Europatag

Morgen ist Europatag (Lehrer-Online). Da sollen bundesweit alle Schulen etwas zu Europa machen.

Kultusminister Schneider freut sich über die sich bereits abzeichnende zahlreiche Teilnahme bayerischer Schulen (KuMi-Pressemitteilung)

Gern geschehen. Nicht dass wir eine Wahl gehabt hätten.

Ich schau mit meiner Klasse im Computerraum einen Artikel und den Stat@las an. („Ein interaktiver statistischer Atlas der europäischen Regionen“.) So rechte Lust will sich noch keine einstellen, dazu ist die Aktion zu sehr von außen bestimmt. Klar hätte ich mehr machen können, mich einbringen und so. Aber alles geht nun mal nicht. Dabei bin ich eigentlich schon für solche Tage. Bloß Stellwände produzieren will ich keine mehr.

(Ich denke, ich bin nur unzufrieden, weil wieder die Lehrer alles organisiern und nicht die Schüler. Irgendwann muss das mal anders werden.)

12 Thoughts to “Europatag

  1. Ich dachte eigentlich, der Europatag sei am 5. Mai? Da finden zumindest bei uns in der Stadt Veranstaltungen aus europäischen Ländern statt (da gibt es immer sehr feine Sachen zum Essen, hmmm).

  2. > (Ich denke, ich bin nur unzufrieden, weil wieder die Lehrer alles organisiern und nicht die Schüler. Irgendwann muss das mal anders werden.)

    Hätte DICH, als du im Alter deiner jetzigen Schüler warst, sagen wir mal ein Vergleich des Bruttosozialprodukts von Portugal und Rumänien interessiert? ;-) Na also, warum sollte das irgendwann „anders werden …

  3. (Ich denke, ich bin nur unzufrieden, weil wieder die Lehrer alles organisiern und nicht die Schüler. Irgendwann muss das mal anders werden.)

    Also ich muss ja sagen, dann erziehe dir deine Schüler dazu, dass sie selbständig Interesse an ihrer Wissbegierigkeit haben. Ich weiß, dass ist ein sehr schwerer Prozess, aber wie alle Menschen sind Schüler träge, es ist nur eine Frage der Motivation und man muss Schüler ja nun nicht gerade mit dem Bruttosozialprodukt locken…wie wäre es mit einem Rapsong zum Thema Europa oder ein Videofilm oder Hörspiel…man sollte da nur Anregungen geben und dann kommt der rest schon von den Kids. Und dann steht man als Berater zur Seite…schließlich ist man ja Lehrer geworden und kann ja auch nicht alles auf die Schüler abwälzen, das geht in jedem anderen Job auch nicht…ok dann noch viel spaß beim Unterrichten und schüler motivieren

  4. @melanie: Also wenn das so einfach ist, die Schüler zu motivieren, dann machen ja wohl viele viel falsch. Ich denke, bei der Ansage: „Wir machen jetzt mal einen rapsong…“-da lachen sich zumindest meine Schüler kaputt, auch mit dem Filmen ist das m.E. schneller gesagt als getan.
    (Es ist überhaupt schwierig für uns alte Knacker jugendgemäße, nicht alberne Themen zu finden, die keinem Beteiligten peinlich sind. Also dieses Problem von Jugendsprachewörterbüchern, die sehr schnell sehr veraltet sind…)
    Tut mir auch leid: Ich habe bedenken, zu formulieren, dass alles nur eine Frage der Motivation sei. Da spielen doch andere Dinge mit eine Rolle.

  5. @cindie: Sicher ist es nicht einfach Schüler zu motivieren, aber da fängt doch der Kern des Lernens an. Ich denke ja auch realistisch und mir ist sehr wohl bekannt, dass nicht nur eine gelungene Motivation oder anders gesagt ein gewisser Anreiz/Denkanstoß/Impuls wichtig sind, damit die Schüler etwas lernen. Aber meine Erfahrungen sagen mir, dass die heutige Generation eine höhere Lernbereitschaft zeigt, wenn man sie an ihrem Wissensstand abholt und den mit aktuellen Bezügen erweitert. Und es kommt natürlich auch darauf an WIE man als Lehrer solch ein Projekt vermarktet. und warum sollte denn nicht eine Kombination aus traditionellem Unterricht und moderner Gestaltung nicht zu einem Erfolg führen??? Vielleicht sollte man mal über einen geeigneten Stil nachdenken. Vielleicht fällt es mir auch leichter einen Zugang dazu zu finden, weil ich noch nicht so entfernt von der heutigen generation bin bzw. ich bin ja schon mit anderen Methoden groß geworden. Ich hoffe, dass Sie das als konstruktiven Hinweis verstehen. Ich nehme übrigens sehr gern Informationen von erfahrenen Lehrern an und versuche dies auch anzunehmen und in meinen Praktika umzusetzen. Natürlich sind Videoprojekte sicher sehr umfangreich und auch in der Vorbereitung sehr intensiv, aber dafür ist man doch Lehrer geworden. Man hat halt nicht nur Ferien und Freizeit – nein als Lehrer sollte man ein engagiertes Interesse an der Bildung der Kids von heute haben, d.h. man kann halt nicht seine jahrelang unterrichteten Konzepte wie bisher umsetzen. man sollte diese umdenken, und reichlich Fortbildungen werden ja angeboten, nur wie ich mitbekommen habe, werden diese selten wahrgenommen. So aber ich glaube jetzt führt es zu weit.

