Duchsagen-Hörspiel (kleiner Krieg der Welten sozusagen)

Heute kam wieder eine lange Durchsage aus dem Lautsprecher. Das ist bei uns immer zum Stundenende, kurz vor der Pause. Einerseits sinnvoll. Andererseits ist man dann mitten in der Hausaufgabenstellung oder Ergebnissischerung. (Also gut, heute nicht, da war ich mitten in einer Hörverstehensübung.)
Die Schulen halten es wohl unterschiedlich mit Anzahl und Inhalt der Durchsagen. Aktionswoche, Hitzefrei, gewonnene Preise, Termine für Interessierte an Schüleraustausch oder Arbeitskreisen. Wir hatten auch schon mal: „Der Wahkurs A. von Herrn S. findet heute statt.“ Wenn man den Zusammenhang nicht kennt, klingt das merkwürdig.

Ich träume schon lange davon, ein Kurzhörspiel zu schreiben, nur fünf Minuten. Die fiktive Ausgangssituation: Im Sekretariat hat man vergessen, auf den Knopf zu drücken, mit dem die Durchsage beendet wird. (Ob es den Knopf wirklich in dieser Form gibt, ist egal.) Und die nächsten fünf Minuten hört man die fiktive Spielhandlung aus dem Sekretariat, mit den Sekretärinnen oder der Schulleitung als Personal, eventuell einem hereinstürzenden Schüler oder Elternteil. Da ich mir nicht sicher bin, wie gute Schauspieler die sind, müsste man das ganze vielleicht vorher aufzeichnen und dann über die Anlage, kurz vor der Pause, an alle Klassenzimmer senden.

Als Aufhänger käme zuerst eine fiktive, unwichtige Durchsage. Wie könnte es danach weitergehen? Eine Liebesgeschichte zwischen Schulleitung und Lehrkraft, wie bei den Simpsons? Heulkrämpfe? Oder doch Intrigen?

[unbemerkt mitlaufendes Mikro]
„Glaubst du, dass er sich wieder beruhigt hat?“
(Im Hintergrund gedämpftes, aber wildes Geschrei. Eine Tür öffnet sich, jemand stürzt zur Tür heraus.)
„Haltet ihn auf, haltet ihn auf!“
[/unbemerkt mitlaufendes Mikro]

Bei großem Erfolg könnte man eine Serie draus machen.

Mir fallen allerdings spontan keine guten Geschichten ein. Vom Terroristen oder Amokläufer in der Schule würde ich allerdings abraten. Das wäre doch mal was für einen fortgeschrittenen Deutschkurs: Schreiben Sie eine Fünf-Minuten-Szene für das Lautsprechersystem unserer Schule.

Je nach Chef und Stellvertreter muss man für die Sendung wohl einen günstigen Termin abpassen. Und die Lehrer vorher informieren.

14 Thoughts to “Duchsagen-Hörspiel (kleiner Krieg der Welten sozusagen)

  1. Manchmal schreibt das Leben die besten Kurztheaterstücke – besonders solche aus dem Genre „Surreales“. Bei uns an der Schule sind die Bedrohungs-Alarm(-Übungen) mit Lautsprecher- Durchsagen codiert. Das heißt, nach einer ziemlich sinnfreien Durchsage (die als solche für amoklaufende Schüler nur auf dem dritten Blick erkennbar sein sollte, für Lehrer aber zweifellsfrei sinnlos sein soll – es soll ja schließlich kein Lehrer animiert werden, einen Schüler mal ins Sekretariat zu schicken, um nachzufragen, was das jetzt bedeuten sollte…) eilen sämtliche Lehrkräfte der Schule zur Klassenzimmertüre, sperren diese von innen ab und versuchen die ganze Klasse still und außerhalb des Schussbereiches potentieller Amokläufer zu verstauen. Besonders in ebenerdigen Klassenzimmern oder bei den Kollegen auf dem Fußballplatz ist das mit der Ernsthaftigkeit der Übung dann aber schnell wieder vorbei…
    Ich wäre gerne mal stiller Beobachter der ganzen schulhausweiten Szenerie. Das erstaunliche ist, dass viele Schüler bis heute nicht mitbekommen haben, auf welches wundersame Kommando hin die Lehrer Amok spielen – sinnfreie Durchsagen sind sie offensichtlich zu sehr gewöhnt, als dass sie noch auffallen.

