English as She is Spoke (McSweeney’s I)

Mein Luftkissenboot ist voller Aale? So ähnlich jedenfalls.

English as She is Spoke – diesen Ausdruck hatte ich schon mehrfach da und dort aufgeschnappt. Jetzt weiß ich endlich, wo er herkommt: 1855 schrieb Pedro Carolino einen portugiesisch-englischen Sprachführer. Er konnte allerdings kein Englisch. Aber er hatte einen englisch-französischen Sprachführer, und ein französisch-portugiesisches Wörterbuch. Das musste reichen.

Herausgekommen ist ein Klassiker des unfreiwilligen Humors, dessen englische Ausgabe eben English as She is Spoke lautet. Das Portugiesische schenke ich mir, hier nur ein paar Beispiele für die englischen Teile:

Have you understand that y have said?
Do is so kind to tell me it.
Have him some children?
Apply you at the study during that you are young.
This bell have of a clear sound.
Remove you of the river.
He does me some kicks.

In einem ersten Teil stehen einige Vokabeln nach Wortfeldern geordnet, dann kommt ein Teil mit nützliche Ausdrücken, gefolgt von kurzen Dialogen in Alltagssituationen. Zum Beispiel beim Friseur, “With a hairdresser”. Ich kann mir den portugiesischen Touristen im 19. Jahrhundert vorstellen, der damit sein Glück in England versucht.

Master hair dresser, you are very lazy. You keep me back at home; i was to go out. If you not come sooner, i shall leave you to.
Shave-me.
Yours razors are them well?
Look to not cup me.
Comb-me quickly; don’t put me so much pomatum. What news tell me? all hairs dresser are newsmonger.
To morrow be more early; bring me any news. Are you great deal of customers?

Wer dadurch schon genug Englisch gelernt hat, kann sich an die Anekdoten im letzten Teil des Buchs wagen.

One eyed was laied against a man which had good eyes that he saw better than him. The party was accepted. “I had gain, over said the one eyed; why i see you two eyes, and you not look me who one.”

Die Geschichte ist sogar ganz lustig. Es hilft allerdings beim Verständnis, wenn man das Portugiesische mitlesen kann. (Ich kann zwar nur etwas Spanisch, aber das hilft auch schon.)

A little master frizzeled, perfumed and covered of gold, had leaded to the church, for to marry, a coquethish to the dye glistening the parson, having considered a minute that disfigured couple, told him: “Now before to pronounce the conjungo, let avow me for fear of quiproquo, which from both is the bride?”

Ganz abgesehen von dem verballhornten Englisch ist aber auch noch interessant, was Mitte des 19. Jahrhunderts für einen Reisenden als wichtige und nützliche Vokabel galt: Dienstboten (Coochman, Running Footman, Master of the horse, Sedan porter, Postilion, Woman who irons linens), wichtige Orte einer Stadt (The arsenal, The fortifications, The sink, The low eating house, The square places), Krankheiten (The asthma, The scrofulas, The bloody-flux, The itch, The melancholy) und Arzneien (The antimony, The cataplasm, The cautery, The diet, The marsh-mallow, The laudanum)

Einige dieser Punkte scheinen zu jeder Zeit ganz besonders wichtig zu sein. James Thurber schreibt in “There’s no Place Like Home” (in My World – And Welcome to It) von einem Englisch-Französisch-Sprachführer, der ebenfalls nützliche Sätze enthält. Thurber liest die für den englischen Reisenden in Frankreich gedachten Sätze untereinander und offenbart die menschlichen Tragödien, die sich dort abspielen:

In the Customs Shed:
I cannot open my case.
I have lost my keys.
Help me to close this case.
I did not know that I had to pay.
I don’t want to pay so much.
I cannot find my porter.
Have you seen porter 153?

Kann man nicht schon die Verzweiflung in der Stimme des geplagten Reisenden hören? Es wird schlimmer:

On the Train:
Someone has taken my seat.
Excuse me, sir, that seat is mine.
I cannot find my ticket.
May I open the window?
Can you open the window, please?

At the Hotel:
Did you not get my letter? (Fängt ja schon mal gut an.)
I wrote to you three weeks ago.
I asked for a first-floor room.
If you can’t give me something better, I shall go away.
The chambermaid never comes when I ring.
I cannot sleep at night, there is so much noise.
I have just had a wire, I must leave at once.

