Dienstliche Beurteilung

Lehrer kriegen zwar keine Noten, aber eine dienstliche Beurteilung. Die gibt es zum ersten Mal, wenn entschieden wird, ob der Lehrer auf Lebenszeit verbeamtet wird (Probezeitbeurteilung). Spannender ist die periodische Beurteilung: Mindestens alle vier Jahre werden Lehrer dienstlich beurteilt. Dazu muss man mindestens dreimal von der Schulleitung im Unterricht besucht worden sein.

Grundlage ist die Verordnung über die Laufbahnen der bayerischen Beamten.

Konkret heißt das, dass es Beurteilungsperioden gibt, und Ende 2006 war die letzte Runde vorbei, so dass alle Lehrer, die dafür in Betracht kommen, in den ersten sechs Wochen des Jahres 2007 ihre Beurteilung eröffnet kriegen. Nicht beurteilt werden Lehrer, die noch in der Probezeit sind, Lehrer, die älter als 55 sind und Schulleiter. Bleibt knapp die Hälfte übrig.

Früher gab es 7 Notenstufen. Letztes Mal, in meiner ersten Runde Regelbeurteilung, gab es 16 Stufen, die nicht sehr gut ankamen. Auch deshalb, weil den Schulleitungen der Durchschnitt vorgegeben wurde. (Richtwertvorgabe: 9 Punkte. Vorläufige Quelle: Philologenverband, pdf. Ich suche noch nach einer besseren Quelle.)
Das heißt es jetzt nicht mehr, aber dennoch bleibt wohl das Problem: Für jeden, dem man eine überdurchschnittliche Note geben will, braucht man jemanden, dem man eine unterdurchschnittliche geben kann. Inzwischen gibt es wieder 7 Notenstufen, aber es heißt, man dürfe nicht davon ausgehen, das seien die gleichen 7 Stufen wie vorletztes Mal.
Der Durchschnitt 2001 lag bei 9,32 von 16 Punkten, das heißt, dass nicht alle Gymnasien sich an den Richtwert hielten. Es gab auch Gymnasien mit 11 als höchster Note. Im Zeitraum zuvor lag der Durchschnitt bei 3,5 von 7 Punkten. (Quelle: Philologenverband, s.o.)

Die Beurteilung besteht nicht nur aus der Note, sondern aus aus mindestens drei Seiten Text. Dort ist dann jeweils zehn Zeilen Platz für Kommentare zu:

1. Tätigkeitsgebiet und Aufgaben im Beurteilungszeitraum
2. Beurteilungsmerkmale
2.1 Fachliche Leistung
2.1.1 Unterrichtsplanung und Unterrichtsgestaltung
2.1.2 Unterrichtserfolg
2.1.3 Erzieherisches Wirken
2.1.4 Zusammenarbeit
2.1.5 Sonstige dienstliche Tätigkeiten
2.1.6 Wahrnehmung von übertragenen schulischen Funktionen
2.1.7 Führungsverhalten (nur bei Lehrkräften, die bereits Vorgesetzte sind)
2.2 Eignung und Befähigung
2.2.1 Entscheidungsvermögen
2.2.2 Belastbarkeit, Einsatzbereitschaft
2.2.3 Berufskenntnisse und ihre Erweiterung
3. Ergänzende Bemerkungen
4. Gesamtergebnis (entfällt bei Zwischenbeurteilung)

So sieht die erste Seite aus:

beurteilung.png

Formulare (.doc-Format) für die Beurteilung gibt’s beim KuMi. Wär doch mal ein nettes Geburtstagsgeschenk für befreundete Lehrer. :-)

Welche Rolle spielen diese Beurteilungen für Lehrer?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass es davon abhängt, wie lange ich warten muss, bis ich mal Oberstudienrat werde. (Und das muss ich, weil Frau Rau auf ihrem Grabstein mal Oberstudienratswitwe stehen haben will.)

Es gibt folgende Notenstufe (Prädikate) für Lehrer:

HQ in allen Belangen von herausragender Qualität
BG erfüllt Anforderung besonders gut
UB übersteigt Anforderungen
EN entspricht Anforderungen
WE erfüllt Anforderungen im Wesentlichen
MA weist Mängel auf
IU insgesamt unzureichend

(Die untersten beiden Prädikate heißen, dass man gar nicht befördert wird, tatsächlich werden also meist nur die obersten fünf vergeben.)

Wann ich befördert werde, hängt von meinem Prädikat ab. Beim Philologenverband gibt es Details dazu. Wenn ich die Tabelle richtig lese, heißt das zum Beispiel: Habe ich jetzt das Prädikat UB und beim letzten Durchgang 9 Punkte gehabt, werde ich 9 1/4 Jahre nach meiner Lebenszeitverbeamtung Oberstudienrat (A14, siehe Wieviel verdienen Lehrer eigentlich?). Habe ich jeweils eine Stufe schlechter gehabt, sind es 10 Jahre und 10 Monate. Die genauen Zahlen hängen davon ab, wieviel freie Haushaltsstellen da sind.

Möglicherweise können die Noten herangezogen werden, wenn es darum geht zu begründen, warum jemand einen Posten kriegt und ein anderer nicht; dass sie wirklich Einfluss auf solche Entscheidungen haben, glaube ich nicht. Wichtig ist die Beurteilung vermutlich, wenn man die Schule wechseln will und sich andere Schulleiter ein Bild machen wollen.

In ihren Auswirkungen aufs Gemüt sind die Noten wohl am wichtigsten. Man kriegt ja sonst wenig explizites Feedback – es gibt keinen Mitarbeiter des Monats (und das ist sehr gut so), keine Extraabzeichen, man wird nicht gemessen, nicht aneinander und nicht an einer Skala. Deshalb freuen wir uns über jede Rückmeldung ehemaliger und aktueller Schüler, die über bloßes freundliches Grüßen im Unterricht hinausgeht. (Obwohl das ja auch schon alltägliches Feedback ist.)

Herr Rau, was haben Sie denn für eine Note?

Ich habe meine Frau gefragt, ob ich das sagen darf. Üblicherweise wird das nämlich geheim gehalten. Ich habe ein UB, „übersteigt die Anforderungen“. Wieviel das wert ist, weiß ich nicht. Nicht ganz so viel, wie ich gerne hätte; das dürfte Durchschnitt sein. Letztes Mal hatte ich 10 von 16 Punkten, diesmal wurden die 9 und 10 zusammengefasst zu UB, die UB-Wartezeit liegt zwischen der 9- und 10-Punkte-Wartezeit. Unzufrieden mit meiner konkreten Schulleitung bin ich nicht, allenfalls das System gefällt mir nicht. Aber ganz blicke ich einfach auch noch nicht durch. Aus dem Wortgutachten würde ich gerne zitieren, aber das ginge dann wohl doch zu weit.

