VERA 8 (2014)

“Wie soll ich das meinen Eltern erklären? Das verstehe ich doch selbst nicht.”

Die Ergebnisse für VERA 8 2014 sind heraus, zumindest in Bayern. Die Schüler kriegen dabei eine Rückmeldung, auf welcher von 5 Kompetenzsstufen sie in den getesteten Bereichen “Deutsch-Sprachgebrauch” und “Deutsch-Leseverstehen” sie sich jeweils befinden. Auf dem auszudruckenden Blatt kriegen sie jeweils eine “Beschreibung der Kompetenzstufen”. Darin geht es um: “Morphologie, Morphosyntax, prozedurales Wissen, Kasusmorphem”, und das nur auf Stufe 1. Später kommen “deklaratives Wissen, basale Wortarten, semantische Beziehungen” hinzu, wird “expliziert oder reflektiert”.

Es wäre schön gewesen, auf den Schülerrückmeldungen verständlichere Formulierungen zu verwenden. So haben halt vor allem Schulen und das Unterrichtsministerium etwas davon.

Neugierige Schüler wollten gleich wissen, wie der Test in anderen Bundesländern ausgefallen ist. Wir haben den Test ja auch mit dem Hinweis schmackhaft gemacht, dass der Test in fast allen Bundesländern gleichzeitig geschrieben und ganz spannend und wichtig ist. Ich weiß aber nicht, ob geplant ist, die Ergebnisse der Länder öffentlich zu machen.

13 Antworten auf „VERA 8 (2014)“

  1. Lieber Herr Rau,
    Sie sollten mal den Veratest Deutsch 8 für die Mittelschulen anschauen. Der ist die Höhe! Einige Schulen wollten ihn nicht schreiben, weil viel zu schwer und die Texte viel zu umfangreich und weltfremd und Fehler drin!
    Telefonate mit KM und ISB brachten gar nichts, weil die verantwortlichen Leute keine Ahnung hatten und den Test gar nicht kannten (oder zumindest so taten).
    “Sie haben den Test zu schreiben. Er wurde vor einem Jahr pilotiert und da gabes keine Beschwerden.”

  2. Hi,
    jedes Bundesland organisiert sich VERA nach eigenem Gusto.
    Denn VERA ist von der Idee und der Anlage her ein Instrument für die schulinterne Auswertung (zumindest in der deutlichen Mehrzahl aller Länder wird das so gesehen). Externes Instrument, interne Auswertung und Reflektion über die Ergebnisse. Daher gibt es keine bundesweiten Auswertungen oder Vergleiche. Zumal die Auswertung durch die Lehrer selbst für einige Verzerrungen sorgen dürfte.
    leider gibt es immer noch (zu) wenig Austausch zwischen den organisierenden Einrichtungen (Unterrichtsministerien) und Schulen. Soll heißen, die Schülerrückmeldungsentwickler brauchen konstruktives Feedback, was sie besser machen können! DA müssen wir ran.

  3. > weil viel zu schwer und die Texte viel zu umfangreich und weltfremd und Fehler drin!

    Fehler in den Aufgaben sind kein bug, sondern ein feature: Die führen zur Bewertung der Aufgaben in der Pilotierung als schwere Aufgaben. Mit dem Testheft fürs Gymnasium war ich aber diesmal zufrieden.

    > VERA ist von der Idee und der Anlage her ein Instrument für die schulinterne Auswertung (zumindest in der deutlichen Mehrzahl aller Länder wird das so gesehen)

    Von wem genau wird das so gesehen? Von den Schulen eher nicht, behaupte ich mal, die sehen VERA kaum als Dienstleistung für sich. Gibt es denn Rückmeldungen, wie Schulen mit den VERA-Ergebnissen umgehen?

    Technisch könnte man mit geringen Problemen die Länderergebnisse veröffentlichen, und also vergleichen. Meinst du, die Auswertung durch die Lehrer selber wäre weniger neutral, wenn die Ergebnisse öffentlich würden? Da mag etwas dran sein. Aber der Hauptgrund ist doch, dass die Länder sich nicht öffentlich miteinander vergleichen möchten, weil das nur wieder Ärger gibt. Vielleicht ist das ja auch klug.

