Am Samstag war ich bei dem Freund, mit dem ich seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten, ziemlich schlecht, aber genüsslich musiziere (und einen Podcast aufnehme, aber ohne Musik). Diesmal war ein dritter Musikant dazu gekommen, als Gitarre angekündigt. Zu meiner Erleichterung passte der dann, no offense, genau zu uns. Ein tatsächlicher Einsteiger! Und ich stellte fest: drei Anfänger, die zusammen spielen, klingen deutlich besser als zwei Anfänger, die zusammen spielen. Ist das am Ende das ganze Geheimnis von Bandgründungen?
Der Sohn des Gastgebers informierte mich allerdings über Merkwürdiges: Ganz in der Nähe liegt das örtliche Gymnasium, und da sah der Sohn neulich um elf Uhr nachts in einem oberen Stockwerk Licht, und zwar wanderndes Taschenlampenlicht. Ob das Lehrkräfte gewesen sein könnten, fragte er mich skeptisch.
Unwahrscheinlich. Eigentlich alles unwahrscheinlich. Es sei denn… und da erzählte ich ihm von der Abiturfee. Die kommt nachts, oder jedenfalls zu unbekannten Zeiten, in die bayerischen Gymnasien und bringt die Abituraufgaben vorbei. Nur selten erblickt man sie, und wem das widerfährt, dem stehen große Veränderungen bevor, ins Gute oder ins Schlechte, wenn man die Augen nicht rasch abwendet.
Dennoch solle er am Montag lieber mal Bescheid sagen, dass da jemand im Schulgebäude war.
Tatsächlich weiß niemand, wie und wann die Abituraufgaben eigentlich in die Schulen kommen. Es könnte eine Fee sein. Man weiß nur, dass die Aufgaben am Abiturmorgen da sind. Bio, Physik und Chemie waren diese Woche; kommenden Dienstag ist Deutsch dran. Als Mitarbeit in der Schulleitung habe ich einen kurzen Blick hinter den Schleier tun können, und voller ehrfürchtigem Schauer zog ich ihn wieder zu: Es gibt Geheimnisse, die Geheimnis bleiben sollten, Mysterien, die besser unaufgeklärt sind.
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