Erster Tag nach den Faschingsferien

Diesen Freitag gibt es Zeugnisse, die müssen fertig werden. Bei jedem Schüler werden dafür die Schulaufgaben und die Durchschnitte der mündlichen und schriftlichen Noten auf einem eigenen Blatt festgehalten. Das ist wichtig. Außerdem muss man auf diesem Formular handschriftlich bei “Klasslehrer/in” das “in” durchstreichen, wenn es sich um eine männliche Klassleitung handelt. Das halte ich für weniger wichtig. Machen das auch noch andere Schulen als unsere? Steuerzahler, rührt euch bitte! Das ist meine Arbeitskraft und ‑zeit, die hier vergeudet wird.

Dann berät die Klassenkonferenz (das sind alle Lehrer dieser Klasse – alle jedenfalls, die nicht gleichzeitig in anderen Konferenzen sitzen), welche Note der Schüler in jedem Fach erhalten soll. Bei 3,51 muss man nämlich nicht immer die schlechtere, bei 3,49 nicht immer die bessere Note geben. Wie groß der Spielraum ist, den man den Lehrern dabei lässt, ist allerdings von Schule zu Schule verschieden. Die tatsächliche Note legt dann auch nicht der einzelne Lehrer fest, sondern die Klassenkonferenz. Man stimmt ab, und vertraut dabei in der Regel auf die Beurteilung durch den Fachlehrer. Manchmal wird er aber auch überstimmt. Vor der Abstimmung wird überlegt, was denn für den Schüler besser wäre. Manchmal braucht man nämlich eine schlechtere Note als Warnung. Manchmal spricht aber auch viel dafür, die bessere Note zu geben. Die Lehrer machen sich dabei schon viele Gedanken, was jeweils das beste ist. Man weiß es natürlich nie sicher.

Und wenn die Klassenkonferenz die Noten beschlossen hat, dann wandern sie in den Computer und werden säuberlich ausgedruckt. Und korrekturgelesen. Und notfalls nochmals ausgedruckt. Und bei der Arbeit mit dem Computer helfe ich den Kollegen, falls nötig.

(Ob ein Schüler durchfällt oder auf Probe vorrücken darf, darüber wird dann in der Gesamtkonferenz abgestimmt. Dabei habe ich manchmal schon wunderbar sachliche, intensive Diskussionen erlebt. Vielleicht treffen Lehrer nicht immer die richtige Entscheidung, aber zumindest fällen sie sie nicht leichtfertigt.)

7 Antworten auf „Erster Tag nach den Faschingsferien“

  1. Welchen Sinn macht den die abstimmung, wenn ich den Schüler in dem Fach nicht kenn?
    Warum kannst du nicht kraft deiner Wassersuppe entscheiden bei 3,4 doch die 4 zu geben?

  2. Selbe Frage wie orangata. Grundsatz in unserem Berufsbildungsgesetzt ist: Wer lehrt, prüft (und setzt die Note). Wenn Abschlussprüfungen sind gibts dazu noch einen Experten, der die Lernenden nicht kennt und den Doppelcheck macht. Fini. Das mit dem “in” durchstreichen finde ich nicht anstrengend und auch nicht ganz unwichtig. Wir jedenfalls haben auch Lehrpersonen mit Vornamen, die das Sekretariat nicht einem Geschlecht zuordnen kann und wenn der Herr Guggisberg dann als Frau Guggisberg angeschrieben wird, ist er der erste, der motzt.

  3. Die Regelung macht auch nur begrenzt Sinn, da gebe ich euch völlig recht. Vernünftigerweise stimmt man auch so ab, wie der Fachlehrer vorschlägt, weil in der Regel nur der die Leistung des Schülers beurteilen kann. Sagen wir mal: Diese Regelung ist eine zusätzliche Kontrolle, um Missbrauch durch einen Lehrer zu vermeiden, etwa bei einem Lehrer, der grundsätzlich und unreflektiert Mädchen im Mathematik immer die bessere und Buben immer die schlechtere Note gibt. (Ein hypothetisches Beispiel. Ich halte diese Regelung tatsächlich für unnötig.

    @orangata: Wenn die Noten, vor allem die Schulaufgabennoten so wichtig sein sollen, wie sie in Bayern sind (nämlich viel, viel zu wichtig), dann muss es irgendwo eine Grenze geben, ab der die Lehrkraft sich an den Notendurchschnitt halten muss. Ob die Grenze bei x,50, x,40–60 oder x,30‑x,70 liegt, ist Ansichts- und Verhandlungssache, am Problem ändert sich dadurch nichts. Oder darf ich auch bei 3,00 eine 2 oder 4 geben? (Würde ich übrigens gerne. Ist rechtlich zur Zeit nicht machbar.)

    @Tanja: Dann aber auch bitte das “/” in “Klassleiter/in” durchstreichen, ja? Tatsächlich muss auf dem Bogen fast alles entwertet werden, was nicht ausgefüllt ist, und das ist zuviel. Auch das Kästchen neben Griechisch, damit keiner nachträglich eine Griechischnote einträgt.

  4. @Herr Rau.Die Wichtungen , also ob 50:50 oder 40:60, werden zu Beginn jedes Schuljahres bei uns beschlossen von der jeweiligen Fachkonferenz, oder eben beibehalten.Bewertungsmaßstäbe sind eh bekannt und werden zu Beginn des Schuljahres relativ schnell den schülern mitgeteilt, also nicht erst im Dezember oder so.Meine Entscheidungsfreiheit geht von ‚3‑,7 – dies alles aus dem Land Brandenburg.

  5. In Bayern sind die Schulen leider viel weniger flexibel. Ich hätte gerne noch mehr Spielraum; aber auch der, den ich habe, ist insofern lästig, als ich jeweils begründen muss, warum ich mich so oder so entscheide. In manchen Fällen halte ich eine Begründung in der Konferenz für sinnvoll, aber nicht jede Note, die im Ermessensspielraum liegt. Wie ist das bei euch? Der Schulleitung reicht hier die unkommentierte Entscheidung nicht aus, sie muss begründet werden, und dabei gewissen Regeln gehorchen.

  6. Uff, diese Bögen und Spielräume scheinen reichlich kompliziert. Bei uns sind alle Bezeichnungen geschlechtsneutral und bei den Bögen setzt die Software die Kreuze mehrheitlich richtig, bzw. druckt beim Lernenden (neutral eben), der kein Spanisch besucht, kein Spanisch aus. Ich denke ein Doppelcheck in der Bewertung ist punktuell sinnvoll und es hängt auch viel von zwei Dingen ab:

    a) Wie (oft) werden Lehrpersonen grundsätzlich besucht wird ihnen kollegiale Hospitation verordnet?
    b) Wie klar und einfach sind Rekurse? (Bei uns ist Einsprache einfach, Vorgehen steht in jedem Stundenplan und wird ausser manchmal in Prüfungszeiten nicht missbraucht)

    Wenn a) und b) einigermassen laufen, ist viel Sitzungszeit mit Leuten, die Schwerpunkte und Schüler nicht kennen, doch eher schade…

  7. @Herr Rau: In Brandenburg entscheidet allein die Lehrkraft, die Schulleitung vertraut ihr.Sollten sich Eltern beschweren, wird Rücksprache gehalten, ist aber eher selten.

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