Osterferien 2020, zweite Woche

In der ersten Woche hatte ich die üblichen Ferienarbeiten: Eine Klausur zu Ende korrigieren (zugegeben, Uni, nicht Schule), einen Test korrigieren (12. Klasse). Aber keine Aufsätze zu korrigieren und keine anderen Prüfungen. So muss das als Nicht-Sprachen-Lehrer immer sein.

Aber ich habe natürlich sonst viel für die Schule vorbereitet, Videokonferenzen mit Kollegen ausprobiert und Sachen besprochen. Das hier ist aber die Videokonferenz zum sehr traditionellen Osterfrühstück von Frau Rau in vier Wohnungen mit elf Beteiligten und einem Besucher draußen im Garten, durch geschlossene Tür hereinwinkend. – Rote Bete mit Meerrettich als Beilage zu Wurst und Schinken, hier sehr wichtig.

Außerdem noch eine Videokonferenz mit Freunden, zu denen als Überraschung auch ein alter Freund aus den USA stieß und von dort berichtete.

Irgendwann habe ich auch Ensaladilla gemacht, also ensaladilla rusa – russischer Salat. Das gibt es in wohl jeder spanischen Bar als ración. Kartoffeln und Mayonnaise (selbst gemacht), dazu Karotten, Steckrübe, als gewürfelt und separat gekocht, mit Thunfisch und Erbsen für die Farbe. Sicherheitshalber noch etwas mehr Mayonnaise (aus dem Glas). Dekoriert mit Dosenspargel und Streifen gebratener, eingelegter Paprika. Ist sehr lecker.

Das Bein vom Zicklein, vor drei Wochen eingefroren, zubereitet mit restlichem Kombinatsgemüse und dem Steckrübenrest. Zweieinhalb Stunden bei 140 Grad, hätte noch etwas länger drin bleiben können, vielleicht.

Beim Einkaufen das hier gesehen und an ein Konzept aus der Informatik gedacht:

Das Konzept heißt “Semaphor”. Den braucht man, wenn verschiedene Programme (“Prozesse”) gleichzeitig ablaufen oder quasi-gleichzeitig, also abwechselnd mal beim einen eine Code-Zeile, dann beim anderen, und so weiter. Man weiß nie, wann wer dran ist und sollte stets damit rechnen, dass das im schlimmsten möglichen Moment geschieht. Das kann eigentlich immer sein, wenn beide auf einen gemeinsamen gemerkten Wert zugreifen, etwa einen Kontostand: Wenn der eine Prozess etwas einzahlt oder abhebt, und der andere das quasi-gleichzeitig macht, können die sich so in die Quere kommen, dass der Kontostand am Ende falsch ist.

Die Lösung: Es darf immer nur ein Prozess gleichzeitig ans Konto, oder wenn es statt eines Kontos ein Aufzug für bis zu 4 Personen ist: es dürfen immer nur maximal 4 gleichzeitig in den Aufzug. Wie ein Semaphor genau funktioniert, ist hier nicht wichtig, aber man kann sich das so vorstellen, dass vor dem Konto 1 gelbes Steinchen liegt, oder vor dem Aufzug 4 grüne Steinchen liegen. Wer’s benutzen will, nimmt sich ein Steinchen und legt es nach der Benutzung wieder zurück, wenn kein Steinchen da ist, muss man warten. Mit so etwas arbeitet man in der 12. Klasse in Informatik. Und so funktioniert das im Supermarkt auch mit den Einkaufswagen. (Kann man auch mit Toilettenschlüssel oder mit Spielecken-Zugang im Kindergarten, oder dem Muschelhorn in Herr der Fliegen erklären.)

Kartoffel-Apfel-Kuchen, irisch oder walisisch: Den habe ich aus einer Art Küchengeschichte Großbritanniens, über die ich noch einmal schreiben muss (Dorothy Hartley, Food in England, 1954). So ganz ohne Backzeit und ohne Temperatur und mit nicht vielen Details, eins von früher. Ein Teig mit nicht viel Butter drin, stattdessen zermanschte Kartoffeln und ein Viertel so viel Mehl, wird halbiert, ausgerollt, mit Apfelstückchen belegt und mit der zweiten Teigscheibe bedeckt.

Kein Salz, kaum Zucker im Rezept, ich hielt mich daran, nahm lediglich eine Pie-Form, von der nirgendwo die Rede war. Ich ließ den Kuchen/Pie bei 180°C für 55–60 Minuten im Ofen.

