Turbulente Wochen, hm?

Mit heute Abend habe ich neun Tage hintereinander kein Abendessen gekocht. Es muss also Einiges los gewesen sein. Einmal Biergarten, einmal Wirtschaft, jeweils mit Besuch von außerhalb Münchens. Einmal Ukuleletreffen, einmal Einladung, einmal Reste, einmal Salat aus dem Ernteanteil. Zweimal kochte Frau Rau. Und einmal ein großes Fest von Frau Rau und mir, über das ich später noch einmal schreiben werde, wenn ich mit dem Verarbeiten fertig bin. Die Festnachwehen dauern noch an.

Ich konnte selber auch nicht kochen, weil ich sehr erschöpft und in Eile war. Die letzten schriftlichen Abiturkorrekturen nahmen mich mit, auch das Kolloquium. Ich bin wohl nicht mehr ganz so fit wie in jungen Jahren.

An einem Tag hatte ich dann in der Schule nicht nur Besuch von meinen zwei Praktikanten, sondern von der Tochter einer sehr alten Freundin, die mit dem Gedanken spielt, zwei meiner Fächer auf Lehramt zu studieren, und sich einmal eine echte Schule anschauen wollte. Ich fühlte mich bemüßigt, große Show zu machen.

Ansonsten… man wird sehen müssen.

5 Signs You’re Employed In A Toxic Workplace:

  1. There’s Emotional Manipulation („We’re Like A Family!“)
  2. Gratitude Is Expected From Employees
  3. Bullying And Humiliation Are Considered Motivation Tactics
  4. Public Reception Is More Important Than Fixing Problems
  5. There Is No Communication

Drei von Fünf sind okay, oder? Andererseits ist Punkt 4 so allgemeingültig und 5 immer Auslegungssache, so dass man das vermutlich immer mit einem Fug und etwas weniger Recht behaupten kann.

10 Thoughts to “Turbulente Wochen, hm?

  1. In diesem unserem freistaatlichem Bildungssystem wird Punkt 1 sogar noch etwas deutlicher formuliert. Minister bis Schulleitungen, gern auch entsprechend interessierte Kollegen und Elterngremien sprechen gern von „Schulfamilie“. Jeder mit halbwegs Lebenserfahrung weiß zum einen, dass Familien nicht selten Schlachtfeldern gleichen und zum anderen wird sich jeder mit halbwegs entwickeltem Familiensinn gegen dieses aufdringliche bis übergriffige Vokabular wehren. Kolleginnen die sich als Erziehungstanten, Kollegen die sich als Oberstufenonkel darstellen, werden hoffentlich eines Tages feststellen, dass diese Duck’sche Familienfiktion auf Hackes Entenhausener Wortstoffhof entsorgt werden muss.

  2. Ja, jünger werden wir nicht, aber auch die Anforderungen nehmen unverhältnismäßig zu. Also am Alter, denkt H., wird es nicht liegen, vor allem, wenn er rekapituliert, welch schöne und interessante Unterrichtsstunden Du durchführst. Jüngere täten sich da schwer.
    Die Festnachwehen tun hoffebtlich nicht weh – es war wunderbar. Auch wenn die alten H.s vor 24 Uhr heimgingen, aber sie waren nicht die ersten.
    @Kochen: H. kocht täglich, eher bodenständig, aber Frau H. genießt durchaus die Abwechslung, im Gasthaus, bei Freunden, bei Rosenfesten, oder wenn H. aushäusig ist.
    Ukulele: Gibt es wieder mal was im Giesinger Bräu?

  3. Ukulele: Am 11.6. ist wieder Treffen in Giesing. Das letzte Mal, vielleicht sogar die letzten Male war ich nicht da – Elternabend einmal, außerdem ist das in Giesing so groß und laut, wenn auch sehr lustig. Vom eigenen Spiel kriegt man da nicht viel mit. (Es gibt daneben noch Hinterzimmertreffen in kleinerem Rahmen.)

  4. Bei den fünf Anzeichen für den toxic workplace schaut man natürlich unwillkürlich auf seinen eigenen Arbeitsplatz und stellt fest…

    …dass drei davon subjektiv sind.

    Bin nicht sicher wie gut die Liste ist.

    #1 Ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen finde ich es gut, wenn ein Zusammenhalt besteht, ein bisschen ist man bei der Arbeit ja schon eine Lebens- und Leidensgemeinschaft (man verbringt mehr Zeit mit den Kollegen als mit dem Ehepartner oder den Kindern) und der einzelne kann (je nach Größe der Organisation) sehr wohl allen das ganze schöner machen, oder eben zur Hölle. Daher finde ich das mit der Familie gar nicht soooo unpassend. Das muss keine emotionale Manipulation sein. Den Gegenpol (man ist quasi eine Drohne, ein Rädchen in der Maschine das jederzeit ausgewechselt werden kann, und man soll gefälligst keine Kontakte zu den Kollegen aufbauen, denn für die gilt das gleiche) ist für mich sehr unangenehm.

