Tschick und Mebis und die Kunst, nicht zu lehren

Eigentlich wollte ich in der 9. Klasse mit der Besprechung von Tschick von Wolfgang Herrndorf beginnen, und zwar mit dem Aufbau des Romans. Aber die Schüler und Schülerinnen sollten dann doch lieber etwas über Mebis lernen. Also: Mebis am Beamer in Erinnerung gerufen (wie viel schneller alles Lernen geschieht, wenn man lernen will), WLAN herausgeholt und mit dem Handy ein bisschen in einen Kurs hineinschnuppern lassen. Dann in der zweiten Hälfte der Doppelstunde in den Computerraum.

In Tschick liest Tschick seine Deutsch-Interpretation zu Brechts Keuner-Geschichte “Das Wiedersehen” vor – das ist die mit dem Schlüsselsatz: “ ‘Oh!’ sagte Herr K. und erbleichte.” Tschicks Aufsatz, nach einigem Suchen aus der Plastiktüte gezogen, beginnt mit den Worten: “Die erste Frage, die man hat, wenn man Brechts Geschichte liest, ist logisch, wer sich hinter dem rätselhaften Buchstaben K. versteckt.” Und es folgt eine Räuberpistole zu Herrn K. und seinem Hintergrund. (Dass danach von einer anderen Schülerin “die richtige Interpretation, wie sie auch bei Google steht”, vorgelesen wird, ist sehr lustig.)

Meine Schüler und Schülerinnen kriegten eine andere Keuner-Geschichte und mussten im Mebis-Kurs ihre eigene Interpretation dazu veröffentlichen, möglichst im Stil von Tschick, und für alle anderen lesbar. Die Geschichte dazu war “Die Kunst nicht zu bestechen”.

Die Interpretationen

In Wirklichkeit ist Herr K. ein technologisches Genie, das es geschafft hat ein Erfindung zu entwickeln, mit der er in einen täuschend echte, selbentwickelte Menschenkörper einzudringen und ihn somit zu steuern. Dadurch kann er mehrere Personen verkörpern. Herr K. stellt mit seinen Möglichkeiten einen extrem schwer zu identifizierender Soloverbrecher dar. Man kann ihn eigentlich unmöglich schnappen, denn sobald man sein Gesicht kennt, wechselt er einfach seinen Körper und er ist für die Behörden wieder unsichtbar. Er empfiehlt allen möglichen wohlhabenden Personen vertrauenswürde Männer, die er eigentlich selbst verkörpert. Dadurch hat er die möglich Informationen über alle wohlhabende Personen zuerhalten ohne das er Angst haben muss das seine Mitarbeiter bestochen werden könnten. Deswegen empfiehlt er dem Kaufmann auch einen unbestechlichen Mann. Diesen Mann kann wie sich raus stellt jeder bestechen, außer er selbst, weil er ja der Mann ist und man sich selber ja nicht bestechen kann. Herr K. kann somit genau kontrollieren, wie die Personen bei Herr K. ankommen und wer die Person bestechen kann und wer nicht. Die Informationen, die er durch diese Masche erhält, verkauft er für viel Geld an Kriminelle. Damit ist er sehr reich geworden. (NW)

Herr K. ist schizophren und führt ein Gespräch mit seinem Spiegelbild, jedoch ist das Spiegelbild eine seiner anderen Persönlichkeiten und er versucht dieser, welchee auch eine seiner Persönlichkeiten ist , zu verdeutlichen, dass der Mann nicht bestechlich und somit keine Informationen an die anderen Persönlichkeiten welche entweder neutral oder ihre Feinde sindweiterzugeben. Dies ist so wichtig, da die verschiedenen Persönlichkeiten immer versuchen herauszufinden was die anderen in der Zeit in, der sie den Körper steuern, machen. Da der Mann nach der Aussage des Kaufmannes diese Informationen an ihre Feinde verraten hat befinden sie sich, falls das passiert ist in einem Dilemma aus welchem sie nicht mehr so einfach herauskommen. Herr K. meint jedoch, dass der Mann von ihm nicht bestochen werden kann um Informationen an ihn zu verraten, da sie sich nicht sehr ausstehen können jedoch einen gemeinsamen Feind haben und deswegen zusammenarbeiten, jedoch merkt er nicht, dass das nicht auf den Kaufmann zutrifft. (BB)

