Letzte Wochen vor den Pfingstferien 2020 (Abitur, Rosen, Vögel, Pudding)

Abitur

Heute Abituraufsicht geführt, Englisch. Zum ersten Mal kam der Ton für die Hörverstehensaufgabe auch offiziell vom Stick, die letzten Jahre über bekam ich immer CDs, die ich dann für die Schule kopieren musste, weil es doch immer ein oder zwei mehr brauchte. – Warum ich die kopiert habe? Weil ich an dieser komischen Schnittstelle sitze zwischen “so alt, dass noch ein CD-Brenner im Haushalt vorhanden ist” und “so jung, dass ich weiß, wie man den bedient”.

Die Tonqualität ist bei uns so oder so gut, hoffe ich, da der Ton ohnehin über den Computer im Klassenzimmer und die fest eingebauten Boxen kommt.

Abiturverpflegung heutzutage:

Am Dienstag auch Aufsicht gehabt. Am Mittwoch bin ich für eine 45-Minuten-Stunde in die Schule gefahren, für 4 Schüler und Schülerinnen, die in Informatik in der 11. Klasse in Gruppen in praktischen Projekten arbeiten. Gruppenarbeit ist natürlich im Moment verboten. Ein bisschen Flexibilität wäre da schön, aber natürlich kann man in der Q11 bei halbierten Teilnehmerzahlen nicht auf jeden Kurs Rücksicht nehmen. Und doch…

Rosentag

Die Woche zuvor war Rosentag. Das erste nach dem Rosenfest letztes Jahr (ach, die Bilder; ach, die Erinnerungen, schöne und traurige). Kein großes Fest diesmal, nur ein feines kleines Abendessen am Vorabend, weil wir am eigentlichen Rosentag unterwegs waren.

Balkonvögel

Dazwischen sehr viel Vögel am Balkon. Oben die Meisen:

Oder Spechte (oder auch Kleiber):

Darunter warten dann immer die Buchfinken, die nicht an den Meisenknödel kommen, sondern die Brosamen aufpicken.

Die Meisen sind am penetrantesten, aber der Buchfink kann auch so richtig laut sein, wenn er will.

Und unter dem Meisenknödel lungern auch die Tauben herum. Kaum kommt der Specht und hängt sich oben hin, landet unten eine Taube. Manchmal erschreckt sich der Buchfink dabei, meist nicht, und viel zu selten verscheucht der Specht eine Taube. Aber es kommt vor.

Covid-19-Fall an der Schule

An der Schule hatten wir den ersten positiv getesten Covid-19-Fall, eine Lehrkraft. Ich darf das schreiben, weil das auch schon in der örtlichen Presse stand. Wenige Schüler und Schülerinnen waren Kontaktpersonen 2. Grades, alle negativ getestet. Es ist wirklich eine gute Idee, zu lüften und die Türen offen zu halten, kleine Gruppen zu bilden, und Masken zu tragen.

Ich war heute von 7:15 Uhr bis 11:30 Uhr an der Schule, ohne meine Maske ein einziges Mal abgenommen zu haben. Das haben nicht alle so gehalten.

Videokonferenzen

Das Kultusministerium bietet allen Schulen Microsoft Teams an. Wir kommen hoffentlich ohne aus. Wir haben Möglichkeiten zum kollaborativen Arbeiten, und der Sachaufwandsträger stellt uns Big Blue Button zur Verfügung – eine Videokonferenzlösung, die speziell für den Einsatz in der Lehre entwickelt worden ist. Baden Württemberg setzt gleich auf BBB statt Microsoft:

Steak and Kidney Pudding

Steak and Kidney Pie mache ich ja öfter mal (Fotos und Rezept), aber diesmal wollte ich einen pudding machen. Pudding ist im Englischen entweder der Nachtisch (egal in welcher Form), oder Teig, häufig gefüllt, der in einer Form im Wasserbad oder ‑dampf gegart wird (egal ob süß oder salzig).

Keine Bilder der Zubereitung, aber hier der fertige Pudding nach dem Garen im Wasserdampf:

Gestürzt:

Und hier angeschnitten:

Hält sich erfreulich stabil. Die Füllung besteht aus Rindfleisch und Rinderniere, etwas Zwiebel. Keine Pilze, keine Worcestershire-Sauce – nächstes Mal gibt es wieder Pie.

