Gelesen und gelernt

Interview mit Bernhard Bueb im Schul-Spiegel: Lehrer brauchen Führung. Gar nicht so undifferenziert. Und realistisch:

Dafür braucht es an einer Schule einen starken Leiter, der nicht nur verwaltet, wie es 80 Prozent der deutschen Schulleiter tun. Er muss vielmehr seine Mannschaft zusammensuchen. Die Qualität einer Schule hängt zu beinahe hundert Prozent an dieser Person. Direktoren von Vorzeigeschulen haben meist jahrelang daran gearbeitet, ein handverlesenes Kollegium zu bekommen. Sie sind Menschenfischer; sie quengeln bei der Schulbehörde, bis die Verantwortlichen sagen: In Gottes Namen, nimm, wen du willst! Und sie kennen keine Rücksicht. Wer ihnen nicht gefällt, den ekeln sie raus.

Norberto42 zitiert Jürgen Baumert: Was ist Schule? Kluge Gedanken aus einem Vortrag über den notwendigen Unterscheid zwischen Schule und Leben:

Durch die Bereitstellung stabiler Lernumwelten kann systematisch, langfristig und kumulativ gelernt werden. Die Kehrseite der Sicherung von Langfristigkeit, Systematik und Kumulativität bleibt häufig in reformpädagogischer Rhetorik verborgen: Schule vermittelt grundsätzlich stellvertretende Erfahrungen, die dennoch – sollen Lern- und Bildungsprozesse erfolgreich verlaufen -, als persönlich und authentisch wahrgenommen werden müssen.

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8 Thoughts to “Gelesen und gelernt

  1. Hm, das “Lob der Disziplin” hat mir schon gefallen, auch wenn ich nicht alle Ansätze teile. Aber dafür war es ja auch eine Streitschrift. Mal gucken, ob ich mir das neue Werk von Bueb auch zulege, das Interview klingt ja vielversprechend.

    Danke für den anderen Link zu “Was ist Schule”!

  2. Dank für den Hinweis! Wo Bueb Recht hat, hat er Recht.
    Stets glaubt man nämlich, nur durch Ausbildungsordnungen und Vorschriften Unterricht verbessern zu können. Dabei bedarf es gezielter Auswahl der Mitarbeiter und gezielter Unterstützung. Man sage nicht, Vergleichsarbeiten unterstützten irgendeinen Schüler oder irgendeinen Lehrer.

  3. ch habe während des Referendariats beide Extreme von Schulleiter erlebt, das arrogante Arschloch und den begnadeten Menschenkenner. Ich kann der Wichtigkeit des Einflusses eines Schulleiters, wenn dieser eine starke Persönlichkeit ist, für Gut und Übel der gesamten Atmosphäre an der Schule nur zustimmen.

  4. Die wichtige Rolle der Schulleitung ist unbestritten. Auch, dass es eine professionelle und fähige Leitung geben muss, und dass es viele ungute Erfahrungen gibt mit Schulleitern, die nicht für diese Aufgabe geeignet sind. Dieses Problem rührte in der Vergangenheit vor allem daher, dass die Behörden in D. davon ausgingen, dass ein guter Lehrer auch ein guter Schulleiter sein muss, und dass es keiner besonderen professionellen Qualifikationen darüber hinaus bedarf. Leitungskompetenz geht widerum keinesfalls in administrativer Managementkompetenz auf!!
    Aber dann scheiden sich auch schon die Geister in Bueb-Fans und andere. Die ersteren halte ich für Liebhaber vordemokratischer Duodezfürsten-Leiter-Modelle, sagen wir vom aufgeklärten Fürsten. Die anderen denken nach über und kennen den Begriff „demokratisch leiten“. Eine Buchempfehlung dazu: Michael Fullan, Leading in a Culture of Change, 2001. Ob es das Buch auf Deutsch gibt, weiß ich leider nicht. Aber Englisch lesen übt und lebenslanges Lernen ist auch nicht verkehrt. Hilfreich ist auch die Broschüre des BLK-Programms „Demokratie lernen und leben“. Sie heißt „Leiten in Schulen der Demokratie“, es gibt sie als pdf im Netz.
    Unter kompetenter demokratischer Leitung entwickelt sich ein möglichst großes Maß an Partizipation und Selbstbestimmung bei der „Mannschaft“, und nur so sind Kreativität und Innovation zu haben. Zur Leitung als Führung verstanden, fällt mir vor allem Engführung ein. Vom Demokratisch Leiten hat Bueb nicht sehr viel Ahnung. Was jedoch überhaupt nicht heißt, daß er – für die Bedarfe der Vergangenheit – nicht ein sehr guter Schulleiter war. Wenn ein guter Praktiker aus seiner Praxiserfahrung ein populäres bis populistisches Buch macht – dann heißt das noch lange nicht, daß es sich um wirklich reflektierte Praxis handelt, die auch mit dem Stand der Lernforschung kompatibel ist. Es sind dann eben einfach nur die persönlichen Ansichten eines in seinem spezifischen historischen Kontext erfolgreich gewesenen Praktikers.

  5. Mir ist diese Stelle im Interview mit Bueb auch aufgefallen. Mir hat die Grösse gefehlt, jemanden zu zitieren, den ich nicht ausstehen kann. Aber genau so ist die Realität.

    Führungsqualitäten und Transparenz sind in der Schule oft nur vordergründig erwünscht. Normal ist immer noch quengeln und rausekeln. Wenn ich Personalentwicklung so mache, wie ich das in beim Erwerb des Papiers für genau diese Qualifikation gelernt habe, kann ich nicht mit Unterstützung rechen. Weder von oben noch von unten und nichtmal, wenn ich den Leitungsjob genau wegen selbigem Papier bekommen habe.

  6. Sehr gut! Der Mann hat meine volle Unterstützung! An meiner (ehemaligen) Schule müssten auch mal so ein paar Lehrer rausgeekelt werden… im großen und ganzen ist das Kollegium aus meiner Sicht aber in Ordnung…

    MfG, Robert Nitsch

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