Jugend von heute

Wenn man keine Kinder hat, kriegt man wirklich nicht alles mit.

Vor zehn Jahren im Referendariat habe ich gemerkt, dass mein Thema für die Begründete Stellungnahme (eine Art Erörterung) nicht sehr ankam: „Erkläre in einem Brief deinen Eltern, warum du ein Mofa haben solltest.“ (Drei Argumente etc.)
Mofas, in meiner Jugend noch furchtbar wichtig, sind heute fast unbekannt, jedenfalls nichts, was man sich wünscht.

Und heute habe ich herausgefunden, was Eltern meines Alters wohl schon wissen. Es war beim Rollenspiel im Englischunterricht, 5. Klasse: Einer sollte eine Party für seinen Geburtstag planen, der andere Vorschläge machen, analog zu einer Szene im Englischbuch der Schüler.
Geburtstagspartys werden heute nicht mehr zu Hause gefeiert!* Man geht ins Schwimmbad, zum Kegeln, ins Kino, feiert aber nicht in der Wohnung daheim. Nicht mal mehr in der 5. Klasse. Haben die Eltern keinen Platz, zu teure Elektrogeräte, ist auswärts billiger oder einfacher zu begrenzen?

*Ninas Schwester ausgenommen.

14 Thoughts to “Jugend von heute

  1. Ich vermute, es ist unaufwendiger. Bei einer Party daheim muß man vorbereiten, planen, aufräumen – vor allem aber muß man den Tag gestalten und/oder sich selbst beschäftigen – ein Graus! Im Schwimmbad, beim Kegeln, im Kino ist das Programm vorgegeben und wird von anderen abgespult. Also muß man nicht mehr selber kreativ sein … Möglicherweise gilt bei der Zielgruppe auch nur auswärtiges als akzeptabel? Gruppenzwänge sollen ja nicht zu unterschätzen sein.

    Platzgründe dürften es (der Statistik nach) jedenfalls nicht sein; Wohnungen sind heute größer als früher. Billiger ist’s aller Voraussicht nach auch nicht. Die Elektrogeräte und die einfachere Begrenzung überzeugen mich auch nicht.

  2. Die 11 jähre Tocher der Nachbarn hat sich für ihren Geburtstag dieses Jahr meine PS2 ausgeliehen und all meine Singstar Games (4) und dann hat (laut späterer Nachfrage) die ganze Familie Karaoke gesungen bis die ersten Gäste kamen (die haben dann bis zum Ende der Feier gesungen).

    Ist allerdings auch die einzige Geburtstagsfeier im richtigen Alter, von der ich was weiß und damit zu diesem Thema beitragen kann.

  3. Hi,

    ich bin neulich auf ihren Blog gestoßen und lese ihn seitdem sehr gerne. Ich bin ein 15jähriger Schüler und besuche die 11. Klasse des Justus-Liebigs-Gymnasiums in Darmstadt. Das nur zu meiner Person.

    Zum Thema:
    Ich kann sehr wohl behaupten, dass noch einige Feten zuhause gefeiert werden. In meinem Umfeld ist es sogar die Mehrheit.
    Auf dem letzten Geburtstag eines Freundes haben ebenfalls alle Karaoke gesungen (ist momentan _der_ Hit für Partys) und es gab natürlich reichlich zu saufen. (Ich will an dieser Stelle betonen dass es das erste Mal war dass ich „etwas mehr“ getrunken habe, aber ich war nur stark angeheitert. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck von mir entsteht. ;-)

    Außerdem, so denke ich, hängt es auch oft von dem Wunsch des Kindes ab, ob die Party nun zu Hause od. auswärts stattfindet.

    Mit freundlichen Grüßen, Robert N.

  4. Hallo und herzlich willkommen! Ich denke, dass vielleicht mit 14, 15, 16 die Partys öfter zu Hause stattfinden. Vielleicht geht’s dann ja auch schon ohne Eltern.

  5. „Hallo und herzlich willkommen! Ich denke, dass vielleicht mit 114, 15, 16 die Partys öfter zu Hause stattfinden. Vielleicht geht’s dann ja auch schon ohne Eltern.“

    Meine Geburtstagsfeiern gingen eigentlich _immer_ von zuhause aus. Wenn wir rausgingen, dann entweder um unseren Hund zu „quälen“ ;-) oder um eine Schnitzeljagd durchzuführen. Letzteres ist aber auch schon eine ganze Weile her…

    Zitat:
    „Wenn man keine Kinder hat, kriegt man wirklich nicht alles mit.“
    Dieser Aussage stimme ich voll und ganz zu, man merkt dies v.a. bei Lehrern. Lehrer, die selbst Kinder haben, treten oft viel verständnisvoller und umgänglicher auf. Dagegen hat die andere Sorte manchmal (betont!) echte Macken… sorry, aber das ist meine Erfahrung.

