Man erzählt einander gerade vom Briefeschreiben (Herr Buddenbohm, Frau Kaltmamsell). Das trieb ich ja auch eine Weile, insbesondere von 1982 bis 1992. Aufbewahrt sind diese Briefe zum Großteil in fünf Ordnern, in die ich seit über dreißig Jahren nicht mehr geschaut haben dürfte. Heute habe ich einen Blick hinein gewagt.
Im Januar 1983 (das ist im ersten Ordner oben, Stichprobe) war ich sechzehn Jahre alt und fühlte mich in meinem Korrespondenz-Netzwerk geradezu wie H. P. Lovecraft; ich erhielt 18 Briefe:
- Dirk (3), Siegfried (1), Birgit (2), Thomas (3), Hans-Jürgen (1), Alex (1), Udo (2), Wolfgang? (1), Dirk (1), Christian (1), Renate (1), Gunnar (1)
Die Hälfte davon handschriftlich, die Hälfte mit der Schreibmaschine getippt. Manchmal nur halbseitige formular-artige Info-Schreiben, manchmal vier- und mehrseitige Texte. Geschrieben haben werde ich ähnlich viele Briefe. Ich kann mich gut erinnern, wie ich von der Schule kam und als erstes nach der Post gesehen haben wollte. Öfter als nicht war dann auch etwas da. Ich glaube, an Birgit, Udo, Dirk habe ich immer getippt, an Hans-Jürgen immer mit der Hand geschrieben; bei den anderen wohl auch mal so, mal so, ich habe mich vielleicht an denen orientiert.
Um was es in diesen zehn Jahren Korrespondenz ging, wovon die Hauptzeit wohl bis etwa 1986 gegangen sein dürfte: Star-Wars- und Science-Fiction-Fandom, Comic-Sammelei, und Leute, die ich in diesem Zusammenhang kennengelernt habe. Mit Dirk ging es um Science Fiction allgemein und seine vielen Fanzines, für die ich auch immer wieder etwas schrieb. Mit Udo ging es um den gemeinsamen Fantasy-Club und das Fanzine dazu. Mit Birgit allgemeines Geplauder.
Was man übrigens hatte: Selbstgemachtes Briefpapier. Also, eine selbstgemachte Vorlage mit einem Rahmen, auf deren Kopien man dann geschrieben hat. Das war entweder, um professionell zu wirken:


Oder um die Kreativität auszudrücken:


(Links kein Briefpapier, ich weiß. Aber so sahen Briefe auch aus.)
Selber hatte ich ebenfalls solche Briefpapier-Vorlagen. Mit Feder und Tinte, diversen Linealen, und nicht zuletzt einer ordentlichen Portion Letraset. Aber ich konnte mich nie entscheiden, was das definitive Briefpapier sein sollte; so ähnlich ist das beim Blog-Layout, das wechselt deshalb auch immer wieder.
Irgendwann gehe ich diese Ordner mal an und schaue, was ich darin entdecke. Darin verbirgt sich doch sicher auch Interessantes. (Zumindest für Patrick.)
Klar kannte ich mich mit Porto aus, hatte später eine Briefwaage zuhause und ging regelmäßig zur örtlichen Post. Fanzines verschickten wir gerne mals als (unverschlossene) „Büchersendung“, das kostete weniger.
Das viele Schreiben kam mir natürlich entgegen, und ich lernte und übte sehr viel daran, das ist klar. Ich lernte Rechtschreibung und Stil und mit der Sprache zu spielen. Peinliches war sicher auch dabei. Schreiben lernt man durch Schreiben (nicht durch Aufsatzkorrekturen), und dass es nur wenig Schreibanlässe gibt, erschwert das Lernen leider. Das war vor vierzig Jahren aber auch nicht anders.
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