Der Mann, der Kaufmann und Herr K.sind alle sehr gut in ihrem Beruf, Kaufmann, die um Sachen zu verkaufen auch oft das Gesetz brechen. Der Kaufmann und Herr K. sind eigentlich Freunde, aber Herr K. sieht den Kaufmann als Feind an. Deshalb schickt er seinen ältesten Sohn zu dem nichts ahnenden Kaufmann. Er sagt er sei unbestechlich und der beste Kaufmann der Welt. Da der Kaufmann Herr K. vertraute, freute er sich über die Empfehlung und stellte den Sohn als seinen Gehilfen ein. Der eigentliche Grund, warum Herr K. seinen Sohn weiterempfohlen hat, war um den Kaufmann auszuspionieren und sein Vermögen zu stehlen. Die ersten zwei Monate verlief alles nach Plan, doch danach schöpfte der Kaufmann langsam verdacht und sprach seinen angeblichen “Freund” darauf an. Der wiederum log ihn jedoch an und beruhigte ihn und der Kaufmann kaufte ihm alles ab. Zwei Tage später, als der Kaufmann gerade unterwegs war, brachen Herr K. und sein Sohn beim Kaufmann zu Hause ein und stahlen all sein Geld und Wertgegenstände. Da sie aber noch Angst hatten, angezeigt zu werden , warteten sie suf den Kaufmann vor seinem Haus und erschossen ihn. Wegen diesem Verbrechen will Herr K. seinen Namen nicht preisgeben. (LS)

In Wirklichkeit ist Herr K ein Alien, das als Mensch verkleidet ist. Er ist zusammen mit seinen Kollegen von dem Planeten Manzana gekommen um die Welt zu erobern. Dieser ist dafür zuständig Schwächen der Menschen zu finden und diese zu protokollieren. Diese Daten werden dann zu ihrem Heimatplaneten übermittelt, wo sie ausgewertet werden. Sie werden benutzt um eine große ultimative Waffe zu bauen, um die Menschheit zu vernichten. Die Aliens haben aber eine Deadline, da auf dem Planeten Manzana nur noch begrenzt Sauerstoff verfügbar ist. Der Mann ist ein Untergestellter von Herrn K, der für das Geschäftliche spezialisiert ist. Er lässt sich aber nur von Menschen bestechen. Es gibt noch viele weitere Männer wie diesen Untergestellten. Der Kaufmann war einfach nur eine austauschbare Testfigur. Die Menschheit ahnt noch nichts von der Invasion! (NW)

In Wirklichkeit redet Herr K. von sich selbst. Er ist dieser Mann den er dem Kaufmann vorschlägt um ihn hinters Licht zu führen und ihm sein gesamtes Vermögen abzuziehen . Deshalb erzählt Herr K. auch, dass man ihn nicht bestechen kann um sich selbst möglichst gut darzustellen da er ziemlich abgehoben ist. Er verkleidet sich immer vor dem Treffen mit dem Kaufmann als Cowboy damit dieser nicht merkt, dass er betrogen wird. Doch in Echt ist Herr K. ein boshafter Zirkusbesitzer, der Löwen und Elefanten schlecht behandelt und sie mit Stromschlägen foltert bis sie alles tun was er will und vor dem Publikum eine tolle Show abliefern. Aber diese Tiere sind nach ein paar Wochen Zirkustour erschöpft und sterben langsam alle. Da alle Tiere bald tot sind geht der Zirkus zu Grunde und der Zirkusbesitzer muss den Kaufmann abziehen um nicht Pleite zu werden. (GJ)

