Einschreibung 2007

Das Kind steckt in der zweiten Hälfte der 4. Klasse und soll im kommenden Schuljahr aufs Gymnasium. Wie geht das?

Anders als bei Grundschulen können die Eltern entscheiden, auf welche konkrete Schule das Kind soll, das hat nichts mit dem Wohnort, dem Schulsprengel zu tun. Aber natürlich ist es sinnvoll, eine Schule in der Nähe zu wählen. Man sucht sich also ein Gymnasium aus und schreibt das Kind dort ein. Dazu gibt es einen Termin im Jahr (zum Beispiel: heute), bei dem man mit allen nötigen Unterlagen bei der Schule autaucht. Man braucht:

* das Original der Geburtsurkunde (die Schule macht sich eine Kopie davon)
* das Übertrittszeugnis (Original bleibt an der Schule)
* eventuell ein Foto für die Jahreskarte des öffentlichen Nahverkehrs, wenn man mehr als 3 km von der Schule entfernt wohnt

Es gibt dann meist eine lange Schlange, gefolgt von einem kurzen Gespräch mit den Vertretern der Schulleitung, worauf man in einer weiteren mehr oder weniger langen Schlange zur Datenerfassung erkommt, wo Namen und Adressen in den Computer eingegeben und Fahrausweise bestellt werden. Das machen die Sekretärinnen und ein oder zwei Lehrer. Ich zum Beispiel. Wenn also heute mein gesamter Unterricht ausgefallen ist, liegt das daran, dass ich freundlich grüßen und Namen in den Computer tippen musste. Mein regulärer Unterreicht wäre mir lieber, zumal ich heute von 8 bis 18 Uhr in der Schule bin statt wie sonst von 11 bis 15 Uhr. Gestern hatte ein Kollege die Idee, die Schule könnte doch beim zuständigen Landratsamt um personelle Unterstützung bitten, damit keine Lehrer einspringen müssen. Ist eigentlich sinnvoll, ich werde sicher die Schulleitung mit diesem Vorschlag triezen.

Interessant ist so eine Einschreibung aber schon. Man spricht nur kurz mit den Eltern, aber man gewinnt doch Eindrücke. Manchmal sind die Kinder dabei, manchmal die jüngeren Geschwister. Manchmal kennt man Eltern schon, weil die bereits andere Kinder an der Schule haben. Und manchmal…. also gut: einmal, nämlich heute, kannte eine Mutter mein Blog. Ich habe mich im ersten Schreck ganz nüchtern verhalten statt mich offensichtlich zu freuen und jungenhaft-verschämt mit meinen Locken zu spielen… oder was man da so tut.

Am Abend des Einbreibtages weiß die Schule dann ungefähr, wieviel neue Fünftklässler es im nächsten Schuljahr geben wird. Manchmal sind es mehr und manchmal weniger. Wieviele wünscht sich eine Schule?
Hier wird es interessant. Von der Zahl der Schüler an einer Schule hängt vieles ab: Wie viele Mitarbeiter im Direktorat es neben dem Stellvertreter gibt (also wieviel A15-Stellen). Wieviele Anrechnungsstunden der Stellvertreter kriegt, um seinen Tätigkeiten nachzugehen. Und vor allem: wie viele Lehrerstunden der Schule insgesamt zur Verfügung stehen. Das sind Größenordnungen von 1400 Lehrerstunden auf 1100 Schüler. Grob geschätzt, ich kenne keine genauen Zahlen und habe keine Tabelle.

Aus diesem Budget muss aller Unterricht in den Klassen, in der Kollegstufe und im Wahlunterricht bestritten werden. Seit einigen Jahren kann das die Schule selber entscheiden: Mehr Spielraum. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Stunden reduziert.

Konkret stellt sich folgende Frage: Nehmen wir an, es haben sich 168 Schüler angemeldet. Das sind entweder sechs Klassen mit 28 Schülern oder fünf Klassen mit 33 oder 34 Schülern. Was soll die Schule machen? Auf der einen Seite sind kleine Klassen besser, keine Frage. Andererseits erhält jede fünfte Klasse 26 Stunden Unterricht von verschiedenen Lehrern. (Tatsächlich sind es im Schnitt sogar mehr Stunden, wenn nämlich aus fünf Klassen sechs gemischte Sport- oder Religionsgruppen gebildet werden. In diesen Fächern werden die Schüler aus dem Klassenverband genommen und neu zusammengesetzt.)
Für fünf fünfte Klassen gehen somit aus dem Gesamtbudget 130 Lehrerstunden drauf, für sechs fünfte Klasse 156. Diese 26 Stunden mehr oder weniger könnte man sonst zum Beispiel verwenden für kleinere – oder mehr – Kurse in der Kollegstufe, oder kleinere Klassen in anderen Jahrgangsstufen, oder gar Wahlunterricht.