Der Reisende hat auch im weiteren Verlauf von Thurbers Analyse nicht viel Glück. (Vermutlich steht aber tatsächlich in Reiseführern seltener: “Danke schön, Sie waren sehr freundlich” als: “Wo ist die nächste Polizeistation?”)

English as She is Spoke ist bei McSweeney’s in einer neuen Ausgabe erschienen, die erstmals kein Nachdruck früherer Ausgaben ist, sondern eine neue Auswahl aus dem Originalwerk trifft. McSweeney’s ist eine Art Mischung aus Die andere Bibliothek und Der Rabe – Literaturmagazin und liebevoll-exotischer Kleinverlag mit schön aufgemachten Büchern. Gefunden bei McSweeney’s auf deren Einkaufsseite. Gibt’s aber auch bei Amazon.

(Mehr in weiterem Blogeintrag.)

Gedichte per E‑Mail

Unter dieser Adresse:http://www.lyrikmail.de/ kann man eine wöchentliche (oder werktägliche) Gedicht-E-Mail abonnieren. Dann kriegt man ein deutschsprachiges Gedicht zugemailt. Ganz selten sind Übersetzungen dabei, meistens sind es deutsche Gedichte der letzten dreihundert Jahre.
Ich hatte mal einen Deutsch-Grundkurs, von denen jeder diesen Dienst abonnieren musste. Montags kam das Gedicht, jeden Freitag wurde ein Schüler über das Gedicht ausgefragt. Das war nur kurz, viel hatte ich auch nicht verlangt: Ein bisschen was zur Form, ein bisschen was Epochentypisches, ein bisschen persönliche Stellungnahme.

Die Vorteile: Ich hatte jeden Freitag etwas auszufragen und zu benoten, auch wenn ich in der Stunde zuvor nichts Abfragbares gemacht hatte. Im bayerischen Schulwesen sind penibel festgehaltene Noten nämlich viel wichtiger, als sie eigentlich sein dürften, aber das ist eine andere Geschichte.
Außerdem bekamen die Schüler einen Überblick über Lyrik durch regelmäßige Lektüre, und sei sie noch so oberflächlich.

Vor allem sollten die Schüler im Umgang mit E‑Mails vertrauter werden. Es ist nämlich noch keinesfalls so, dass alle Schüler E‑Mail haben; meistens ist es aber doch ein Großteil. Wer keine E‑Mail hat, muss sich einen Ausdruck des Gedichts bei einem Mitschüler besorgen, das ist kein Problem. Schlimmer sind die Schüler, die ganz selbstverständlich behaupten, sie hätten E‑Mail – und dann vergessen sie alle paar Monate ihre Zugangsdaten, kommen nicht mehr an den Computer, die E‑Mail-Software ist abgestürzt.

Im ersten Jahr des Grundkurses lief das auch ziemlich regelmäßig und zuverlässig, im zweiten Jahr schlief die Praxis dann nach und nach ein.

Unter Poem of the Week gibt’s einen ähnlichen Dienst mit englischen Gedichten.

Das Schüler-Blog

Das Blog meines Deutsch-LKs ist im Lehrerfreund vorgestellt worden. Dabei wird meine innovative Idee gelobt, aber nur wenig darauf eingegangen, wie sehr ich dann doch manche Schüler dazu anhalten muss, Beiträge zu schreiben – klar, das sieht man nicht. Trotzdem geht die tatsächliche Leistung, was das Blog betrifft, nicht von mir aus, sondern allein von den Schülern. Die verfassen die Texte und machen damit die sichtbare Hauptarbeit. Ich weiß noch nicht mal genau, was ich damit erreichen will – mein Hauptanliegen ist wohl, die Schüler in eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit zu zwingen. Damit sie nicht nur für den Lehrer schreiben, damit sie sorgfältiger schreiben, damit sie lernen, was öffentlicher Diskurs ist.

Da trifft sich der Beitrag im Lehrerfreund sehr gut. Die Besucherzahlen sind gestern in die Höhe geschnellt, ich hoffe, ein paar davon bleiben häufigere Leser.
Und bei dieser meiner eigenen Seite hier gibt es auch viel mehr Besucher (auch wegen Lehrer-Online). Herzlich willkommen! Auch hier hoffe ich, dass einige Leute bleiben werden. Natürlich sind Besucherzahlen überhaupt nicht wichtig. Außer ein bisschen.

