Patrick Ehret: Fanzinesammler

Gelegentlich schreibe ich etwas über meine Erinnerungen an meine Zeit im Science-Fiction- und vor allem Star-Wars-Fandom. Vor etwas sechs Jahren etwa meldete sich jemand bei mir, der die alten Star-Wars-Fanzines sammelte, von denen ich schrieb, und ob ich Ausgaben hätte, die ich ihm überlassen würde.

Ich hatte, und trennte mich von manchen Ausgaben. Sie sind ohnehin nur in einer Kiste unter meinem Bett, und wenn jemand Freude daran hat, um so besser. Aber alles rückte ich nicht heraus, „noch nicht“.

Seitdem erinnert mich Patrick einmal im Jahr daran und fragt nach, ob ich inzwischen wieder etwas für ihn hätte, und meistens, glaube ich, habe ich das auch. Die Bande werden lockerer.

Ansonsten weiß ich so gut wie nichts über Patrick. Also fragte ich ihn bei der letzten Runde, ob er etwas über sich im Blog hier schreiben wolle, und bot ihm Interviewfragen dazu an. Er wollte, und hier ist das Ergebnis. Am Ende: Falls jemand übrige Fanzines hat, wir werden ja alle nicht jünger, hier kann man sie loswerden. Ich fühle mich ein wenig wie ein alter Onkel.


Vorwort

Star Wars ist ein riesiges popkulturelles Phänomen und gilt als moderner Mythos, dem teilweise fast religiöse Verehrung entgegengebracht wird. Schöpfer George Lucas drehte 1977-83 die ersten drei Filme, die sogenannte Original-Trilogie. Deren Vorgeschichte verfilmte er in drei weiteren Teilen von 1999-2005 (Prequel-Trilogie). Damit sollte die Saga eigentlich abgeschlossen sein, Lucas verkaufte jedoch die Star-Wars-Rechte an Disney, wo drei weitere Fortsetzungen entstanden (Sequel-Trilogie, 2015-19), außerdem mehrere Ablegerfilme und TV-Serien. Darüber hinaus gibt es einen riesigen Kosmos an weiteren Star-Wars-Geschichten in Büchern, Comics, Computerspielen, Kurzgeschichten, usw.

1. Was möchtest du über dich sagen, was nichts mit Fanzines zu tun hat?

Alles fing mit ein paar Star-Wars-Spielzeugfiguren an. Diese wurden Mitte der 1980er-Jahre in den Geschäften günstig abverkauft, weil sich der Riesenhype nach dem dritten Kinofilm allmählich legte. Ich war damals erst im frühen Grundschulalter und hatte die Filme nicht im Kino gesehen, aber mir gefiel die Aufmachung der Figuren mit coolen Rüstungen und wilden Aliengesichtern.

Die Filme sah ich erst einige Jahre später. Da war „Star Wars“ längst zu einem modernen Mythos geworden und begleitet mich seither durch mein Leben. Meine Spielzeugsammlung wuchs zunächst an und fiel später der Pubertät zum Opfer. Meine nächste große Leidenschaft waren die zahlreichen Bücher und Comics, die die Geschichten aus der weit entfernten Galaxis fortsetzten. Sie hielt an, bis Disney nach der Übernahme des Franchise 2014 bekanntgab, all diese Erzählungen – die mir so sehr ans Herz gewachsen waren – bei der Entwicklung neuer Filme zu ignorieren. So trennte ich mich auch von meiner Literatursammlung und widmete mich Star Wars fortan mit Lego-Bausteinen. Mit diesen tobe ich mich seit ca. 10 Jahren in Form von detailverliebten Eigenbauten aus. Aber bei allen wechselnden Schwerpunkten hat mich eines immer fasziniert: Die Geschichte des frühen deutschen Star-Wars-Fandoms und seine Publikationen: die Fanzines!

2. Was möchtest du über dich und Fanzines sagen? Welche interessieren dich? Warum?

Fanzines waren das Fankultur-Medium der 1980er- und frühen 90er-Jahre, bevor sie um die Jahrtausendwende vom Internet abgelöst wurden. Die meisten „Zines“ gab es in der Musik- und der Fußballszene, aber auch Film-/Science-Fiction-/Fantasy-Enthusiasten und Pen-and-Paper-Rollenspiel-Fans brachten solche Publikationen heraus. Teilweise als Einzelpersonen oder kleine Gruppen, teilweise im Rahmen kleiner, inoffizieller Fanclubs. Diese bildeten sich meist lokal/regional aber manchmal fanden sie auch bundesweit Mitglieder. 