  6. Ich möchte behaupten, dass ich in unserem Lehrerzimmer mit Sicherheit noch nicht zu den „alten Knackern“ gehöre. Darüber hinaus bin ich ebenfalls mit „modernen Methoden“ aufgewachsen – und setze diese auch in meinem Unterricht ein, falls es mir angebracht erscheint (vgl. z.B. die Weblogs zu meinen Erdkunde-Lks). Gerne nutze ich aber auch die „alten“, klassischen Methoden!
    Außerdem bin ich der Meinung, dass eine Aussage wie jene, dass „ein gewisser Anreiz/Denkanstoß/Impuls wichtig [sei], damit die Schüler etwas lernen“ (Melanie), derart felsenfest in jedweder Pädagogik verankert ist, dass ein derartig überhöhtes Postulat in diesem Zusammenhang fast schon wieder obsolet anmutet.

    Hörspiele und (Kurz-)Filme oder von mir aus auch Podcasts und YouTube-Videoclips sind eine tolle, moderne Sache im Unterricht. Und wenn diese dann noch von den Schülern selbst erstellt werden – um so mehr. Und wenn diese dann nicht nur Selbstzweck sind oder „lediglich“ Motivationsfunktion haben, sondern eben auch genau die geeignete(!) Methode darstellen, um gewisse Inhalte zu vermitteln – um so vieles mehr.

    Wer allerdings glaubt, „…man sollte da nur Anregungen geben und dann [käme] der Rest schon von den Kids“ (Melanie), der ist m. E. entweder auf dem pädagogischen Holzweg oder er hat (außer einiger Praktika) eben bisher noch sehr wenig Erfahrungen sammeln können, was den Lehrberuf anbelangt. (Und zwar den „Teil“ des Berufs, der außerhalb von Seminar- und Fortbildungsräumen stattfindet – direkt und „hautnah“ unter Schülern und Kollegen.)

    Die große Kunst der Motivation liegt u. a. genau darin, dass man es versteht, Schüler gerade mit (z.B.) dem Bruttosozialprodukt von Portugal und Rumänien zu locken. Hier den richtigen Einstieg in das (offenbar spröde!?!) Thema zu finden, genau hier Interessen zu wecken – zielgerichtet zu motivieren, kommt m. E. schon eher an den „Kern des Lernens“ heran.

    Eine Haltung wie: Hurra, heute ist Europa – „wie wäre es [da] mit einem Rapsong zum Thema Europa“??!! (Melanie) hat m. E. wenig mit dem „Kern des Lernens“ zu tun – wenig mit echten Inhalten, bei denen es etwas Neues zu erfahren gibt für den Schüler – wenig mit zielgerichteter Motivation – und auch wenig mit der richtigen Forderung die Schüler „an ihrem Wissensstand abzuholen“.

    Ich finde es außerdem auch… ja, …bemerkenswert, wenn eine angehende(!?) Lehrerin bzw. Pädagogin im Zusammenhang mit Bedenken äußernden Kollegen, derartige „Kahlschlagargumente“ alà Bildzeitung bemüht wie: „Man hat halt nicht nur Ferien und Freizeit – nein als Lehrer sollte man ein engagiertes Interesse an der Bildung der Kids von heute haben…“ (Melanie).

    Da bin ich nachts um ca. 00:45 Uhr – nach 7 Stunden Unterricht (verteilt über Vor- und Nachmittag; teilweise sogar mit Motivation! …hi hi hi), ca. 2 Stunden Unterrichtsvorbereitungen für morgen (u.a. szenische Einheiten zur Lektüre „Odyssee“, 6. Klasse), einigen – keinesfalls allen – Schulaufgabenkorrekturen (10. Klasse, Erörterung) und diversen E-Mail-Antworten auf (formale) Fragen zur Facharbeit meiner Leistungskursler ….da bin ich also um diese Uhrzeit schon sehr dankbar dafür, dass mir mal wieder jemand bescheid stößt, dass man „als Lehrer [..] ein engagiertes Interesse an der Bildung der Kids von heute haben [sollte]“.