Werden wir an absoluten Kriterien gemessen oder relativ zu den Kollegen? Heißt „übersteigt die Anforderungen“ tatsächlich das, oder heißt es einfach, ich habe 5 von 7 möglichen Punkten? Oder 3 von 5? Andererseits glaube ich tatsächlich, dass die Leistung vieler Kollegen die Anforderungen übersteigt. In einem halben Jahr werden Statistiken veröffentlicht werden, wie oft welches Prädikat in welcher Gehaltsstufe verteilt wurde. (Hohe Prädikate sind bei OStR und StD häufiger als bei StR. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen.) Ich werde berichten.

Ganz klar ist mir das mit den Prädikaten noch nicht. Insofern sind alle Angaben selbstverständlich ganz ohne Gewähr. Ich hätte gerne noch mehr recherchiert, bevor ich das hier online stelle, aber morgen heute abend gehen wir eine Runde Bier trinken und feiern, da möchte ich das vorher fertig haben.

Links:
Rechtliche Grundlagen (Philologenverband, pdf)
Beurteilungsschrift des bayerischen Philologenverbandes 2006 (pdf)
Personalvertretungsseite des Philologenverbands (mit Links zu den pdf-Dateien)

(Ein bisschen mulmig ist mir schon bei diesem Eintrag. Aber ich verrate nichts Geheimes, allenfalls meine Note. Wenn das alle täten, könnte man die Lehrer verschiedener Schulen miteinander vergleichen; das ist sicher nicht gewünscht. Andererseits dürften sich die Durchschnitte der bayerischen Gymnasien trotz einzelner Ausreißer alle ähneln. Und über die Qualität einer Schule sagen die Durchschnitte ohnehin nicht unbedingt etwas aus, denke ich. Neugierige Lehrer, Schüler oder Eltern sollten aus meiner Offenheit jedenfalls nicht das Recht ableiten, andere Lehrer nach deren Noten zu fragen. Das wäre indiskret.)

32 Thoughts to “Dienstliche Beurteilung

  1. Da sind sie ja echt fix bei euch. Ich kenne einige, bei denen der Zeitraum am 30.6.2006 endete und denen bis heute nichts ausgehändigt wurde – bei Gültigkeit ab 1.1.2007. Und ohne Beurteilung wohl keine Beförderung.

  2. Ehrlich gesagt habe ich mich schon gefragt, ob sich der Herr Rau mit seiner Ankündigung zur Beurteilungsrunde 2006 und seiner eigenen Beurteilung nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und wollte schon was sagen (nicht hier schreiben), hab’s mir dann aber verkniffen. Dieser Eintrag stellt die Angelegenheit mit Fingerspitzengefühl dar. Ergänzend kann man hinzufügen, dass die Gutachten durchaus ähnliche Fomulierungen enthalten wie Zeugnisse normaler Arbeitgeber. Sie bedeuten inhaltlich zunächst auch Ähnliches, aber die daraus erwachsenden Folgen sind etwas anders. Bei einem Lehrer, der ja als Beamter kaum die Branche wechseln kann und dem in der überwiegenden Zahl der Fälle, wenn überhaupt, nur die klassische Laufbahn (StR, OStR, StD evt. OStD) möglich ist, stellen die Prädikate und ihre Begründungen u.U. echte Anspruchsberechtigungen auf Beförderungen dar. Und zur Beruhigung aller Gemüter, die da glauben, dass Beamte eine gut alimentierte Kaste sind verweise ich ebenfalls auf das oben angeführte Link („Wieviel verdienen….“) Jeder Jobwechsel meiner kleinen Brüder (FH-Studium, Diplomstudiengang und nach 9 Semestern fertig) brachte einen Gehaltssprung, der jeden Gehaltszuwachs eines Beamten übersteigt.

  3. Ich habe nur so lange gewartet, weil ich gründlich recherchieren wollte, auch wenn ich das dann abgebrochen habe. Habe ich nicht sogar zuviel Fingerspitzengefühl bewiesen? Je länger ich darüber nachdenke, desto unzufriedener bin ich mit unserem System; vielleicht hätte ich Kritik deutlicher formulieren sollen. Hätte aber Recherche bedurft.

  4. Lieber Lehrer Rau, ich gratuliere herzlich zum „UB“!

    Eine Abkürzung oder Bezeichnung von einer Hässlichkeit, wie sie wohl nur Schulen hinbekommen. (Deshalb als Blogtitel ungeeignet).

  5. > Lehrer, die älter als 55 sind

    Ich denke, dass das inzwischen auf 50 gesenkt wurde. Zumindest kann man ab diesem Alter entscheiden, ob man noch beurteilt werden möchte.

    > [Richtwertvorgabe] Das heißt es jetzt nicht mehr

    Na ja, das ist die offizielle Aussage. Intern gibt es nach wie vor sehr wohl eine Vorgabe.

    > Werden wir an absoluten Kriterien gemessen oder relativ zu den Kollegen?

    Das viel größere Problem ist doch, dass der Beurteilende in den meisten Fällen gar keine Ahnung von dem hat, was er da sieht (und das ist NICHT als Vorwurf gemeint). Stell dir vor DU müsstest, sagen wir mal, eine Chemie-Stunde beurteilen. Du könntest sicher etwas zum Auftreten des Lehrers, der allgemeinen Lernatmosphäre, der Sauberkeit des Tafelbildes etc. sagen, aber über den INHALT der Stunde, den methodischen Aufbau etc. kannst du vermutlich überhaupt nichts sagen. Das relativiert den Wert des „Feedback“ m.E. ganz erheblich. Deshalb finde ich es grundsätzlich eine vernünftige Idee, dass der Fachbetreuer mit dabei sein sollte. Natürlich schafft das aber auch wieder neue Probleme.

  6. Mein Güte! Nach diesem offenbar der Gaußschen Normalverteilung nachempfundenen Verfahren kann man sich ja mit den Beurteilungen den A … Ich empfehle, um in eine bessere und bestimmt angemessenere Beurteilungskategorie zu kommen, dem Schulleiter einen Kandidaten zum Ausgleich zu präsentieren, der dafür die schlechte Note nimmt, weil er vielleicht keine Karriere für seine Witwe machen muß aber dafür gerne wat mehr im Portemmonaie hätte? Wir könnten eine Plattform dafür aufmachen, wo die passenden Kontakte geknüpft werden können. Oder bezieht sich das Ganze bloß auf eine Schule? Dann ist es ja sowieso grottenfalsch, weil statistisch zu klein.

