Jahrgangsstufentests 2007/08

Diese Woche fanden bayernweit die Jahrgangsstufentest in Deutsch, Englisch und Mathematik in verschiedenen Jahrgangsstufen von 6 bis 10 statt. (Ich habe schon mal darüber geschrieben.)
Diese Tests werden zentral gestellt, die Musterlösung wird vorgegeben, man hat kaum Spielraum bei der Korrektur. Auch die Punkteskala ist vorgegeben, also die Skala, die angibt, mit welcher Punktzahl man noch die Note 1 oder noch die Note 3 oder 5 kriegt.

Das hat den Vorteil, dass die Tests bayernweit vergleichbar werden. Der Nachteil ist, dass man Defizite bei den Tests selber nicht ausgleichen kann: Manchmal fallen sie nämlich schwer aus, manchmal leicht, manchmal kommen gute Noten heraus, manchmal schlechte, und nicht immer sind es die Noten, die die Schüler verdienen. (Glaubt man zumindest.)

Im Saarland gibt es ähnliche Tests, und weil es da wohl so viele Pannen gab (Mathe ist zu schlecht ausgefallen), finden sie nächstes Jahr ohne Benotung statt.

Der Vorsitzende der Landeselternvertretung der Gymnasien Joachim Klesen sagt dazu: “Wir haben bereits bei der Einführung der Vergleichsarbeiten darauf hingewiesen, dass durch die Benotung in erster Linie nicht die Leistung der Schule sondern die Leistung der Kinder abgeprüft wird, was aber nicht Sinn der Sache ist.” (Quelle)

Hm. “Durch die Vergleichsarbeiten soll Qualität von Schule bewertet werden und nicht die individuelle Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Die Schulen sollen dadurch besser Defizite und Schwachstellen aufdecken können. Sinn ist es festzustellen, wie es im Einzelfall zu dem Ergebnis der Vergleichsarbeiten vor Ort gekommen ist. Die Stärken und Schwächen der Schulen müssen genau analysiert werden. Nur dann machen weitere Vergleichsarbeiten Sinn.”

So deutlich habe ich diese Meinung in Bayern noch nicht gehört. Ich dachte tatsächlich immer, die Schülerleistungen würden geprüft. Und gleichzeitig, ja, auch die Schulen, um sie vergleichen zu können und tatsächliche Mängel aufzudecken.
Wenn nicht die Schüler geprüft werden, wieso sollten sie sich dann überhaupt anstrengen? Dazu müsste von Schülern und Eltern Leistung und Lernen auch ohne unmittelbare Belohnung geschätzt werden. Es stimmt allerdings, dass in Bayern die Benotung erst dann eingeführt wurde, als der Test ohne sie zu schlechte Ergebnisse gebracht hatte.

Zu erwartendes Lob

Puh. Heute abend wird Frau Rau mir bestimmt wieder zu meiner Engelsgeduld beim Reagieren auf Kommentare gratulieren.

Tippfehler

Statt “destroying” habe ich gerade “destorying” getippt. Und das ausgerechnet beim postmodernen Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Stories.

(Abgetippt habe ich letztlich beim Digitalisieren meiner Audiokassettenaufnahme des Buchs, gelesen von Rushdie. So gerne und viel ich Hörspiele höre: An Hörbüchern gibt es nur ein einziges, das mir wirklich gefällt, und das ist dieses. Hervorragend gelesen, schöne Geschichte.)

Lies My Teacher Told Me

Weil doch bei Stiftung Warentest die Bio- und Geschichtsbücher so schlecht abgeschnitten haben, hier der Hinweis auf:

Ausgangspunkt des Buches ist laut Vorwort der schlechte Ruf, den Geschichte als Fach an amerikanischen High Schools hat: Die Schüler mögen es nicht, sie lernen nichts dabei, und die Universitäten jammern, dass sie bei Null anfangen müssen oder schlimmer noch, bei minus zehn, weil die Schüler so viel Falsches im Kopf haben.

In diesem Buch von 1995 untersucht James W. Loewen zwölf (zumindest damals) aktuelle Geschichtsbücher daraufhin, wie sehr sie an dieser Lage schuld sind. Ich bin noch im ersten Drittel, deshalb nur kurz: Loewen weist vor allem auf Auslassungen und grobe Vereinfachungen hin, untersucht deren Gründe und schlägt vor, wie man Abhilfe schaffen könnte. Denn letztlich sei Geschichte ja unglaublich spannend.

Liest sich sehr spannend. Und ich lerne viel über amerikanische Geschichte dabei.

Power of Politics

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es ist, ein Leben als Ministerpräsident oder gar Bundeskanzler zu führen, hat nun endlich die Aussicht darauf, in die gewünschte Rolle zu schlüpfen.

Auf sehr hohem Niveau kann man die virtuelle Welt der Macht, Medien und Politik in dem Online-Politikspiel Power of Politics erleben. Entwickelt wurde dieses Spiel, welches im November 2005 online startete, von Peter Merschitz und Tim Preuster. Eine der Hauptabsichten der Spieledesigner war es, dass sie das Politikinteresse bei Jugendlichen wecken.

