Zeit für Konsolidierung?

Zu diesem Zeitpunkt haben wir hier in Bayern seit siebeneinhalb Wochen keine keine Schule, zwei Wochen davon waren Osterferien. Seit eineinhalb Wochen wird die 12. und letzte Jahrgangsstufe unterrichtet (an anderen Schularten andere Jahrgänge), kommende Woche soll die 11. Jahrgangsstufe wieder Fuß fassen. Danach, aber so weit denke ich nicht, irgendwann mal 5. und 6., Pfingstferien, dann die anderen, ein bisschen. Regulären Unterricht kann ich mich nicht vorstellen.

Viele der letzten Wochen wurde mit Unterricht zu Hause verbracht. “Homeschooling” wird das oft genannt, aber das bedeutet etwas anderes, wie ich ja auch kein “Homeoffice” mache – dazu bräuchte es Geräte, die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden und eine arbeitsmedizinisch überprüfte Arbeitsplatzgestaltung, mindestens. Man redet nicht darüber, was Lehrer und Lehrerinnen zu Hause eigentlich tun müssen, und auch nicht darüber, was Schüler und Schülerinnen eigentlich müssen – die Schule unterbreitet, irgendwie, ein Lernangebot, und das Kultusministerium freut sich, wenn es angenommen wird.

Nicht alle freuen sich auf den kommenden Präsenzunterricht, den ich selber mehr als eine Art “Schule spielen” sehe und der Ressourcen aus anderen Bereichen abzieht:

Maximilian Buddenbohm (Hamburg) hat Sohn II befragt, wie er sich die Schule in Zukunft wünschen würde, ganz ohne Corona:

Eine Expertenmeinung
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Meine Zusammenfassung: Ein bisschen Präsenzzeit in der Schule, in kleinen Gruppen, um nachfragen zu können und vor allem Freunde zu treffen, und das eigentliche Arbeiten zu Hause erledigen – freie Zeiteinteilung, schöner Arbeitsplatz, Ruhe. (Für die mit Arbeitsplatz und Ruhe, jedenfalls.) Auch hier keine Sehnsucht nach der alten Schule.

Im Moment läuft also gemischter Unterricht zu Hause, mit gemischtem Erfolg und zu zu gemischter Zufriedenheit. Die Kollegen steigen langsam in Mebis/Moodle um, vom “Forum” als anfänglichem Mittel zum Stellen und Einsammeln von Aufgaben hin zur Aktivtät “Aufgabe”. Das ist für Schülerinnern und Schüler einen Tick aufwendiger, erleichtert aber die Arbeit beim Verwalten und Korrigieren sehr, und auch die Gefahr von verloren gehenden Nachrichten ist geringer. Aber die Schüler und Schülerinnen gewinnen auch etwas mehr Sicherheit, und die Ansprüche steigen. “Bitte nicht als .docx.” “Bitte nicht so viele Nachrichten.” “Wir möchten ein Erklärvideo zu…” “Können Sie das nicht so machen wie Frau…?”

Eine schöne und schwierige Sache, aus verschiedenen Gründen. Sagen wir: Ich wünsche mir als Lehrkraft dringend, auf Probleme angesprochen zu werden; um die Lösungen möchte ich mich dann selber kümmern. Bei unverlangt eingesandten Lösungsvorschlägen sind Lehrkräfte empfindlich.

Viele Eltern wünschen sich wohl übersichtlichere Kurse. Jedenfalls hat auch das Mebis-Team eine neue Präsentation oder Anleitung veröffentlicht mit dem Schwerpunkt: Wie kriegen die Schüler und Schülerinnen mit, dass es etwas Neues zu tun gibt und was sie tun sollen? Hier der Link:

Lernplattform – Auf neue Inhalte hinweisen
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Ich denke jedenfalls, dass man nach einer Phase des ersten Arbeitsn mit Mebis daran gehen sollte, besser mit Mebis zu arbeiten. Und das heißt auch, da kann ich die Eltern verstehen, einheitlicher. Aber der Föderalismus ist stark in Bayern und tief in einem Kollegium verwurzelt. Mal sehen, ob da etwas geht.

Es gibt unter Brechts sehr geschätzten Geschichten vom Herrn Keuner eine, die “Zwei Fahrer” heißt. Da geht es um zwei Autofahrer, den einen, der geschickt fährt, sich an die Regeln hält, und “vorsichtig und kühn” den besten Weg zwischen den anderen Verkegrsteilnehmern findet. Der andere fährt dagegen gedanklich mit den anderen Wagen um sich herum mit, ohne den schnellsten Weg für sich zu wählen, “mit einem ständigen Vergnügen an dem Vorwärtskommen aller Wägen und der Fußgänger dazu.”

Solche unterschiedlichen Fahrer gibt es auch in einem Kollegium. Einige verkriechen sich vielleicht ganz, weil sie überfordert sind – das verstehe ich. Viele lernen dazu, manche langsamer, manche schneller – völlig okay. Andere machen ihr eigenes Ding, vielleicht auch erfolgreich, aber sie positionieren sich dabei stets so, dass sie gar nicht in die Lage kommen, von anderen um Hilfe gebeten zu werden. Da wird mein Hals deutlich dicker.

Und mein Sabbatjahr ist genehmigt! Das Schuljahr 2022/23 wird ohne mich stattfinden. Ich bin schon sehr gespannt. Nein, keine Pläne; bisschen Urlaub mit Frau Rau, ansonsten Lesezeichen und Festplatte. sortieren.

5 Antworten auf „Zeit für Konsolidierung?“

  1. Ab 2023 dann als Ukuleleprofi auf Studiotournee – Du könntest beispielsweise Twitterthreads vertonen und vortragen. Oder als Barde für Balkonkonzerte bzw. Heiratsanträge Deine Dienste anbieten (funktioniert auch mit dem Vortrag reiner Texte ohne Musik). Oder als Mietkoch tolle Menüs zaubern. Ach, ich hätte da so viele Ideen, wenn ich Deine Agentin wäre…

    (Ich weiß, Du möchtest nur sitzen)

  2. Nur sitzen!
    Ich habe ja schon einen Hauptberuf und darf ja auch in diesem Jahr dann nur so viel nebenberuflich arbeiten wie sonst. (Offiziell bin ich da nämlich genauso in Teilzeit wie in den zwei Jahren zuvor.) Bin versorgt, und die Welt, die Welt kommt ohne mich sicher auch wunderbar zurecht. Was es da alles an Barden und Köchen gibt, sagenhaft!

  3. Danke! (Mir wird schon etwas einfallen. Oder ein Jahr lang stillsein üben, soll ja auch gut sein. Ist ja noch hin bis dahin.)

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