E-Mails an mich

In den letzten drei Wochen habe ich einige E-Mails gekriegt von Menschen, die mein Blog lesen, und die mal Hallo sagen wollten, ein paar Fragen hatten, mich auf Fundstellen hingewiesen haben oder mich einfach nur ermuntern wollten, weiter zu machen. Das hat mich sehr gefreut; ich kriege natürlich gerne Post und Ermunterung kann ich auch brauchen.

Vielleicht sollte ich mal ergänzen, dass ich auch immer wieder mal frustriert bin und unzufrieden mit vielem an meiner Arbeit, teils von mir zu verantworten, teils nicht. Aber da Lehrern eh zuviel Jammern vorgeworfen wird, halte ich mich hier damit meistens zurück.

Aus diesem Blog kann man hoffentlich herauslesen, dass ich gute Absichtern habe und mir Gedanken mache um den Unterricht, dass manche Schüler tolle Sachen machen können und dass ich Spaß an meinem Beruf habe. Das ist auch so. Ob ich ein guter Lehrer bin oder nicht, lässt sich nur begrenzt herauslesen, dazu ist der Blick, den ich gestatte, zu einseitig. Ein guter Lehrer ist jemand, bei dem möglichst viele Schüler etwas Sinnvolles lernen, Fachliches und Überfachliches. Ich bin nicht in jedem Fach gleich gut, nicht für jeden Schüler gleich gut, nicht für jede Klasse. Letztes Jahr, ein Fach, eine Jahrgangsstufe: Die Schüler haben viel gelernt. Dieses Jahr, gleiches Fach, gleiche Jahrgangsstufe: Die Schüler lernen weniger. Manche Lehrern sind gut, aus den leistungsfähigen und -willigen Schülern etwas herauszukitzeln, andere sind besser für die schwachen Schüler.

8 Thoughts to “E-Mails an mich

  1. Was mich auch mal interessieren würde sind die Reaktionen deiner Kollegen auf deinen Blog. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Leute es für gewagt halten Sachen aus der Schule zu veröffentlichen, oder gab es bislang keine Probleme?

  2. Na dann poste ich mal den Verweis für alle: http://medien.bildung.hessen.de/web20/web20-voru.pdf
    Guter Artikel zu Web 2.0 und die schulischen Möglichkeiten. Der Lehrerzimmer Blog wird dort als „repräsentativ“ bezeichnet (S.17)! Blogrezeption bis ins Hessenlande!!
    Die guten Absichten und die Freude am Beruf kann man hier gut heraus lesen. Sonst käme ich nicht vorbei. Gejammert wird im realen Lehrerzimmer genug… :-)
    Und dass es mit jeder Lerngruppe immer wieder anders ist… bei vermeindlich gleichen Bedingungen (Jahrgang, Fach) sehe ich auch so – und das macht unseren Beruf doch so abwechslungsreich!

  3. @Steffen: Die Reaktionen meiner Kollegen interessieren mich auch brennend. Ich weiß von drei regelmäßigen Lesern, lauter Leuten, die sich keine unnötigen Sorgen machen.
    Mindestens drei weitere Kollegen sind zufällig beim Surfen darauf gestoßen, darunter ein Mitglied der Schulleitung.
    Einigen andere habe ich aus jeweils gegebenem Anlass vom Blog erzählt. (Notfalls habe ich die Anlässe auch schon mal selber gegeben.)
    Aber die sind alle keine Blog-Leser, scheint’s. Manche Leute finden Blogs einfach nicht interessant; nehmen sie als Kuriosität zur Kenntnis, haben aber kein Bedürfnis, ein Blog zu verfolgen.
    Ich denke, die Kollegen und die Schulleitung haben entweder großes Vertrauen in meine Diskretion oder keine Vorstellung davon, dass solche Blogs tatsächlich öffentlich sind und von Menschen gelesen werden. Vielen Menschen. Uuuunglaublich vielen Menschen.

    Hm. Vielleicht haben sie einfach nur eine realistische Vorstellung. :-)

  4. Eine Ursache des Jammer(n)s vieler Lehrer ist, so paradox es klingt, die fehlende Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit. Aus guten Gründen sind demokratische Rechte in Schulen nur eingeschränkt wahrzunehmen, ähnlich wie in anderen totalen Institutionen (in Gefängnissen, auf Schiffen, in der Kirche, bei der Feuerwehr, in Nervenheilanstalten usw.) Lehrer sind entgegen landläufig veröffentlichter Meinung aber nicht dumm, sie denken über ihren Beruf nach und äußern ihre Kritik ziemlich häufig, z.B. in Leserbriefen der Tagespresse. Lehrer sind übrigens auch stark in den Parlamenten vertreten. Unter Lehrern finden sich wahrscheinlich exotischere, von mir aus auch wildere, Persönlichkeiten als in den Vorstandsetagen der meisten Großunternehmen. So lange also jemand glaubhaft machen kann, dass es ihm oder ihr um das gemeinsame berufliche Ziel geht, Wissensvermittlung an Heranwachsende, sind die allermeisten Lehrer ziemlich tolerant in der Diskussion, außerhalb des Unterrichts…

  5. Dazu faellt mir ein: Die Parlamente sind mal voller, mal leerer – aber immer voller Lehrer…
    Naja, ist ja auch nur ein gutbezahlter Halbtagsjob, da hat man genug Zeit fuer Firlefanz.
    Das sind natuerlich nur Klischees, aber sagen wir mal so: Diejenigen, die Minimalspur fahren wollen (und koennen) und sich in der Politik engagieren, haben sich ein sicheres Netz durch ihren Beruf geschaffen.