  7. Wieso ist es indiskret, Lehrer nach ihrer Beurteilung zu fragen? Schüler fragt man doch auch? Ich verstehe die besondere Heikelitüde des Themas nicht. Ob man persönliche Beurteilungen ins Internet stellt, ist natürlich eine individuelle Entscheidung. Da will ich ja nicht mosern. Aber wieso ist das Thema an sich so ein rohes Ei? Es geht doch nur um die Beförderung, die eh kommt, weil kaum jemand schlecht beurteilt wird, wenn ich das Gelesene richtig interpretiere.

  8. Gut haben ISe das gemacht, Her Rau, Glückwunsch!

    Die Gaußsche Normalverteilung gehört allerdings verboten, jawohl. Sie gilt nämlich nur bei Zufallsereignissen, also die Größe der Kaulquappen pro Teich zum Beispiel. Aber Lernen und Lehren ist kein Zufall, und kann auch nicht mit dieser statistische Kurve verglichen werden. Oder will der bayrische Staat seinen Lehrern mitteilen, dass er ihre Leistungen für Zufallsereignisse hält?

    Herr Rau, Sie sind ja noch so motiviert. Bei uns sind die Beförderungsstellen zusammengestrichen, dass kaum noch einer eine Chance hat. Unsere jungen Kollegen haben schon lang keinen Nerv mehr sich in das Verfahren zu begeben, und sagen es dem Schulleiter auch direkt: was weiß ich, was in 12 Jahren ist, ich erspar mir den Stress.
    Ich war gerade 42, als ich OstR wurde. Viel länger hätte ich das Rennen auch nicht mitgemacht. Und wenn man sich die Gehaltstabellen anschaut, beschwingt das auch nicht gerade. Freunde von mir, die damals in die Industie gegangen sind, verdienen das Doppelte. Bin ich froh, dass mir Geld immer egal war :-))

  9. Also: kein wirklich motivierendes System scheint mir.
    Da will ich meinen, dass Baden-Württemberg etwas attraktiver ist.
    Hier können Stellen für Oberstudienräte ausgeschrieben werden,
    die mit bestimmten Funktionen verknüpft sind.
    Zum Beispiel: Multmedia-Berater.
    Oder Initiierung von Comenius-Projekten.
    Oder Betreuung des Schulnetzwerks.
    Also solche Stellen, auf denen jemand sich profiliert hat oder zukünftig profilieren möchte.
    Und zumeist sind die Stellen so spezifisch formuliert, dass BewerberInnen von außen keine Chance haben. Deswegen bewirbt sich darauf auch niemand von außen.
    Für die Lehrkräfte an der Schule ist es aber eine gute Chance, aufzusteigen.
    Zumal in der Zwischenzeit auch keine externe Beurteilung mehr vorgenommen wird.
    Was die Gefahr ist: Kungelei zwischen Schulleitung und Kollegium.
    Und dass schwache SchulleiterInnen sich ebensolche schwachen Oberstudienräte aussuchen.

  10. Das Problem ohne die Richtwertvorgabe war vermutlich die Inflation der Noten. Auch nicht gut. Tatsächlich waren die Prädikate beim letzten Durchgang (für den es schon Statistiken gibt) sehr normalverteilt. Es wurden dabei auch beförderungshemmende Noten verteilt, also von 1-4, die den untersten beiden 7er-Prädikaten entsprechen. Der Richtwert, Lisa Rosa, bezog sich tatsächlich jeweils auf eine Schule.
    Schülernoten sind auch normalverteilt. Über Sinn und Unsinn davon muss ich mal nachdenken (etwas schreiben).

    Zur Motivation taugt dieses Mittel tatsächlich nur wenig. Glücklicherweise gibt es weitere Quellen dafür (schon wieder ein Thema für einen Eintrag). Immerhin, an anderen Schularten gibt es keine Beförderung, und auch am Gymnasium wird womöglich in Zukunft sehr viel gestrichen werden.

    (Mehr später, auch zur Diskretion. Muss jetzt weg.)

  11. Croco & Stolle: Stimmt, motivierend ist unser System nicht. Immerhin gibt es eine Regelbeförderung, andere Schularten kommen ganz ohne aus. Es gibt an Schulen ja glücklicherweise noch andere Quellen der Motivation.
    Spezifisch ausgeschriebene Stellen sind eine gute Idee. Die gibt es auch, aber nicht viele; sie sind durch Vorschriften vorgegeben. Ansonsten sind die Aufgabenbereiche eher fließend. Jeder macht, was er kann und will.

    @Klabauter: Warum zieren sich die Lehrer so, mich eingeschlossen? Gute Frage. Dass man Schüler nach ihrer Note fragt, ist aber etwas anderes. Lehrer müssen die Noten ihrer Schüler ungefähr kennen, aus vielerlei pädagogischen Gründen. Diese Gründe gibt es für Lehrernoten nicht.
    Man spricht jedenfalls nicht über seine Note. Ich schon, aber in der Schule nur, wenn man mich danach fragt. Im Internet bin ich nicht Kollege, sondern privat.
    Woher dieses Zieren kommt, weiß ich nicht. Ist jedenfalls Tabu.

  12. Tut mir Leid, dass ich dieses ganze Prozedere nicht nachvollziehen kann. Tja, es gibt eben Bundesländer, in denen es nicht einmal Beamte gibt! Oder es gibt Beamte und keine Funktionsstellen oder Karrierechancen! Und trotzdem gibt es dort Lehrerinnen und Lehrer, die gern in die Schule gehen! Bsp. Sachsen: Lehrerin, 24 Dienstjahre, Eng/FRZ Gym,Fachleiterin Fremdsprachen, darf im Moment nur 19 Std. unterrichten und verdient aber auch mal so um die 1700€…(Ist nur ein Beispiel aus meinem Freundeskreis)
    Wenn ich mir Herrn Raus Tabelle in Bayern so anschaue, da jammern einige auf echt hohem Niveau-denn neben viel Arbeit hat doch der Lehrerberuf sehr viel schöne Seiten – die Ferien gehören auch dazu.
    Obwohl ich mich auch immer über Stereotype und Lehrerschelte ärgere, muss ich ehrlich zugeben, dass es viele Lehrerinnen und Lehrer gibt, die vormittags Recht und nachmittags frei haben, denen die Kinder am Allerwertesten vorbei gehen und die sich eingerichtet haben in ihrer Nische. (Anwesende ausdrücklich ausgenommen)
    Ich habe aber noch eine ernsthaft gemeinte Frage, der ich aber einen Satz vorausschicken möchte. Ich bin Lehrerin geworden, weil das seit meiner Kindheit mein Lieblingsberuf war, weil es mir Spaß macht und ich mittlerweile auch nichts wirklich besser kann, was nicht heißt, dass ich es gut mache, naja..Also:Was treibt einen Lehrer zum Aufstieg? Ich meine nicht zum Schullleiter, das kann ich verstehen, aber allles andere? Dann kann man ja gar nicht mehr so viel unterrichten und das eben macht doch Spaß! ( Sorry für das Abschweifen)

