Kinder können keine Computer bedienen

Bei M3o B4a gefunden: Kinder können keine Computer bedienen. Eine ausführliche Tirade eines Informatiklehrers/Systembetreuers an einer englischen Schule.

Kids can’t use computers… and this is why it should worry you – Coding 2 Learn.

Es ist ein Irrglaube, dass Kinder, die mit Smartphones aufwachsen, automatisch Computer bedienen können. Marc Scott zeigt an Beispielen (nicht nur von Kindern), was es heißt, einen Computer nicht bedienen zu können, und – leider nicht ganz so ausführlich – warum das schlecht ist. (Beste Fehlermeldung, die auch ich in der Schule ab und zu höre: “Das Internet ist kaputt.”) Wie Eltern, Schule, Betriebssysteme dazu beitragen, dass dieser Zustand entsteht, und einige wenige Anregungen, was man dagegen tun kann. (Dem Kind nicht einfach das Passwort für das heimische WLAN geben, sondern es in einer Liste von 10000 anderen Passwörtern verstecken. Das Kind kommt dann schon an ein Skript, mit dem es alle ausprobieren kann.)

13 Antworten auf „Kinder können keine Computer bedienen“

  1. Meine liebsten Anekdoten:
    “Am liebsten hätte ich gerne das alte Windows, damit mein Word unverändert bleibt.”

    Der Ton/Beamer geht nicht, obwohl alles angeschlossen ist: Mal ist das Kabel der Lautsprecher im Mikrofoneingang oder der Adapter zum Beamer ist mal wieder abgegangen.

    Ich hätte gern ein Handy mit 3 Knöpfen unten, wie meine Freundin – wenn das mal nicht Kaufkriterien sind ;)

    Und spätestens wenn es an das Abspielen von Videos geht, ist Landunter. Bei den ganzen Formaten verliert so gut wie jeder den Überblick.

    Ach ja, schönes neues Design.

  2. Köstlich, vor allem die kurzen Erfahrungsberichte aus dem Alltag. Nahezu wörtliche Übereinstimmungen mit eigenen Erfahrungen und ich bin Lehrer für Deutsch und Geschichte (!).

  3. Kleine Anekdote eines Freundes, der an einer sehr ländlichen Realschule unterrichtet: Beim Elternsprechtag sagte ein Vater, Landwirt alten Schlages, zum Sinn & Unsinn von PC & Internetnutzung verächtlich: “Das Internet? Phh… das wird sich nicht durchsetzen!” In xxx (Name des Dorfes), dachte der Freund sodann, ist die Welt noch in Ordnung ;-)

  4. Ja, es ist schon ein Problem. Da ist man so blauäugig und denkt, nur weil die Kinder mit dem Computer aufwachsen und Schüler (außer Hauptschüler glaube ich, bin aber nicht sicher) inzwischen alle mindestens eine Programmiersprache in der Schule kennenlernen hätte man es einfacher, im Studium auf einem anständigen Niveau aufzusetzen. Weit gefehlt, es werden Stunden über Stunden an einer Hochschule mit dem Versuch verbracht, Grundkenntnisse über PCs in die Studenten zu prügeln (metaphorisch versteht sich)

    Und Leute die Angestellte suchen stellen fest dass von denen ein erheblicher Anteil nicht mal in der Lage ist, OpenOffice (oder Word von mir aus, ist ja das gleiche) korrekt zu bedienen (Stichworte: automatisches Inhaltsverzeichnis, automatische Aufzählungen, Formatvorlagen. Also keine Raketenwissenschaft sondern Basics.)
    Da scheitert jemand in den ersten Tagen seiner Probezeit weil er zu… wie sagt man “doof” wenn man niemanden wirklich beleidigen will?… ist, die Kasse zu bedienen. Mit Schrecken stellt er bzw. sie fest dass die Kasse ja ein Computer ist. Und dann kommt ein lapidares “ich interessiere mich eben nicht für Computer” oder ein ähnlicher Satz.
    Das kann einfach nicht angehen. Selbst ein KfZ-Mechaniker oder eine Friseurin müssen heutzutage mit dem Rechner umgehen können, das ist einfach so.