    Apropos, in einer Woche beginnt mein 16. Lebensjahr, was mach‘ ich bloß? ;-)

    Mit freundlichen Grüßen, Robert N.

  6. Ich habe vorhin meine Schwester ausgequetscht. War nicht einfach. Sie hat gesagt, wenn ich ihr noch einmal mit Geburtstagen komme, wenn sie fernsieht (es war aber gerade Werbung), passiert etwas.

    Sie war in diesem Schuljahr auf immerhin sechs anderen Geburtstagsfeiern, drei davon wurden zu Hause gefeiert, davon eine Übernachtung (bzw. „sleepover“). Die drei anderen waren im Schwimmbad (Kind mit Haus & Garten), Kegeln (ebenfalls) und einmal Kino (Kind mit Wohnung).
    Allerdings ist es schon so, dass die Hausfeiern zum Teil kein Programm haben, und die Kinder nur zusammen in einem Zimmer sitzen und sich langweilen. Oder jeder sitzt in einem Eck, hat sich irgendein Spielzeug herausgezogen (Sofern das nötig ist. Die Meisten gehen ohne ihren Nintendo DS und „Nintendogs“ sowieso nicht mehr aus dem Haus) und spielt vor sich hin.
    Im Schwimmbad ist das dann schon einfacher. Die Eltern haben manchmal nämlich auch einfach Angst, dass die lieben Kinder sich langweilen. Das weiß ich von meinen Eltern. Das Ergebnis ist dann immer ein Programm, das man in drei Tagen nicht durchbringt.
    Dafür sagen gewisse zur Übertreibung neigende Kinder, dass es sich bei unseren Feiern durchaus um die Besten handeln könnte.

  7. Heißt das, ich bekäme es als Lehrerqualifikationsmaßnahme gezahlt, wenn ich Herrn Rau ein Kind anhängte?

  8. Ich würde ja nicht noch einen Kommentar schreiben, aber es wurde eine Frage gestellt und darauf antwortet man üblicherweise…

    „Heißt das, ich bekäme es als Lehrerqualifikationsmaßnahme gezahlt, wenn ich Herrn Rau ein Kind anhängte?“
    Natürlich nicht, aber es würde höchstwahrscheinlich seinen Umgang mit Kindern sehr verändern, wahrscheinlich zum Positiven… falls man das überhaupt noch verbessern kann. ;-)
    Ein eigenes Kind ist schließlich etwas ganz anderes als ein Schüler, dem man etwas beibringen soll.

    Mit freundlichen Grüßen, Robert N.

  9. Vielen Dank, Nina, dass du dich mutig der Gefahren einer fernsehenden Schwester ausgesetzt hast! Ja, eure Partys klingen wirklich toll.
    Ich habe auch mal die Kollegen gefragt, nicht repräsentative Stichprobe natürlich. Bei deren Kindern sind wohl Partys zu Hause am beliebtesten, wenn es Programm gibt – also Spiele und so weiter. Häufiger sind allerdings Partys außer Haus.

    Als ich klein war, kamen gerade die Geburtstage bei McDonalds auf. War ich nie, hatte ich nie Lust drauf. Die besten Partys waren zu Hause, aber sie waren wirklich immer großer AUfwand für die Mütter.

  10. Meiner Meinung nach ist das ein Altersproblem. Mütter aus dem Bekanntenkreis, selbst Anhänger von „Daheimfeiern“, klagen, dass es jetzt (meine Tochter ist jetzt 10 1/2, ihre Freunde aber quasi alle ein Jahr älter) immer schwieriger wird, alle Kinder unter einen Hut zu bringen. Bei Programm daheim finden manche die Spiele zu kindisch, andere haben noch kein Interesse an „erwachseneren“ Spielen. Ich glaube, es ist nicht der Aufwand an sich, den die Mütter scheuen, sondern die Erfolglosigkeit. Es ist deprimierend, wenn man tagelang überlegt und geplant hat, gebastelt und gebacken und dann sitzen die Jung-Teenies rum und nölen: Mir ist so langweilig! Diese Stimmung kommt „draußen“ nicht so sehr zum Ausbruch.
    Aber ich habe mir sagen lassen, dass auch wieder andere Zeiten kommen und die Kinder lieber daheim feiern. Ich hoffe bloß, dass dann für mich etwas Interessantes im Kino kommt…

  11. Na,ja, draussen gibt es zuweilen ja auch spannendere Sachen:
    zum Beispiel im Völkerkundemuseum etwas über das Leben der Indianer erfahren und ein wenig dem Leben nachspüren.