  4. Hallo Thomas,

    nein, Fehler werden nicht absichtlich eingebaut, schwere Aufgaben sollten durch die Konstruktion der Aufgabe schwer werden. (FYI zum bug, was du sicher kennst: http://www.gi.de/fileadmin/redaktion/Download/Grace-Hopper-2012-gro%C3%9F.pdf)

    Dass die Veröffentlichung der Landesergebnisse und das Zusammentragen technisch einfach möglich wäre bezweifle ich nicht. Allein: es ist nicht gewünscht, weil VERA kein Systemmonitoring ist und die Länder selbst die Durchführung regeln. Für diesen bundesweiten Blick gibt es den “Ländervergleich” (https://www.iqb.hu-berlin.de/laendervergleich), der mit Stichproben und Testleitern durchgeführt wird. Testleiter bewerten anders als Lehrer und werden für solche Auswertungen speziell geschult. Bei VERA ist Korrektur, Auswertung und Nachbesprechung der Ergebnisse in erster Linie eben Schulsache.
    Die KMK schreibt hier dazu:
    http://www.kmk.org/bildung-schule/qualitaetssicherung-in-schulen/bildungsmonitoring/vergleichsarbeiten/faq.html (Aber was die KMK sagt, wie die Ministerien und Schulaufsichten das vermitteln und wie Lehrer das verstehen und interpretieren, sind mind. vier unterschiedliche Seiten des Gegenstands.)

    “Entwicklungskreislauf” ist in diesem Text Blabla, aber es gibt Studien, die zeigen, dass Schulen, die in VERA 8 gut (“relativ zum Landesschnitt”) abschneiden, auch in den Zentralen Abschlüssen gut abschneiden. Soll heißen: VERA ist früher Einblick in den Leistungsstand der Schule im bundeslandweiten Bezugsrahmen. (und aus diesem Rahmen mit seinen Ansprüchen in Form der Zentralen Prüfungen kommt man ja erstmal nicht raus.)

  5. Wenn:
    > Bei VERA ist Korrektur, Auswertung und Nachbesprechung der Ergebnisse in erster Linie eben Schulsache.
    und:
    > … es gibt Studien, die zeigen, dass Schulen, die in VERA 8 gut (“relativ zum Landesschnitt”) abschneiden, auch in den Zentralen Abschlüssen gut abschneiden. Soll heißen: VERA ist früher Einblick in den Leistungsstand der Schule im bundeslandweiten Bezugsrahmen.

    Dann: Könnte es nicht einfach sein, dass die “besseren” Schulen einfach “besser” bewerten? Sowohl bei Vera, als auch in den Zentralen Abschlüssen und der Leistungsstand lediglich das allgemeine Korrekturverhalten der Schulen abbildet? Für meine Schule vermute ich mehr diese Interpretation.

    Was bringen uns diese Testmarathons, ausser unnützem Aufwand, wirklich? Welche Selbst-/Erkenntnisse?

  6. Verzeihung, Timo, ich meinte keinesfalls, dass Fehler absichtlich eingebaut würden, das wäre absurd. Und ich bin diesmal auch mit den Aufgaben, die ich kenne zufrieden. Aber ich weiß auch, dass nachträglich gefundene Fehler nicht mehr so einfach ausgebessert werden können, eben wegen der Pilotierung.

    >Soll heißen: VERA ist früher Einblick in den Leistungsstand der Schule im bundeslandweiten Bezugsrahmen.

    Ja. Und meine Frage eben: Hat man eine Ahnung, wie Schulen mit diesem Einblick umgehen? Ich habe da ziemlich nüchterne Vorstellungen.
    Andererseits weiß ich, dass durchaus interessante Auswertungen erstellt, aber nicht veröffentlicht werden.

    Anders als Ralf glaube ich aber schon, dass die Schulen im Großen und Ganzen recht neutral bewerten. Dass es Ausnahmen gibt: Keine Frage; wenn es Schulen gibt, bei denen der Schulleiter die Deutsch-Abinoten eigenmächtig nach oben setzte, kann ich eine gewisse Skepsis nicht leugnen.

    Dieses Jahr habe ich mich über die Aufgaben gefreut: Das war eher Abwechslung als Stress für die Schüler, und hat mich einen langen Vormittag Korrektur gekostet. Machbar.

  7. Mit den Noten ist es wie mit der Homöopathie, pflegte einer unserer Dozenten in Kognitionspsychologie zu referieren. Wer daran glaubt, dem hilft es. Vielleicht. Nur ein kleiner Teil der Menschheit benötigt Noten als Korsett zur Lebensbewältigung. Den grössten Teil der Menschheit behindern Noten in ihrer Lebensbewältigung.
    Black-Box-Systeme wie VERA sind bestenfalls unschädliches Zeittotschlagen, im schlimmsten Fall unnötig stresssteigernd.
    VERA ist für mich eine Trockenübung für die Bürokratie und ein sinnloser Zeitdiebstahl, wenn ich damit keinen Mehrwert erziele.

