Fröhliches Unterrichten

In der zweiten Doppelstunde heute, nach einer kurzen Pause, war ich immer noch voll Adrenalin. Dabei lief die Stunde vorher sehr gut und besser als erwaret: Informatikunterricht in der 10. Jahrgangsstufe ist immer knifflig. Dazu noch auf Englisch, und dazu noch nach zwei Wochen Pause, vor denen ebenfalls zwei Wochen Pause waren, und davor auch zwei Wochen Pause. (Mittwochs gab es schon viele Feier- und Wandertage.)

Als ich von einem Gerücht hörte, dass ich vielleicht eine Ex – eine unangekündigte Prüfung – schreiben würde, war ich beruhigt: die nehmen das Fach also immer noch ernst und haben sich zumindest halbwegs darauf vorbereitet. Und ich hatte mich auch gut vorbereitet, wie sich herausstellte – drei Arbeitsblätter, aufeinander aufbauend, in individueller Geschwindigkeit zu bearbeiten, nicht zu schwer, mit (Teil-)Lösungen auf der Rückseite, ein positiver Füll-Auftrag am Ende: Wir programmieren ein Memory-Spiel, und nach dem Anlegen eines Gerüsts in Java sollten sich die Schüler und Schülerinnen Bilddateien dafür heraussuchen. Wenn man’s nur immer vorher wüsste. Aber eben auch so eine gelungene Stunde ist aufregend für mich: Zum einen bin ich ständig beschäftigt, bei kleinen technischen Fragen zu helfen, zum anderen ist es aufregend schön, dabei zuzusehen, wie etwas funktioniert – das freut die Schüler und dann mich auch. Jetzt ist natürlich wirklich bald eine Ex fällig, mal sehen, wie ich danach klinge.

Sonstige Nachrichten: Thomas Kubahn war es, glaube ich, der mir mal Martin Fix, Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht empfohlen hat. Das ist ein Buch zur Schreibdidaktik, das ich gerade quer lese, mal vorne ein bisschen, mal hinten, wird sicher produktiv umgesetzt. In der Literatur dort bin ich gestoßen auf Martin Fix, Hartmut Melenk, Schreiben zu Texten – Schreiben zu Bildimpulsen. Das Ludwigsburger Aufsatzkorpus. Mit 2300 Schülertexten, Befragungsdaten und Bewertungen auf CD-Rom aus dem Jahr 2000. Der Untertitel sagt eigentlich schon alles, und hoffentlich hält die CD auch das Versprechen: Was für ein schöner Fundus, um Schülern Texte zum Überarbeiten und verbessern zu geben! (Es handelt sich laut Klappentext um transkribierte Schüleraufsätze aus 8. Klassen aus Hauptschule, Realschule und Gymnasiums.)

7 Antworten auf „Fröhliches Unterrichten“

  1. Das hat der Herr KUBAN, ja. *räusper*

    Ansonsten hat mich an dieser ganzen Schreibforschung / Schreibprozessforschung übrigens überrascht, dass die schon in den 80ern einen großen Hype hatte – ich selbst habe davon in der Schulzeit (zwischen 79 und 89) so gut wie nichts mitbekommen.

  2. Ist korrigiert. Passiert WAHNsinnig schnell, sowas.
    In die Schulen kommt das ja immer etwas später, vielleicht war da in den 1980er noch nichts. Ich weiß aber nicht, ob ich das überhaupt mitgekriegt hätte. Trivialliteratur (in Form von Schlagern) im Deutschunterricht, das weiß ich noch.
    Eine der abgebildeten Tabellen von 1962 kenne ich noch aus dem Referendariat.

  3. Hallo!

    ist ja witzig, ich bin gerade mit meinem Studium an der PH Ludwigsburg fertig (RS-Lehramt) deren Rektor besagter Martin Fix ist!

    Ganz vernünftiger Mann, der Herr.

    Grüße!

  4. Ich hatte heute auch so eine Stunde. Weltwirtschaftskrise. Da braucht es keine Ex, kein Ausfragen, da sind am Anfang der Stunde beim gemeinsamen Wiederholen alle Finger in der Luft. Und wenn es gongt, sagt einer: “ach, wir könnten doch noch weitermachen.”

    Wenn es gut läuft, ist es schon ein richtig toller Beruf.

  5. >Ganz vernünftiger Mann, der Herr.

    Freut mih zu hören. Didaktiker sind ja in so einer Zwischenposition zwischen Fachwissenschaft und Schule und scheinen sich nicht alle da wohl zu fühlen.

    >Wenn es gut läuft, ist es schon ein richtig toller Beruf.

    Das stimmt.

  6. Hallo,
    das ist doch mal sehr interessant in den Kopf eines Lehrers zu schauen! Klingt jedenfalls spannend und auch ein wenig amüsant. Wie ist die EX denn ausgefallen?

    LG
    Victor

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