Passig/Scholz, Lexikon des Unwissens

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Wem diese Welt zu wenig Rätsel bietet, der muss sich nicht in die Parawissenschaft oder Esoterik flüchten. Es gibt noch genügend offene Fragen. Das ist die befriedigende Botschaft, die ich aus diesem Buch gezogen habe.
Die Autoren stellen darin Dinge vor, die man noch nicht weiß. Dinge, die man aber prinzipiell wissen könnte; offene Fragen, die in den nächsten zehn, zwanzig, hundert Jahren vielleicht geklärt sein werden. Die spannendsten der über vierzig vier- bis achtseitigen Einträge sind diejenigen, bei denen geziegt wird, dass es auch bei mehr oder weniger alltäglichen Fragen noch keine befriedigende Erklärungen gibt: Wie vemehren sich Aale? Warum wird Herbstlaub rot? Wieso klebt Klebeband? (Ich sag nur: Van-der-Waals-Kräfte.) Wie entstehen und verbreiten sich Erkältungen? Wie erklärt sich die durchschnittliche Körpergröße der Einwohner eines Landes? (Die der Amerikaner stagniert und wird inzwischen von den Holländern überholt. Wieso?)

Bei den meisten Fragen muss man ein oder zwei Seiten lesen, um das Problem einigermaßen zu verstehen. Danach werden verschiedene Lösungsansätze vorgestellt und deren Vor- und Nachteile untersucht. Das Quellenverzeichnis nennt jeweils weiterführende Literatur.
Nur wenige Probleme sind für den Laien schwer nachzuvollziehen, die Riemann-Hypothese und das P/NP-Problem etwa.

Gelegentlich gestört hat mich nur die launigen Schlussbemerkungen, mit denen viele Einträge enden. Trotzdem ein schönes Buch, aus dem ich Kapitel einzelnen Schülern als Minireferat aufgeben werde. Das Buch fordert einen geradezu heraus, Nobelpreisträger werden zu wollen.

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