  8. Angesichts des Wunsches von Schülern, Eltern und Lehrern nach Noten sei die Ansicht eines Dozenten der Kognitionspsychologie zur Kenntnis genommen.
    Bei VERA gibt’s ja nicht mal Noten, sondern notenlose Rückmeldung. Auch nicht recht? Auch nicht recht.

  9. @Ralf

    Applaus für die Formulierung und begeisterte Zustimmung.
    Vera in der derzeitigen Form brauchen wir wie einen Kropf.

  10. @Thomas
    >Angesichts des Wunsches von Schülern, Eltern und Lehrern nach Noten
    Diese Aussage ist nicht ganz richtig. Besser würde man so formulieren:
    Angesichts des Wunsches von Schülern und Eltern nach guten Noten und der Lehrer, Noten nur selbst zu vergeben, die eigene Leistungsbewertung (siehe PISA) jedoch als “mangelhaft” oder “unvergleichbar” abzulehnen, …

    Wenn:
    >Darin geht es um: “Morphologie, Morphosyntax, prozedurales Wissen, Kasusmorphem”, und das nur auf Stufe 1. Später kommen “deklaratives Wissen, basale Wortarten, semantische Beziehungen” hinzu, wird “expliziert oder reflektiert”.
    Dann:
    >Bei VERA gibt’s ja nicht mal Noten, sondern notenlose Rückmeldung. Auch nicht recht? Auch nicht recht.
    Nein! Denn hirnlose Rückmeldungsformulierungen bringen keinen Mehrwert, verunsichern Schüler und Eltern und bringen keine nachvollziehbar bessere Schulqualität.

    @Susann

    Danke für die Blumen.
    Wir diskutieren gerade SEPP 7–9 (Schule entwickelt pubertäre Potentiale) als Ergänzung zur VERA 8.

  11. >Diese Aussage ist nicht ganz richtig.

    Doch. Für den eigenen Schüler wollen Eltern gute Noten, richtig, aber das ist eine ganz andere Frage. Fragt man generell, ob man ohne oder mit Noten arbeiten soll, spricht sich die Mehrheit für Noten aus. Da zieht dann allenfalls das Argument mit der Gehirnwäsche.

    >Nein! Denn hirnlose Rückmeldungsformulierungen bringen keinen Mehrwert,

    Dem Lehrer eventuell schon. Wer VERA für überflüssig hält (eine durchaus haltbare Position), muss auf eines der folgenden Argumente zurückgreifen:
    1) VERA misst nichts, was interessant ist.
    2) VERA misst nicht das, was es zu messen vorgibt.

    Punkt 2) ist denkbar, dazu kenne ich mich testtheroetisch zu wenig aus. VERA macht Aussagen über Sprach- und Lesekompetenz und überraschende Abweichungen nach oben oder unten bei bestimmten Inhalten. Ich gehe mal davon aus, dass die stimmen, aber da ist viel Vertrauenssache dabei.
    Bei Punkt 1) müsste man sagen, dass es a) egal ist, wie das Lese-/Sprachvermögen ist, oder dass die Schüler in Grammatik gut sind, nur bei Relativsätzen nicht – weil man sich im Unterricht eh um anderes kümmert oder nicht die Möglichkeiten hat, darauf einzugehen, oder b) dass man das alles auch ohne diesen Test im Gefühl hat.

    Welche der Möglichkeiten ist es denn? 1b) ist sicher das schwächste, aber der am leichtesten zu überprüfende: Einfach beim nächsten Mal vorhersagen, wie die Klasse ist, und vergleichen.

  12. >…richtig, aber das ist eine ganz andere Frage.
    Alles ist eine andere Frage, bzw. ein andere Fragestellung. Und so können wir bis in alle Ewigkeit die ideale Frage, z.B. auf die Antwort 42, suchen.

    >Ich gehe mal davon aus, dass die stimmen, aber da ist viel Vertrauenssache dabei.
    Also doch ein Anhänger der Homöopathie.

    >Einfach beim nächsten Mal vorhersagen, wie die Klasse ist, und vergleichen.
    Oder man geht an den Fluss und zählt die Kiesel. Das bringt einen persönlich womöglich weiter, wenn man es mag.

    >weil man sich im Unterricht eh um anderes kümmert oder nicht die Möglichkeiten hat, darauf einzugehen, …
    Und schon ist alle Vergleichbarkeit dahin. VERA 8 erweist sich dadurch für mich als kokette Luftnummer, die unbedingt eine Erdung durch den bodenständigen SEPP 7–9 erfahren muss.

  13. Ah, ich sehe schon, hier befindet sich einer der Bezüge zur Deuschaufsicht.

    Mit VERA8 bin ich nie richtig in einen konstruktiven Dialog gekommen. Vermutlich haben wir kleine Sympathieprobleme.

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