Synology-NAS in der Schule

Ich habe ja selber ein kleines NAS zu Hause (Blogeintrag). Aber so etwas gibt es auch in groß, etwa für eine ganze Schule. Das ist dann ein relativ leistungsfähiger Rechner mit großer Festplatte und geeigneter Software darauf, auf den gleichzeitig viele Benutzer über verschiedene Internetprotokolle – insbesondere https, also mit einem Browser – zugreifen können. Man könnte auch Cloud dazu sagen, es ist zumindest ein Wölkchen. Zuerst könnte das weite Teile sonstiger schulischer Infrastruktur ergänzen, später vielleicht sogar ersetzen.

DiskStation Manager DSM: Das zentrale Browser-Desktop

Im Browser sieht das für den angemeldeten Benutzer aus wie ein Desktop, den man aus verschiedenen Betriebssystemen kennt – Icons, die man verteilen kann, ein Menü, Fenster, die auf- und zugehen, darunter ein Datei-Explorer (heißt hier: File Station), der einem zeigt, was es für Verzeichnisse und Dateien gibt. In der Systemsteuerung kann man natürlich festlegen, welche Benutzer und Benutzergruppen Zugang auf welche Verzeichniss haben sollen.

Module und Apps dafür

Es gibt eine Auswahl an Programmen, die auf dem Server installiert werden können, und die jeweils den Benutzern verschiedene Dienste anbieten. Für viele der Anwendungen gibt es separate Apps für Windows, zum Beispiel, so dass man etwa für den Chat nicht im Browserfenster arbeiten muss, oder es gibt eigene Smartphone-Apps dafür.

Hier stelle ich einige der Module der Synology-Cloud vor.

File Station

Das ist das Äquivalent zum Windows-Explorer oder Finder. Braucht man grundsätzlich. Es gibt eine eigene Smartphone-App dafür. Sinnvollerweise ist das so eingestellt, dass man nur die Verzeichnisse sieht, für die man zumindest Leseberechtigung hat. Als App ist das gar nicht so wichtig.

Drive & Office

Zusammen ist das quasi so etwas wie Google Drive: Man kann Dokumente erstellen und im Browser bearbeiten (Tabellenkalkulation, Text, Präsentation). Die App ist nur mäßig hilfreich, sie bietet einen für User übersichtlicheren Zugang als die File-App und ist auf das eigene Drive-Unterverzeichnis beschränkt, in dem die Drive-Dokumente gespeichert sind. Man kann die Dokumente in der App betrachten, zum Bearbeiten muss man aber in einen Browser. Das Wichtige an diesem Modul ist die Möglichkeit, alleine oder öffentlich oder für bestimmte Nutzer oder Gruppen freigegeben an diesen Dokumenten zu arbeiten.

Einsatz in der Schule: Offensichtlich die Arbeit an und Präsentation von Dokumenten in Klassen und unter Schülern und Schülerinnen und Lehrkräften. Außerdem einfache Uploadmöglichkeit vom Handy – einfach an Drive schicken, und schon ist die Datei hochgeladen.

Wenn man ein Dokument übrigens öffentlich freigibt und einen Gast kommentieren lässt, dann macht ein Chatbot eine Konversation mit einem auf und informiert darüber.

Chat

Das ist so eine Art Mini-WhatsApp. Auch dafür gibt es eine App sowie einen Desktop-Client, aber man das Modul natürlich auch im Browser nutzen. Die App ist am praktischsten. Es gibt Konversationen, das sind Chats zwischen einer kleinen Zahl von Personen, und Kanäle, für die Kommunikation innerhalber größeren Gruppen. Nach der Installation gibt es zwei vom System erzeugte Kanäle, “Allgemein” und “Zufällig” (vielleicht schlecht übersetzt für “Random” im Sinn von “Beliebiges”).

