Siezen

Ich könnte heute die ganze Welt siezen. Bisher mache ich das nur mit dem LK, aber bei meiner 9. ist mir das in einer Stunde danach auch schon herausgerutscht. Fühlte sich richtig an.

(Das war früher anders, da wollten die LKs nie. Diesmal habe ich es vorgeschlagen und sie waren auch dafür, und das läuft gut so.)

24 Antworten auf „Siezen“

  1. Und ich habe auf der Berufsschule (!) darum kämpfen müssen, dass ich gesiezt werde… Ich wollte mit mitte zwanzig nicht, dass ich den Lehrer zu siezen habe und er umgekehrt sich (teilweise ohne zu fragen) das Recht herausnimmt einfach jeden Schüler zu duzen.

  2. Ich neig‘ langsam dazu, alle zu duzen. Ich war auf einer Reha-FH, da sind Leute aller Altersgruppen, und alle duzen sich (bis auf die Dozenten und Professoren). Und in meiner Gemeinde duzen sich auch alle.
    Lustig ist es in meinem Orchester. Da sind z.T. sehr gestandene Herrschaften drin, da traut man sich dann nicht so recht zu duzen. Aber prinzipiell sind da auch alle fürs duzen.

    Kommt mir grad vor, als würde ich nie erwachsen. ;-)

  3. Ich finde, das hat etwas mit Gegenseitigkeit zu tun – duze ich, müssen die anderen auch das Recht haben, mich zu duzen. Das ist in der Schule unbestritten etwas schwierig. Von daher halte ich die Siez-Variante für richtig. An der Uni ist das etwas anders: Man kann durchaus auf Respekt der Gegenseite hoffen, wenn man sich untereinander duzt. Ich habe jedenfalls sehr positive Erfahrungen damit gemacht.

  4. Bei Fortbildungen und anderen Veranstaltungen (und Rollenspielertreffen sowieso) neige ich auch zum Duzen. Gestern war ich in einem Arbeitskreis, da sind ein paar dabei, die lieber Siezen, was völlig legitim ist und auch seinen Reiz hat. Die anderen duzen sich teilweise schon beziehungsweise sind noch in der Phase, in der man die direkte Ansprache mehr oder weniger elegant meidet, um sich nicht festzulegen.

    Fußnote für mich: Dieter Zimmer, „Das brüderliche Du. Über Anredekonventionen“, mal als Referat verteilen. Ich weiß noch aus Science-Fiction-Fanzines der 50er Jahre, dass sich auf den Cons die Fans gesiezt haben. Wilde Zeiten.

  5. Wenn ihr siezt, wie macht ihr das jetzt eigentlich? Vorname und Sie oder tatsächlich Herr Meier und Frau Schulz?
    Zu meiner Zeit war es üblich, ab der Oberstufe zu siezen, mit Vorname. Der einzige Lehrer, der uns geduzt hat (nach Nachfrage), war unser Klassenlehrer in der 13. Aber der war gerade fertig und damit nur wenig älter als wir (er hätte quasi unser großer Bruder sein können …).
    Mir selber fällt es immer schwerer zu siezen, je älter ich werde, zumindest im privaten Bereich oder im halbprivaten (z.B. die Eltern der Mitschüler meiner Tochter). Aber in der Schule finde ich es eigentlich auch ganz in Ordnung, wenn die Schüler irgendwann mal gesiezt werden, zumal sie zum Lehrer schlecht du sagen können.
    Da fällt mir gerade ein: manche der Oberstufler an unserer Schule duzen den Hausmeister, aber nicht respektlos sonder kumpelhaft. Ist auch ein netter Hausmeister …

  6. Ich bespreche das Thema am Anfang des Schuljahres mit den Schülern der Oberstufe – gesiezt werden wollte da noch keiner.
    Besonders lächerlich finde ich es, jemanden zu siezen, der sich verhält wie ein pubertärer Widerling. „Frau D., räumen Sie sofort Ihr Glamour weg und folgen Sie dem Unterricht?“??? WT…

  7. Seit nunmehr 30 Jahren sieze ich Schülerinnen und Schüler ab der 11. Klasse. Ich halte das für selbstverständlich. Es sind junge Erwachsene, die sich entschieden haben, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen und Abitur zu machen. So sollte man sie ernst nehmen. Mit der Duzerei bis in die Abiturprüfung hinein verkindern wir sie nur – oder suggerieren ein Vertrautheit, die nicht exisitert: Es gibt eben keinen herrschaftsfreien Diskurs in der Schule, so wie sie ist. Es war auch nie ein Problem, genau dies Schülerinnen und Schülern zu erklären, die ich schon aus der Sek I kannte und die zunächst befremdet waren …
    Schönen Abend noch (hier sind Herbstferien).