Unterricht von zu Hause aus

Später mal wieder dazu.

Erste Schulstunden und Mebis-Bericht

Mich tatsächlich gefreut, die Schüler und Schülerinnen zu sehen. Ich brauche wenig Menschen, und für den Unterricht in Informatik 11 brauche ich schon gleich gar keine Anwesenheit – jetzt ist Projektphase, da ließe sich sinnvoller gleich von zu Haus aus arbeiten. Und die vier Schüler von letzter Woche, nun ja, nicht sehr sinnvoll, aber Flexibilität ist schwierig in solchen Zeiten. Diese Woche waren es die anderen elf, und wieder ein paar Gesichter zu sehen, das war schon schön. Alle vier Wochen tät mir reichen, so mit blended learning statt Präsenz.

Heute dann Abitur, Eröffnung der Themen und Aufsicht. Viel Aufsicht, weil natürlich immer noch kein Normalbetrieb. Durchweg offene Fenster und Türen, sechs Schüler und Schülerinnen pro Raum. Die Themeneröffnung war besonders spannend, weil es die Ersatzthemen waren, die das Kultusministerium immer in der Hinterhand hat – die eigentlichen Themen waren unbrauchbar geworden, da bei einem Einbruch in einer Schule ein Satz gestohlen worden war.

Mebiskurse

Meine Mebiskurse sehen ungefähr so aus. Wir haben Klassenkurse, also zum Beispiel einen Kurs für die 7d, den sich alle Lehrkräfte teilen. Das hat Vor- und Nachteile, war aber vor allem für den Einstieg ein Segen. Aber so gibt es für jedes Fach nur einen Abschnitt – es sei denn, man arbeitet mit Unterabschnitten wie hier:

Da steht deshalb “Hallo Thomas”, weil an dieser Stelle im Text tatsächlich der Platzhalter {firstname} steht, der dann in der Ansicht durch den Vornamen der angemeldeten Benutzerin ersetzt wird. So werden alle persönlich angesprochen, dann fällt vielleicht eher auf, dass hier Wichtiges steht. Die aktuellsten Aufgaben stehen immer oben, alle Dateien beginnen mit KW und der Kalenderwoche, für die sie gedacht sind; das hilft vor allem auch mir, die Übersicht zu behalten. Für jede Woche gibt es eine Aufgabe als pdf-Datei, informiert wird man darüber über eine wöchentliche Nachricht im Forum (mit pdf-Datei im Anhang und Inhalt der pdf-Datei als Text), Abgegeben wird über das Aufgaben-Modul von Mebis. In anderen Jahrgangsstufen sind manchmal auch Forenbeiträge Hausaufgabe, oder Arbeiten an einem externen Dokument, oder hochzuladende Audiodateien; hier nicht. Audio- und Videodateien baue ich eher als Link ein, statt den eingebauten Player zu verwenden.

Richtig schön wäre es noch, wenn ich mich auf einheitliche Doppelpunktlichkeit und so einigen könnte. Und mal mit Klammern, mal ohne, mal mit Leerzeichen, mal ohne, das stört mich.

Rückmeldungen

Die Antworten hole ich alle auf einmal als Download ab. Was in Microsoft Word kommt, korrigiere ich in Word, nachdem ich mir vor einem Jahr für 35 Euro ein altes Officepaket 2016 zugelegt habe; was als .odt kommt, korrigiere ich in Libre Office. Die Kommentierungs-Verbesserungsmöglichkeiten in Word sind aus verschiedenen Gründen für den Schuleinsatz übrigens furchtbar. Und was als Foto vom Hefteintrag kommt – mir ist alles willkommen -, das wandle ich zu pdf um und beschreibe es mit dem Eingabestift in meinem Surface mit dem Program Drawboard. Das war beim Surface dabei, kostet ansonsten Geld, und ich kann damit ähnlich schwungvoll schreiben wie mit dem Füller.

