Erster Schultag 2007/08

Der erste Schultag begann gestern mit einem behelfsmäßigen Stundenplan – mit dem sind zwar viele Kollegen zufrieden, aber bei einigen geht der noch gar nicht. Der Plan gilt für den Rest der Woche; am Montag soll dann der endgültige verteilt werden.

(Mit dem Programm geht Kollege D. bewundernswert und meisterlich um. Aber einige Stunden-Vorgaben sind so wohl einfach nicht umzusetzen, und da müssen wir überlegen, in welche sauren Äpfel die Kollegen beißen müssen.)

Die ersten drei Stunden waren, wie jedes Jahr, Klassleiterstunden. Da wird Grundsätzliches erklärt, oft werden auch schon Klassensprecher oder Klassensprecherin gewählt. In der vierten Stunde war dann, für die Schüler zum Teil völlig überraschend, Unterricht. Zum Beispiel Sport. Natürlich hatte kein Schüler Bücher, Schreibzeug oder Sportzeug dabei. Aber dem Kultusministerium kann man melden, dass wieder eine Stunde nicht ausgefallen ist.

Bei aller Grummelei ist das vermutlich trotzdem eine gute Idee. In der ersten Stunde wird vom Fachlehrer meist Organisatorisches erklärt, und zur Not kann man die Stunde auch ohne Bücher halten. Nur: Wissen sollten die Schüler das schon vorher. Unsere Schülerin Nina moniert zu Recht, dass man das wenigstens auf der Schulhomepage hätte veröffentlichen können. Aber so richtig als Kommunikationsplattform ist die Homepage bei Schulleitung und Kollegen noch nicht verinnerlicht. Ich fände einen Google-Kalender für unsere Termine klasse.

Nach dem Unterricht begrüßte ein großer Teil des Kollegiums im Halbkreis unsere chinesische Gastlehrerin, die an einem Nachmittag unterrichtet. (Und zwar Chinesisch.) Der Kurs ist vor allem für die 10. und 11. Klassen gedacht, aber wenn ich keinen Unterricht habe, werde ich mich auch dazu setzen.

Fast alles über Intensivierungsstunden

Die Intensivierungsstunden gelten als zentrales Element des G8. Bei manchen Leuten. Je nach Jahrgangsstufe hat jede Klasse davon meist zwei in der Woche; während dieser Stunden ist die Klasse geteilt, die Gruppen sind also nur halb so groß. Das gilt als gut fürs Arbeiten. In Intensivierungsstunden wird kein regulärer Fachunterricht gehalten, man macht keine Noten, es gibt keine Hausaufgaben, es wird kein neuer Stoff behandelt

Stattdessen sind die Stunden bis einschließlich der 8. Klasse ein bisschen für alles da: Alten Stoff wiederholen, Lücken schließen, Dinge tun, zu denen man sonst nicht kommt – englische Konversation oder Rollenspiele etwa. Ich kenne keine Untersuchung darüber, wie produktiv das wirklich ist.

Die Schule kann selber entscheiden, in welchen Fächern intensiviert wird. Natürlich balgen sich die einzelnen Fächer um die Intensivierung: Jedes betont, wie wichtig es selber gerade in dieser Jahrgangsstufe ist. Da muss die Schulleitung entscheiden. Man kann auf diese zwei Stunden auch drei oder vier Fächer verteilen, dann glaubt jedes Fach, ein Stück vom Kuchen abgekriegt zu haben. Allerdings müssen diese Fächer dann im Wechsel stattfinden, so dass ein Schüler in der einen Woche etwa in Mathe und Deutsch, in der anderen in Kunst und der 2. Fremdsprache intensiviert wird. Man sieht sich also nur alle vierzehn Tage. Das halte ich für wenig sinnvoll.

Auch für Lehrer sind diese Stunden ein besonderes Zuckerl, eben wegen des fehlenden Notendrucks und der kleinen Größe. Der Intensivierungslehrer kann derselbe Lehrer wie im regulären Fachunterricht sein oder nicht. Am Anfang dachte ich, es sei vielleicht sinnvoll, wenn es nicht derselbe Lehrer ist: Wenn man ein Englischphänomen beim einen Lehrer nicht verstanden hat, ist die Erklärung durch einen anderen eine zweite Chance. Allerdings hat sich herausgestellt, dass das nicht so ist. Wenn man nur Intensivierungslehrer ist, also nicht im Fachunterricht, dann sieht man die Schüler einmal pro Woche, lernt sie kaum kennen, wird nicht ernst genommen, weiß (bei aller Kommunikation mit dem regulären Fachleher) doch nicht immer genau, was die Schüler gemacht haben oder wo Probleme sind. Käse also.

Jetzt haben das G8 und damit die Intensivierungsstunden die 9. Jahrgangsstufe erreicht, und damit geschieht etwas Neues. Ich habe mir mal die GSO (Gymnasiale Schulordnung) etwas angeschaut. Dass das die aktuelle Fassung ist, kann ich nicht garantieren; es ist jedenfalls die, die man bei der Servicestelle der Bayerischen Staatsregierung findet.

Anlage 2 enthält die Stundentafeln am Gymnasium, und zu ihr gibt es einige interessante Fußnoten:

16) In den Jahrgangsstufen 9 und 10 sind die Intensivierungsstunden nur für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf verpflichtend (z.B. Schülerinnen und Schüler, die auf Probe vorrücken oder deren Vorrücken gefährdet ist). Sofern die Schülerinnen und Schüler keinen besonderen Förderbedarf haben, steht es ihnen frei, ob und inwieweit sie die Intensivierungsstunden in Anspruch nehmen wollen. Dadurch können sie ihre wöchentliche Unterrichtszeit auf 35 oder 34 Stunden reduzieren.

