Leben nach der Korrektur

Heute die letzten Arbeiten herausgegeben. Die Korrekturen haben mir die letzten drei Wochenenden vergällt, aber jetzt geht es mir wieder besser. Das Benoten fällt mir immer noch schwer; ohne das wäre das Korrigieren vielleicht sogar erfreulich. Aber wehe, ich schlage mal vor, weniger Arbeiten zu schreiben: das sehen Schüler, Eltern und Kollegen gar nicht gern. Anscheinend haben wir tatsächlich in allen Fächern die optimale Zahl an Arbeiten.

Weil es am Freitag Zeugnisse gibt, waren heute den ganzen Nachmittag über Konferenzen. Morgen ebenfalls. Einerseits lästig, andererseits geht man gemeinsam essen und lästert über Abläufe und Regelungen. Was andere Leute office parties haben, haben wir Klassenkonferenzen… Jedenfalls bleibt jetzt gerade noch Zeit, meine gerühmte leckere Gemüsesuppe fürs Abendessen aufzusetzen.

Zur Erinnerung und Vorwarnung: Übermorgen ist wieder Tag der Kommandozeile in diesem Blog.

Heute mit Romantik angefangen, bin zufrieden. Doppelstunde. Details folgen. Morgen schauen wir uns die bei Flickr mit “romantisch” verschlagworteten Bilder an und schauen, welche davon auf den Romantik-Begriff der Frühromantiker passen (“Die Welt muss romantisiert werden”) und welche eher den modernen Herzschmerz-Blümchen-Begriff zeigen.

Es ist wieder Beurteilungszeitraum; unsere Schulleitung läuft herum, schaut sich unerwartet Stunden an und macht sich Notizen. Das ist tatsächlich und wie immer mehr Thema im Lehrerzimmer (also in der Kohlenstoffwelt, nicht hier), als man eigentlich erwarten möchte. Also aufgemerkt und Methodenwechsel nicht vergessen.

Das klingelnde Klassenzimmer

Ich arbeite ja bekanntlich an einer neu gebauten Schule mit ganz viel Technik drin. Sie funktioniert so etwa zu drei Vierteln, was viel besser als nichts ist. Unter anderem gibt es in jedem Klassenzimmer ein Haustelefon. Man kann zwar nicht heraustelefonieren, aber man kann zumindest vom Lehrerzimmer aus dort anrufen.

Schabernack.

Ich habe ja schon mal über Telefonierpläne berichtet. Beim gemeinsamen abendlichen Heimfahren ist der verdiente Kollege Z. gestern auf eine Idee gekommen, die wir heute früh in die Tat umgesetzt haben – mit meiner einzigen Englischklasse dieses Jahr, einer Intensivierungsstunde in der 6. Klasse. (Englischlehrer der Klasse ist jemand anderes. Wir sprachen schon darüber, wie wenig sinnvoll so ein Arrangement ist.)

Also habe ich zuerst ein bisschen telephone conversation mit den Schülern geübt. Zwei kurze Dialoge mit gängigen Wendungen (hold on a second, do you want to leave a message, the connection is very bad, can you repeat that please – und überhaupt viel please und thank you). Die Dialoge haben die Schüler einige Male vorgelesen.

Dann unterbrach uns plötzlich das klingelnde Klassenzimmer-Telefon.

Die Schülerin, die ich aufforderte, abzuheben, wusste erst gar nicht, was sie tun sollte. Hat sich dann aber tapfer mit “Hello” gemeldet, worauf jemand auf Englisch mit ihr zu reden anfing. Ich habe mich blöd gestellt, die anderen Schüler waren gespannt. Anscheinend war ein Brief für mich im Lehrerzimmer abzuholen. Das wiederholte uns jedenfalls die Schülerin, die das Gespräch geführt hatte. Also gut, ab mit ihr. Weiter mit den Dialogen.

Kaum war eine Minute vergangen, klingelte das Telefon schon wieder. Ein Schüler ging ran, kurzes Gespräch, das Gespräch war aber für einen dritten Schüler. Der musste dann Kreide holen. Und den Namen des Anrufers an die Tafel schreiben. Also mussten die Schüler nachfragen, wenn sie den Namen nicht verstanden hatten, und sich den Namen eventuell buchstabieren lassen.

Am Apparat war jeweils der verdiente Kollege Z., der Englisch spricht, auch wenn er es nicht unterrichtet. In den zwei Stunden, in denen ich zuerst die eine Hälfte dieser 6. Klasse, dann die andere hatte, hatte er keinen Unterricht, so dass er vom Lehrerzimmer aus immer wieder anrufen konnte. (Andere Lehrer hätten gerne mitmachen können. Aber selbst manche Englischlehrer reagieren zögernd, wenn es um Gespräche am Telefon geht.)