Vertrauen und Kontrolle

In einer separaten Datei notiere ich mir, wer was erledigt hat, formlos, als Notizzettel – ein Tabellenkalkulationsdokument mit einem eigenen Blatt je Klasse. So sieht das dann aus:

Die Klasse ist nicht vollständig wiedergegeben, die Reihenfolge der Einträge ist geändert, ich kann gerne so tun, als wären das Zufallsdaten, und vielleicht sind sie das auch.

Mebis bietet zwar an, Aktivitäten als abgeschlossen zu markieren, aber das war mir zu mühsam, ich bin da ganz old school. Und ja, natürlich lässt sich mit den Aktivitäten in Mebis genau verfolgen, wer was gemacht hat, und ob pünktlich, und wie gut. Das kann zu zu viel Überwachung führen, und manche Kollegen nutzen das mehr und anders als ich. Auf Twitter wird schon wieder gemosert, dass das diese Art der Kontrolle nicht zeitgemäß ist (ein Schlagwort, das noch auf der Suche nach seiner Bedeutung ist) und viel mehr Freiheit und Selbstständigkeit der Schüler und Schülerinnen und blablabla.

Mache ich zu viel oder zu wenig?

Ich sehe zwei Obergrenzen für das, was ich tun sollte:

  1. Nicht mehr arbeiten, als ich kann.
    Insbesondere nicht mehr arbeiten als während der regulären Schulzeit. Ich bin mir sicher, dass viele Lehrkräfte jetzt sehr viel mehr Zeit und Arbeit in die Schule stecken als bisher. Gerade wer in Teilzeit ist, sollte sich da nicht selbst ausbeuten. Und wer krank ist oder sich um andere kümmern muss, dann geht das auch vor.
  2. Nicht mehr verlangen, als Schüler und Schülerinnen und Eltern erledigen können.

Diese Obergrenzen halte ich für wichtig. Ich sehe außerdem zwei Untergrenzen für das, was ich tun sollte:

  1. Mindestens so viel, wie ich muss. Ich muss in die Schule gehen und arbeiten, von zu Hause muss ich erst einmal gar nichts machen, was private Infrastruktur voraussetzt.
  2. Mindestens so viel, wie sich gehört… eine schwammige Untergrenze. Um es mit Kleists Marquise von O. zu sagen: “Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, hob sie sich plötzlich, wie an ihrer eigenen Hand, aus der ganzen Tiefe, in welche das Schicksal sie herabgestürzt hatte, empor.” Die Lehrer und Lehrerinnen, die in den letzten Monaten wenig Klassen hatten, um die sie sich kümmen mussten, die haben die Zeit hoffentlich genutzt, sich zum Beispiel in Moodle richtig fit zu machen. Aber, wie gesagt: Ehrensache.

Großer Respekt für die vielen Lehrkräfte, die viel Zeit in Mebis stecken, selbst wenn am Anfang erst einmal wenig herauskommt. Es wird nach und nach immer mehr.

Zeit für Konsolidierung?

Zu diesem Zeitpunkt haben wir hier in Bayern seit siebeneinhalb Wochen keine keine Schule, zwei Wochen davon waren Osterferien. Seit eineinhalb Wochen wird die 12. und letzte Jahrgangsstufe unterrichtet (an anderen Schularten andere Jahrgänge), kommende Woche soll die 11. Jahrgangsstufe wieder Fuß fassen. Danach, aber so weit denke ich nicht, irgendwann mal 5. und 6., Pfingstferien, dann die anderen, ein bisschen. Regulären Unterricht kann ich mich nicht vorstellen.

Viele der letzten Wochen wurde mit Unterricht zu Hause verbracht. “Homeschooling” wird das oft genannt, aber das bedeutet etwas anderes, wie ich ja auch kein “Homeoffice” mache – dazu bräuchte es Geräte, die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden und eine arbeitsmedizinisch überprüfte Arbeitsplatzgestaltung, mindestens. Man redet nicht darüber, was Lehrer und Lehrerinnen zu Hause eigentlich tun müssen, und auch nicht darüber, was Schüler und Schülerinnen eigentlich müssen – die Schule unterbreitet, irgendwie, ein Lernangebot, und das Kultusministerium freut sich, wenn es angenommen wird.

