Colloquium

Diese Woche waren Colloquiumsprüfungen. (Mündliche Abiturprüfung in Bayern.) Ich war nur als Beisitzer/Schriftführer dort, aber auch zwei volle Nachmittage. Wie immer hat mich überrascht, wie gut die Referate der Schüler über ihr Spezialgebiet sind. Im Schnitt viel, viel besser als ihre Referate. Natürlich stellen Lehrer dabei an die Colloquiumsprüfungen auch höhere Amsprüche.

Aber wenn mir Schüler schon vorehr demonstrierten, dass sie zu so etwas in der Lage sind, ich wäre bass erstaunt. Und voller Respekt.

Warum sind Referate und auch Aufsätze im Vergleich dazu oft so oberflächlich?

Es liegt wohl daran, dass Schüler das Colloquium ernster nehmen als Referate und dass sie zwei Wochen Zeit haben, sich ausschließlich darauf vorzubereiten.

Das wäre doch eine schöne Idee: Ums Zwischenzeugnis gibt’s eine Woche schulfrei ab der 10. Klasse (so dass die Lehrer Zeit für Konferenzen haben), die Schüler kriegen Bücher zu lesen oder Aufgaben zu erfüllen, und jeder Schüler muss danach in einem Fach seiner Wahl einen Colloquiumsvortrag halten. Wenn sich die Schüler auf ihre Fächer verteilen, sind das 5–6 pro Fach, die kriegt man unter.

Vielleicht kriegte man dann vorher schon solche Leistungen zu sehen. Vielleicht würden die Schüler die Gelegenheit aber auch nicht nutzen. (Und dürfen tun wir das wohl sowieso nicht.)

3 Antworten auf „Colloquium“

  1. Ich hatte ebenfalls zwei Nachmittage Colloquiumsprüfungen (7 Kollegiatinnen) als Kursleiter im Grundkurs Deutsch – und mir ging es ähnlich, vor allem in zwei Fällen waren sowohl Beisitzer als auch ich bass erstaunt, wie flüssig, fundiert und ernsthaft da vorgetragen wurde.
    Mein Verdacht ist, dass einer der Gründe – neben der offensichtlichen höheren “Wertigkeit” der Prüfung – die Abwesenheit von Mitschülern ist. So hat niemand zu fürchten, als uncooler Streber bezeichnet zu werden, wenn er mal leistungsmäßig in die Vollen geht. Möglicherweise spielt auch die größere Zuhörerschaft auf Lehrerseite eine Rolle ;-) Wer weiß.

  2. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich viele bei Referaten im Unterricht zu sehr auf das Handout und/oder die Präsentation am Beamer konzentrieren, und das Referat dann zu einem Ablesen des Handouts wird – wodurch natürlich die Qualität stark leidet. Im Colloquium ist man einfach gezwungen, seine Ansichten rein mündlich darzustellen.

  3. Es ist gewiss die höhere Wertigkeit der Prüfung.
    Bei uns in Hessen gibt es zu vorbereiteten Themen nur Präsentationen (also gerade nicht rein mündlich), aber der Vortrag als solcher ist meist auch erheblich besser, als was man vorher sieht. (Freilich, welcher Schüler hätte je Zeit, sich volle 14 Tage auf ein Referat vorzubereiten. Bei Facharbeiten dagegen gab es immer wieder Staunenswertes.)

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