    Es muss endlich bei den Leuten ankommen dass Medienkompetenz und ECHTE Grundkenntnisse im Umgang mit dem PC (nicht das Bedienen einer Maus oder Zehnfingersystem, sondern das oben angedeutete) heutzutage ähnlich wichtig sind wie die Grundrechenarten zu beherrschen.
    “Digital illiterates” trifft es super. So schwerwiegend ist es.
    So sehe ich das zumindest.

    Es ist echt traurig. Vor allem auch weil Unkenntnis der Technik Betrügern, Spammern, Malware-schreibern und Spionage (zB NSA) Tür und Tor öffnet. Wenn man nicht weiss wie etwas funktioniert weiss man auch nicht wie man sich schützen muss.

    Ich weiss das klingt jetzt wieder als wäre ich was-weiss-ich-wie-alt und fange schon an, vom drohenden Untergang des Abendlandes zu reden, weil jemand lieber Maru the cat anschaut als C++ Tutorials (nichts gegen Katzenvideos, ich liebe die auch), und ich will eigentlich auch nicht Youtube oder Facebook die Schuld geben, aber.… ich weiss nicht. Manchmal kann ich die Leute verstehen die am liebsten solche “Internet-Ausdrucker” und “Facebook-Kiddies” alle aus “unserem Internet” rauswerfen würden. War das noch schön als nur Geeks im Netz unterwegs waren, so vor 20 Jahren etwa… ;-)

    Huch, das wurde jetzt schon fast was, das man “rant” nennen könnte… Aber wollte ich irgendwie loswerden. Danke für den Link und das damit verbundene Anstoßen der Diskussion!

    Gruß
    Aginor

  5. Intuitiv bin ich ja auch für informatische Bildung. Die Alternative ist: Narrensichere Geräte, bei denen es nicht mehr sein kann, dass man einen Proxy ein- oder ausschalten muss oder das falsche Dateiformat hat – weil alles transparent automatisch geschieht oder alles so normiert ist, dass es keine andere Möglichkeit gibt.

    Damit verabschiedet man sich von dem Gedanken, dass man – prinzipiell – die Kontrolle über seinen Rechner hat, er wird zur Black Box und ist kein Universalgerät mehr. Ich wünsche mir noch mehr Gegenargumente, warum das so schlimm wäre. (>Fehlende Kontrollierbarkeit, fehlende Innovation, Monopole.)

  6. Erst einmal ein Lob für das neue Design, das auf mich sehr viel aufgeräumter und hübsch wirkt.

    Ich habe den obigen Beitrag gerne vertwittert und kann der Problematik voll und ganz beipflichten. Allerdings dürfen wir nicht übersehen, dass wir meist von Kindesbeinen an mit Computern in Kontakt waren und Computer damals eben noch etwas übersichtlicher waren als heute. Basic zu lernen – das provozierte der blinkende Cursor unseres CPC464 einfach! Was ein RAM-Speicher war, das zeigte die Amiga-Workbench einfach als Ordner an; man konnte einfach Dateien hineinschieben und sich so bisweilen lästige Diskettenwechsel ersparen. Den PC aufzuschrauben und Komponenten auszutauschen war im Studium einfach günstiger als ständig ein neues Komplettsystem zu kaufen. Und wer die Evolution der Computer von den Brotkästen (oder noch früher) bis zum Tablet mitgemacht hat, der hat über die Jahrzehnte natürlich ein anderes Verständnis von Computern als Kinder, die sich mit ihrem ersten Handy gleich eine ganze Lastwagenladungen unserer alten Computer in die Hosentasche stecken.

    Das verstehen oft auch die nicht, die von den “digital natives” sprechen. Oft habe ich den Eindruck, dass denen auch das Verständnis für die Komplexität von Computern abgeht. Bedienen können (wenn überhaupt) heißt nicht, die Dinger zu verstehen.

  7. Ich mache den Jugendlichen auch keinen Vorwurf. Früher – schreibt Marc Scott, glaube ich – benutzten wenige Leute einen Computer, aber viele davon kannten sich aus damit. Heute ist es umgekehrt. Ich schüttle aber den Kopf über die bildungsheilsbringenden Kreise, die sich Illusionen über digital natives machen beziehungsweise eine komische Vorstellung von diesen haben.