US-Fernseh-Debatten, und Comics

Ich lese gerne manche Comics; andere Comics lese ich allerdings überhaupt nicht. Jedenfalls treibe ich mich gerne auf amerikanischen WWW-Seiten zu bestimmten Comic-Serien herum. Dort werden die jeweils neuesten Ausgaben diskutiert (und so gründlich interpretiert wie niemals ein Gedicht an einer Schule), aber das lese ich so gut wie nie.

Was mich vielmehr interessiert, ist jeweils die Rubrik “Vermischtes” oder “Politics and World Events”. Dort geht es gerade jetzt im Finale des Wahlkampfes hoch her. Außerdem erfahre ich dort eine Menge über amerikanisches Alltagsleben. Sehr erstaunt hat mich, wie routiniert die Teilnehmer an diesen Forums-Diskussionen mit Begriffen aus der Rhetorik umgehen. Sie scheinen das tatsächlich an der Schule zu lernen, und das wohl nicht nur im Rahmen von formalen Debates. (In debating societies übt man das rhetorisch geschickte Argumentieren, und dann wird öffentlich um Preise debattiert, mit Punktrichtern und vielen Zuschauern und allem drum und dran.) Begriffe wie “slippery slope” und “straw man” sind allen bekannt.

Natürlich kann man solche Kommentare auch in den Foren von amerikanischen Zeitungen verfolgen, so ähnlich, wie es bei uns bei Spiegel online ja auch ein Diskussionsforum gibt. Aber ich finde es bei den Comic-Fans gemütlicher. Sicher gibt es für andere Hobbies ähnliche Foren, in denen sich Briefmarkensammler oder was auch immer herumtreiben.

Peter David ist ein Comic-Autor, und in seinem Blog hat er die erste Fernsehdebatte von Bush und Kerry live und sehr ausführlich kommentiert, fast wie bei einem Boxkampf. Dazu kommen derzeit 104 Kommentare von Lesern seines Blogs, die einem einen interessanten Einblick in die amerikanische Gedankenwelt geben. Bei Peter David schaue ich eigentlich täglich vorbei, er schreibt viel über amerikanische Fernsehserien, die Comic-Industrie, den Wahlkampf, Medien.

Ein Comic-Forum gibt es zum Beispiel unter www.joequesada.com. Das ist die Seite von Joe Quesada, dem derzeitigen Chefredakteur von Marvel Comics. Die Startseite hat allerdings einen äußerst störenden Flash-Hintergrundsound, das Forum kann man aber auch direkt anspringen unter http://www.joequesada.com/cgi-bin/ikonboard/ikonboard.cgi. Dieses Forum ist vermutlich dann am interessantesten, wenn man keine Scheu vor Comic-Fans hat.


slippery slope: Um zu zeigen, dass eine Behauptung p inakzeptabel ist, baut man eine Folge von immer inakzeptabler werdenden Behauptungen auf, und zeigt, wie sie aus p folgen. Logisch nicht haltbar, ein Scheinargument.
Beispiele:

Man soll nie glücksspielen. Wenn man anfängt, kann man nicht mehr aufhören. Bald gibt man sein ganzes Geld nur für Glücksspiel aus, und irgendwann wird man kriminell, um sich das leisten zu können.

Wenn ich für dich eine Ausnahme mache, muss ich für jeden eine Ausnahme machen.

straw man: Man greift die Gegenseite an, indem man sich eine besonders schwache Fassung eines Gegenarguments heraussucht, und das bessere Argument der Gegenseite ignoriert. Ebenfalls ein Scheinargument.
Beispiele:

Wir brauchen die Wehrpflicht. Die Leute wollen nicht zum Militär, weil sie das unbequem finden. Aber es gibt schließlich Wichtigeres als Bequemlichkeit.

Die Leute, die gegen Bush jr. sind, stören sich ja nur daran, dass sein Vater bereits Präsident war. Es gibt aber keinen Grund, davon auszugehen, dass ein Sohn nicht ebenso gut oder noch besser dazu geeignet sein sollte, als sein Vater; das hat nichts mit Protektion zu tun.