Das heißt, dass leistungsmäßig gute Schüler nach Hause gehen dürfen (wenn sie das wollen – aber wer wollte das bei 6 Nachmittagsstunden nicht), während die anderen intensiviert werden – also eine Art Nachhilfe bekommen. Das finde ich sogar sinnvoll. Natürlich können die Schulen auch Intensivierungsunterricht für die guten Schüler anbieten. Wenn sich da mal genug finden, die nicht lieber doch nach Hause gehen.

Fragt sich ansonsten noch, wer alles als Schüler mit Förderbedarf gilt, denn die müssen schließlich zwei Nachmittagsstunden mehr haben. Jeder mit einer Fünf im letzten Zeugnis? Einer Vier? Immerhin bekommen die Zeugnisnoten dann einen zusäzlichen motivierenden Sinn: “Ach menno, ich habe wieder zwei Vierer, das sind zwei Extrastunden nächstes Jahr.”

13) Eine Sportstunde kann von der Jahrgangsstufe 7 in die Jahrgangsstufe 5 oder 6 verlegt werden.

In der Unterstufe gibt es jeweils eine dritte Intensivierungsstunde in Sport. Das führt zu Sport-Einzelstunden am Nachmittag. Fußnote 13 sagt, dass man sich in der 7. Klasse mit zwei regulären Stunden Sport begnügen kann (es bleiben drei Stunden Nachmittagsunterricht), wenn man dafür in der 5. oder 6. Klasse eine zusätzliche Doppelstunde Sport hat (statt einer Einzelstunden; dafür hätte man in der 5. zwei Nachmittagsstunden statt einer oder in der 6. vier statt drei).

14) Die dritten Sportstunden in den Jahrgangsstufen 8 bis 10 können Profil verstärkend eingesetzt werden (z.B. Tanz, Pantomime, Bewegungskünste). Sie können auch ganz oder teilweise in die Unterstufe verlagert werden.

Fußnote 14 ist insofern interessant, als es diese Fußnote zwar gibt, aber keinerlei Stelle, die sich auf diese Fußnote bezieht. Das ist entweder eine verwaiste Fußnote aus einer früheren Fassung, oder sie gehört als Ergänzung zu Fußnote 13, oder ich bin zu blöd.

15) Eine der drei Intensivierungsstunden in den Jahrgangsstufen 5 und 6 darf mit dem Fachunterricht verbunden werden, indem die vorgesehenen zwei Lehrerstunden (je Intensivierungsstunde) zur Teilung von Klassen im Fachunterricht (vor allem in den Kernfächern, aber auch in Natur und Technik) verwendet werden.

Diese Regelung heißt, dass man statt einer geteilten Stunde Englischintensivierung auch eine geteilte Stunde Englischnormal haben kann, mit Stoff und Noten und so. Wenig sinnvoll.
– Wenn das mal nicht unsere Biolehrer erfahren. Die jammern eh ständig, dass sie so in Natur und Technik nicht arbeiten können. Und ich könnte das auch für den NuT-Informatikunterricht begründen: Dann hätte ich in meinem einstündigen Fach nur noch 17 Schüler statt 33. Dann könnte ich auch besser arbeiten.

Ferienende 2007 (2)

Das Stundenplanen ist wieder anstrengend, körperlich anstrengender als sonst, nervlich ist dafür noch alles im ordentlichen Bereich.

Immer wieder ein Quell tiefer Einblicke in die Lehrerpsyche: Die abgegebenen Zettel mit den Wünschen zur Stundenplangestaltung. Diese Zettel gehen an uns Stundenplanmacher, und wir versuchen so viele dieser Wünsche zu erfüllen wie möglich. Zugegeben: Manche Kollegen fassen sich dabei kürzer als andere. Da äußern sich dann die unterschiedlichen Temperamente.

(Leider darf ich nichts zitieren, das ist selbstverständlich alles vertraulich. Und an sich ist gegen eine ausführliche Erklärung, wie einem der Stundenplan am liebsten wäre, auch überhaupt nichts zu sagen. Manchmal hilft jedes bisschen Information, um in einem Zweifelsfall entscheiden zu können, ob der Lehrer zum Beispiel in seinem dreistündigen Fach lieber eine 6., 5., und 3. Stunde hätte, oder lieber eine 4., 3. und 1., und dafür an einem anderen Tag sechs Stunden hintereinander Unterrricht.)

Manche Wünsche kann man aber auch gar nicht erfüllen. Entweder, weil sie zu Belastungen anderer Kollegen führen würden, oder weil sie in sich nicht logisch sind. Zum Klassiker geworden: “Gerne später Anfang und nicht so oft 6. Stunden. Gerne viele Lücken.” (Bei einem Vollzeitlehrer.)

Kollege P. malt häufig Smileys auf seinen Wunschzettel. (Der liest hier mit, deshalb darf ich das schreiben.) Und falls Kollege Z. hier vorbeischaut: Der hat vergessen, seinen üblichen Dienstagswunsch anzugeben, aber wir haben daran gedacht.

Ferienende 2007

Die letzten Tage war ich in der Bretagne auf der Hochzeit meines Zwillingsbruders. Bilder und Bericht folgen vermutlich bald einmal, aber diese Woche und das kommende Wochenende bin ich mit Stundenplanmachen beschäftigt.