  13. Es gibt nicht nur Bundesländer, sondern auch Schularten ohne solche Aufstiegschancen. Das mag gut oder schlecht sein. Aber das Argument „anderen Leuten geht es noch schlechter“ ist für mich kein gültiges, noch nie gewesen. Damit will ich keine Aussage darüber treffen, wie man welchen Beruf am besten finanziell honoriert, sondern nur darüber, dass der Vergleich mit Anderswo nie stichhaltig ist. Vergleiche mit anderen Bundesländern, Ländern, Kulturkreisen sind dann interessant, wenn man verschiedene Lösungsansätze für ähnliche Probleme vergleicht. Noch anderswoer gibt es noch schlechtere Bezahlung als in Sachsen. Wo soll man da aufhören mit dem Vergleichen?

    (Zwischendurch: Bei meinen Kollegen gibt es vermutlich bessere und schlechtere Lehrer, geschickte und ungeschickte. Aber am Allerwertesten gehen die Kinder keinem der Lehrer an meiner Schule vorbei, da bin ich mir sicher.)

    Die andere Frage gefällt mir gut, ich glaube, ich habe auch eine Antwort.

    Was treibt einen Lehrer zum Aufstieg? Aufstieg gibt’s als solchen ja nur in wenigen Fällen, StD werden wenige, OStR alle, ungefähr jedenfalls, von der LAss-Behandlung abgesehen. Meinst du alle die Aufgaben, die man übernimmt und für die man da weniger unterrichtet? (Duzen wir uns eigentlich? Von mir aus gerne, ich respektiere aber auch die Siezer.)
    Jede Schule sollte einen Jahresbericht haben. Irgendwer muss sich darum kümmern. Und wenn man gerne und gut redigiert, dann macht man das halt, bevor’s jemand anders macht. Jede Schule sollte eine gut sortierte und eingerichtete Bibliothek haben. Irgendwer muss sich darum kümmern. Lieber einer, der das kann.
    Als Lehrer ist man nicht nur Unterrichter, sondern auch Pädagoge, und als Kollegstufenbetreuer, denke ich, hat man Möglichkeiten, pädagogisch zu wirken, die über den normalen Unterricht hinausgehen.
    Dann macht es auch Spaß, in der Lehrerfortbildung zu arbeiten, mit Universitäten zusammenzuarbeiten, an neuen Unterrichtsmethoden zu basteln.
    Das hat alles nicht unbedingt etwas mit Aufsteig zu tun, aber das sind alles Sachen, die über das reine Unterrichten hinausgehen. Das sind Sachen, die getan werden müssen, und bei aller Liebe zum Unterrichten, manche davon machen auch Spaß und sind reizvoll.

    Nachdem ich das gesagt habe, bin ich mir nicht ganz so sicher, dass das wirklich alles ist. Ich denke nochmal drüber nach.

  14. Rhetorisch unsauber beginne ich mit also:
    Das Vergleichen lässt mich manchmal aber erkennen, dass es mir gut geht und ich mir meiner privilegierten Stellung durchaus bewusst werde. Das muss ja nicht allen so gehen, in dieser Hinsicht finde ich es aber legitim auch mal zu vergleichen. Und innerhalb eines Kulturkreises wie der Bundesrepublik dürfen doch einmal die von mir genannten Fakten zumindest genannt werden.(Ich habe sie nicht einmal hinterfragt)

    Dass es an deiner Schule Lehrerinnen und Lehrer gibt, die den Namen verdienen, freut mich für deine Schule. Ich kann es von keiner Schule behaupten an der ich war – aber ganz so krass wie oben beschrieben war/ist es auch nicht. Ich finde aber doch, dass es viele gibt, die vielleicht – und jetzt schwenke ich elegant zum Thema Aufstieg – auch gern weniger unterrichten, weil es damit nicht so gut klappt.( Hauptseminarleiter, Fachseminarleiter…)

    Unwissenderweise bin ich davon ausgegangen, dass es nicht so viele Möglichkeiten des Aufstiegs gibt:
    Bei uns gibt es für den Fachleiter Deutsch und den Fachleiter Mathe jeweils eine Abminderungsstunde und dann noch insgesamt ungefähr 5 Unterrichtsstunden aus einem Topf verteilt-(1 für Computer und so, …)
    Alles andere machen wir so nebenbei, dann passiert eben nicht so viel, weil man dann irgendwann keine Zeit hat und sich die Arbeit eben nicht auf 67 Schultern verteilt, sondern auf gefühlte 10. Und die halten dann irgendwann nicht mehr allem stand.

    P.S. Ich glaube ich komme hier so omamäßig rüber, aber ich lass mich von älteren Menschen gern duzen.

  15. Gründe für den Aufstieg:

    Als Lehrer kann man je nach Fach und Engagement nebenher nicht sehr viel hinzuverdienen. (Ich gehe tatsächlich in die Arbeit um Geld zu verdienen, bekäme ich das Geld ohne Arbeit, würde ich sie nicht machen, alles andere ist zwar auch wichtig und notwendig, will man ein guter Lehrer sein) Soooo pleeeeeze, get real! Ich zumindest bin nicht als Lehrer auf die Welt gekommen, und hätte ich mir alles so aussuchen können, hätte ich mir „privatisierender Multimillionär mit Hang zur Philantropie“ ausgesucht. Das ist ein Grund für den Aufstieg.
    Dann habe ich eine Familie (sowas gibt’s) und bin derzeit, da meine Frau erwerbslos ist, der Ernährer dieser Familie, der Kostenzunahme in den letzten Jahren stehen Gehaltskürzungen und Arbeitszeiterhöhungen gegenüber. Wie anders kann ich die Relation von Aufwand und Ergebnis verbessern, als durch einen Aufstieg?
    Noch jeder Aufstieg hat mich zu mehr Arbeit gezwungen, aber auch für Abwechslung, Wahlmöglichkeiten und Gestaltungspielräume gesorgt. Und leider ist es ja nicht so, dass man in Deutschland unmittelbar für seine Leistungen geschätzt wird, sondern eben nur dann, wenn das mit Zeuchnis und Amt, Funktion und Titel verbrieft ist. Dann wird man unter Umständen etwas mehr gebauchpinselt, spricht mit mehr Autorität, setzt sich leichter durch. (Vgl. Webers Definition von Macht) Ich habe keine Lust mir von jedem x-Beliebigen Vorschriften machen zu lassen. Bei der Wahl zwischen Hammer und Amboss fällt mir die Wahl leicht, auch wenn man schnell merkt, dass der Hammer des Nächsten Amboss ist.