Als Offset-Druck und erste Computerprogramme Einzug hielten, brachten es spätere Fanzines durchaus zu einem semiprofessionellen Erscheinungsbild, aber die ersten „Zines“ entstanden mit der mechanischen Schreibmaschine, Stift, Schere und Kopierer. Mein Interesse gilt -natürlich – in erster Linie Fanzines rund um Star Wars. Diese waren voller lebhafter Berichte, abstruser Theorien, selbstverfasster Storys und liebevoll handgemalter Bilder. Oft voller Tippfehler, schief gedruckt und mit kopierten Fotos, auf denen kaum etwas zu erkennen war. Aber sie verströmten den Charme des ungefilterten jungen Fandoms voller sprühender Begeisterung und waren meilenweit entfernt vom typischen „Marketingsprech“ offizieller Verlagspublikationen. Den Fanzine-Autoren lag das Herz auf der Zunge, bzw. in der Feder. Das zeigte sich zum Beispiel darin, dass Fehden zwischen konkurrierenden Fanclubs offen in den Heften ausgetragen wurden oder die Redakteure den eigenen Lesern Vorwürfe machten, weil sie zu wenige Beiträge einreichen – denn die Hefte waren „von Fans für Fans“ und lebten auch von den Einreichungen der Leserschaft.

Ein kleines bisschen beneide ich die Aktiven von damals darum, „von Anfang an“ dabei gewesen zu sein und Krieg der Sterne beim deutschen Kinostart 1978 gesehen zu haben. Auch wenn sich um die Filme in kürzester Zeit eine riesige Merchandising-Maschinerie entwickelte, haben die inoffiziellen Fanzines einen Hauch von nicht-kommerzieller Unschuld.

3. Wie viele Fanzines hast du, also ungefähr, und welche schätzt du besonders?

Es ist wahnsinnig schwer herauszufinden, wie viele Star-Wars-Fanzines es in Deutschland überhaupt gab. Mancherorts schlossen sich in den 1980ern ein paar Schulfreunde zusammen und nannten sich „Star-Wars-Fanclub“. Dann schusterten sie womöglich einen improvisierten Newsletter zusammen, von dem es nur eine Handvoll Exemplare gab, die inzwischen gar nicht mehr existieren.

Wenn man nur die Fanclubs/Fanzines einbezieht, die ein Mindestmaß an Organisationsgrad aufwiesen und auch solche Veröffentlichungen betrachtet, die sich nicht mit dem gesamten Themenkomplex befassten, sondern ihren Schwerpunkt auf einzelne Star-Wars-Darsteller legten, zum Beispiel Harrison Ford, dann gab es von 1978 bis um die Jahrtausendwende über 280 Ausgaben von Star-Wars-Fanzines und vergleichbaren Publikationen (zum Beispiel Sonderbände mit Fanfiction-Geschichten, usw.). Davon besitze ich immerhin fast 200, habe aber auch noch einige schmerzhafte Lücken. Je älter, bzw. je geringer die Auflage, desto schwieriger sind die Hefte zu bekommen. Mein Ältestes stammt aus meinem Geburtsjahr 1979 und liegt mir besonders am Herzen. Sehr glücklich bin ich auch darüber, dass ich sämtliche Publikationen des Augsburger Fanclubs „Union of the Jedi“ besitze. Dieser wurde 1981 gegründet, mehrfach umbenannt und schließlich 1995 als offizieller deutscher Star-Wars-Fanclub (OSWFC) anerkannt. In den frühen Fanzines der „Union of the Jedi“ taucht übrigens der Name „Thomas Rau“ gelegentlich auf…