Konversationen und Kanäle können privat sein, dann kann man ihnen nur per Einladung beitreten, einzelne User oder Gruppen. Allerdings kann das dann jeder in der Konversation oder dem Kanal, es gibt keine ausgezeichneten Administratoren mit mehr Rechten. Auch löschen kann jedes Mitglied den Kanal – ausgenommen die beiden Systemkanäle. Zu klären: Kann man weitere Sytemkanäle anlegen? Alle Gespräche können verschlüsselt werden, so dass nicht einmal die Admins sie lesen können; für die Schule ist das aber nicht sinnvoll, da das ohnehin nur zu schulischen Zwecken verwendet werden darf.

Interessante Optionen: Automatische Löschung von Chats nach einer bestimmten Zeitspanne. Chatbots und Makros. Was fehlt: Bestimmte Kanäle nur bestimmten Gruppen zugänglich machen.

Einsatz in der Schule: Mal schauen. Man muss Vertrauen in Schüler und Schülerinnen haben und kann einzelne bei Missbrauch vom Benutzen ausschließen. Auf Klassenfahrten und Wandertagen kann man so Kontakt halten. Auf Wunsch und bei Bedarf kann man für einzelne Kurse oder Klassen vielleicht einen Chat anlegen? Oder Kommunikation unter Lehrkräften? Ich nutze ja WhatsApp so gut wie nicht, aber solange meine Kollegen und Kolleginnen nicht bei Twitter sind, könnte ich mich mit dem Chat anfreunden.

Video Station

Man legt dazu Videodateien ab, standardmäßig im nicht öffentlich zugänglichen Ordner “video”, mit beliebigen Unterordner. Als Admin legt man dann in der Video Station sogenannte “Bibliotheken” an. Je Bibliothek gibt man exakt 1 Ordner samt aller Unterverzeichnisse frei – man wird also entweder eine Bibliothek “Lehrfilme” anlegen, die auf einen Ordner mit Englisch‑, Deutsch‑, Informatikverzeichnissen darin verweist, oder man wird je 1 Bibliothek für Deutsch, Englisch, Informatik anlegen, jeweils auf 1 Verzeichnis verweisend. Kombinieren der Methoden geht nicht. Diese Bibliotheken kann ich auf einzelne Usern oder Usergruppen begrenzen.

Wenn die Bibliothek erst einmal da ist, kann man sie nach den Festplatten-Ordnern sortiert durchsuchen und jeder Nutzer kann sich Wiedergabelisten anlegen. Als Admin kann ich eine Wiedergabelisten öffentlich freigeben, das sehen die anderen User zwar nicht, aber wenn man den Link dazu verteilt, kann jeder das anschauen, auch ohne Systemanmeldung.

Verschlagwortung gibt es keine, also auch keine Tags für Jahr oder Genre und so weiter.

Einsatz in der Schule: Vieles von dem, was man nicht bei Youtube findet oder nicht dort hochladen und Klassen zur Verfügung stellen möchte, kann man hier auf den eigenen Server stellen. Ob das so viel sein wird? Wenn man Bibliotheken nur eingeschränkten Gruppen zugänglich machen möchte, wie es bei urheberrechtlich geschütztem Material manchmal nötig ist, muss man für jede Gruppe 1 Bibliothek und damit 1 separates Verzeichnis mit Dateien darin anlegen. Trotzdem eine schöne Möglichkeit, mit der App schnell aus einem Sortiment an Filmen auswählen zu können – und von dort aus auch an andere Quellen zu schicken.

Audio Station

Das funktioniert ein bisschen anders als die Video Station. Es gibt wieder ein Verzeichnis (am besten nicht öffentlich zugänglich) mit Audiodateien darin, in beliebigen Unterverzeichnissen. Sämtliche Dateien darin werden automatisch indiziert und über die Station zur Verfügung gestellt, es gibt also keine Bibliotheken. Die Dateien sind durchsuchbar nach Interpret, Genre, Komponist, Album und auch nach dem tatsächlichen Verzeichnis, in dem sie sich befinden.