  16. Pardon für den Satzbruch mit „zwar“. Hier der fehlende Teil (bitte einfügen) … aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit sich selbst gegenüber oder eine Erklärung, warum man auf einen ordentlichen Verdienst nicht angewiesen ist, trägt doch erheblich zur Glaubwürdigkeit bei.

  17. @Klabauter:
    >Wieso ist es indiskret, Lehrer nach ihrer Beurteilung zu fragen?

    Sehr einfach: weil möglicherweise die Note, die der Betreffende bekommen hat, nicht besonders gut ist, oder weil er sich (vielleicht auch wenn die Note gar nicht so schlecht ist) unter Wert beurteilt fühlt – ganz unabhängig davon, ob diese Note nun objektiv „gerecht“ ist oder nicht.

    Der Vergleich mit den Schülern ist dabei so schief wie sonstwas. Die Note eines Schülers stuft eine Einzelleistung ein – und selbst wenn es die Jahresendnote ist, hat der Schüler die Möglichkeit, im folgenden Jahr bessere Noten zu erzielen.
    Die „Dienstliche Beurteilung“ maßt sich an, über den Menschen als Ganzes zu urteilen, denn der Lehrer hat ja rund um die Uhr ein Vorbild zu sein, und so ist es nicht nur von Bedeutung, ob die Lehrkraft vernünftig erklärt, ordentlich korrigiert und von ihrem Fach allgemein etwas versteht, sondern es ist wichtig, wie gesund sie ist, welches Maß an „Einsatzbereitschaft“ sie zeigt und so weiter und so fort. Wenn hier jemand bescheinigt bekommt, er erfülle „die Anforderungen im Wesentlichen“, obwohl er sich größte Mühe gibt und das Gefühl hat, die Schüler schätzten seinen Unterricht, dann kann man davon ausgehen, dass diese Benotung die Lehrkraft nicht gerade beflügelt.

    Dabei wird die Bereitwilligkeit, die Note öffentlich zu machen, vermutlich mit ihrem Wert steigen. Das „UB“, lieber Thomas, kann sich schon sehen lassen – aber hättest du ein „WE“ auch veröffentlicht? Wahrscheinlich nicht. Einfach deswegen, weil es peinlich ist, ein gewisses Maß an Versagen zuzugestehen … obwohl man möglicherweise nicht selbst daran schuld ist, sondern das völlig untaugliche System und die Regeln, nach denen diese Beurteilung zustandekommt.

    Ich vermute sehr, dass die offizielle Freiheit, die die Schulleiter dieses Mal haben, einen zu erzielenden Schnitt nicht anstreben zu müssen, nicht genutzt wird, und dass eine überdurchschnittlich gute Note wieder mit einer Note unter dem Durchschnitt ausbalanciert wird – einfach weil’s immer schon so war. Und da haben wir auch den Grund für die Schweigsamkeit innerhalb der Kollegien: Die mit den schlechten Noten sind sowieso ruhig, weil sie sich ärgern oder deprimiert sind, die mit den guten Noten sind ruhig, weil sie befürchten, dass ein Teil ihres Erfolges einer schlechten Note für einen Kollegen geschuldet ist. Dafür können sie zwar nichts, aber peinlich ist es trotzdem.

    Nun ist es natürlich objektiv so, dass es einsatzfreudigere und weniger aktive Leute in einem Kollegium gibt, Lehrkräfte, die geschickter unterrichten, und solche, bei denen das Ganze eher mühsam vonstatten geht. Aber warum man nicht genau da ansetzt, ist mir ein Rätsel (oder auch nicht). Statt konkrete, kleine Trainingseinheiten zu verordnen, die tatsächlich den Unterricht verbessern könnten, belässt man es bei einer vierjährlichen Abwatschung, die niemandem etwas bringt.

    Einen tatsächlichen Zweck hat die Beurteilerei natürlich schon: Sie entscheidet über die Geschwindigkeit bzw. Langsamkeit des Erreichens einer höheren Besoldungsgruppe, und in dieser Hinsicht bedeuten genügend schlechte Beurteilungen mehr bares Geld, das sich der Arbeitgeber vorerst mal sparen kann.

    Insgesamt sind natürlich auch die Schulleiter nicht um ihre Aufgabe zu beneiden, solche Beurteilungen zu erstellen – und erstellt müssen sie werden, dafür gibt’s ja eine Vorschrift.

    Glücklicherweise – muss (kann/darf/soll?) ich der Vollständigkeit halber hinzufügen – kann ich mich über meine Beurteilung nicht beklagen (wenn man bedenkt, dass es die oberste Stufe so gut wie nie gibt und die zweite fast nie). Meine Kritik gilt dem System* an sich, das nach meinem Eindruck für alle Beteiligten unbefriedigend ist.

    *System hier: Beurteilung der Lehrkräfte an bayerischen Gymnasien; dass es an anderen Schularten, in anderen Bundesländern und sonstwo noch unbefriedigendere Zustände geben mag, bestreite ich nicht.

  18. Pauker: Danke für den Beitrag. Schön erklärt, auch mir. Du hast einige Zusammenhänge gezeigt, die mir vorher nur vage bewusst waren. Dass die Noten nichts dazu beitragen, den Anforderungen mehr zu entsprechen. Dass sie natürlich ein Mittel sind, den Geldfluss zu kontrollieren.
    Hätte ich ein WE auch veröffentlicht? Wenn ich dann noch ich gewesen wäre, vermutlich schon. Aus therapeutischen Gründen möglicherweise so, dass ich dabei in möglichst gutem Licht erschienen wäre: Dass ich zu den gegebenen Bedingungen das Minimum leiste, dass ich eben andere Anforderungen an den Lehrerberuf stelle als die Schulleitung. Dazwischen ein leiser Schluchzer. Und ohne Kommentarmöglichkeit.
    Vielleicht sollte ich tatsächlich öfter von meinen alltäglichen Misserfolgen bloggen.

    Aber das Wichtigste: Der Pauker hat ein Blog, juchhe! Schon seit Dezember, tse.

  19. Lustigerweise ist das ganze ja nicht al ein Geldsparsystem – zumindest nicht jetzt:
    Es gibt ja viel mehr A 14 und A15 – Berechtigte als freie Stellen.
    Das heißt, mit schlechteren Beurtreilungen im Schnitt ändert sich nichts, denn jede A14 Stelle wird (noch) wieder nachbesetzt.
    Die Beurteilungen sind nur da, um die Reihenfolge auszukarteln. Und da ist ein vorgegebener Schnitt sogar ggf sinnvoll: Sonst könnte ein Schulleiter seine Schäfchen durch zu gute Beurteilungen schneller als die der Nachbarschule zur Beförderung bringen.
    Wenn eine Schule nun tatsächlich überdurchschnittlich viele überdurchschnittlich gute hat, sind die natürlich jetzt im Nachteil. Aber das perfekte System gibt es nicht.
    Es sei denn: Man vergibt die A14 und A 15 halt nur für Sonderfunktionen. Wer sie hat, bekommt sie. Wer sie wieder abgibt, ist sie los.
    Nur: wie kann man dann besonders guten Unterricht belohnen? Und wer „misst“ den?

