Fester Unterrichtsraum

In Deutschland haben Schulklassen einen festen Unterrichtsraum. Die Albert-Schweitzer-Realschule in Solingen macht es anders: Dort hat jeder Lehrer seinen eigenen Raum, in dem er alle seine Stunden abhält. Der Kölner Psychologe Uwe Neugebauer hat die Pilotphase wissenschaftlich begleitet.

(wdr.de, via TeachersNews.Net)

Zu Vor- und Nachteilen dieser Regelung siehe den Artikel. Wünsche ich mir seit Jahren. Und ja, natürlich teile ich mir einen Raum mit Kollegen.

18 Antworten auf „Fester Unterrichtsraum“

  1. Bei uns im Schulzentrum hat die Realschule das Lehrerraumkonzept in diesem Jahr probehalber eingeführt. Wir vom Gymnasium aber nicht, so dass von der gemeinsamen Orientierungsstufe jetzt die Hälfte der Klassen (nämlich die, deren Klassenlehrer am Gymnasium sind) einen eigenen Klassenraum hat, die andere nicht. Gerade bei den ganz Kleinen finde ich es allerdings einen enormen Nachteil, dass die Schüler so viel mit ihrem Schulkram durch die Gegend rennen müssen, denn deren Ranzen sind oft schwerer als mein Rucksack! Die können Atlanten oder Bibeln nämlich nicht mehr im Klassenschrank lassen, sondern müssen sowas auch den ganzen Tag mitschleppen.

    Aber nett wäre es schon, einen Raum für sich zu haben, den man persönlich gestalten kann, selbst wenn das Geld nicht für Rechner und Beamer für alle reicht. Wegen unserees Raummangels darf ich in einigen Stunden im Raum eines Kollegen aus der Realschule unterrichten, der ist sehr schön und immer pieksauber. Das Konzept an meiner Schule umzusetzen würde aber wegen der zu geringen Anzahl der Räume schwierig bis unmöglich, weil fast alle Räume in jeder Stunde belegt sind. Mit einer Naturwissenschaft (Physik), für die es sowieso Fachräume gibt, würde ich wohl keinen eigenen Raum bekommen, sondern mit mindestens zwei Kollegen teilen müssen.

  2. Die Kleinen (und Großen) können die Atlanten ja dann beim Erdkundelehrer lassen und die Bibeln bei der Relilehrerin.

  3. Bei unds gibt es dieses Konzept auch – in abgeschwächter Form: wir haben das Fachraumprinzip, d.h. jede Fachschaft hat 1 bis 3 Räume bekommen, die fachspezifisch ausgestattet sind.

    Es gibt – außer für die Klassen 5 und 6 – keine Klassenräume mehr.

  4. Hallo philosophus,
    Könntest du etwas mehr von eurem Konzept erzählen? Wir würden das an unserer Schule auch gern umsetzen, scheitern aber vor allem an der Skepsis (Faulheit?) des Stundenplaners. Auch bei uns ist das Problem, dass nicht jeder Lehrer einen eigenen Raum bekommen kann.

  5. das wünsch ich mir auch, seit ich in england als assistant war. also schon seit dem studium…
    es scheitert, wie oben schon beschrieben, an den aussagen der stundenplaner, dass nicht genug räume vorhanden seien. ich weiß aber nicht, obs schon mal jemand durchgrechnet hat…

  6. Ich glaube, das hat auch einen psychologischen Vorteil. Jetzt begibt sich der Lehrer auf das TErritorium der Schüler, sozusagen – er ist der Outsider, der rein will. Das fällt bei dem Raumkonzept weg.

  7. Man könnte sein halbes Arbeitszimmer endlich dahin auslagern, wo es hingehört, in die Schule nämlich, statt die Unfähigkeit und Borniertheit staatlicher Planer, Finanzbeamter und Richter mit jährlich Tausenden von Euro für Arbeitszimmer, Arbeitszimmerausstattung, Büromaterial, Fachliteratur (da gäb‘ es dann eine Schulbibliothek im Haus) zu bezahlen. Auf diesem Weg wäre eine Ganztagsschule sicher auch bei Lehrern eher durchsetzbar.
    In vielen Schulen sind die Kunsträume übrigens die gemütlichsten Ecken des Schulhauses, weil sie meistens einem Lehrer zugeteilt sind bzw. von wenigen Lehrern gemeinsam genutzt werden.

  8. Zitat aus dem WDR-Artikel:
    „Bisher ist es in deutschen Schulen üblich, dass die einzelnen Klassen jeweils einen festen Unterrichtsraum haben.“

    Was ist damit gemeint? An unserer Schule gibt es weder für Klassen noch für Lehrer wirklich feste Räume. Wir laufen den halben Tag durch die Schule …

    MfG, Robert Nitsch

  9. Also: Fachraumprinzip bedeutet, dass jede Fachschaft 1 bis 3 Räume zu ihrer Verfügung hat, abhängig vom Stundenvolumen. So hat z. B. das Fach Philosophie einen Fachraum, die Fremdsprachen jeweils 3. In allen Fachräumen befinden sich abschließbare Schränke, OHPs und eine Fernseher/Video/DVD-Kombination. Die weitere Ausstattung resultiert aus den Bedürfnissen der Fachschaften; in den Französischräumen stehen z. B. Wörterbücher in den Schränken oder Lektüren.