Nicht alle freuen sich auf den kommenden Präsenzunterricht, den ich selber mehr als eine Art “Schule spielen” sehe und der Ressourcen aus anderen Bereichen abzieht:

Maximilian Buddenbohm (Hamburg) hat Sohn II befragt, wie er sich die Schule in Zukunft wünschen würde, ganz ohne Corona:

Eine Expertenmeinung
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Meine Zusammenfassung: Ein bisschen Präsenzzeit in der Schule, in kleinen Gruppen, um nachfragen zu können und vor allem Freunde zu treffen, und das eigentliche Arbeiten zu Hause erledigen – freie Zeiteinteilung, schöner Arbeitsplatz, Ruhe. (Für die mit Arbeitsplatz und Ruhe, jedenfalls.) Auch hier keine Sehnsucht nach der alten Schule.

Im Moment läuft also gemischter Unterricht zu Hause, mit gemischtem Erfolg und zu zu gemischter Zufriedenheit. Die Kollegen steigen langsam in Mebis/Moodle um, vom “Forum” als anfänglichem Mittel zum Stellen und Einsammeln von Aufgaben hin zur Aktivtät “Aufgabe”. Das ist für Schülerinnern und Schüler einen Tick aufwendiger, erleichtert aber die Arbeit beim Verwalten und Korrigieren sehr, und auch die Gefahr von verloren gehenden Nachrichten ist geringer. Aber die Schüler und Schülerinnen gewinnen auch etwas mehr Sicherheit, und die Ansprüche steigen. “Bitte nicht als .docx.” “Bitte nicht so viele Nachrichten.” “Wir möchten ein Erklärvideo zu…” “Können Sie das nicht so machen wie Frau…?”

Eine schöne und schwierige Sache, aus verschiedenen Gründen. Sagen wir: Ich wünsche mir als Lehrkraft dringend, auf Probleme angesprochen zu werden; um die Lösungen möchte ich mich dann selber kümmern. Bei unverlangt eingesandten Lösungsvorschlägen sind Lehrkräfte empfindlich.

Viele Eltern wünschen sich wohl übersichtlichere Kurse. Jedenfalls hat auch das Mebis-Team eine neue Präsentation oder Anleitung veröffentlicht mit dem Schwerpunkt: Wie kriegen die Schüler und Schülerinnen mit, dass es etwas Neues zu tun gibt und was sie tun sollen? Hier der Link:

Lernplattform – Auf neue Inhalte hinweisen
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Ich denke jedenfalls, dass man nach einer Phase des ersten Arbeitsn mit Mebis daran gehen sollte, besser mit Mebis zu arbeiten. Und das heißt auch, da kann ich die Eltern verstehen, einheitlicher. Aber der Föderalismus ist stark in Bayern und tief in einem Kollegium verwurzelt. Mal sehen, ob da etwas geht.

Es gibt unter Brechts sehr geschätzten Geschichten vom Herrn Keuner eine, die “Zwei Fahrer” heißt. Da geht es um zwei Autofahrer, den einen, der geschickt fährt, sich an die Regeln hält, und “vorsichtig und kühn” den besten Weg zwischen den anderen Verkegrsteilnehmern findet. Der andere fährt dagegen gedanklich mit den anderen Wagen um sich herum mit, ohne den schnellsten Weg für sich zu wählen, “mit einem ständigen Vergnügen an dem Vorwärtskommen aller Wägen und der Fußgänger dazu.”

Solche unterschiedlichen Fahrer gibt es auch in einem Kollegium. Einige verkriechen sich vielleicht ganz, weil sie überfordert sind – das verstehe ich. Viele lernen dazu, manche langsamer, manche schneller – völlig okay. Andere machen ihr eigenes Ding, vielleicht auch erfolgreich, aber sie positionieren sich dabei stets so, dass sie gar nicht in die Lage kommen, von anderen um Hilfe gebeten zu werden. Da wird mein Hals deutlich dicker.

Und mein Sabbatjahr ist genehmigt! Das Schuljahr 2022/23 wird ohne mich stattfinden. Ich bin schon sehr gespannt. Nein, keine Pläne; bisschen Urlaub mit Frau Rau, ansonsten Lesezeichen und Festplatte. sortieren.