Erdnussbutter im Notenbogen: Die Maiwarnung

Zur Zeit gehen gerade die Maiwarnungen heraus: Nach Artikel 75 BayEuG werden diejenigen Schüler schriftlich gewarnt, deren Vorrücken zum jetzigen Stand gefährdet oder sehr gefährdet ist, wenn das nicht das bereits im Zwischenzeugnis vermerkt war. War ein Schüler gefährdet und steht jetzt in weiteren Fächern auf 5 oder schlechter, erhält er ebenfalls eine Maiwarnung. (Wird die Maiwarnung vergessen, ist das allerdings kein Formfehler, der am Nichtbestehen des Klassenziels etwas ändern könnte.)

Man darf besonders viele Maiwarnungen ausstellen, wenn die Schüler zum Halbjahr alle Gnadenvierer bekamen. Die haben sich nämlich nicht alle automatisch verbessert. Insofern halte ich die zu freundliche hausinterne Vorschriften für wenig sinnvoll, wie alle Regelungen, bei denen die Dezimale entscheidet statt der Lehrkraft. Auch der Schüler, der mit 4,58 eine 4 bekam und der jetzt auf 4,50 steht, bekommt “wegen Verschlechterung im Fach” ein Maiwarnung. Richtig ist die Warnung, weniger die Begründung.

Jedenfalls sitzen die Lehrer gerade über Notenbüchern. So heißen die Ordner mit den Notenbögen der Schule: Echt dokumentarisch, dort werden Noten und Durchschnitte und aktuelle Verweise eingetragen. Bitte mit Lineal durchstreichen, und “Klassleiter/in” korrekt entwerten.
Heute gab’s für mein Notenbuch eine Dusche mit Apfelschorle, als ich gerade beim Arbeiten war. Ein Kollege. Zuerst habe ich mich geärgert, aber erst mal nix gesagt. Der Kollege kann ja auch nichts dafür: Wir saßen im Lehrerzimmer, Arbeitsfläche gibt’s nicht für alle Lehrer, auch keine ausreichende Ablagemöglichkeit. Im Lehrerzimmer wird gleichzeitig korrigiert, kopiert, Pause gemacht, Kaffee getrunken, diskutiert, telefoniert, werden Kassettenrekorder ausprobiert und vielleicht auch noch Kinder gezeugt, was weiß ich. Zwischendrin kommt auch das Putzpersonal. Das ist es nur zu verständlich, wenn ab und zu eine Tasse auch auf Dokumente verschüttet wird.

Insofern ist das vielleicht eine Idee für die Zukunft, wie man auf unsere Arbeitsbedingungen aufmerksam machen könnte. Aber nicht aufhören bei Apfelschorle: Warum nicht mal Erdnussbutter und Leberwurst in die Notenbögen? Dafür entwerte ich dann auch wieder brav mein “/in” bei “Lehrer/in”. Das habe ich die letzten Jahre über nämlich immer vernachlässigt.

3 Antworten auf „Erdnussbutter im Notenbogen: Die Maiwarnung“

  1. “im Lehrerzimmer… Kinder gezeugt”!?!?
    LZ sind in der Tat multifunktionale Orte, und wenn es bei euch sogar manchmal erotisch zugeht, dann scheint die Stimmung ja prima zu sein :-D

  2. Was, Kinder gezeugt? *lol* Das gibts bei uns aber nicht ;-) Vielleicht sollte man das mal anregen.

    Aber sonst ist alles wie bei euch: Meinen Schreibtisch und mein Arbeitszimmer zu Hause darf ich steuerlich nicht mehr absetzen, aber einen Arbeitsplatz in der Schule habe ich nicht, Platz zum Ablegen kaum, nur gerade mal die Tische, an denen man in der Pause sitzt. Wenn man in einer Freistunde mal arbeiten will, muss man erst Platz frei räumen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.