  6. „Das sind natuerlich nur Klischees“: Zuzugeben, dass etwas ein Klischee ist, ist keine Entschuldigung für deren Verbreitung. Vermutlich glauben Sie eben nicht, dass das ein unzutreffendes Klischee ist.

    „Diejenigen, die Minimalspur fahren wollen (und koennen) und sich in der Politik engagieren, haben sich ein sicheres Netz durch ihren Beruf geschaffen.“ Der Satz steckt voller übler Andeutungen, aber so vage, dass ich ihn nicht ganz verstehe. Ehrlich nicht. „Diejenigen, die Minimalspur fahren wollen“ – heißt das: Lehrer, die nicht viel arbeiten wollen? Oder überhaupt Leute, die nicht viel arbeiten wollen? Aber Berufspolitiker arbeiten doch noch mehr als Lehrer.
    Oder ist es doch nur das: „Nur Beamte können es sich leisten, für möglicherweise nur ein paar Jahre in die (anstrengende) Politik zu gehen.“ Und die Leute, die das sagen, die wären sonst in der Politik, wenn sie nur auch Beamte wären? Ja. Klar. Ich halte diese spezielle Parole für eine bequeme Ausrede.

    Zurück zum Thema: In einem Schülerblog habe ich erst gestern etwas über den Zustand bestimmter Notausgänge an unserer Schule gelesen. Details verkneife ich mir. Als Schulleitung hätte ich es jedenfalls nicht gerne, wenn Lehrer über solche Themen bloggten.

  7. hallo herr rau,
    ich finde es ganz spannend, was sie so in ihrem blog schreiben. Besonders gut hat mir gefallen, dass sie auch mal schluss sagen können. Einige dinge verwundern mich aber auch und gestatten sie, dass ich danach frage. gibt es wirklich schulen, in denen man nichts an die wände hängen darf? Wieso finden sich keine lehrer zur aufsicht? Sind es an ihrer schule auch immer nur die üblichen verdächtigen, die sich mühe geben und engagieren? Und -eine zugegebenermaßen vielleicht etwas private frage- haben sie nur kollegen an der schule oder auch freunde?Ich könnte nämlich gar kein schulblog schreiben, weil ich ja alles wesentliche schon meinen „mehr als kollegen“erzählt habe und dann bin ich zu faul, alles noch mal aufzuschreiben.

    Vielleicht finden sie ja kurz gelegenheit mir zu antworten.

    Freundliche grüße aus Berlin – Cindie Labatzki

  8. Aber gerne. Vor einigen Jahren durften wir tatsächlich nichts an die Wände hängen, nicht mit Reißnägeln und schon gar nicht mit Tesafilm. Frisch gestrichene Wände und so. So oft, wie daran erinnert wurde, können sich die Kollegen glücklicherweise nicht sehr daran gehalten haben. Es gab allerdings immer eine mehr oder weniger große Pinwand, an der man durchaus Sachen aufhängen konnte. Inzwischen zieht die Schule in wenigen Jahren um, und solche Fragen spielen keine Rolle mehr.
    An meinem kleinen Schränkchen einen Betty-Boop-Cartoon aufzuhängen, wurde mir nicht verboten. Die Schränke waren neu, die Wand sah sehr regelmäßig und rein aus. Aber ich wurde zum Stellvertreter des Schulleiters gerufen und darauf angesprochen, ob das denn sein müsse. Nicht unfreundlich. Und es hat auch nichts ausgemacht, dass ich Betty habe hängen lassen. Inzwischen kleben viele etwas an ihr Fach.

    Lehrer und Aufsicht, langes Thema. Ich denke, Lehrer fühlen sich vom Kultusministerium schlecht behandelt. Deshalb sind sie nicht bereit, dem Ministerium etwas zu schenken. Viele Lehrer machen eigene Projekte und unterstützen sie, aber wenn es ein fremdes Projekt ist, steckt man keine Zeit hinein. Es reicht, dass wir die letzten Jahre jedes Jahr eine Stunde mehr unterrichten mussten und zu Mittagsaufsichten verpflichtet werden.

    Freunde und Kollegen… also, die Geschichten hier erzähle ich in der Schule auch. Manchmal erfahren Kollegen das aber zuerst vom Blog. Ich rede und erzähle gerne viel, da bleibt genügend Stoff für die Schule übrig. Kollege R. hofft immer noch, dass ich vergessen habe, dass ich ihm bei einer S-Bahn-Fahrt mal eine Diskussion nicht-euklidischer Genometrie versprochen habe.
    Eine Geschichte kann man mehrfach erzählen, oder vielleicht wird sie auch erst im Dialog mit den Kollegen zu einer guten Geschichte, die man dann posten kann.

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