  20. Merkwürdig ist es schon, man muss guten Unterricht halten um gute Noten zu bekommen. Wenn man gute Noten bekommt, erreicht man Stellen, die alles von einem verlangen nur nicht guten Unterrricht. Ein Schulleiter muss Ahnung von Verwaltung und haben und Führungsqualitäten, muss Dämpfer sein für das Zeugs von oben, Abkühler sein für die Hitze von unten. Ein Stellvertreter muss gut organisieren können, den Laden und den Studenplan im Griff haben. Aber unterrichten müssen sie kaum noch, und ob sie darin gut sein, weiß keiner, keiner guckt mehr nach.
    Die Motivation ist mir nicht klar, Schulleiter zu werden. Klar, das Geld, aber so viel ist es nicht. Das was sie gerne und gut machen (gute Noten haben sie!!), nämlich das Unterrichten, das dürfen sie nicht mehr. Das was sie nie gelernt haben, Verwaltung, Führung von Erwachsenen, das müssen sie tun, den lieben langen Tag lang.
    Ich erlebe das schon, ich habe sehr gute Noten. Also muss ich doch eine Studiendirektorenstelle anstreben, meinen die Kollegen , meint die Leitung, also versucht man mich zu schubsen. Ich will aber nicht, weil ich einfach gerne unterrichte und die Verwaltung mir in der Seele fremd ist.
    Und wenn ich Interesse am Geld gehabt hätte, wäre ich alles geworden, nur nicht Lehrer.
    Also, passen Sie gut auf sich auf Herr Rau :-)

  21. Was wäre denn die Alternative zur Leitung einer Schule durch Lehrer? Die Leitung durch Verwaltungsbeamte, die keine Ahnung von Unterricht haben? Die Aufsicht durch Juristen? Die Wahrnehmung der Schulaufsicht durch Eltern? Alle diese Möglichkeiten gibt es in anderen Ländern. Jede davon löst in mir das hektische Bedürfnis aus, den Waffenhändler meines Vertrauens aufzusuchen. Es gibt keinen Berufsstand (der den Namen verdient), der sich seine Kernaufgaben von einer anderen Berufsgruppe organisieren und damit vorschreiben lässt. Andernfalls macht er sich zur Hilfstruppe. Mir reicht jetzt schon, wie expansive Berufsgruppen (z.B. Juristen, Psychologen) Kompetenzen im Schulbereich an sich ziehen, weil sich Lehrer nicht zur Wehr setzen. Ein Teil der strukturellen Hilflosigkeit der Lehrerschaft besteht darin, dass es immer Leute gibt, die die Klassenzimmertür hinter sich zumachen und sagen: „Hauptsache, ich mache einen guten Unterricht.“ Dazu fällt mir ein vergessener Chanson einer vergessenen Chansonniere ein: „Ich sitz noch immer hinter meinem Gartenzaun und setz‘ in den Deutschen Bundestag immer wieder viel Vertraun. Wie sich das gehört, Ja wie sich’s gehört.“

  22. A propos Chanson, à propos Hilflosigkeit – Georg Kreisler schrieb und sang, bevor noch das Wort „Fraktal“ in aller Munde war und man sich unter „Mandelbrot“ nichts vorstellen konnte:

    Spielt ein Neger auf der Flöte Palestrina,
    am Girardiplatz, im Jänner, wenn es schneit,
    ja, dann teilen sich die Wolken über China
    und in Moskau spricht die jüngste Ballerina:
    „Es ist Frühlingszeit!“

    Dreht ein Mädchen namens Mia sich gen Mekka,
    und der Wind zerreißt das Band auf ihrem Hut,
    ja, dann wird man in Skutari plötzlich kecker
    und in Sofia beginnt ein Streik der Bäcker.
    Dann ist alles gut.

    Flötenunterricht kann nicht viel kosten.
    Und Palestrina sollte jedermann studieren.
    Und die Mia dreh ich selber gegen Osten.
    Nur muss man das genau
    synchronisieren.

    Denn dann teilen sich die Wolken über China
    und am Balkan ruft man froh: „Es ist so weit!“
    Und in Moskau spricht die jüngste Ballerina:
    „Es ist Frühlingszeit“.

  23. Mein Glückwunsch, lieber Herr Rau, für Ihre Beurteilung und an alle, die nicht als „Minderleister“ eingestuft worden sind.
    Was einem dann passieren kann, beschreibt Martin Spiewak heute in der ZEIT.

    Weil sie das mit „Mia gegen Osten drehen“ nicht hinkriegt, versucht es die Kultusbürokratie jetzt mit der Synchronisierung von Bürokratisierung und Forderung nach Kreativität. Und am Balkan ruft man froh: “Es ist so weit!” Und in Moskau spricht die jüngste Ballerina: “Es ist Frühlingszeit”.

  24. Wenn Schulleiter Kollegen, die seit víelen Jahren die Voraussetzung für eine Beförderung erfüllen, nicht befördern, dann führt das natürlich unweigerlich zum Frust bei den Benachteiligten.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich schwache Schulleiter auch stets schwache Stellvertreter ausgucken. Wäre ja noch schöner, wenn die besser wären als man selbst.
    Soviel zur Lehrerbeurteilung durch Schulleiter/innen.

  25. Für die eigentlichen Beförderungen ist ja der Schulleiter auch nicht zuständig, sondern nur für die Postenvergabe. Da gibt’s aber sicher Unterschiede in der Zielsetzung, und einfache und schwierige Wege, und strategisches Handeln und anderes.
    Aber viel rumgekommen bin ich noch nicht, ich weiß nicht, was ein Einzelfall ist und was nicht.

