Erster kleiner Schultag nach den Schulschließungen

Am Sonntag Yoga gemacht, und das ich! Also, ungewöhnlich eigentlich wegen der Bewegung, mit Buddhismus habe ich mich ja tatsächlich ein bisschen beschäftigt, udn weiß aus dieser Ecke ein bisschen was darüber. Aber ich hatte die zwei Nächte davor unruhig geschlafen, und am Freitag tagsüber war ich sehr erschöpft. Die letzten Wochen haben mich dann doch mehr angestrengt, als ich dachte.

(Das mit dem Yoga fing schon schwer an. Auf den Boden auf die Matte setzen, eigentlich in irgendeiner Position, Hauptsache bequem. Au, au, au, irgendwas zwickt immer.)

Danach habe ich wie schon am Samstag allen Schülern und Schülerinnen hinterhertelefoniert, die sich nicht pünktlich gemeldet hatten, egal ob mit der Wochenaufgabe oder einer kurzen Notiz, dass es aus welchen Gründen auch immer eben keine gibt. Aber melden müssen sie sich, und daran sollen sie sich gewöhnen.

Montagmorgen dann eine Runde gelaufen, danach Videosprechstunde mit der 7. Klasse, in der ich Klassleitung bin. Es waren nur ein paar da, bisschen geplaudert; es war nicht das erste solche Gespräch und gab nicht viel zu bereden. Danach fast zum ersten Mal seit sechs Wochen in die Schule gefahren. Insgesamt wieder putzmunter, keine Spur mehr der Schwäche vom Wochenende.

In Bayern müssen in dieser Woche nur die Abschlussklassen in die Schule, bei uns sind das die Kurse der 12. Jahrgangsstufe. Dabei sollen besondere Sicherheitsregeln beachtet werden. Das kann ungeschickt laufen, wenn das in diesem Twitter-Thread stimmt:

Bei uns lief das deutlich besser ab; eine Arbeitsgruppe hat sich gekümmert. Es gibt einen geänderten Stundenplan mit geänderten Räumen, mehrere separate Eingänge für die verschiedenen Kurs, abgesperrte Wege, und für alle eine Toilettenkarte: Die legt man auf einen der beiden vorbereiteten Teller vor jeder Toilette, sofern einer frei ist; ansonsten muss man warten. Beim gehen nimmt jeder die eigene Karte wieder mit. (Semaphoren, schon wieder?)

Es gab Masken für alle Lehrkräfte in den Fächern, manche in dunklem Himmelblau, andere in chirurgischem Grün. Eine Kollegin war mit ihrem Grün unzufrieden, so dass ich die Gelegenheit zum Tausch ergriff, weil dieses Grün doch viel cooler ist.

Es gibt keine Pausen im Pausenhof, stattdessen gehen die Schüler und Schülerinnen direkt von Klassenzimmer zu Klassenzimmer; Lehrkräfte stehen als Ordner in den Gängen. Auch in den Klassenzimmern ist ständig eine Lehrkraft und achtet auf Abstand; die Pausen werden im Klassenzimmer verbracht, Wurstbrot und alles.

Und doch… selbst mit Einzeltischen sind 16-17 Leute in einem Zimmer schon recht voll. Alle waren gut gelaunt und disziplinert, Masken hatten alle – für die Gänge, nicht fürs Klassenzimmer.

Ich habe seit sechs Wochen zum ersten Mal wieder Leute gehört, die durcheinander reden! Bei Videokonferenzen geht das ja schlechter, als man es gewöhnt ist, und gewöhnt es sich so vielleicht ein bisschen ab; jedenfalls geht es mir so.

Die Stimmung war gut, die Schüler und Schülerinnen wirkten entspannt. Wir haben Haarschnitte verglichen, Formalitäten geklärt, weiteres Vorgehen besprochen: Ich habe allen dringend empfohlen, zur zweiten Sitzung diese Woche nicht zu kommen. Weil, wozu? Unterricht werde ich nicht machen, vielleicht Fragen klären, aber alles andere kann für mein Fach (Deutsch) von zu Hause laufen. Ja, die letzte Lektüre kommt zu kurz, wir machen fast gar nichts damit; auch kein Problem.