    Und tatsächlich: ich blamiere mich nicht, wenn ein Spiel nicht ankommt. Die Autorität von Dritten wird weniger schnell bestritten.

    Und schließlich: möchte ich einen Geburtstag meiner Kinder auch ein bißchen als Erlebnis erfahren und nicht nur als frustrierenden Streß.

    Zudem: eine Gruppe von 6-12 lärmenden Kindern in zu kleinen Wohnungen und Häusern macht einfach keinen Spaß – da sind zu viele Konflikte vorprogrammiert.

    Ich finden auch nichts Anstößiges an den Kindergeburtstagen zuhause bzw. irgendwo.
    Was nicht heißen soll, dass ich alles klasse finden, was man draußen so machen kann. So mancher Kinobesuch geht zuweilen daneben. Da hatte ich schon mal einen verstörten Sohn nach einer solchen Feier.

  12. Hallo,
    bin die Mutter eines demnächst 13jährigen und habe seine Geburtstage, seit er 3 wurde, unter ein Motto gestellt. Wir hatten die Themen „Was krabbelt und fliegt“, „Piraten“, „Alles aus Luftballons“, „Wilder Westen“, „Kino“, „Pokemon/Digimon-Olympiade“ und „Detektive“ – der Wilde Westen fand in und um eine Grillhütte am Wald statt, Kino ist klar, der Rest war zu Hause. Nach seinem 9. Geburtstag wusste ich – unser Haus ist für diese Horde zu klein, und deshalb ging es ab da erstmal raus: Es gab die „Rallye im Tierpark“, „Rallye im Taunuswunderland“ und ein Rennen auf der Kartbahn. (Rallye heißt bei uns, dass zwei Gruppen kleine Aufgabenn um die Wette lösen). Ein Programm aus Spielen und Rätseln gab es altersangepasst immer, und ich habe manches Jahr viel Zeit und Gegrübel und Gebastel in die Vorbereitungen gesteckt. Es hat sich bis jetzt keiner gelangweilt oder beschwert, und mein Sohnemann ist für seine „coolen“ Geburtstage bekannt. Allerdings: Ich bin mir bewusst, dass berufstätige Mütter oder größere Familien mit weniger Zeit (und wahrscheinlich auch einem knapperen Budget) auskommen müssen. Mein Sohn geht besonders gern auf Geburtstage mit „Aufgaben“, das kann die altbekannte Schitzeljagd genauso sein wie Kegeln, er ist da (noch) gar nicht wählerisch…da stimmt er also mit den Sprößlingen von Herrn Rau’s Kollegen überein.
    Ehrlich, wenn endgültig die Teeniepartys angesagt und mütterliche Ideen nicht mehr gefragt sind, bin ich darum gar nicht böse ;), aber diese Mottofeiern mit „rotem Faden“ fand ich für die Kindheit für alle Beteiligten am besten – ich hatte hinterher kein Chaos, es gab keine Langeweile, für Konflikte war auch kaum Zeit (ich hab die Gruppen immer „kompatibel“ zusammengestellt, ich kannte ja meine Pappenheimer;), der Aufwand hat sich immer gelohnt.
    Ich habe allerdings auch von anderen Müttern gehört, dass Mädchengeburtstage am Rande der Pubertät anstrengender seien (siehe Strelizie), kann nur für die Kerle sprechen (der letzte „gemischte“ Geburtstag war der mit neun). Also, langer Rede kurzer Sinn: Bei ner gut geplanten Beschäftigung klappts sowohl zu Hause als auch woanders.

  13. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Vorbereitungen am besten ankommen. Es ist gut, viele Ideen anbieten zu können. Zum 11. Geburtstag meiner Tochter war es das Geschichtenvorlesen. Nachdem wir das Activity-Spiel endlich beendet haben – endlich, zu aller Freude (und ich dachte, das kommt am besten an) – durften sich alle mit einem Eis untätig in den Kreis setzen und ich habe Geschichten vorgelesen. Eine lustige, eine gruselige und eine spannende hatte ich mir aus dem Internet geholt. Eigentlich sollten sich die 11-Jährigen eine aussuchen, aber da sie so begeistert waren, habe ich alle vorgelesen.

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