Aussprache-Spiele und -Videos

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Frau Rau schickte mir einen Link zu einem Aussprache-Spiel:

Man kann dabei verschiedene Spiele wählen, hier geht es um die unterschiedliche Aussprache von ä, e und i, die man mit dem Mikrofon richtig treffen muss.

Ich versage kläglich bei diesem Spiel. Dabei bin ich solche Spiele fast gewöhnt, jedenfalls versage ich auf andere Art und Weise immer mal wieder bei UltraStar Deluxe, wenn ich im Kämmerchen-Karaoke versuche, Tonhöhe und -länge von Billy Joels „Piano Man“ zu treffen:

Vielleicht liegen meine Probleme mit dem Vokalspiel an meinem Mikrofon-Setup, vielleicht daran, dass ich nicht weiß, um welches ä, e und i es überhaupt geht. Die deutschen Langvokale wahrscheinlich? Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht die Zielgruppe bin – das Spiel befindet sich auf der Seite des Germanistik-Professors Joachim Scharloth, der in Tokyo lehrt und vielleicht an japanische Muttersprachler denkt, die mit ä, e und i andere Schwierigkeiten haben mögen.

Es gibt jedenfalls keine universellen Vokallaute ä, e und i, die in allen Sprachen gleich sind. Selbst innerhalb einer Sprache sind die regional verschieden und ändern sich auch im Lauf der Zeit. Im Englischen sind die genauen Lautqualitäten der Kurzvokale /æ/, /e/ und /ɪ/ mal so und mal so und mal mehr und mal weniger gut auseinander zu halten.

Insbesondere in dem speziellen Dialekt, der seit 1962 Received Pronunciation heißt, liegen /æ/, /e/ und /ɪ/ näher zusammen, als man meint. RP, das ist das klassische Oberschichten-Englisch, dessen Einfluss zeitgleich mit der Begriffsprägung rapide zu schwinden begann und das dennoch die Lautschrift unserer Wörter- und Schulbücher bs heute prägt.

Das weiß ich aus den Videos von Geoff Lindsey, die ich in diesem Blogeintrag empfehlen möchte. Hier etwa ab 5’32“, wo das alte „pen“ eher wie ein neues „pin“ klingt, und das alte „trap“ eher wie „trep“, „sacks“ eher wie „sex“:

Im heutigen Standardenglisch ist das nicht mehr so, da haben sich die drei Laute /æ/, /e/ und /ɪ/ etwas freier gemacht und sind nicht mehr so eng beisammen.

Überhaupt sind die Videso von Geoff Lindsey alle sehr sehenswert Hier ist eines darüber, dass Wörterbücher Aussprachen zeigen, die eigentlich schon längst veraltet sind, so ab 6’09“:

Sehr schön finde ich auch seinen Film, in dem es um Behauchung oder Aspiration geht. Aspiration gibt es in vielen Sprachen, auch im Deutschen wird p, t, k eher wie pʰ, tʰ, kʰ ausgesprochen, also aspiriert.

Das pʰ ist ein p mit einem, nun, leichten Hauch dahinter, den wir nicht bewusst zu hören geübt sind, der aber dennoch da ist. Im Altgriechischen war – angelesenes Wikipedia-Wissen – übrigens das φ (phi) wie in φιλοσοφία (philosophía) wohl auch ursprünglich eher ein pʰ, bevor es ganz zum f wurde, weshalb es die Römer als ph in der Schreibung übernahmen.

Im Englischen wird, anders als im Deutschen, das p, t, k am Wortende nicht behaucht. Sonst ist das Verhalten ähnlich – außer dass in bestimmten Positionen, etwa bei sp- das p eben doch nicht behaucht ist, anders als im Deutschen. Ich habe das mal, dem Beispiel Geoff Lindseys folgend, anhand der Wörter „peach“ und „speech“ demonstriert, die doch eigentlich ziemlich gleich klingen sollten:

Hier ist der Film von Geoff Lindsey dazu, der das viel besser demonstriert als ich – aber ich fand es spannend, das auch einmal selber auszuprobieren, und würde das auch mit Schülerinnen und Schülern und ihren Schneideprogrammen ausprobieren, wenn ich mal wieder Englisch unterrichte:


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9 Kommentare zu „Aussprache-Spiele und -Videos“

  1. […] Auch über die englische Sprache schreibt Herr Rau. Konkreter vor allem über /æ/, /e/ und /ɪ/: Aussprache-Spiele und -Videos […]

  2. Jetzt kann ich mir mal ernsthaft Gedanken darüber machen, wie der Name der Protagonistin meines Romans ausgesprochen wird: Eher altenglisch (A-e) oder vielleicht walisisch (A-i)?

    Da die Geschichte in einer erfundenen Welt spielt, habe ich ja freie Auswahl. Schreiben tue ich Aethelin auch mit „ae“ und nicht mit „æ“.

    Eine spannende Frage!

  3. „Aethelin“ könnte ich aussprechen, so oder so, auch wenn Details bei der Aussprache des Altenglischen immer noch offen sein mögen. Aber! das bringt mich auf Fantasy-Namen. Und da gab es ja durchaus manche Autoren und Autorinnen, ich weiß nicht, ob es die immer noch gibt, die mit irgendwelchen aus dem Hut gezogenen Silben und Konsonatenhäufungen die Fremdheit ihrer jeweiligen Fantasywelt verdeutlichen müssen. Da hilft es auch nicht, sich eine eigene Sprache dazu zu erfinden, es sei denn, man ist Tolkien.

  4. @Flusskiesel: wie kannst du das schreiben ohne zu wissen wie es klingt? Denkst du nicht erst den Namen und schreibst ihn dann auf?

  5. @Poupou
    Das weiß ich nicht. Der Name war beim Schreiben einfach da.

  6. @Herr Rau
    Mit Namen tue ich mich beim Schreiben tatsächlich schwer. Zwar fällt mir in der Regel immer sofort ein Name für eine Figur ein, der ist aber komplett unsystematisch. Inzwischen ist es mir egal und die Figuren heißen wie sie heißen.

  7. @Flusskiesel das verstehe ich, dass der Name nicht absichtlich ausgedacht ist, aber ich verstehe nicht, wie du das quasi tonlos denken kannst? Ich kann nichts denken ohne innerlich zu hören wie es klingt?

  8. @Poupou
    Da hast Du Recht mit dem Nichtverstehen. Ich glaube, ich denke den Namen eher mit „Ä“. Allerdings übertönt das th in meinem Kopf den Vokal irgendwie.
    Kann ich nur schwer erklären.

  9. @Flusskiesel: Danke! Das kann ich mir jetzt gut vorstellen!

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