Selbst wenn die Budgetrechnung aufgeht, gibt es manchmak ein Problem: Für viele Fächer gibt es nicht genug Lehrer an den Schulen (Personalpolitik Kultusministerium); jede zusätzliche Klasse erfordert mehr Deutsch-, Englisch-, Informatikstunden (oder was auch immer). Soviele Deutsch-, Englisch-, Informatiklehrer gibt es aber nicht. Lehrer sind knapp, und wenn das Ministerium keine Lehrer hat, müsste Pflichtunterricht ausfallen. Das soll natürlich gar nicht passiern.

Anmerkung: Diesen Beitrag und vor allem alle Zahlen darin habe ich im Laufe des gestrigen Tages verfasst. Die Zahlen sollen nur die Probleme illustrieren; bitte daraus keine Rückschlüsse auf die Menge der heutigen Einschreibungen ziehen. Ich veröffentliche natürlich keine echten Zahlen.

9 Thoughts to “Einschreibung 2007

  1. Die Sache mit dem Lehrerstundenbudget finde ich interessant. Bei uns (Ba-Wü) hieß es bisher, dass der Klassenteiler zählt (so viel ich weiß 33) – aber das ist Elterninformation, ich weiß nicht, ob das auch anders gehandhabt werden kann.
    Wenn sich an einem Gymnasium also 98 Schüler anmelden werden 3 Klassen daraus gemacht, wenn sich 100 anmelden gibt es 4 Klassen (wir hatten Glück, im Jahrgang meiner Tochter hatten sich 102 Kinder angemeldet). Das geht natürlich nur, wenn die Schule für 4 Klassen ausgelegt ist. Melden sich mehr als 4 mal 33 Schüler an, werden zuerst Geschwisterkinder angenommen und die Kinder, die einen Zug wählen, der nur an diesem Gymnasium möglich ist (z.B. Latein, Musisch, Bili). Die übrigen Kinder werden zu anderen Gymnasien im Ort (wir haben 5 Stück) „verschoben“. Dabei werden berücksichtigt: Wohnort, ob andere Kinder der früheren Grundschule dabei sind und möglicherweise noch andere Kriterien.

    Liebe Grüße
    strelizie

  2. Das Stundenbudget ist eine Erfindung der bayerischen Bildungsgewaltigen. Es gaukelt der Öffentlichkeit vor, dass die Schulen in Eigenverantwortung bedarfsgerecht und profilbildend ihre Unterrichtsverteilung und Klassenbildung organisieren. In Wirklichkeit wurde die Zahl der zu vergebenden Unterrichtsstunden pro Schule gekürzt, ohne dass es jemand merkt, außer den Lehrern, und die jammern bekanntlich sowieso immer und „Halbtagsjob!“ und überhaupt… Wenn seither also Wahlkurse oder kleine Klassen nicht mehr möglich sind, kann man auf die betreffende Schule zeigen und ihr vorwerfen, dass sie ihre Eigenverantwortung nicht richtig wahrgenommen hat. Gut, gell? Ich hoffe, dass es im zuständigen Ministerium Bonuszahlungen für Arbeitsgruppen gibt, die sich um die geschickte Kaschierung von Eltern- und Wählerverblödung verdient gemacht haben, sie verdienen Millionen!

  3. Also wenn es große Klassen gibt, gibt es mehr Wahlkurse oder mehr Förderstunden (für die Kinder, die in den großen Klassen untergehen) und bei kleineren Klassen fällt das dann weg?
    Das ist also wie bei Odysseus -wählen zwischen … und … (ich weiß leider nicht mehr wie diese zwei Ungeheuer heißen – Töchterchen sollte jetzt eigentlich Sagen drannehmen, aber wegen sehr häufiger Krankheit der Deutschlehrerin fällt das jetzt quasi aus).

    Liebe Grüße
    strelizie

  4. Ich finde nach wie vor, 32 Zehnjährige in ein stickiges Kammerl zu pressen grenzt an Quälerei – auch wenn dafür ein paar Große ein paar Wahlkurse mehr haben.