    Ach ja, @pauker: Besser hätte ich’s selber nicht formulieren können. ;-)

  26. Horst Eberhard Richter schrieb einmal, Karriere sei die psychische Deformation auf Raten. Dennoch sind diese “ Hühnerleitern“ sehr beliebt ( vor allem bei denen, die Konkurrenz nutzen können). In uns ( Hierarchie des Lebendigen?) steckt der Wunsch, sich gegenüber anderen hervorzuheben, das Gefühl,man sei etwas Besseres, weil man eine höhere Ziffer auf der Besoldungsmitteilung hat.
    Als Anwalt stehe ich oftmals vor Menschen, die viele Wünsche haben, die ich gar nicht erfüllen kann. Juristen halten sich aus dem Streit ziemlich weitgehend heraus und nennen das „Beurteilungsspielraum“. Das Fatale ist, es wird der Eindruck von Objektivität erweckt. Der ist zwar von der Wissenschaft widerlegt. Aber selbst wenn man einem Beurteilungswesen eine gewisse Rationalität bescheinigen kann, bleibt der “ menschliche Faktor“. Beurteilungen sind häufig von Gründen beeinträchtigt, die nichts mit Eignung,Befähigung und fachlicher Leistung zu tun haben,wozu sie ja wesentliche Erkenntnisse beitragen sollen und auch so von der Rechtsprechung eingesetzt werden. Ein kleines Beispiel: ein Beurteiler hat einen sehr schwierigen Mitarbeiter,kommt der eigenen Führungsverantwortung nicht nach und beurteilt die diesem Mitarbeiter zugeordneten Menschen schlecht, weil sie mit ihm nicht zurechtkommen( mangelnde Teamfähigkeit). So kann man von der eigenen Unzulänglichkeit ablenken und die Wut darüber auf einen Rangniederen projezieren. Was kann die Person dagegen tun ? Vor Gericht jedenfalls fast gar nichts.Beurteilungsspielraum eben. Die Machtlosigkeit gegenüber der irrationalen Handhabung eines schein-rationalen Systems führt oftmals zu nicht unerheblichen psychischen Kosten. Die Chance, dass dieses Herrschaftsinstrument abgeschafft wird, ist sehr klein. Also bleibt nur die eigenen Befreiung von dem System ( wobei die Einordnung als „Minderleister“- es wurde darüber berichtet, einem allerdings erheblichen Ärger machen kann). Ansonsten kann man ( Friedrich II) nur raten: Niedriger hängen !

  27. Lieber Herr Rau,
    liebe Kolleginnen und Kollegen,

    die Leistung von Lehrern lässt sich nicht messen, sondern nur beurteilen. Die Beurteilung stützt sich auf den Vergleich der Leistungen verschiedener Personen. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit fordert deshalb eine „Einreihung“ in eine „hinreichend große Vergleichsgruppe“, so dass durch die Beurteilung eine „verlässliche Erkenntnisquelle für die Beschäftigten und die Dienststelle über die Stellung des Einzelnen im Rahmen eines Wettbewerbs“ entsteht. Es geht also darum, mehrere Lehrkräfte nach ihrer Leistung zu reihen. Das Reihen hat in der Regel innerhalb der gleichen Besoldungsgruppe zu erfolgen und muss sich auf Personen mit vergleichbaren Aufgaben beziehen.

    Unter diesem Gesichtspunkt ist es höchst problematisch, dass ein Schulleiter mit den Fächern Deutsch und Geschichte beispielsweise den Fachunterricht eines Kollegen in Mathematik beurteilt. Der Fachunterricht müsste also jeweils durch eine Fachkollegin oder einen Fachkollegen, mit dem gleichen Unterrichtsfach erfolgen, da ja Beurteilungen Prüfungscharakter haben und Prüfungen immer nur durch Personen erfolgen dürfen, die mindestens die gleiche Qualifikation haben.

    Daraus folgt, dass in Bezug auf die Beurteilung der Unterrichtsleistungen eigentlich in der Regel keine Beurteilung durch die Schulleiterinnen oder Schulleiter als direkte Vorgesetzte der Lehrerinnen und Lehrer zulässig ist, da sie nicht die Qualifikation zur Unterrichtung aller Fächer besitzen.

    Die beste Lösung wäre daher, dass statt der Beurteilung der Unterrichtsleistungen durch die Schulleitung eine kollegiale Beurteilung tritt. Um auch schulübergreifend Einblicke in den Leistungsstand zu erhalten und um zu vermeiden, dass durch ein gegenseitiges Beurteilen das kooperative Klima im Kollegium beeinträchtigt wird, sollten die beurteilenden Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schulen kommen, wozu ein rotierendes Verfahren die Voraussetzung schafft. Der Fachunterricht jeder Lehrerin und jedes Lehrers wird dabei von Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen beurteilt, aber die Lehrerin oder der Lehrer hat auch selbst in anderen Schulen die Beurteilungsaufgabe zu übernehmen.

    Damit Beurteilerinnen und Beurteiler zu Beurteilende nach ihren Unterrichtsleistungen reihen können, müssen sie aber auch Einblick in den Unterricht der zu Beurteilenden erhalten. Hierbei wird man nicht um unangemeldete Hospitationen herum kommen. Wie oft diese erfolgen und welcher Zeitraum für ein halbwegs verlässliches Urteil erforderlich ist, muss seitens der Lehrerschaft selbst entschieden werden. Dabei ist das eigene Interesse an einer möglichst objektiven und gerechten Beurteilung mit dem eigenen Interesse an einer möglichst geringen Belastung durch Beurteilungen in Einklang zu bringen. Dazu schafft die Doppelfunktion als Beurteiler und Beurteilter gute Voraussetzungen. Eine weitere Erkenntnisquelle würde durch das in Großbritannien übliche Verfahren zur Korrektur von Tests und Klassenarbeiten geschaffen. Dort korrigiert und benotet nicht die Lehrkraft selbst, sondern die Lehrkraft einer anderen Schule im Rahmen einer rotierenden Vereinbarung im Verbund mehrerer Schulen. Ein derartiges Verfahren ließe sich gut mit einer kollegialen Fremdbeurteilung koppeln.

    Wie eingangs dargestellt, wird die Einreihung der Lehrleistung in die Lehrleistungen einer hinreichend großen Vergleichsgruppe verlangt. Das Reihen vieler Personen nach ihren Leistungen stößt aber sehr schnell an unüberwindbare Grenzen. Bei zwei Personen hat man lediglich zu entscheiden, welche die bessere ist. Bei drei Personen muss man die zusätzliche dritte bereits mit zwei anderen vergleichen und damit zusätzlich zweimal entscheiden, welche von zwei Personen die bessere ist. Das Reihen von vier Personen beinhaltet sechs paarweise Vergleiche. Bei der Forderung nach einer vergleichenden Beurteilung von fünf Personen zeigt sich in der Regel, dass die Beurteilerinnen und Beurteiler wegen Überforderung versagen.

