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