Aufgrund der Kooperation mit über einhundert deutschsprachigen Tageszeitungen wird die virtuelle Welt mit den realen Ereignissen verknüpft. Doch bevor man nun ganz groß in die Politik einsteigen kann, muss erstmal ein Politiker geschaffen werden.

(Literatenmelu)

Lest bei Literatenmelu weiter, die das Spiel ausführlich bespricht. Klingt toll, aber nach zuviel Arbeit für mich.

Vom Jambischen

Jeder hat so seine Sachen, die einen besonders stören. Und wenn nicht, dann sollte jeder sie haben. Zu meinen gehört die Füßigkeit des Jambus.

Wir merken uns: Der Jambus ist einer von drei oder vier in der deutschen Lyrik häufig auftauchenden Versfüßen. Er besteht aus zwei Silben, einer unbetonten und danach einer betonten. Er sieht demnach so aus:

jambus1.png

Das sind dann also zwei Jamben:

jambus2.png

Und das sind fünf Jamben. Wir zählen nach: Eins, zwei, drei, vier, fünf. Stimmt. Fünf Jamben hintereinander:

jambus3.png

Wir sagen zu einem Vers, der aus fünf Jamben besteht, auch: jambischer Fünfheber. Jambisch ist der Vers allemal, er besteht aus lauter Jamben. Und fünf Hebungen hat er auch.

Und das Folgende, meine Damen und Herren, ist der leider auch oft von Deutschlehrern im Munde geführte fünfhebige Jambus:

jambus4.png

Grrrrrrrr. Den gibt es nicht.

Fußnoten:
a) Gilt für Trochäus oder Daktylus natürlich genauso.
b) Warum man überhaupt wissen muss, was ein Jambus ist, ist ein anderes Thema.
c) Ich sag eh lieber “alternierendes Metrum”. Denn wie man einen trochäischen Vers mit Auftakt von einem jambischen Vers unterscheidet, ist in der Deutschlehrerkonferenz noch nicht geklärt worden. Kollege Z. erklärt dann gerne: “Es gibt keinen Auftakt in der deutschen Lyrik.” Lange Geschichte.

Passig/Scholz, Lexikon des Unwissens

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Wem diese Welt zu wenig Rätsel bietet, der muss sich nicht in die Parawissenschaft oder Esoterik flüchten. Es gibt noch genügend offene Fragen. Das ist die befriedigende Botschaft, die ich aus diesem Buch gezogen habe.
Die Autoren stellen darin Dinge vor, die man noch nicht weiß. Dinge, die man aber prinzipiell wissen könnte; offene Fragen, die in den nächsten zehn, zwanzig, hundert Jahren vielleicht geklärt sein werden. Die spannendsten der über vierzig vier- bis achtseitigen Einträge sind diejenigen, bei denen geziegt wird, dass es auch bei mehr oder weniger alltäglichen Fragen noch keine befriedigende Erklärungen gibt: Wie vemehren sich Aale? Warum wird Herbstlaub rot? Wieso klebt Klebeband? (Ich sag nur: Van-der-Waals-Kräfte.) Wie entstehen und verbreiten sich Erkältungen? Wie erklärt sich die durchschnittliche Körpergröße der Einwohner eines Landes? (Die der Amerikaner stagniert und wird inzwischen von den Holländern überholt. Wieso?)

Bei den meisten Fragen muss man ein oder zwei Seiten lesen, um das Problem einigermaßen zu verstehen. Danach werden verschiedene Lösungsansätze vorgestellt und deren Vor- und Nachteile untersucht. Das Quellenverzeichnis nennt jeweils weiterführende Literatur.
Nur wenige Probleme sind für den Laien schwer nachzuvollziehen, die Riemann-Hypothese und das P/NP-Problem etwa.

Gelegentlich gestört hat mich nur die launigen Schlussbemerkungen, mit denen viele Einträge enden. Trotzdem ein schönes Buch, aus dem ich Kapitel einzelnen Schülern als Minireferat aufgeben werde. Das Buch fordert einen geradezu heraus, Nobelpreisträger werden zu wollen.

Roddy Doyle, The Deportees

Gelesen:

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Das Buch hat mir viel Vergnügen bereitet. In einem kurzen Vorwort erklärt Roddy Doyle, was sich seit seinen ersten Büchern in Irland verändert hat: “I’d written a novel, The Van, in 1990, about an unemployed plasterer. Five or six years later, there was no such thing as an unemployed plasterer. A few years on, all the plasterers seemed to be from Eastern Europe.” Irland war zum Einwandererland geworden.

Für die neue, von Einwanderern gegründete Zeitung Metro Eireann schrieb Rody Doyle diese acht Geschichten, jeweils in Folgen von 800 Wörtern. Schön sind die Geschichten. In der Titelgeschichte treffen wir Jimmy Rabbitte wieder, herzerwärmend für mich. Jimmy hatte in Doyles erstem Buch 1987 die Commitments gegründet. Jetzt ist er Mitte dreißig, hat Frau und Kind, und gründet wieder eine Band – diesmal aber nur mit Immigranten (“No White Irish Need Apply”). Und sie spielen Lieder von Woody Guthrie. Ich habe im Kopf genauso mitgesungen wie vor zwanzig Jahren, und danach Woody Guthrie und die Weavers aufgelegt. “Sooo looong, it’s been good to know ye”.