Man kann auch Radiosender hören, auch benutzerdefinierte – etwa das irische RTÉ Radio 1 (Streamadresse: http://av.rasset.ie/av/live/radio/radio1.m3u). Leider kann jeder User diese benutzerdefinierten Sender ändern oder löschen.

Alle User können für sich selber Wiedergabelisten erstellen, alle User können Wiedergabelisten für andere sichtbar machen, die sie dann benutzen, aber nicht verändern können.

Einsatz in der Schule: Die Lehrkräfte bzw. Admins laden Dateien in eine sinnvolle Verzeichnisstruktur hoch und sorgen dafür, dass die ordentlich verschlagwortet sind. Dazu autorisierte User – Lehrer und Lehrerinnen – können außerdem für alle einsehbare Wiedergabelisten erstellen. Beschränkungen auf bestimmte Gruppen sind nicht möglich. Lehrkräfte können zusätzliche Radiosender hinzufügen, damit die Schüler und Schülerinnen sie nicht selber anlegen müssen – die können zwar alle anderen löschen, aber wenn man sie in eine Gruppen-Wiedergabeliste packt, bleiben sie dort erhalten (lassen sich aber nicht mehr editieren).

LDAP

Von diesem Modul kriegt man als User nicht viel mit. Aber es ermöglicht – für die Systembetreuung – die Synchronisierung mit bestehenden Benutzerkonten und ‑gruppen, sprich: Die Anmeldung etwa am bisherigen Schulsystem.

Note

Ermöglichst Notizen und To-do-Listen. App dazu. Weiß noch nicht, was ich damit anfangen würde, es ist halt eine Notizapp neben weiteren.

GitLab

Dieses Modul habe ich noch nicht in Aktion gesehen, klingt aber vielversprechend – letztlich eine Github-Alternative, mit Git und Wiki und Issue-Tracking. Datenschutzrechtlich saubere Lösung für den Informatikunterricht. Ist leider schwieriger zu installieren als reguläre Module; es läuft bei uns noch nicht.

Weitere Module

Unter anderem: Medienserver, iTunes Server, VPN-Server, Discourse, Kalender, Mailserver.

Ausblick

Wie wird so eine Cloud damit klarkommen, wenn eine ganze Schule daran hängt? Eine Schule im Nachbarlandkreis hat’s vorgemacht, ich weiß von einer weiteren in der Schweiz, die das nutzt. Man braucht vermutlich eine ordentliche Internetanbindung der Schule.

Datenschutzrechtlich ist das eine saubere Lösung, da der Server in der Schule selber steht und dem Datenschutzbeauftragten dessen Sicherheit leichter erklärt werden kann.

5 Antworten auf „Synology-NAS in der Schule“

  1. >Wer pflegt dann eine solche Infrastruktur?
    First level support: Jemand an der Schule, weil nur der oder die das Kollegium kennt und versteht.
    Alles weitere: Der Sachaufwandsträger, mit parallelen Installationen an mehreren Schulen. Also, so stelle ich mir das vor, ist ja alles noch offen. Unser Sachaufwandsträger betreut 7 Gymnasien und etliche weitere Schulen, wir testen das mal als erste. Seit dem vorgeschriebenen Medienkonzept gibt es da mehr Ressourcen.

  2. Das ist dann eine Lehrkraft, die Zeitbudget dafür hat?
    Eine Open Source-Lösung gibt es nicht?

  3. Eine Open-Source-Lösung wofür? Ich verstehe den Zusammenhang von Open Source und Zeitbudget nicht. – Ähnlich ja auch mit der Schulhomepage. Das kann eine Lehrkraft machen oder eine externe Firma. Ersteres ist schneller und unkomplizierter und kostet dafür das Land mehr (wenn die Lehrkraft dafür weniger unterrichtet) oder weniger (wenn nicht).

  4. Ich habe keinen Überblick, ein NAS mit Open Source-Software gibt es nicht als Fertiglösung?

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