Wie die Templer-Verschwörung in Computerspiel kam

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Seit vielen Jahren folge ich dem Digital Antiquarian, Jimmy Maher, der – neben anderen Projekten – Computerspiele und verwandte Themen in beeindruckender Tiefe und Ausführlichkeit historisch betrachtet. Also mit sehr vielen Details: manchmal geht es darum, welche Menschen von welcher Firma zu welcher anderen aus welchen Gründen wechselten, wie Spiele zu genau diesem Moment entstehen konnten, was sie zu guten oder zu weniger guten Computerspielen machte. Und verwandte Themen heißt, dass es auch um Vorlagen für Spiele geht, und Folgen von Spielen, und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. (Ich unterstütze das per Patreon.)

Maher geht dabei grob chronologisch vor, seine zusammengefassten Blogeinträge für ein Jahr kann man jeweils als epub herunterladen, zur Zeit von 1966 bis 1998 – aktuell befindet er sich im Jahr 1999, und zwar geht es um Gabriel Knight 3: Blood of the Sacred, Blood of the Damned. Das war eines der letzten großen Point-and-Click-Adventures – Sprecher der Hauptfigur: Tim Curry, so war das damals.

Gabriel Knight ist ein Schriftsteller, der – auch aus Gründen der Familientradition – immer wieder als okkulter Detektiv tätig wird und mit seiner Assistentin Grace Nakimura Fälle löst. Im dritten Spiel der Reihe, wie die Vorgänger auch geschrieben von Jane Jensen, geht es um das französische Dörfchen Rennes-le-Château, ein Geheimnis dort, eine Jahrtausende alte Verschwörung, einen geheimen Orden und das Vermächtnis Christi.

Und in bisher vier ausführlichen Blogeinträgen geht es um Rennes-le-Château und die Geschichte dahinter. Hier Teil 1. Ich hatte ja keine Ahnung.

Am Ort einer Katharer-Festung im ehemaligen Merowingergebiet hat um die Jahrhundertwende ein Priester, François-Bérenger Saunière, überraschend viel Geld zur Renovierung der Kirchenanlage. Nach seiner Entlassung bleibt er einfach auf dem Gelände; nach seinem Tod übernehmen verschiedene Glücksritter sein Erbe, Gerüchte um einen Goldschatz verbreiten sich. Dann gibt es Grabsteine mit verschlüsselten Inschriften, verschlüsselte Dokumente und Altarbotschaften und Geheimnisse in Gemälden, so ab Mitte der 1950er Jahre. In den 1970ern dann Fernsehbeiträge und Bücher und immer wilder werdende Verschwörungserzählungen – inzwischen geht es um den Heiligen Gral, die Erben Christi, einen im Hintergrund agierenden Orden, der das Geheimnis beschützt, die Merowinger. Inzwischen kennen wir das alles, aber Jimmy Maher beschreibt kleinschrittig und detailliert und mit viel biographischen Einzelheiten, wie es dazu kam. Der erste Höhepunkt dieser Verschwörungserzählungen waren die frühen 1980er Jahre, und ich habe das alles gar nicht mitgekriegt.

Umberto Ecos erster Roman (1980) profitierte auch von dieser Mittelalter-Geheimniskrämerei: sein zweiter (1988, Blogeintrag dazu) machte die Verschwörungserzählungen zum Thema. Gral und Geheimorden und verdeckte Hinweise in Bauwerken kennen wir aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989). Aus dem Jahr 1996 habe ich eine schöne Sammlung von Plakaten zu esoterischen Vortragsreihen: „Der heilige Gral“, „König Arthus und die Ritter der Tafelrunde (Camelot als Ausgangspunkt der Suche nach dem Heiligen Gral)“, „Das Mysterium der gotischen Kathedralen (Gotische Kunst als Argot oder Geheimsprache)“. 1999 erschienen The Mummy (auch dort ein Geheimbund, der ein Erbe verwaltet) und eben Gabriel Knight 3. Ab 2003 erzeugte Dan Brown, der sich sehr bei seinen pseudo-historischen Vorläufern bediente, zahlreiche Nachahmer, darunter Filme mit Nicolas Cage oder Noah Wylie (beide ab 2004).

Apropos Verschwörungserzählungen: Eine hohle Erde gibt es schon bei Büchner:

WOYZECK: Es geht hinter mir, unter mir. – [Stampft auf den Boden:]
Hohl, hörst Du? Alles hohl da unten! Die Freimaurer!

Bei Woyzeck ist das klar ein Symptom seines Wahns.

Jimmy Maher ist noch nicht fertig mit seiner Reihe zu Rennes-le-Château. Insbesondere zum Spiel Gabriel Knight 3 selber ist er noch gar nicht richtig gekommen, es gibt nur ein paar Screenshots, die zeigen, wie genau Jensen Elemente aus den Erzählungen und aus der Geografie des Ortes übernommen hat. Aber auch so ist die Lektüre ungemein spannend, kann ich nur empfehlen!


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Kommentare

2 Kommentare zu „Wie die Templer-Verschwörung in Computerspiel kam“

  1. Ivo

    Hallo.

    Zu Rennes-le-Château: Da gibt es auch eine Doku von Terra X. Die hatte ich vor einiger Zeit mal gesehen. Aber die kennst du sicherlich.

    Ivo

  2. Nein, Ivo, ich bin ganz unbeleckt, was Rennes-le-Château, weiß nur, was in den vier Blogeinträgen steht, was aber eine Menge ist. „Geheimakte Sakrileg – Der Priester und das Pergament“, ich hab’s mir mal heruntergeladen, danke!

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