    Durch den Bedarf an Unterrichtsräumen lässt sich das Prinzip aber organisatorisch nicht immer durchhalten, d.h. in den Fachräumen findet auch häufiger anderer Unterricht statt (z. B. Deutsch im Fachraum Französisch), aber bei der Stundenplanerstellung wird auf eine hohe Kongruenz von Fach und Raum geachtet. Personen sind diese Räume nicht zugeordnet. Die Klassen 5 und 6 haben auch weiterhin Klassenräume, damit sie in der Schule richtig „ankommen“ können.

  10. @Robert Nitsch: Bei uns haben die Klassen feste Räume, aber natürlich nicht die Kollegstufe.
    Allerdings wandern tatsächlich sämtliche Klassen bei Sport, Kunst, Physik, Chemie, Biologie, Religion, Musik, Informatik, Intensivierungsstunden, bei gemischten Klassen auch bei Sprachen, und in einigen anderen Sonderfällen. Die fünften Klassen bleiben zusammen bei D, E, M, Bio-NuT, Geo – also lediglich bei fünf Fächern und 17 von 31 Stunden. (6. Klasse, wenn sprachlich nicht gemischt: 18 von 33 Stunden.)

    Insofern ist die Umstellung vielleicht gar nicht so groß. Bei uns sind die Stundenplaner nicht skeptisch. Vielleicht können wir einen davon üebrreden, das mal mit dem aktuellen Plan durchzuspielen. Andere Ansprechpartner: Das Kollegium, um Stimmung dafür zu machen, das Schulforum (also Eltern und Schüler), die Schulleitung. Oder auf der Schulhomepage auf den WDR-Artikel verlinken.

    Mit ein bis drei Fachräumen für mein Fach könnte ich leben, wenn die Lehrer-Raum-Zuteilung nicht klappt.

  11. Einen festen Unterrichtsraum wünsche ich mir auch schon ewig, weil man als Lehrer einfach alles was man braucht dort dauerhaft lagen kann – also auch unhandliches Anschauungsmaterial, Poster, Modelle, Realia etc. Das macht den Raum interessant und die Schüler werden auf das jeweilige Fach gleich eingestimmt. Und meistens ist der Raum einfach schöner und sauberer, weil er zu jemandem gehört. Kenne ich ebenfalls aus England. Was aber auch noch unbedingt wichig wäre ist, dass die Schüler 5 Minuten zwischen jeder Stunde zum „Wandern“, Auspacken etc. erhalten. Wäre vielleicht generell anzudenken, dann fällt das Gehetzte zwischen den Stunden weg.

  12. Das habe ich ja gar nicht gewusst, dass ich mich in einer privilegierten Situation befinde. Ich unterrichte alle Stunden im meinem Raum, den ich mir, als noch ungefähr für jeden Kollgen ein Raum abfiel, erbeten habe.
    Ich habe jetzt auch noch Technik und Ausstattung angehäuft und bin damit zufrieden. Allein der Raum selbst, also die Tapete und die Fenster sind nicht mehr so doll. Naja, da kann ich wenigstens alles mögliche an die Wand hängen. Ich habe auch alle Wörterbücher im Schrank und alle möglichen Arbeitsmaterialien.
    Allerdings achte ich auch auf Ordnung und die Sauberkeit von Bänken und Tischen, meine Kollegen, die auch im Raum arbeiten, nicht so …

    Ich glaube, ich weiß gar nicht, wie gut es mir geht…:)

  13. In den Zeiten, als ich als Fachlehrerin meinen Unterricht hielt und permanent von einem Klassenraum/Fachraum in den nächsten wechseln musste, habe ich mir so sehr einen eigenen Raum gewünscht, den ich nach eigenem Gusto gestalten und mit Materialien bestücken konnte.
    Nachdem ich nun aber im vierten Jahr eine eigene Klasse betreue (ab Klasse 5 – jetzt 8), musste ich feststellen, wie wichtig für meine Schülerinnen und Schüler der „eigene“ Raum ist. Für sie ist er gleichzusetzen mit einem „Zuhause“, sie identifizieren sich mit ihm und der eigene Raum trägt für Schülerinnen und Schüler auch zu Entstehen und Erhalten einer Klassengemeinschaft bei. „Ihr Raum“ wird immer wieder anders gestaltet, hier werden Projektergebnisse ausgestellt, Bilder aufgehängt, Bücher anderen ausgestellt. Hier gibt es ein „Schwarzes Brett“ und einen Kalender, in dem wichtige Infos (z.B. Klassenarbeiten, Projekttage ect.) nachgelesen werden können.
    Durch diese Erfahrungen kam ich zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche in ihrem Bedürfnis nach einem „eigenen Raum“ vorrangig zu behandeln sind und ich, als erwachsene/r Lehrer/In, mit meinen- durchaus verständlichen (egoistischen) Motiven weiterhin von Raum zu Raum „pilgern“ muss. (Übrigens erfahre ich in den Räumen anderer Klassen auch eine Menge über die Schülerinnen und Schüler und ihre sozialen Strukturen).