    Kürzlich bin ich allerdings einer alternativen Definition begegnet, vielleicht ändert sich das schleichend: Digital natives sind die Generation, die leichter digitale als analoge Quellen benutzt.

  8. moin moin, ich als internetbegeisterter hobby programierer denke den schwierigkeitsgrad im netz zu wissen. meine nun 13 jahre alte tochter überzeugt mich aber täglich vom gegenteil. ich muß dazu sagen, das ich ihr nur die nötigsten tips im internet gegeben habe, den rest hat sie sich selber beigebracht und das in einem thema, wo ich nun die notleine ziehen mußte. fazit ist, die kinder gehören nicht allein gelassen mit dem netz und ihrem computer, es kann doch zu viel passieren .

  9. Ich war in den weiten des Internets auch über den Blogeintrag gestolpert und kann ihn (und die hier aufziehende Diskussion) voll und ganz nachvollziehen. Egal ob es nun EDV (wie mache ich ein Brief in einem Textverarbeitungsprogramm) oder Informatik (Programmierung, technischer Aufbau, Theorie) ist, es mangelt oft am Wissen und auch am Willen es zu können.

    Interessant finde ich dazu den Vergleich mit dem Auto, welcher oft als Beispiel genannt wird. Ich habe in der Schule (Realschule, Unterricht in Technik und Physik) gelernt wie ein Verbrennungsmotor funktioniert und was ein Differential oder eine Lichtmaschine sind. Die Grundlagen sind da, was “fehlt” sind die komplexeren Bestandteile die dann vor allem die Elektronik betreffen. Dort sind wir dann wieder voll in der Informatik mit Fragen wie “Was ist ein Mikrokontroller”, “Was ist ein Protokoll” (CAN) oder “Wie programmiert man ein Auto und warum kann man es hacken”. Für solche Fragen hilft nur Wissen in Informatik.

    Zu den Nachteilen dieser Black-Box-Systeme wie Smartphones oder verschlossene Desktops:
    – Hohe Abhängigkeit vom Erzeuger und dessen Produktzyklen (Akku hat nach 2 Jahren nur noch 50% Leistung und nicht austauschbar => Neues Gerät kaufen. RAM ist zu knapp bemessen => Teurer Umbau oder neues Gerät kaufen).
    – Mangelndes Vorwissen beim Berufseinstieg, also eine hohe Einstiegshürde für Azubis und Studienanfänger.
    – Entmündigung des Nutzers bei stärkerer Monopolisierung (das vielleicht auch eine Frage der wirtschaftspolitischen Ansichten)
    – Größere Abhängigkeit von Experten selbst für kleinere Aufgaben. Dadurch eventuell ein irgendwann eintretender Fachkräftemangel.

    Genauso gut könnte man darüber diskutieren warum man die Inhalte von Biologie, Chemie oder Physik können sollte, wenn man Literaturwissenschaften studieren will. Solche Diskussionen sind ja uralt und wirklich genug geführt. Die Informatik stellt die Grundlagen für die heutige Kommunikation bereit, welche auf den Naturwissenschaften und den Sprachen aufbaut. Warum sollte man in der Schule die Grundlagen lernen ohne deren praktischen, täglichen Einsatz zu integrieren?

  10. Auch unsere Generation (“die Alten”) macht denselben Fehler wie so viele vorherige. Wir sind der Überzeugung, dass sich von der heutigen Lebenswelt auf zukünftige schließen ließe – was natürlich völliger Unsinn ist.

    Der Hase läuft bekanntlich anders. Gewiss ist hingegen, dass Lebensqualität auch in 100 Jahren noch an einen gesunden Organismus gekoppelt sein wird und Lebensglück an eine hoch entwickelte soziale Kompetenz.

    Nein, Kinder müssen keine Computer bedienen können, die zugehörige Expertise lässt sich sogar noch im dritten Lebensjahrzehnt problemlos erwerben. Vorher steht weit Wichtigeres auf der Tagesordnung. Und das sind diejenigen Entwicklungsschritte und Kompetenzen, für die es im Erwachsenenalter unwiederbringlich zu spät wäre. Vieles davon ist an Bewegung, Naturerlebnisse und soziale Begegnung mit Menschen (in der realen Welt) gebunden.

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