(Mal sehen, wie das in der nächsten Zeit mit der 11. Klasse in Informatik wird. Da fehlt noch eine Klausurnote, aber mit dem Stoff sind wir durch, die letzten Reste haben wir in den letzten Wochen gemacht. Ab jetzt ist nur noch Programmierprojekt in Kleingruppen, und in der Softwareentwicklung werden ohnehin viele digitale Werkzeuge zur Zusammenarbeit eingesetzt. Da ist Arbeiten von zu Hause aus auch aus fachlicher Sicht sinnvoller als Präsenzunterricht.)

8 Antworten auf „Erster kleiner Schultag nach den Schulschließungen“

  1. Unsere Vorkehrungen an der Schule decken sich fast zu 100% mit den eurigen. Wir scheuchen die Leute in den Pausen allerdings ins Freie und stemmen das mit zusätzlichen Aufsichten, die aufpassen, dass sich die Leute nicht zu nahe kommen. Mal schauen, wie das in der Praxis funktioniert. Morgen bin ich zum ersten Mal wieder im Unterricht…

  2. Ich Arbeite an einem Gymnasium mit Gemeinschaftsschule in Schleswig-Holstein, hier wird seit letzten Montag schon wieder Abi geschrieben. Das klappt bei uns sehr gut, da es nur 35 Abiturienten sind und wir eine große Turnhalle zur Verfügung haben.
    Auch die Abschlussschüler der 9ten und 10ten Klassen haben seit vergangenem Mittwoch wieder Unterricht. Jede Lerngruppe wurde nochmals geteilt, damit in den Klassenzimmern der Abstand eingehalten werden kann – für und Lehrer heißt das, 2x die selbe Stunde halten. Wir haben auch ähnliche Regeln wie bei euch erarbeitet, die Laufwege der 9ten und 10ten Klassen kreuzen sich beispielsweise nicht und an Abitagen haben die GemSchüler frei.
    Was mich und alle Kollegen am meisten stört ist, dass es vom Ministerium hier keinen Leitfaden oder ähnliches gibt- auch auf Nachfrage wird nur auf die allgemeinen Regeln und Hygienestandards hingewiesen, unser Konzept wurde alleine durch die Schulleitung erarbeitet. Wenn das mal gut geht, wenn jetzt alles noch weiter geöffnet wird…

  3. Bei uns kommen gerade viele Schreiben von Kultusministerium herein, aber ich überfliege die nur, und sie sind ja auch eher für die Schulleitung gedacht als für mich. Wie ich Bayern kenne, sind die aber schon recht ausführlich, werden aber auch nicht auf konkrete Situationen vor Ort eingehen können. Ich bin vor allem gespannt, wie deröffentliche Nahverklehr damit umgehen wird.

  4. Wenn Unterricht stattfindet: Herr Drosten meinte heute in seinem und Frau Hennigs Podcast, die Klassenzimmertüren sollten offen bleiben, die Fenster auch. Am besten noch ein Ventilator ans Fenster, der raus pustet. Die Luft soll sich halt bewegen, nicht still stehen.

  5. Ja, alle Türen waren offen, die Fenster zumindest am Anfang – später habe ich sie aus den Augen verloren. Wie das mit mehr Betrieb gehen soll als jetzt, das weiß ich allerdings nicht.

  6. Andere Schulwirklichkeit, fast off-topic: Überall auf dem Pausenhof und auf dem Lehrerparkplatz in der Schule des Herrn Rau liegen Bachmuschelschalen aus dem Krebsenbach, einem kleinen Wasserlauf, der um die Schule herumgeleitet wird. Die ungestörten Rabenkrähen gelangten bei der langanhaltenden Trockenheit der letzten Wochen an die Muscheln am Bachgrund. Sie ließen ihre Beute zum Beispiel über den Betonoberflächen im Pausenhof und auf den unbenutzten Lehrerparkplatz fallen, um sie zu knacken.

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