4. Bist du in einem Fandom aktiv?

Meine Antwort ist ein entschiedenes „Jein“! Ich bin natürlich Mitglied im OSWFC und mische gelegentlich noch in Onlineforen zu den Themen Star Wars und Lego mit, allerdings ist das Medium „Onlineforum“ am Aussterben. Die neue Kommentarkultur auf Instagramm & Co. ist mir zu wenig interaktiv und erlaubt keinen wirklichen Dialog und Austausch, deshalb halte ich mich dort weitgehend zurück. Momentan widme ich mich intensiv den Prequel-Filmen und der harschen Kritik, auf die sie seinerzeit bei den älteren Fans gestoßen sind. Ich möchte – möglichst sachlich und faktenbasiert – untersuchen, aus welchen früheren Quellen sich deren Erwartungen gespeist haben und warum sie enttäuscht wurden. Welche objektiven Fehler wurden bei den Filmen gemacht? Das Ganze ist nur ein kleines Hobby-Projekt. Aber insgeheim träume ich davon, es irgendwann in guter alter Fanzine-Manier in Papierform zu veröffentlichen und auf Star-Wars-Veranstaltungen unter die Leute zu bringen. Auf einer solchen – der Noris Force Con in Fürth – habe ich im September dieses Jahres erstmals meine Lego-Eigenbauten ausgestellt.

5. Kennst du noch andere Leute mit Interesse an alten Fanzines?

Sehr wenige. Einige Kontakte bestehen schon seit ca. 20 Jahren. Wir können uns gelegentlich mit neuen Errungenschaften gegenseitig aushelfen und tauschen uns über das Hobby aus. In den letzten Jahren habe ich gezielt versucht, neue Sammlerkontakte zu knüpfen und mit den früheren Verantwortlichen hinter den Fanzines in Verbindung zu treten. Daraus sind ein paar schöne, periodische Kontakte entstanden – unter anderem mit dem Schöpfer des „Lehrerzimmers“. Ich habe aber auch erlebt, dass frühere Aktive abblocken oder nicht einmal antworten. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Womöglich haben sich bei dem einen oder anderen die alten Fehden eingefressen und zu Verbitterung geführt. Bei manchen spielt vielleicht auch eine Art elitäres „Wir-Fans-der-ersten-Stunde-Denken“ eine Rolle. Für manche aus dieser Generation gilt nur die Original-Trilogie als „echtes“ Star Wars. Es gilt als Makel, später geboren zu sein und die Prequel-Filme – oder gar das neue „Disney-Star-Wars“ – zu mögen. Ich betrachte beides ebenfalls kritisch, aber eben möglichst sachlich-analytisch und nicht verbittert. 

6. Was sollen Leser tun, die auch noch altes Material haben?

Wenn Ihr noch alte Fanzines besitzt, dann kramt sie mal wieder hervor und begebt Euch auf eine Zeitreise! Genießt das Unverstellte, Authentische, Ehrliche und Leidenschaftliche, das diese Publikationen versprühen. Macht Euch bewusst, dass es in ihrer Entstehungszeit kein Internet gab, Ferngespräche am Telefon ein Vermögen kosteten und man Filme auf Betamax, Video 2000 oder VHS-Kassette in der Videothek ausleihen musste. Stellt Euch die Macher vor, wie sie jeden Star-Wars-Schnipsel aus Fernsehzeitschriften, Kino- und Jugendmagazinen ausschnitten und ihre selbstverfassten Artikel und Geschichten am Schulkopierer vervielfältigten. Pure Nostalgie!

Und falls sich jemand von seinen Fanzines oder sonstigen Devotionalien aus dem frühen deutschen Star-Wars-Fandom trennen möchte, dann findet ihr in mir natürlich einen dankbaren Abnehmer, der sie zu schätzen weiß und dazu beiträgt, dass diese Ära nicht in Vergessenheit gerät. Neben Star Wars lese ich auch gerne Fanzines zu anderen SciFi- und Fantasy-Themen (z. B. Perry Rhodan, Star Trek, Herr der Ringe) und Rollenspiel-Fanzines – wenngleich ich diese Gebiete nicht gezielt sammle. Fußball- und Musik-Zines sind nicht meine Welt. Aber bevor sie in der Papiertonne landen, könnte ich auch solche in gute Hände vermitteln. Falls Ihr Euch von etwas trennen möchtet, dann schreibt mir gerne eine E-Mail nach @web.de, vorne dran: patrick.ehret


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