  8. Wie ich sehe, ein heiß diskutiertes Thema ;-)
    In der Oberstufe hatten wir alle drei möglichen Fälle: Lehrer, die uns „einfach so“ gesiezt haben, die uns weiterhin geduzt haben und die gefragt haben, was uns lieber wäre (die waren in der Überzahl). Effektiv ist das dann auf das „einseitige“ Duzen hinausgelaufen; an unserer relativ kleinen Schule kannte man die Lehrer meistens eh schon aus der Unterstufe. (Und, um einen Lehrer zu zitieren: „‚Du Depp‘ klingt immer noch besser als ‚Sie Depp‘“)

    Mir persönlich ist es eigentlich ziemlich gleich, ob ich geduzt oder gesiezt werde – das halte ich eher für Formalien und nicht für einen Ausdruck von Werstschätzung o. Ä., das drückt man durch die Art aus, wie man mit jemandem redet. Ich denke, den meisten (aber nicht unbedingt allen) Schülern der Oberstufe geht es da ähnlich. (Wenn mich im Studium ein Dozent jetzt allerdings duzen würde, wäre das dann doch irgendwie gewöhnungsbedürftig).

    Und da gibt es ja auch noch vereinzelt Lehrer, die ihren LK-Schülern das Du anbieten und den Unterricht auf Du und Du halten…

  9. @BIA Das Problem kenne ich auch. Die Schüler in der Oberstufe unterscheiden sich, was Rechte, Pflichten und Verantwortungsbereich betrifft, nicht wesentlich von denen der Mittelstufe. Ich halte das für einen Fehler im System und glaube, dass das unreife Verhalten eben auch daran liegt.

    Mit dem Siezen suggeriert man, dass die Schüler tatsächlich reifer sind, dass sie mehr Rechte und Pflichten haben, dass sie freiwillig auf der Schule sind (was die Schüler keinesfalls alle so sehen). Manche sehen sich auch tatsächlich so, aber nicht alle.

    Ich nehme – inzwischen, wie gesagt – Vorname und Siezen. Am liebsten auch schon in 9 und 10. „Herr Neuberg“ könnte ich mir auch angewöhnen, muss im Moment aber eh aufpassen, weil ich gerade Seefahrerromane lese. „Clear the board, Mr Bellows, if you will.“ Nicht dass ich uns am Ende als Kapitän und Mannschaft sehe. Obwohl, das wär vielleicht was für den Talk-like-a-pirate-day nächstes Jahr.

  10. Ich gehoere zu denen, die noch ganz am Anfang ihres Lehrerseins stehen (quasi noch davor) – ich habe gerade mal mein erstes Schulpraktikum absolviert.
    Und da fiel es mir durchaus schwer, mich selbst von den Schuelern siezen zu lassen – die sind teilweise so alt wie meine kleine Schwester! Die Distanz, von der ich durchaus einsehe, dass sie zu einem gewissen Teil da sein muss (weil ich eben Lehrerin werde und nicht grosse Schwester), macht mir noch grosse Probleme.
    Wie gesagt – ich bin 23, wenn ich Oberstufenschueler unterrichte, sind die teilweise 19 oder 20. Das ist irgendwie noch ein Problem.

  11. Bei uns ist das Siezen verordnet und ich habe mich mittlerweile ganz gut dran gewöhnt – ich sieze ämlich ab und an auch mal Zehner oder Neuner…

    Selber mochte ich das nicht in meiner Oberstufenzeit, das hätte sich nicht gut angefühlt.

  12. Generell empfinde ich gesiezt zu werden als etwas Unangenehmes und fühle mich immer noch leicht unwohl wenn ich selbst von einer Bankangestellten gesiezt werde. Ich bin einfach noch nicht in dem Alter wo man gesiezt werden will.

    Meine Klasse wird nur von einem Lehrer gesiezt (allen anderen haben wir das du angeboten) und das ist auch der Einzige bei dem ich froh bin dass er uns siezt, weil dass dann doch auch ein wenig Respekt uns gegen über zeigt, vor allem weil er als einziger geschafft hat uns klar zu machen dass wir jetzt Oberstufe sind und wir uns auch so zu verhalten haben.