    #2 würde ich zustimmen. Das geht aus meiner Sicht definitiv gar nicht. Arbeitnehmer sind keine Bittsteller. Dankbarkeit gibt es, wenn ich etwas erhalte, was über das erwartbare hinausgeht. Aber nicht dafür dass ich da arbeite.

    #3 ist extrem Ansichtssache schätze ich. Hatte mal einen Kollegen (in einer anderen Firma) der sich vom Chef permanent herabgesetzt gefühlt hat. Dabei war es an sich in der Firma recht angenehm, wie ich fand.

    #4 Hmmm… ist überall so glaube ich.

    #5 „no communication“? Wie funktionieren dann #1, #2 und #3? Klingt ein bisschen hyperbolisch.

    Gruß
    Aginor

  5. Ich warte ja schon sehnsüchtig auf das Ergebnis der Verarbeitung. Weil ich mich dann nochmals mitfreuen kann. Bis der Wind sich gelegt hat, schreibe ich selber die ein oder andere Zeile…

  6. Ja, Aginor, das ist sicher auch hyperbolisch und jeweils Ansichtssache. Für meine Beruf fand ich das interessant, weil der Arbeitgeber hier tatsächlich gerne von „Schulfamilie“ redet.

    Bald kommen Fotos, Frau Klugscheisser, ich habe sie schon gesehen.

  7. Wenn man die Familienanalogie ablehnt, heißt das keineswegs, dass man deswegen nicht mit Kollegen tatsächlich und vielleicht sogar eng befreundet sein kann. Eine Familie kann man sich nicht aussuchen, wenn man den Ehepartner und seine Familie mal ausnimmt. Einen Beruf, ggf. auch die Position in einem Kollegium oder in meinem Fall sogar die Schule kann man sich schon (aus-)suchen und muss es als Normalsterblicher zumeist auch. Für meine Familie gilt in bestimmten Bereichen, dass andere unbedingt auf meine Zuwendung und Fürsorge rechnen (können). Das gilt für meinen Arbeitsplatz ganz bestimmt nicht. Und da liegt m.E. auch der Hase begraben. Berufsethos, kollegiale Solidarität, Team Spirit, Schulfamilie u. ä. heißen die Konzepte, mit denen man als Lehrer immer dann bearbeitet wird, wenn es in Wirklichkeit um Partikularinteressen bestimmter Akteure geht.

  8. Kurze Frage nebenbei, weil es ja heute in der Presse ist.

    https://www.deutschlandfunk.de/youtube-lehrerverband-raet-bei-lernvideos-zur-zurueckhaltung.1939.de.html?drn:news_id=1014415

    Lernvideos auf YouTube, also z.B. „Khan Academy“ oder „Lehrerschmidt“, was halten Sie davon?

    Ich persönlich finde sie gut, und hätte so etwas in meiner Schulzeit damals gerne gehabt. Ich denke dass sie als Ergänzung zum Unterricht sehr gut geeignet sind, weil sie ein wenig den Effekt abfangen das manch ein Mensch zum lernen eine Wiederholung mit anderen Worten/Methoden braucht. Oder zwei. Oder drei. Oder mehr. Und dafür bei einem anderen Thema evtl. sehr schnell begreift, und dann zum nächsten (möglicherweise schwierigen) Thema weitergehen kann, um dafür dann mehr Zeit zu haben.
    Videos können dabei helfen, unterschiedliche Lerntempi ein wenig zu nivellieren, glaube ich.

    Als Ersatz für den Unterricht… bedingt. Stichworte Übung, Erfolgskontrolle und so weiter. Das selbst machen ist ja auch ein wichtiger Teil.
    Kommt natürlich auf die Qualität des Unterrichts an. Ich hatte einen oder zwei Lehrer in der Mittelstufe, die hätte ich gerne durch jedes mittelmäßige Lernvideo ersetzt.
    Aber allgemein würde ich diese Aussage nicht machen wollen.

    Gruß
    Aginor

  9. Liebe Frau Klugscheisser, verstanden! :-)

    Aginor: Das sehe ich ähnlich wie Sie. Selber lerne ich mit Video schlecht, Ukulele-Tutorien ausgenommen. Alles andere: Nichts für mich, ich möchte einen Vortrag oder Text. Aber grundsätzlich kann es schon gute Videos geben, an denen man lernen kann, und das können auch Schüler und Schülerinnen. Eine Wiederholung in anderer Form, wie Sie sagen, ist immer gut.

    Ich müsste fragen, aber ich vermute, dass die Schüler und Schülerinnen, die am meisten können nach einer Unterrichtssequenz, eher keine Videos nutzen. Ich vermute, dass Videos eher als Ersatz gesehen werden, und das für die Schüler und Schülerinnen, die das gerne so sehen, eben kein Ersatz ist.

    In die Khan Acdemy habe ich nur mal reingeschaut, in Mathematik, und das fand ich furchtbar. Fernkurse an sich: Gute Idee, und die eben *auch* mit Videos.

    Vielleicht sollt eich meine SuS mal sammeln lassen. Ich glaube nicht, dass die viel mit Videos lernen, und wenn, dass sie nicht groß auswählen, mit welchen – sonst könnte man die ja mal sammeln.

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