    Trotzdem ist bei geschickter Organisation der rotierenden kollegialen Beurteilung das Einreihen in eine Vergleichsgruppe von zwölf Kolleginnen und Kollegen möglich. Jede Lehrerin und jeder Lehrer muss zwar nur vier Kolleginnen oder Kollegen vergleichend begutachten, aber jede Lehrerin und jeder Lehrer wird von vier Kolleginnen oder Kollegen begutachtet und dabei immer mit drei anderen Kolleginnen oder Kollegen verglichen. Bei jeder Beurteilung werden 3 Punkte an die best beurteilte Person vergeben, 2 Punkte an die zweitbest beurteilte, 1 Punkt an die drittbest beurteilte und 0 Punkte an die verbleibende Person. Zusammenzählen der Punktewerte von den vier Beurteilenden ergibt eine Punktesumme zwischen 0 und 12. Diese Punktesumme sagt aus, wieviele von 12 stichprobenhafte ausgewählten Fachkolleginnen oder Fachkollegen einen Unterricht machen, der den vier Beurteilenden weniger gefiel.

    Im Rahmen des bayerischen Beurteilungssystems mit sieben Stufen bedeutet die genauere Skala mit 13 Stufen, dass es jeweils zwischen den derzeitigen Stufen noch eine Zwischenstufe gibt. Die Punktesumme 11 entspricht deshalb „BG bis HQ“. Daraus sollte aber nicht auf eine entsprechende vergrößerte Genauigkeit geschlossen werden. Durch Zufallsfehler bei der Bestimmung der Vergleichsgruppen und Unterschiede in der Beurteilung durch verschiedene Beurteiler entstehen Ungenauigkeiten, so dass nur bei Unterschieden von drei, vier, fünf oder mehr Stufen wirklich auf gesicherte Leistungsunterschiede geschlossen werden darf. Ein Bewertungsunterschied von „HQ“ gegen „BG bis UB“ ist selbst dann nicht signifikant und kann rein zufallsbedingt sein, wenn die verschiedenen Beurteiler überhaupt keine Beurteilungsfehler machten. Schon bei gerinegen Beurteilungsfehlern wirs nicht einmal der Beurteilungsunterschied von „UB“ zu „HQ“ signifikant. Trotzdem darf man nicht zu einer weniger genauen Skala übergehen. Denn dann werden die Beurteilungen nochmals ungenauer und verlieren weiter an Aussagekraft.

    Die Beurteilung der Unterrichtsleistungen in verschiedenen Unterrichtsfächern sind in einer Gesamtbeurteilung entsprechend zu dem Anteil zu berücksichtigen, mit dem sie unterrichtet wurden.

    Zusätzlich muss die Gesamtbeurteilung auch anteilig Leistungen berücksichtigen, die nicht im Fachunterricht erkennbar werden. Dazu zählen die vielen Sonderaufgaben wie die Betreuung von Schülerbibliotheken, die Organisation und Durchführung von Austauschprogrammen mit ausländischen Schulen, die Betreuung von Schulchören oder Schulorchestern usw.. Solche Leistungen entziehen sich der Beurteilung durch Kolleginnen und Kollegen fremder Schulen. Solche Leistungen könnten zwar auch kollegial innerhalb der Schule fächerübergreifend beurteilt werden. Dagegen wird allerdings seitens der Schulleitungen argumentiert, dass sie diesen Bereich auch als wichtiges Steuerungsinstrument benötigen. Wie immer die Lösung bei der Beurteilung dieses „Sonstigen“ aussehen sollte, müsste den Leistungen im Unterricht mindestens ein Gewicht von 80 Prozent beigemessen werden.

    Weitere Informationen zur Methodik der Vierervergleiche können im Internet gefunden werden. Suchen Sie bitte zunächst mit einem Browser nach „Udo.Rempe“ und wählen Sie den Beitrag zur Fachtagung des ZEM (Zentrum für Evaluation und Methoden der Uni Bonn) aus dem Jahre 2006 aus. Ein Beitrag von Ende Oktober 2007 soll demnächst ebenfalls seitens des ZEM ins Netz gestellt werden.

    Meine Analysen zu Beurteilungsverfahren und zur Ermittlung der Signifikanzschranken von Beurteilungen hatten zunächst das Ziel, Methoden zur Bestimmung der Höhe von Leistungsbezügen im Rahmen der W-Besoldung an Hochschulen zu schaffen. Sobald auch im Beamtenbereich LOB (LeistungsOrientierte Besoldung) eingeführt wird, steigt auch die Bedeutung der regelmäßigen Leistungsbeurteilung im Lehrerbereich. Sobald also Bayern LOB in Höhe von 1 Prozent (wie derzeitig im Tarifbereich nach TV-L) einführt, kann man die Punktesummen P zur Festsetzung der Höhe einer jährlichen Leistungsprämie benutzen. Dabei gilt annähernd
    Leistungsprämie = Durchschnittsbesoldung der Besoldungsgruppe
    * 0,24 * ( Punktesumme + 1 ) / 14.

    Es ist also wichtig, dass sich die Lehrerschaft um die Angelegenheit kümmert und aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung die Beurteilungspraxis mitgestaltet.

    Mit bestem Gruß
    Ihr

    Udo Rempe

  28. Danke für den ausführlichen Kommentar. Ich habe ihn bisher nur gelesen, werde aber hoffentlich bald Zeit finden, mir gründlich Gedanken dazu zu machen und ein bisschen zu recherchieren.

  29. Ich finde es erstaunlich, dass Sie in Ihrem Lehrerblog seit 2007 nicht mehr über Dienstliche Beurteilungen von Lehrern geschrieben haben. Hat sich das mulmige Gefühl von damals verstärkt, oder gibt es handfestere Gründe?

  30. Ich finde das auch erstaunlich, hätte schwören können, dass ich erst kürzlich doch etwas zur aktuellen Runde geschrieben habe. Habe ich aber nicht (nur kurz etwas auf Twitter). Aber dann wenigstens 2011… aber auch nichts gefunden.

    Ich weiß nicht, ob ich die Energie zu einem neuen Blogeintrag dazu habe. Mit dem Alter und den höheren Besoldungsstufen schwindet das Interesse. Das Beurteilungswesen ist immer noch nicht wirklich angemessen. Alles Persönliche ist inzwischen daraus verschwunden, es gibt nichts außer Textbausteine – nicht etwa so, dass man sich aus Bausteinen etwas Passendes zusammensucht, sondern bei der und der Teilnote gibt es den und den Baustein, und fertig, und das teilweise absurd. Es gibt die Gesamtnote und Teilnoten, die aber wohl nicht wirklich jemanden interessieren. Dafür ist seit kurzem sehr viel wichtiger geworden der Eintrag unter „Verwendungszweck“ oder so: Wenn da nicht explizit drinsteht „Mitarbeit in der Schulleitung“, dann hat man es schwer gegen einen Kandidaten mit diesem Vermerk, auch bei ansonsten schlechterer Beurteilung.

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