    Ich finde es im Übrigen auch lächerlich wenn wir uns wie Unterstufe aufführen und dann mit Sie zurechtgewiesen werden.

  13. Bei uns am Gymnasium gibt es meines Wissens keine Lehrer, die die Oberstufenschüler siezen. Ich habe in den letzten Jahren auch noch nie gehört, dass das überhaupt thematisiert (oder gar von Schülerseite moniert) wurde. Viele Schüler kennt man schon aus der Unterstufe und vom „Du“ zum „Sie“ zu wechseln, finde ich irgendwie unnatürlich. Außerdem frage ich mich, ob damit nicht fälschlicherweise ein „Machtgleichgewicht“ suggeriert wird, dass es faktisch einfach nicht gibt.

    Gleichzeitig herrscht bei uns aber ein sehr kooperatives Lehrer-Schüler-Klima. Wie an anderer Stelle schon mal geschrieben, dürfen die Schüler bei uns auch ohne Anzuklopfen im Lehrerzimmer herumlaufen, wenn sie ein Anliegen haben.

    Ich selbst habe mir zum Ziel gesetzt, mit Schülern möglichst (Ausnahmen sind seeehr selten und hatten i.d.R. einen längeren Vorlauf) nur ein einem Ton zu reden (auch was die Wortwahl und Lautstärke angeht), den sie mir gegenüber auch anschlagen könnten. Das ist mir unterm Strich wichtiger als die Anrede an sich. Meinen Schülern – so ist zumindest mein Eindruck – auch.

  14. Nachdem ich nach einem längeren Schulaufenthalt in Schweden wieder nach Deutschland in die Schule kam, war es schwierig, nicht jeden Lehrer, mit dem ich sprach, zu duzen oder beim Vornamen zu nennen. Die Gewöhnung vom Sie zum du dort ging schneller als die Rückgewöhnung.

    Ich empfand gegenseitiges Duzen als sehr angenehm, es hat die Distanz zwischen Lehrern und Schülern verringert und klang viel freundlicher. Natürlich ist Freundlichkeit eine Sache, die nicht zwingend in Anredeformen Ausdruck finden muss, ebenso verhält es sich aber auch mit Respekt. Siezen alleine ist noch kein Zeichen für diesen.

    Ich finde es immer noch leichter zu sagen: Kannst du mir helfen? als zu sagen: Können sie mir helfen? Das liegt daran, dass Duzen größere Vertrautheit vermittelt. Vertrautheit, die auch in die Schule gehören darf. Man kennt sich schließlich jahrelang.

    Dass Lehrer zu duzen etwas ist, für das ich an meiner Schule keine Mehrheit finden könnte, auch unter Schülern nicht, kann ich verstehen und auch akzeptieren. Dass Lehrer uns siezen, daran habe ich mich zwar gewöhnt, ich mag es aber immernoch nicht. Und wundere mich manchmal ob des Sinnes von Siezen, wenn Lehrer außerhalb der Schule ins Du rutschen.

  15. Duzen… ich würde es gerne mal ausprobieren, aber halt an einer Schule, an der das üblich ist. Wenn alle anderen siezen, dann bedeutet es gleich etwas ganz anderes, wenn man duzt.

    Beim Nachdenken über die Kommentare bin ich zu der Vermutung gekommen, dass das neugewonnene Siezen für mich zum Teil ein Ersatz für Schulkleidung oder -uniformen ist. Es stimmt, Duzen oder Siezen sollte keinen Unterschied beim gegenseitigen Respekt machen – und tut es wohl auch nicht.

    Sehr gut finde ich, was cupcake geschrieben hat:

    Ich selbst habe mir zum Ziel gesetzt, mit Schülern möglichst … nur in einem Ton zu reden (auch was die Wortwahl und Lautstärke angeht), den sie mir gegenüber auch anschlagen könnten.

    Denn das ist wohl der größe Unterschied in der tatsächlichen Kommunikation.