Auch in den anderen Geschichten geht es jeweils um Iren und Einwanderer. “Guess Who’s Coming For The Dinner” erinnert mich an The Van; die Tochter bringt einen Schwarzen nach Hause und der Vater versucht alles richtig zu machen. “New Boy” und “I Understand” sind aus der Sicht von Immigranten erzählt, die versuchen, herauszufinden, welche Regeln in ihrer neuen Heimat gelten (in der ersten Geschichte in der Schule und unter den Mitschülern).

Fünf der Geschichten finde ich richtig gut, drei sind in Ordnung. Für die Schule sind alle geeignet, auch weil sie das Irlandbild von Schülern und Lehrern aktualisieren.

Nĭ hăo, wŏ jiào Rau Thomas.

Bei uns gibt es in diesem Jahr ein Wahlfach Chinesisch, auch als mögliches Wahlpflichtfach für die Schüler des Versuchszweigs Europäisches Gymnasium. (Statt Aquarellmalen oder privat erteiltem Sportunterricht.) Eine Austauschlehrerin aus China unterrichtet, die Umgangssprache ist Englisch. Weil das so spannend ist, sitzen auch ein paar Lehrer mit im Unterricht, darunter auch ich. Wenn ich mein Blatt vor mir habe und mich konzentriere, kann ich schon Leute begrüßen und verabschieden und mich vorstellen.

(Englisch als Unterrichtssprache ist klasse. Und die Schüler sind freiwillig da und interessiert. Wir Lehrer werden ebenso aufgerufen wie die anderen und müssen was sagen. Ich werde von meinen Fortschritten berichten.)

Informatik-Stoff 6. Klasse

Dieses Schuljahr unterrichte ich alle 6. Klassen in Informatik, Grund genug, ein wenig strukturierter vorzugehen als sonst. Das Folgende ist der Großteil eines Blattes, das ich meinen Schülern in der ersten Stunde gegeben habe. Es ist die erste Version, nächstes Jahr wird sicher einiges anders. Ich stelle mir das so vor, dass die Schüler alle zwei Monate schauen, vor welche Behauptung sie jeweils ein Häkchen machen können.

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Meine E‑Mail-Adresse ist: rau@(schuldomäne).de. Ich freue mich über Fragen und Wünsche von dir oder deinen Eltern.

An der folgenden Liste kannst du während des Schuljahres überprüfen und abhaken, was du in diesem Jahr alles gelernt hast:

  • Du kannst erklären, wie Information und Repräsentation zusammenhängen.
  • Dir fallen verschiedene Möglichkeiten ein, Informationen zu repräsentieren.
  • Du kannst erklären, warum Informatik Informatik heißt.
  • Du kannst in unserem Computernetzwerk Dateien speichern, so dass du sie wiederfindest.
  • Du weißt, welche Attribute ein typisches Vektorgraphik-Objekt hat.
  • Du weißt, welche Methoden ein typisches Vektorgraphik-Objekt hat.
  • Du kannst Attributwerte in der Punktschreibweise lesen und verstehen.
  • Du kannst Methodenaufrufe in der Punktschreibweise lesen und verstehen.
  • Du kannst erklären, was Objekte und Klassen miteinander zu tun haben.
  • Du kannst typische Klassen nennen, die man in Vektorgraphiken verwendet.
  • Du weißt, was die Unterschiede zwischen einer Vektorgraphik und einer Rastergraphik sind.
  • Du kannst Vor- und Nachteile von Vektor- und Rastergraphiken nennen.
  • Du kannst typische Klassen nennen, die man in Textverarbeitungsprogrammen verwendet.
  • Du kannst die wichtigsten 5 Anfängerfehler in der Textverarbeitung nennen (und vermeiden).
  • Du weißt, welche Attribute die Klasse Absatz hat.
  • Du weißt, welche Attribute die Klasse Zeichen hat.
  • Du kannst Beispiele für hierarchische Ordnungen nennen.
  • Du weißt, was ein Baumdiagramm, eine Wurzel, ein Knoten, eine Kante und ein Blatt sind.
  • Du kannst Informationen in einem Baumdiagramm darstellen.
  • Du kannst fünf Punkte nennen, die man beachten muss, wenn man gute Präsentationen erstellen will.
  • Du kannst typische Klassen nennen, die man in Präsentationsdokumenten verwendet.
  • Du kannst Beispiele für Klassen und Objekte nennen.
  • Du kannst Beispiele für Beziehungen zwischen Klassen nennen.
  • Du kannst Beispiele für Attribute und Methoden für verschiedene Klassen/Objekte geben.
  • Du kennst Attribute der Klassen Datei und Verzeichnis.

Außerdem sehen so auch Eltern, was im Fach Informatik alles dran kommt.