Und danach laut Rezept oben ein Stück ausgeschnitten werden, dann Zucker und dünne Scheiben Butter hinein, wieder zugemacht und noch eine Minute in den Offen. Ich habe das mal halbherzig versucht und zumindest an einer Hälfte des Pies so operiert. Gegessen wurde dann auch nicht unmittelbar danach, wie angegeben, sondern zehn Minuten später.

Fazit: Ich mag Apfelkuchenfüllung, beim nächsten Mal etwas Salz in den Teig, das ganze noch 5 Minuten länger im Ofen lassen. Der Teig selber gut, passt zu den Äpfeln, gibt ihnen aber auch nicht viel – beim nächsten Mal den gleichen Teig mit herzhafter Füllung?

Und hier bin ich im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung, im Rahmen einer Reihe darüber, wie Leute arbeiten während der COVID-19-Einschränkungen.

9 Antworten auf „Osterferien 2020, zweite Woche“

  1. Frau H. hat auch immer auf die Nichtsprachen- oder wenigstens Einsprachenlehrkräfte geschielt. Alle kurzen Ferien waren voll mit Korrekturen ausgefüllt.
    Das Buch “Dorothy Hartley, Food in England”, klingt interessant. Nachfrage bei den englischen Freunden deswegen.

  2. Food in England: Ich möchte einige Stellen noch einmal lesen, bevor ich darüber blogge. Da geht es um Veränderungen beim Kochen durch Veränderung der Feuerstelle (vom angelsächsischen Feuerplatz inder Mitte des Hauses zum späteren Herd an der Wand, Unterschiede beim Kochen mit Torf und anderen Brennmaterialien), und ich hätte gerne eine zweite Quelle für den tatsächlichen Einsatz von diesen großen Hexenkesseln – laut Hartley nämlich keineswegs nur SUppe oder Eintopf, sondern quasi geschichtet mit allem möglichen zu Kochenden, und danach hat man noch Badewasser.

    >Der neue Berühmtheitsstatus verpflichtet natürlich zu mehr Öffentlichkeitpräsenz in sozialen Netzwerken wie Blog und Twitter.
    Ich tu ja schon, was ich kann, aber blöd aus dem Fenster schauen ist auch wichtig und nimmt einen wesentlichen Teil meines Lebens in Anspruch.

  3. Das Foto von Ensaladilla erinnerte mich sofort an ein Gericht aus meiner Kindheit, ganz besonders die Spargel als Deko. Was es genau war kann ich nicht mehr sagen. Aber es muss so was ähnliches gewesen sein, das es gab, wenn wir Besuch hatten. Eine Art Kraut- oder Möhren- oder Rüben- oder Kartoffelsalat. Meistens gab es den, eine kalte Platte gab. In Luxemburg nannte man das “e kale Plat mat Duerchzuch”, eine kalte Platte mit Durchzug. Durchzug deswegen weil man mit der Platte einmal durch alle Küchenschränke zog und alles was passte, (meist Dosengemüse) kam mit auf die Platte.

  4. Ketty Thull kennt einen ganz ähnlichen russischen Salat, auch mit Steckrübe, daneben Sellerie, aber – und dann zählt es nicht – ohne Kartoffeln und ohne Thunfisch. Deko Spargelspitzen und was man sonst noch so findet. (Ähnlich mein Fachbuch “Lexikon der Küche”, das noch Hummer/Schinken/Zunge/Trüffeln dazu will. Auch weder Thunfisch noch Kartoffeln.)

  5. Zum Salz im Kartoffel-Apfel-Kuchen: Wir haben bei unseren England-Reisen festgestellt, dass die Engländer bei vielen Gerichten kein Salz angeben. Das liegt daran, dass die normalerweise gesalzene Butter verwenden. Also: Bei allem, wo Butter drin ist, muss man hierzulande eine entsprechende Menge Salz zusätzlich einplanen.

  6. Ich kenne den Semaphor als optischen Telegraphen (so ein Winkeding, das man an der Küste manchmal sieht) und habe erst mal auf den maritimen Bezug der Überschrift gewartet ;)

  7. >Bei allem, wo Butter drin ist, muss man hierzulande eine entsprechende Menge Salz zusätzlich einplanen.

    Werde daran denken. Das steht sicher auch irgendwo in dem Buch, aber es ist ja kein eigentliches Kochbuch.

    >Ich kenne den Semaphor als optischen Telegraphen (so ein Winkeding, das man an der Küste manchmal sieht) und habe erst mal auf den maritimen Bezug der Überschrift gewartet ;)

    Kam leider nicht, entschuldige. Aber man kann natürlich auch daraus Informatik ziehen, beim Repräsentieren von Information und den vielen Möglichkeiten dazu; oder als Sprache der korrekten Semaphoren-Signale.

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