Hier die Liste der Aufgaben, die wir ausgemacht hatten:

phone_jobs

Wichtig war:

  • Stift und Papier neben das Telefon legen
  • die Schüler müssen danach der Klasse mitteilen, wer angerufen hat und um was es ging
  • daher: zum Nachfragen und Buchstabieren-Lassen anhalten
  • schon der Anrufer verlangt vom Schüler, ihm die Aufgabe noch einmal zu wiederholen
  • kleine, nicht zu schwere Aufgaben
  • mit dem Schüler am Telefon plaudern, dann einen anderen Schüler (von der Klassenliste) ans Telefon kommen lassen, damit der dann den Auftrag mitteilt und ausführt – so kommen mehr dran
  • zuschauen und sich zwischendurch immer wieder mal über die ständigen Unterrichtsunterbrechungen beschweren

Großes Lob an die eine Klassenhälfte, die der anderen nichts erzählt hat. Und vielen Dank an den verdienten Kollegen Z. Für die Zukunft: Kann man natürlich noch viel mehr machen, auch mit älteren Schülern. Mal schauen, ob man nicht doch auch von außerhalb der Schule in die Klassenzimmer kommt. Außerdem kann man das Gerät auf Lautsprecher stellen, vielleicht fällt einem dazu ja auch etwas ein.

(Fehlt noch das Durchsagen-Hörspiel. Irgendwann mal.)

Wieder papstfrei! (Oder so ähnlich.)

MÜNCHEN. Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle wird für den 14. Mai 2010, also den Freitag des 2. Ökumenischen Kirchentags, in der Region München den Schülerinnen und Schülern an öffentlichen Schulen unterrichtsfrei erteilen.
“Der Freistaat Bayern unterstützt die Kirchen gern bei der Durchführung des 2. Ökumenischen Kirchentags”, betonte Minister Spaenle. Zu dem ökumenischen Großereignis Mitte Mai erwarten die einladenden christlichen Kirchen rund 100.000 Besucher. “Der ökumenische Kirchentag ist nicht nur ein Zeichen des gemeinsamen Wegs der Angehörigen der christlichen Konfessionen, sondern auch ein Ort für den Dialog zwischen Christen und Nichtchristen”, so der bayerische Kultusminister.
Konkret erteilt Kultusminister Spaenle den Schülern der öffentlichen Schulen in der Landeshauptstadt München sowie den Landkreisen München, Dachau, Ebersberg, Erding, Fürstenfeldbruck, Freising und Starnberg am Freitag, 14. Mai, unterrichtsfrei. Damit können die Veranstalter des 2. Ökumenischen Kirchentags mit Einverständnis der Sachaufwandsträger die Schulgebäude zur Übernachtung und zu Veranstaltungen nutzen.

(Pressemitteilung BayStMUK)

Habe ich das richtig verstanden: Schüler haben unterrichtsfrei? Damit in den Schulen Übernachtung und Veranstaltung fürn Kirchentag stattfinden kann? Die Lehrer nicht, weil die dann Hostess spielen bei den Übernachtungsgästen oder wie?

“Kooperation”

Ich entschuldige mich gleich vorab für die ausufernden Anführungszeichen. Aber ich habe nun mal keine Feuerzange zur Hand.

Seit dem laufenden Schuljahr ist die “Zusammenarbeit” der Fächer Sozialkunde und Geschichte in der 10. Klasse “neu gestaltet”. Will heißen, es gibt eine Stunde Geschichte und eine Stunde Sozialkunde, aber weil einstündige Fächer ja keinen Sinn haben, ist fürs Vorrücken nicht die Note in Geschichte und nicht die in Sozialkunde relevant, sondern zusätzlich zu beiden Noten steht dann im Zeugnis die Note “Geschichte+Sozialkunde”. Die errechnet sich aus dem Durchschnitt der beiden Einzelnoten, und zwar der Zeugnisnoten. Bin schon mal gespannt, was das an meiner Schule für meine Noten gibt.

Noten muss man in beiden Fächern machen (schriftliche und mündliche, nehme ich an), da beides “selbständige Fächer” sind. Gilt das für Naturundtechnik eigentlich auch? Ich mache brav immer Noten in Informatik und gleiche die mit dem Bio- oder Physiklehrer ab, Müsste ich das gar nicht? Da dürfte jede Schule in Bayern den ihr gegebenen Spielraum flexibel nutzen.

In der 11. und 12. Klassen gibt es meist 2 Stunden Geschichte und 1 Stunde Sozialkunde. Und eine gemeinsame Klausur. Die besteht zu 2/3 aus Geschichtsfragen und zu 1/3 aus Sozialkunde. Das wird dann jeweils getrennt von den beiden unterrichtenden Lehrern bewertet, eine Gesamtnote wird nicht gebildet. Erst im Zeugnis steht dann wieder Geschichte+Sozialkunde.

Vom Kolloquium schweige ich.

Vermutlich ist es nur allgemeines Lehrernörgeln und die Abneigung gegen Neuerungen. Vielleicht liegt in diesen Kooperationen zwischen Fächern ja tatsächlich die Zukunft. Wenn mehr Kooperation zu weniger Notenmacherei führen würde, dann arrangierte ich mich gerne damit. Aber es ist ja gerade andersrum.