US-Fernseh-Debatten, und Comics

Ich lese gerne manche Comics; andere Comics lese ich allerdings überhaupt nicht. Jedenfalls treibe ich mich gerne auf amerikanischen WWW-Seiten zu bestimmten Comic-Serien herum. Dort werden die jeweils neuesten Ausgaben diskutiert (und so gründlich interpretiert wie niemals ein Gedicht an einer Schule), aber das lese ich so gut wie nie.

Was mich vielmehr interessiert, ist jeweils die Rubrik “Vermischtes” oder “Politics and World Events”. Dort geht es gerade jetzt im Finale des Wahlkampfes hoch her. Außerdem erfahre ich dort eine Menge über amerikanisches Alltagsleben. Sehr erstaunt hat mich, wie routiniert die Teilnehmer an diesen Forums-Diskussionen mit Begriffen aus der Rhetorik umgehen. Sie scheinen das tatsächlich an der Schule zu lernen, und das wohl nicht nur im Rahmen von formalen Debates. (In debating societies übt man das rhetorisch geschickte Argumentieren, und dann wird öffentlich um Preise debattiert, mit Punktrichtern und vielen Zuschauern und allem drum und dran.) Begriffe wie “slippery slope” und “straw man” sind allen bekannt.

Natürlich kann man solche Kommentare auch in den Foren von amerikanischen Zeitungen verfolgen, so ähnlich, wie es bei uns bei Spiegel online ja auch ein Diskussionsforum gibt. Aber ich finde es bei den Comic-Fans gemütlicher. Sicher gibt es für andere Hobbies ähnliche Foren, in denen sich Briefmarkensammler oder was auch immer herumtreiben.

Peter David ist ein Comic-Autor, und in seinem Blog hat er die erste Fernsehdebatte von Bush und Kerry live und sehr ausführlich kommentiert, fast wie bei einem Boxkampf. Dazu kommen derzeit 104 Kommentare von Lesern seines Blogs, die einem einen interessanten Einblick in die amerikanische Gedankenwelt geben. Bei Peter David schaue ich eigentlich täglich vorbei, er schreibt viel über amerikanische Fernsehserien, die Comic-Industrie, den Wahlkampf, Medien.

Ein Comic-Forum gibt es zum Beispiel unter www.joequesada.com. Das ist die Seite von Joe Quesada, dem derzeitigen Chefredakteur von Marvel Comics. Die Startseite hat allerdings einen äußerst störenden Flash-Hintergrundsound, das Forum kann man aber auch direkt anspringen unter http://www.joequesada.com/cgi-bin/ikonboard/ikonboard.cgi. Dieses Forum ist vermutlich dann am interessantesten, wenn man keine Scheu vor Comic-Fans hat.


slippery slope: Um zu zeigen, dass eine Behauptung p inakzeptabel ist, baut man eine Folge von immer inakzeptabler werdenden Behauptungen auf, und zeigt, wie sie aus p folgen. Logisch nicht haltbar, ein Scheinargument.
Beispiele:

Man soll nie glücksspielen. Wenn man anfängt, kann man nicht mehr aufhören. Bald gibt man sein ganzes Geld nur für Glücksspiel aus, und irgendwann wird man kriminell, um sich das leisten zu können.

Wenn ich für dich eine Ausnahme mache, muss ich für jeden eine Ausnahme machen.

straw man: Man greift die Gegenseite an, indem man sich eine besonders schwache Fassung eines Gegenarguments heraussucht, und das bessere Argument der Gegenseite ignoriert. Ebenfalls ein Scheinargument.
Beispiele:

Wir brauchen die Wehrpflicht. Die Leute wollen nicht zum Militär, weil sie das unbequem finden. Aber es gibt schließlich Wichtigeres als Bequemlichkeit.

Die Leute, die gegen Bush jr. sind, stören sich ja nur daran, dass sein Vater bereits Präsident war. Es gibt aber keinen Grund, davon auszugehen, dass ein Sohn nicht ebenso gut oder noch besser dazu geeignet sein sollte, als sein Vater; das hat nichts mit Protektion zu tun.

2 Antworten auf „US-Fernseh-Debatten, und Comics“

  1. Danke für den Link zum Peter-David-Blog! Das werde ich mir wohl häufiger mal ansehen. Sehr nett auch die selbstironische Charakterisierung Davids als “writer of stuff”. (Allerdings muß ich auch sagen, daß die Comics und Romane, die ich von ihm gelesen habe, samt & sonders der Kategorie “lesen & vergessen” zuzuordnen sind.

  2. Bücher von Peter David habe ich noch keine gelesen; Romane zu Fernsehserien und humorvolle Fantasyromane interessieren mich aber auch wenig, so gut sie auch sein mögen (Terry Pratchett nach Jahren des Widerstands ausgenommen).
    Seine Comics kenne ich auch kaum – bis auf die 12 Jahre, die er The Incredible Hulk geschrieben hat. Und das hat er sehr gut gemacht. Das Personal hat er im Anschluss daran in eine andere Serie, Captain Marvel, mitgenommen; auch die war in den ersten drei oder vier Jahren sehr gut.

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