  2. Charmante Hörstücke wären Planung des Feueralarms, das Mithören einer Fachschaftssitzung Religion („…dann lieber 5 Jahre Fegefeuer“ als Untertitel) oder die beliebte Soap mit der Sekretärin: „Wie schreibt man nach der neuen Rechtschreibung – fragen wir die Deutsch-Fachschaftsleitung“
    Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert von – einen Sponsor sollte man nur noch finden.

    Willkommen in der öffentlich-rechtlichen Anstalt.
    PS: Ich werde bald in meinem Blog mit einer recht netten Serien beginnen – Gespräche mit dem Systembetreuer…:-)

  3. Traditionen sind üblicherweise von dem Attribut „ehrwürdige“ begleitet, manchmal auch mit „einfach nicht abzuschüttelnde“ ;-)
    An unserer Schule ist es Tradition, die Lautsprecheranlage für Durchsagen einfach überhaupt gar nie zu nutzen. Wenn es etwas Wichtiges gibt, hängt es am Schwarzen Brett. Das finde ich eigentlich ganz schön.
    Die Idee mit dem Hörspiel ist aber reizvoll. Ich kenne Lautsprecherdurchsagen, die durchs Schulgebäude hallen, aus meiner eigenen Schulzeit und kann mich erinnern, dass sie mich als Schüler meistens genervt haben (schwer verständlich, seltsames Timing, Inhalte von zweifelhafter Wichtigkeit).

  4. Bei uns waren früher die Durchsagen derart häufig, dass ein Kollege darauf mit folgendem Limerick reagierte (Namen geändert):

    Herr Müller führt ganz ohne Frage
    das FSG in jeder Lage.
    Sein Medium ist
    wie ihr alle wisst:
    Durchsage, Durchsage, Durchsage!

  5. > Wie könnte es danach weitergehen?

    Jeder klagt bzw. lästert über den bzw. die anderen. Die Schulleitung über ein unfähiges bzw. fortschrittsfeindliches Kollegium, die Sekretärin über den vergesslichen Chef, Kollegen machen Witze über den inkompetenten Chef und alle jammern über die Schüler ;-)

  6. Also in meiner Schullaufbahn hab ich das weit mehr als einmal erlebt, dass die Anlage weitergelaufen ist. Allerdings hat man nicht sonderlich viel verstanden, lag wohl daran, dass das Mikro etwas abseits im Sekretariat oder sogar im Direktorat steht (ich weiß es bis heute nicht)
    Interessant dabei ist, dass das Spielchen ein paar Minuten gelaufen ist; offenbar hat ausnahmslos jede Klasse erstmal gelauscht und als es langweilig wurde, hat der Lehrer dann einen Schüler ins Sekretariat geschickt um Bescheid zu geben.

    Die Idee für ein Hörspiel ist aber mal wirklich genial!

  7. Wir hatten heute eine Durchsage, in der uns mitgeteilt wurde, doch bitte daran zu denken, dass ab morgen, 12:30, eine Woche Ferien sei. Ich glaube, der einzige, dem man das sagen muss, ist unser Chef…

  8. Interessant wäre doch eine Mitarbeiterin aus dem Sektretariat, die gerade über den Reaktor ablästert und dabei nicht bemkert wie er in den Raum kommt… ;-)

  9. > aber auch der Reaktor im Sekretariat birgt Möglichkeiten.

    Cholerische Chefs sollen ja manchmal ebenfalls explodieren und ihre Umgebung gefährlich verstrahlen …

  10. Für die etwas „verrücktere“ Schule wär auch ’ne kleine Romanze ganz nett. Passt bei uns gut, da ist die Krankenliege direkt neben dem Mikro. :D

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