  16. Ummm, ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir enorm leichter fällt mit meinen neun Klassen und vielen gleichlautenden Vornamen in meiner reinen Knabenrealschule mir die Nachnamen zu merken.
    Reine Hilflosigkeit (mein Namensgedächtnis war nie gut, dafür habe ich ein gutes Gedächtnis für Gesichter) führt dann zu Anreden wie “Mr. Hauber” (auch in Geschichte, nicht nur in Englisch) für alle Altersstufen. Die Jungs haben sich bisher auch nicht beschwert (höchstens falls ich den Nachnamen falsch ausspreche), sondern sind eher belustigt. Es ist aber kein Feature sondern ein Defekt (ich habe durchaus ein schlechtes Gewissen, das ich mir die Vornamen so schlecht merken kann), der sein Gutes hat, wenn man eindeutig Schüler aufrufen kann (z. B. bei fünf Simons in der Klasse, die vielleicht auch noch eng zusammen sitzen).
    Wenn ich sie etwas besser kenne, im Laufe des Jahres/ der Jahre mehrfach habe, gehe ich meistens zum Vornamen über.
    Generell bleibt zu sagen das der Ton die Musik macht, man kann duzen oder siezen respektvoll tun oder eben nicht.

  17. Weil so schön viel Unterschiedliches hier steht, will ich auch noch meine Erfahrung dazu setzen. (Die Unterschiede zum angelsächsischen und zum frankophonen Raum sind ja zu interessant.) Außerdem habe ich das Gespräch mit meinen Kindern, die auch Lehrer bzw. angehende Lehrer sind, und ihren Freunden geführt und fand es interessant, welche Gewohnheiten sich in verschiedenen Kollegien herausbilden, z.B. dass sich praktisch alle duzen, aber die Sekretärinnen gesiezt werden.
    Früher habe ich Oberstüfler, die damals noch Oberstufenschüler hießen, stets gesiezt.
    Dann fiel mir auf, dass einerseits Leute im Alter bis dreißig sich selbstverständlich duzten und dass ein Groteil meiner Kollegen die Oberstüfler geduzt hat. Dann habe ich meine Schüler gefragt. Die waren für du, und ich habe dahin gewechselt. Nach einigen Jahren habe ich nicht mehr gefragt, denn es wäre mir sehr schwer gefallen, Schüler der 11 zu siezen, wenn ich gleichzeitig die der 12 und 13 duzte.
    Übrigens, von Referendaren habe ich mich grundsätzlich duzen lassen, um nicht mehr Distanz aufkommen zu lassen als unvermeidbar. Von meinen Kollegen sieze ich einige, die mir näher stehen als die meisten anderen, obwohl ich als der Ältere wohl das Du hätte anbieten können. Wie das Verhältnis zueinander ist, äußert sich freilich in ganz anderem als an Du oder Sie.
    In Wikis halte ich das Du für sehr praktisch. Zwischen Professor und 11jährigem nicht unterscheiden zu müssen, wenn man beim Editionsverhalten keine Unterschiede feststellen kann, ist sehr angenehm.

  18. Bei uns: Ab 10. Jgst. inkl. immer „Sie“ + Vorname. Ausnahme: Jahrgangsstufenübergreifende Wahlfächer, in denen es seltsam wäre, zu den Neuntklässlerinnen „du“ und zu der Zehntklässlerin daneben „Sie“ zu sagen. Das bin ich nun seit über zwanzig Jahren so gewöhnt und finde es sinnvoll.

  19. Interessant, welche Diskussion sich hierüber entspinnt.
    Was nicht so verwunderlich ist, geht es doch um Beziehung und deren Gestaltung. Und gewiss gibt’s kein richtig oder falsch.
    Sondern, es ist die Frage, welche Beziehung ich möchte, und wie ich sie daher auch passend gestalte.

    Mir ist ein Anliegen, dass Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 12 und 13 Junge Erwachsene sind, mit den Rechten und Pflichten, die ihnen in diesem Alter zu eigen sind /werden. Und daher finde ich es für mich richtig, sie zu siezen. Das finden sie immer komisch und wehren sich zunächst auch, nach einiger Zeit wird es selbstverständlich. Ich mag es nicht auf ein „Wunschkonzert“ ankommen lassen. Denn ich habe es auch schon mal erlebt, dass ein Schüler – aus welchen Motiven auch immer – gesiezt werden wollte.
    Natürlich gibt es auch Schülerinnen und Schüler, denen ich mich näher fühle, wo ein Du passend wäre – dann kann ich sie ja noch immer ausserhalb des Unterrichts duzen und mich evtl. duzen lassen.
    Etwas Ähnliches erlebe ich schließlich auch in anderen Zusammenhängen, wo wir uns im offiziellen Kontext siezen und dann beim Bier duzen.
    Geht sehr gut.

  20. Früher ging es mir wie Fontanefan, aus den gleichen Gründen; zur Zeit habe ich das Siezen für mich entdeckt. Änderungen in der Zukunft kann ich nicht ausschließen. Ich glaube ohnehin, dass das nichts über die Distanz zwischen den Beteiligten aussagt. Besser als Siezen wäre aber, den Schülern wirklich mehr Rechte und Pflichten zu geben als Achtklässlern.