    Danke und gute Nacht!

  7. @melanie: „Natürlich sind Videoprojekte sicher sehr umfangreich und auch in der Vorbereitung sehr intensiv, aber dafür ist man doch Lehrer geworden.“ Auch wenn Sie das erschrecken mag-dafür bin ich nicht Lehrerin geworden…und eigentlich auch für Kinder und junge Erwachsene und nicht für Kids…:)

    Schade auch, dass Sie unwissenderweise so ein bisschen durchgekaute Vorurteile aufwärmen, was Freizeit und Ferien betrifft – mir bleibt da mit 20WS, 2h Fahrtweg täglich, Familie, Abituraufgaben basteln und x-mal auf eigenem Papier ausdrucken, Oberstufenkursen, Referendarbetreuung, Fachleiter und Klassenleiter nicht so viel wie es zunächst aussieht.

    „Vielleicht sollte man mal über einen geeigneten Stil nachdenken?“ verstehe ich nicht

    Naja, nicht sauer sein, ich bin halt doch etwas old school und halte die Persönlichkeit eines Lehrers für das Wichtigste, neben guter Laune, Empathie und Konsequenz. Auch Tafel und Kreide sind- bei sinnvollem Einsatz- nicht zu verachten.

  8. Ich glaube, dass diese allzu klare Dichotomie zwischen „old school“ und „new school“ ein oft gemachter Denkfehler von uns Jüngeren ist, der sich allerdings gerne auch bei Profs in Pädagogikseminaren nachweisen lässt.

    Beim Grübeln über meinen Unterricht bin ich dann irgendwann darauf gekommen, dass es in meiner Schulzeit (ab 1986) schon immer eine Mischung aus beiden Elementen gegeben hat – und zwar von der Grundschule bis in die Oberstufe, obwohl ich mit Fortschreiten der Schullaufbahn festgestellt habe, dass der klassische Frontalunterricht zugenommen hat. Aber auch da gab es immer eine Mischform von einem Unterrichtsstil, der eher als dozierend zu beschreiben wäre, und einem Stil, der sich trotz „Frontalität“ an bspw. prdouktorientierter Didaktik orientiert hat.

    Verwunderlich ist das nicht, denn die „neuen“ Ideen sind oft gar nicht so neu, wie sie scheinen, guckt man sich die Geschichte der Reformpädagogik an, und haben darum auch schon länger als man glaubt Eingang in den Unterricht gefunden.

    Zur Motivation äußere ich mich lieber nicht, denn das Thema ist wirklich ein großes. ;-)

  9. Tja, da scheine ich ja eine Diskussionslawine losgetreten zu haben…es war eigentlich nicht meine Absicht jemanden vor den Kopf zu stoßen. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich mich mit vollem Elan auf den Schuldienst freue. Ich wollte auch nicht zum Ausdruck bringen, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hab oder das solche Film-oder Hörspielprojekte der Weisheit letzter Schluss sind. Und ich glaube, dass ich auch geschrieben habe, dass man einen Mix aus „alten“ und „neuen“ Methoden verwenden sollte. Und es ist natürlich auch wichtig, dass man schaut wo solche Projekte angebracht sind.
    Ich gehe sicher auch d´acord, dass es eine Kunst ist, Schüler für uninteressante Themen zu begeistern…schließlich müsen sie auch lernen sich mit solchen Themen zu befassen. Um diese diskussion vielleicht abzuschließen: danke für die kritischen Worte. Ich werde sie bedenken und mir zu Herzen nehmen. Dennoch möchte ich einen kreativen mit Wissen fundierten Unterricht gestalten. Vielleicht muss ich erst auf die Nase fallen… Wie dem auch sei probieren geht über studieren.
    In diesem Sinne wünsche ich euch allen gelungene Unterrichtsstunden! ;)

  10. Ich mußte für mein Institut für diesen Tag eine Linksammlung mit Empfehlungen für Lehrer herstellen. Dabei wurde mir klar, daß „solche Tage“ schlichtweg Unnsinn sind, weil sie völlig aufgesetzt sind. Kein Wunder, daß kein Schüler was dazu vorbereiten will. Volles Verständnis. Ich ärgere mich über solche blöden symbolpolitischen Nationalen Bildungsanforderungen. Sie kosten Kraft und Zeit – und Geld – und sind eher geeignet den Schulfrust von allen Beteiligten zu vergrößern. Ich kann alles unterrichten – die abwegigsten Sachen – aber nicht, wenn sie ihre Tage haben.

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