  14. Wird das mit der Klassengemeinschaft, insbesondere in den „oberen Klassen“ nicht erheblich überbewertet? Allzuoft sieht man doch, dass Schüler (auch in der Unterstufe), die nicht zum Big Wheel gehören, unter dieser Art von behördlich verordneter Gemeinschaft erheblich leiden und geradezu aufblühen, wenn sie mal nicht dem Druck der ach so lieben Klassengemeinschaft ausgesetzt sind. Etwas über soziale Strukturen der Klassen zu erfahren ist sicher wichtig, aber mir geht dabei zu oft der Einzelne verloren.
    Auch dies scheint mir ein Gesichtspunkt zu sein, der bei der bayerischen Oberstufenreform übersehen wurde. Die bisherige Kollegstufe mit ihren Wahlmöglichkeiten hat erheblichen Dampf aus den 11. Klassen gelassen, weil jeder ja nun sein eigenes Programm fahren konnte. An unserer Schule wurde bisher versucht – schülernah!- die Kollegiaten möglichst in den Kursen unterzubringen, deren Lehrer sich der betreffende Schüler gewünscht hat. In welchen Räumen unterrichtet wird, war den Oberstufenschülern m.E. nach egal.
    In anderen Schulen ganz offiziell, und informell auch in unserer Schule, gibt es diese „eigenen sozialen Räume“ als Treffpunkte und Aufenthaltsbereiche bestimmter Klassen im Schulgelände. Vielleicht könnte man als Ausgleich dem einen Rahmen geben. Das wäre vielleicht auch eine Idee in Bezug auf unser neues Schulhaus.
    @ Herrn Rau, der auch mit dem Stundenplan befasst ist: Hiermit versuche ich dich zu überreden, das Lehrerraumkonzept mit dem aktuellen Plan und dem Bauplan des neuen GRG durchzuspielen. Vielleicht sollten wir uns in den Herbstferien dazu treffen?

  15. Das Argument mit den fehlenden Räumen zieht angesichts der vielen Teilzeitlehrer mehr, als mancher vielleicht denkt. Aber der Anstoß, einmal etwas in dieser Richtung auszuprobieren, ist gewiss nützlich.
    Allgemein gilt: Je jünger die Schüler, desto wertvoller für sie der Klassenraum, und je fachspezifischer die Ausstattung eines Raumes sein muss, desto schwerer einen solchen für alle Teilzeit-, Zweifächer- und Dreifächerlehrer bereitzustellen.

  16. Bei mir war es immer gemischt – mal hatte ein Lehrer einen Raum (tlws. auch Fachraum) inne und hat dort fast zu 100% den Unterricht abgehalten, andere Lehrer mussten wandern. Wobei dies womöglich auch daran lag, dass es sich um eine kleine Schule handelte und wir in manchen Bereichen auch nur eine handvoll Lehrer hatten. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass die Systeme alle ihre Berechtigung haben, sowie Vor- aber auch Nachteile.

    Viele Grüße,
    Ralf

  17. Wenn das Unterrichthalten (wenn alles schläft und einer spricht) als Hauptbetriebsform in der Schule abgeschafft ist zugungsten eines gemeinsamen selbstbestimmten Lernens, dann sieht Schullandschaft wieder ganz anders aus. Das ist zu besichtigen z.B. an der Helene-Lange-Schule Wiesbaden. Dort hat jeder Jahrgang einen eigenen großen Bereich, darin sind Räume zum gemeinsamen Arbeiten, Räume zur Erholung, kleine Bibliotheken und Materialräume usw. Weil man sich den ganzen Tag dort aufhält, sind sie freundlich und wohnlich gestaltet und nicht wie eine Kaserne. Selbstverständlich haben die Lehrer auch einen Arbeitsplatz für sich und gemeinsame Räume. Schularchitektur spiegelt Schul- und Lernkultur wider. Ich finder weder gut, wenn die Lehrer die Schüler in einem meist viel zu kleinen „Klassenraum“ besuchen müssen, noch gut, wenn die Schüler keinen Platz für sich haben, sondern wie heimatlos die Lehrer in „ihren“ Räumen besuchen müssen. Interessante Schularchitktur-Konzepte und praktisch erprobte Beispiele findet man z.B. auf der Seite des AdZ-Netzwerkes:
    http://www.adz-netzwerk.de/raeume-reviere/index.php

  18. Ich finde es gelinde gesagt schwachsinnig, wenn die Klassen zwischen den Zimmern der Lehrer hin- und hergeschickt werden. Erstens nimmt das den Schülern die Ruhephase die sicherlich dem Lernprozess nicht schaden und andererseits fand ich es damals als ich noch in der Schule war eigentlich ganz schön in einem eigenen Klassenzimmer. Jede Klasse hatte bei uns die Möglichkeit ihr Zimmer in gewissen Grenzen (Bilder, Kalender, Pflanzen, teilw. Tischaufstellung) zu gestalten und das im Kollektiv. Ich fands so herum eigentlich gut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.