  5. Wenn es um die Schülerzahlen in fünften Klassen geht, muss man natürlich auch noch bedenken, dass die Schülerzahlen im Schnitt in Unterstufe und Mittelstufe um die 30 pendeln sollen, dass aber in manchen Klassen im Laufe der Zeit auch ein gewisser Schwund einsetzt.
    Wenn wir beispielsweise unsere französisch bilinguale Profilklasse nicht von Anfang an sehr voll machen würden, dann wird sie nach den unvermeidbaren Abgängen im Laufe der SekI irgendwann so klein, dass sie den Schnitt runterzieht.

    Ähnlich in der Oberstufe: Wenn man sich gelegentlich kleine Kurse in Musik und Religion (nichts gegen diese Fächer) leistet, sollte man sich nicht wundern, wenn die Schulleitung den Englisch-LK plötzlich mit über 30 SuS besetzen muss.
    Die ohnehin schon bei uns in NRW begrenzte Wahlfreiheit der SuS ist gewiss ein hohes Gut, aber bei dem heutigen Schüler/Lehrer-Schlüssel geraten dadurch manche Kurse und Klassen in Schieflage.

  6. Tatsächlich gibt es da auch in Bayern noch ein grundsätzliches Problem. Ein Gymnasium ist ja eine allgemeinbildende Schule und bietet einen allgemeinbildenden Abschluss an. Würde man nun Kurse allein nach Effizienzgesichtspunkten anbieten, käme außer Feigenblattkursen nur der kleinste gemeinsame Nenner heraus: Die LK-Banklehrlingkombination Englisch-Wirtschaft. Ich kenne da eine Schule, die bei einer Kollegiatenzahl von weniger als 160 Schülern in der 12. und 13. Jahrgangsstufe gleichzeitig fünf Englisch LKs und vier Wirtschafts-LKs und außerdem noch einen Wirtschaftsgrundkurs und einen Wirtschaftsinformatikkurs angeboten hat. (Kein Wirtschaftsgymnasium!) Während die Kombination bezogen auf den einzelnen Schüler vielleicht grundsätzlich in Ordnung sein mag, für eine allgemeinbildende Schule ist sie das nicht. Denn was Allgemeinbildung ist, mag ja strittig sein, nicht aber was eine allgemeinbildende Schule anbieten soll. Könnte es sein, dass diese Abstimmung mit den Füßen zugunsten der Rudelkurse etwas damit zu tun hat, dass so mancher die falsche Schule besucht? Auf Dauer hat eine derartige Schieflage etwas Darwinistisches …
    Mit der Budgetierung der Stunden kann sich eine Schule unter Umständen zwar einen Deutsch-LK leisten, aber eben keinen Latein-LK, wohingegen das Abstimmungsverhalten seltsamerweise immer mindestens einen Wirtschaft-Recht-LK möglich macht. Womit ich bei einer für mich peinlichen und schmerzhaften Begründung für die Abschaffung der Kollegstufe angelangt wäre…
    Im Übrigen ist die Klassenstärke allein auch kein absolutes Kriterium. Es gibt in der Unterstufe große Klassen, die ganz gut zurechtkommen und sehr kleine Mittelstufenklassen, die unentwegt an irgendeinem Problemchen laborieren. Die Einführung von Intensivierungsstunden (z.B. in D, M, E jeweils eine Stunde pro Woche), bei denen in Bayern die Klassen geteilt werden, bringt für Deutsch u.U. wenig, wenn sich die Problemschüler in einer Teilgruppe konzentrieren. Was eine Intensivierung mit 15 oder 16 Schülern in so einem Fall bringen soll, ist mir schleierhaft. Das „Beharrungsvermögen“ einer größeren Gruppe mit breiterem Leistungsspektrum sorgt möglicherweise eher dafür, dass die Schwachen und Langsamen mitkommen. Kleinere Klasen wären vor allem für Deutschlehrer vorteilhaft, weil sie dann weniger korrigieren müssten, das käme indirekt den Kindern zugute.

  7. Wohl dem, der zum Ende des eine Schuljahres schon weiß, wieviel Klassen es denn im nächsten Jahr geben wird…Es soll ja Schulen geben im Lande, die im August mit vier Klassen beginnen und denen dann im September gesagt wird, dass nun zusammengelegt wird, die Eltern sind begeistert, Schuld ist die Schule, das Schulamt kann sich an keine Zusicherungen erinnern…

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