Impf-Ungeduld und Testen in der Schule

Seit Anfang dieser Woche (also nach den Osterferien) kommen in Bayern ab einer 7‑Tage-Inzidenz von 100 nur die Abschlussklassen in die Schule, das heißt fürs Gymnasium: die Kurse der 11. und 12. Klassen, und das jeweils abwechselnd nur in halber Besetzung. Außerdem müssen sich diese Schüler und Schülerinnen alle in der Schule im Klassenzimmer mit einem Selbsttest auf eine Covid-19-Infektion testen. Vor den Osterferien war das als freiwillig angekündigt, aber das ist lange her.

Ich finde es sehr lästig, dass ausgerechnet diese beiden Jahrgangsstufen in die Schule kommen. Gerade die kämen noch am besten ohne den Sozialkontakt aus und gut mit dem Distanzunterricht zurecht. Aber gut.

Getestet werden muss mindestens zweimal in der Woche. Da bietet sich tatsächlich der tägliche statt wöchentliche Wechsel der Kurshälften: bei uns wird einfach jeden Morgen getestet, in der jeweils ersten Stunde der Schüler und Schülerinnen. Wenn das erst in der dritten Stunde ist, muss man das halt mitkriegen; das geht aber schon.

Ohne Husten und Niesen laufen die Tests aber nicht ab. Deshalb Fenster auf, Desinfizieren, Augsburger Puppenkiste, dauert zehn Minuten mit Vorbereitung – dann muss man nur noch daran denken, nach einer Viertelstunde auf die Ergebnisse zu schauen. Das vergesse ich gerne mal. Ansonsten bei uns: sehr viel Aufwand, sehr gute Organisation. Aber insgesamt alles undramatisch.

(Anders ist das an anderen Schulen – die Schulleiterfreundin von Hauptschulblues berichtet.)

Bisher hatte ich kein Positiv-Ergebnis in einem Kurs. Müssen wir tiefer bohren? Vermutlich rechnen landauf, landab alle Schüler und Schülerinnen bedingte Wahrscheinlichkeiten aus – wenn ich ein Positiv-Ergebnis kriege, ist es wahrscheinlicher, dass ich infiziert bin (sehr unwahrscheinlich) und der Test das anzeigt (sehr wahrscheinlich), oder dass ich nicht infiziert bin (sehr wahrscheinlich) und der Test das falsch anzeigt (unwahrscheinlich)? Bei uns werden jeden Tag hundert Schüler und Schülerinnen getestet, ungefähr, und da müsste man eigentlich schon immer wieder mal ein paar falsch-positive Ergebnisse erwarten.

Der tägliche Wechsel und das zweitägliche Testen ist auch insofern gut, als der Test erst dann korrekt eine Infektion signalisiert, wenn man schon einige Tage infiziert und bereits infektiös ist. Ein “negativ” am Mittwoch sagt also nur, dass man, vielleicht, am Montag noch nicht infiziert war, ein “positiv” am Freitag sagt, dass man vielleicht schon am Mittwoch jemanden angesteckt hat. Es geht also nicht darum, konkret Schüler:innen und Lehrkräfte unmittelbar zu schützen, sondern einen möglichen Ausbruch rasch zu unterdrücken. Das sehe ich sogar ein.

Und dennoch werde ich jetzt langsam ein bisschen impfungeduldig. In Augsburg, lese ich, fangen sie jetzt schon mit Prioritätsgruppe 3 an. Und im Lehrerforum höre ich von Lehrkräften an Gymnasien, die bereits Impfangebote erhalten haben. Ich bin auch Gruppe 3, als Lehrer am Gymnasium. Außerdem bin ich bald Mitte fünfzig, übergewichtig, habe Bluthochdruck – ich würde jetzt auch gerne mal. Hab mich schon mal höflich ganz vorsichtig bei der Hausärztin gemeldet, dass ich also schon würde, wenn ich könnte; aber es gibt natürlich wenig Dosen dort. Nun, ich stehe auf der Liste.

Ich könne es allen, die bereits geimpft sind, und es gitb sicher viele Fälle, die noch vor mir drankommen sollten. Aber ich werde ungeduldig.

Nachtrag: Ein paar Stunden später kam tatsächlich eine Mail mit Einladung zur Impfterminvereinbarung. Die lesen aber nicht mein Blog, oder? Jetzt muss ich nur noch von der Hausärztin starkes Übergewicht und Bluthochdruck bestätigen lassen.

3 Antworten auf „Impf-Ungeduld und Testen in der Schule“

  1. Gratuliere, Thomas! Lehrkräfte gehören für mich generell in Gruppe 2, ganz an deren Anfang. Impft der Arbeitgeber Deiner Frau nicht? Manche machen das schon.

  2. „Jetzt muss ich nur noch von der Hausärztin starkes Übergewicht und Bluthochdruck bestätigen lassen.“

    Im Notfall musst du dir vor dem Impftermin halt beides noch anfressen. Es bleibt die Abwägung, ob das ungesünder wäre als das Risiko, weiter ungeimpft zu bleiben, Thomas.

    Ich kenne viele kerngesunde, sportliche U40-Lehrer (alle Sekundarstufe), die schon einmal geimpft sind, während andere Kollegen Ü60 und mit Risikofaktoren noch warten. Ich weiß aber auch nicht, wie ich das einordnen soll.

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