Salz nachfüllen

By | 21.10.2017

Es ist wie beim Contract Bridge. Da muss man sich mit seinem Partner auch verständigen über das eigene Innenleben, also die Karten, die man auf der Hand hält, ohne sie direkt zu nennen.

In der Küche haben wir einen schönen, großen Behälter für Kochsalz. Der wird immer wieder nachgefüllt, wenn er leer ist, und gerade ist er ziemlich leer; es rieselt praktisch nur noch Rieselhilfe. Neues Salz ist schon gekauft und liegt daneben.

Tag 1: Ich fülle nicht nach und signalisiere Frau Rau, dass ich das nicht gerne mache, wegen Hantieren mit Trichter und so. Noch ist ja der kleine Salzstreuer voll.

Tag 2: Frau Rau füllt nicht nach signalisiert mir damit, dass sie das gerade auch nicht gern macht, aber ja noch Zeit ist.

Tag 3: Ich fülle nicht nach und signalisier Frau Rau damit, dass mir das bewusst ist, das mir aber wirklich gerade zu fisselig ist.

Und so kommunizieren wir wortlos, aber voller Verständnis miteinander. Der kleine Salzstreuer ist ja noch voll.

(Natürlich reden wir auch miteinander. Aber es ist doch schön, auch nichtverbale Kanäle zu haben. Und der kleine Salzstreuer ist wirklich noch voll. Und wenn Frau Rau mir signalisiert, dass sie den großen nicht gerne füllt, dann mache ich das. Das ist schließlich kein Machtspiel.)

8 thoughts on “Salz nachfüllen

  1. Fontanefan

    Auch wenn Dunkelmunkel gegen kommentarlose Zustimmung ist: eine Freude, so etwas zu lesen.
    Man wird „zum Nachdenken angeregt“ (dieser abgedroschene Kommentar zu den unterschiedlichsten literarischen Texten).
    Partnerschaft, Kommunikation, Gleichberechtigung … Danke!

  2. Thomas

    Viel wichtiger: Wer nimmt den fast leeren Karton Milch aus dem Kühlschrank? Wer wechselt die Klorolle?

    Frage für einen Freund.

  3. Herr Rau Post author

    Ganz konkret: Für den Milchnachschub bin stets ich zuständig, dafür kriege ich vom morgendlichen Milchkaffee ab (mit Milchschaum). Die Klorolle wechselt, wer dran ist (ich lege gerne schon mal kurz vorher eine neue bereit), wichtig ist nur, auf den EInkaufszettel zu schreiben, wenn neue zu kaufen ist.

  4. Hauptschulblues

    Ja, so wie beschrieben geht es oft in (gelingenden) Partnerschaften zu.
    Hauptschulblues findet es jeden Tag wieder herrlich, miteinander aufeinander abgestimmt zu leben. Damit es nicht langweilig wird: „Ich dachte, Du hast die Igel gefüttert und das Wasser für die Vögel gewechselt!“

  5. TZ

    Schönes Beispiel des ersten metakommunikativen Axioms („Man kann nicht nicht kommunizieren“) – Kommunikation durch nichts tun.

  6. Frau Rau

    Das etwas Eigene in dieser unserer Partnerschaft sind allerdings die zusätzlichen indirekten Kanäle Blog und Twitter.
    Mir macht das Salzeinfüllen nämlich überhaupt nichts aus, und als ich heute Morgen mehr als im großen Behälter brauchte, habe ich es endlich getan. Ich hatte das Ausbleiben des Einfüllens als eine der Lockerheiten in unserem Haushalt gesehen, die wir uns leisten; hiermit erkläre ich es zu meiner Aufgabe.

  7. Fontanefan

    Meine Frau hat schon vor langem formuliert: „Die moderne Form der Kommunikation zwischen Eheleuten ist die E-Mail.“
    Bei uns trifft das zu. Nicht selten verlinke ich schon etwas in meinem Blog, wozu sie mir den Link geschickt hat, bevor ich es zuende gelesen habe (Vertrauen zum Partner). Nur Blogs und Tweets sind bei uns dafür nicht geeignet, weil wir die nicht beide lesen.
    Insofern gilt das erste metakommunikativen Axiom nicht allgemein. ;-) Man kann nämlich, auch wenn man kommuniziert, nicht kommunizieren, nämlich z.B. nicht mit seinem Partner.
    Hier mehr dazu zu schreiben, hieße die Kommentarfunktion missbrauchen.

  8. Aginor

    Bei uns ist das gleichverteilt. Wenns leer ist wird es aufgefüllt. Machen es beide ungern aber muss halt sein.
    Kommunikation ist aber immer gut. Verbal oder nonverbal. Und ja ich finde das auch sehr befriedigend wenn es so nebenher einfach blind funktioniert. :)
    Gerade mit den Kindern ist genügend Workload schon da, der wirklich Kommunikation und Abstimmung erfordert. Dann die Kommunikation für Nebensächlichkeiten reduzieren bringt merklich Entspannung.

    Gruß
    Aginor

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