In Wirklichkeit ist Herr K. ein Schwarzmarkthändler mit Gummienten. Der Kaufmann wiederum ist auch ein Geschäftsmann. Dieser verkauft aber Gummidinosaurier. Herr K. ist sehr erfolgreich in seinem Geschäft, aber der Kaufmann wird immer populärer und nimmt Herrn K. seine Kunden weg. Aus diesem Grund schleust Herr K. einen von seinen besten Geheimmännern ein, indem er eine Empfehlung für diesen ausspricht und von ihm in den höchsten Tönen spricht. Der Kaufmann fällt auf diese Masche rein und macht erhebliche Verluste. Der eingeschleuste Mann ist nur von Herrn K. nicht bestechlich und deswegen liefert er Herrn K. secret information über die besondere Form der Dinos. Nach einer Beschwerde von dem Kaufmann wird der Mann nach zwei Wochen gefeuert, aber Herr K., der sich bei der ganzen Mission im Hintergrundgehalten hat, hat alle Informationen, die er braucht um sein neustes Projekt zu starten. Gummieinhörner!! Mit diesem Projekt wird er noch mehr verdienen,natürlich auf ganz mysteriöse Weise . (SW)

Herr K. ist ja wie bereits bekannt ein Waffenschieber, um die Kontakte mit einer anderen Waffenschieber-Gruppe zu pflegen, empfiehlt er dem Boss der anderen Gang einen bereits von ihm angesteuerten Mittelsmann, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hat. Da dem Verbrecherboss nach zwei Wochen auffällt, dass der Mittelsmann sich für ein neutralen, eigenständigen und angeblich unbestechlichen Geschäftsmann eindeutig zu unterwürfig verhält und sich mit Worten scheinbar leicht bestechen läst, konfrontiert er Herrn K. und wirft ihm vor, dass er sich ja sogar von seinen Feinden bestechen lassen würde. Daraufhin tut Herr K. unwissend und unschuldig. Um dem “Kaufmann” zudem seine scheinheilige Freundschaftlichkeit zu beweisen, meint er außerdem, dass der Mittelsmann sich von ihm noch nie hat bestechen lassen. damit wäre es ja klar, dass er kein Feind von dem “Kaufmann” sein kann und schon gar kein Komplize von dem Mittelsmann. Tatsächlich arbeitet der Mittelsmann wahrscheinlich mit dem Herrn K. zusammen und in nächster Ziet werden bestimmt einige Waffenladungen und dazu Geld verschwinden. (CH)

Meine eigene Interpretation

Für meine eigene Interpretation bin ich anders vorgegangen: Anlass war dieser fromme Spruch von Galileo Galilei* (*nicht von Galileo Galilei), der einem in twitterpädagogischen Kreisen immer wieder mal begegnet:

Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.

Damit habe ich die Brecht-Geschichte nur minimal verändert:

Die Kunst, nicht zu lehren

Herr K. empfahl einen Schüler an einen Lehrer, seiner Unbelehrbarkeit wegen. Nach zwei Wochen kam der Lehrer wieder zu Herrn K. und fragte ihn: “Was hast du gemeint mit Unbelehrbarkeit?” Herr K. sagte: “Wenn ich sage, der Schüler, den du unterrichtest, ist unbelehrbar, meine ich damit: du kannst ihn nicht belehren.” “So”, sagte der Lehrer betrübt, “nun, ich habe Grund, zu fürchten, dass sich dein Schüler sogar von meinen Feinden belehren lässt.” “Das weiß ich nicht”, sagte Herr K. uninteressiert. “Mir aber”, rief der Lehrer erbittert, “gibt er immer die richtigen Antworten, also lässt er sich auch von mir belehren!” Herr K. lächelte eitel.“Von mir lässt er sich nicht belehren”, sagte er.

(Dieser Herr K., der ist doch bestimmt auch auf Twitter.)

Tückisch kryptisch, wie ich meinen Brecht mag, auch wenn das Original vielleicht einen Tick weniger kompliziert ist.

6 Antworten auf „Tschick und Mebis und die Kunst, nicht zu lehren“

  1. Das Vergnügen nicht zu lehren konkret: Der Mebis-Server ist anscheinend völlig überlastet, kein Durchkommen mehr… oder hab ich mal wieder was falsch gemacht?

  2. Leider haben Sie die wunderbare Gelegenheit verpasst, das herrliche Wort „Doppelstundenhälfte“ zu schreiben. Wunderbar aber die Herrndorfsche Aufgabenstellung. Irgendwie tröstlich, dass auch Aliens so ihre Zwänge haben.

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