    Das Du im Internet: Gibt’s da schon Intersuchungen? In meiner Blog-Ecke duzt man sich eher, anderswo ist Siezen weit üblicher. Bei Wikis wird geduzt (sehr angenehm, in der Tat), bei Twitter wohl auch, nehme ich an.

  21. Ich arbeite an einem NRW-Weiterbildungskolleg, an dem es alle Varianten gibt: vom gegenseitigen Lehrer-Schüler-Du über das „Hamburger Sie“, also Vorname plus Sie bis zum Schüler werden gedutzt, Lehrer gesietzt (was ich zwischen Erwachsenen nicht so gelungen finde.) Im Kollegium dutzt man sich konsequent.

    Ich bin mit meiner Variante etwas exotischer, weil ich hemmungslos alles Sieze und mit „Herr/Frau Nachname“ anrede, was mir über den Weg läuft, vom 17-jährigen Abendrealschüler bis zur 52jährigen Kollegiatin. Da kenne ich nix und da setze ich mich auch über gegenteilige Schülerwünsche hinweg. Ich finde, es passt einfach – nicht nur zu meiner Lehrerpersönlichkeit, sondern auch zu der Vorstellung von einem professionellen Miteinander, dass ich im zweiten Bildungsweg erreichen möchte.

    Nele

    P.S. @Herr Rau – du erinnerst dich an SciFi-Cons in den 50ern? Respekt, du hast dich echt gut gehalten. ;)

  22. Nu, dabei war ich nicht, aber vor knapp zehn Jahren, frisch nach München gezogen, schaute ich bei einem SF-Stammtisch vorbei. Bin danach nicht wieder hin, schade eigentlich. Der Jüngste dort war Ende Fünzig, die anderen waren älter. Getroffen in einem Werkstattzimmer, die Regale voll mit Lötkolben und Widerständen und anderem Elektrozeug. Noch sehr die Bastler-SF-Ecke, die auch Gernsback vorschwebte. Alte Magazine, neue Magazine, Anekdoten von früher, deutsches SF-Fandom vor Perry Rhodan. Da steckt noch viel Dokumentierenswertes dahinter. Die Runde gibt es laut Web immer noch, jeden ersten Freitag im Monat, gar nicht mal weit weg von mir. Sehr schräg.

  23. Dieser Tage sprach ich mit einigen Schülerinnen der 13, der mir ungefragt sagten, sie fänden an mir positiv (im Vergleich zu Kollegen), dass ich die Schüler sieze und nicht duze. So fühlten sie sich eher ernstgenommen, und auch diese gewisse Distanz erscheine ihnen angebracht.

  24. Interessante Diskussion. Ich habe meine Gymnasialzeit in den 70er Jahren verbracht (junge, reformwillige Lehrer in entstaubter Schule). Dort war es üblich, dass wir unsern Klassenlehrer duzten, und zwar seit der 7. Klasse; den Rest siezten wir. Die Lehrer sagten natürlich auch du zu uns (wir waren 12!). Ich hatte nicht den Eindruck, dass dies in irgendeiner Weise den Respekt beeinflusste. Das Du schaffte eine gewisse Nähe zum Lehrer, aber keine Vertrautheit, und darauf kam es wohl an.

    In der Oberstufe duzten uns noch immer alle Lehrer, aber nun waren manche Lehrer bereit, sich auch von uns duzen zu lassen. Mir war das egal. Ich fand eher jene Mitschüler suspekt, die duzwillige Lehrer sammelten wie Trophäen: „Jetzt fehlt nur noch einer, dann bin ich mit allen Lehrern per du.“

    Interessanterweise scheint sich dies im Erwachsenenalter fortzusetzen. Ich war letztens auf einer Fortbildung. Es gab manchen Teilnehmer, der sich hinter der Hand über jene Dozenten beklagte, die aufs (beiderseitige) Siezen wert legten. Die seien ja so „uncool“, hieß es. Dort wurde das Sie mit hochmütiger Abgrenzung gleichgesetzt. Ich merke mit zunehmendem Alter, dass mir duzen in vielen Situationen unpassend erscheint; es ist mir zu plump. Das Sie schafft tatsächlich eine wohltuende Distanz – nicht immer, aber manchmal ist sie das Gegenteil von aufgesetzter Verbrüderung.

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