Meine Schüler in 10 Jahren

Heute im Leistungskurs, Fortsetzung eines Spiels aus der kommenden Abiturzeitung: meine Schüler baten mich, aufzuschreiben, wo ich sie – jeden einzelnen – in zehn Jahren sehe und wo garantiert nicht. Also in welchem Beruf. Oha. Dann mussten sich die Schüler eben eine halbe Stunde alleine beschäftigen, oder zumindest mit einem Arbeitsblatt von mir, weil ich durch diese Frage komplett ausgeschaltet war.

Bei manchen fiel mir etwas ein, bei anderen nicht. Bei manchen waren meine Antworten eher scherzhaft gemeint, bei anderen nicht. Was für eine teuflische Frage.

9 Antworten auf „Meine Schüler in 10 Jahren“

  1. Völlig unaufgefordert hatte sich unser Physik-LK-Lehrer dieser Aufgabe angenommen und das Ergebnis für die Abizeitung eingereicht, wo es auch gerne abgedruckt wurde. “Die geheimnisvollste Gestalt unter den Anwesenden”, werde ich darin genannt. Weiterhin wurde mir eine fulminante Karriere in der Industrie prophezeit. Also ich weiß auch nicht…

  2. Find ich ein spannendes Korrektiv im Lehrer-Tagesgeschäft – auch wenn der angemessene Grad an Ehrlichkeit gelegentlich ein Balanceakt sein dürfte ;-)
    Könnte man sich als jährliche Pflichtübung vorstellen – just to stay focussed…

  3. Ich denke die meisten Lehrer werden diesbezüglich irren.
    Bestes Beispiel ein alter Freund von mir.
    Damals während des Abis durch häuslichen Wahnsinn völlig aus der Bahn geworfen.
    Schule geschwänzt, Alkohol + dergl., kleinkriminelle Diebstähle, Rockerbande.
    Jeder Lehrer prophezeite eine Knast-Karriere.
    Sein Lebensweg verlief ganz anders. Nach 3 Jahren fing er sich wieder.
    Fachabitur, Studium und heute gutgehende Steuerberatungs-Kanzlei.

    Es kommt auf die inneren Werte an, die Wurzeln. Das sehen die meisten Lehrer nicht. Ihr Blick ist auf die begrenzte Zeit des Auftretens eines Schülers in der Schule fokusiert.
    Ging mir in der Schule genau so. Der der ich wirklich war, dass was mich wirklich interessierte, haben Lehrer nie erfasst. Als Schüler schottet man sich eigentlich ab, denn je weniger der Lehrer über einen weiß, desto weniger Nachteile kann es durch ihn geben. Lehrer stehen auf der anderen Seite der Hirarchie. Und im Zweifelsfall paktieren sie mit dem Rektorat, nicht mit dem Schüler.

  4. @Uwe: Die Lehrer des letzten Jahrgangs könnten ja gemeinsam eine Liste erstellen mit Voraussagen. Im Lehrerzimmer aushängen, wenn alles voll ist, den Schülern für die Abizeitung geben. Oder ist das dann auch schon Mobbing?

    @Pausewang: “Es kommt auf die inneren Werte an, die Wurzeln. Das sehen die meisten Lehrer nicht.” Aber sie wissen in der Regel, dass sie das Innere nicht sehen. Deshalb wird sicher kaum ein Lehrer eine ernst gemeinte Prognose abgeben. Zumal nach einem eventuellen Studium ja völlig offen ist, was man mit dem Studium anfängt.

    Manche Schüler geben aber tatsächlich mehr von sich preis als andere. (Wenn sie obendrein bloggen, kann man wohl gar nicht von Abschotten reden.) Mit dem Abschlussjahrgang hat man sich ja außerdem eh schon mal über Pläne und Wünsche unterhalten.
    Die Schüler sind ja auch nicht an den Prognosen als solche interessiert, sondern wollen ein bisschern wissen, was die Lehrer von ihnen denken. Direkt fragen geht ja nicht.

  5. Bei einer Steuerberater-Tätigkeit kommt es gerade nicht auf die inneren Werte an, sondern auf die Werte, die er seinem Mandanten sichert. Und die Einblicke, die ich in dieses Gewerbe aus verwandtschaftlichen Gründen nehmen konnte bzw. musste, lassen erhebliche Zweifel an der Moralität dieses Berufstandes aufkommen. Zugegeben: Bei einem Steuersystem das wenig gerecht und transparent erscheint, braucht man u.U. sogar schon mal als Beamter fachliche Hilfe. Bevor ich Prügel beziehe: Bestimmt leistet nicht jeder Steuerberater Beihilfe zur Steuerhinterziehung, aber schon die steuergünstige Darstellung bestimmter Sachverhalte hat manchmal den Ruch cleverer Selbstgerechtigkeit.

    Ich denke auch, dass es einem Lehrer nicht gelingt, dass er einen Schüler wirklich “erfasst”. Das ist auch nur gut so. Der Mensch (Lehrer und Schüler) verbringt seine Zeit nicht nur in der Schule. Es lässt sich also nur ein begrenzter Ausschnitt aus einer ganz bestimmten Perspektive wahrnehmen.
    Andererseits hat’s ja immerhin doch eine Fachoberschule gebraucht, damit der spätere Steuerberater sein Studium bzw. seine Ausbildung antreten konnte.

    Ich wehre mich also gegen eine Haltung, die einerseits den Lehrern ständig die Riesenverantwortung zuschiebt, den ach so komplexen Persönlichkeiten der heutigen oder früheren Jugend gerecht zu werden, und dann, wenn das natürlich nicht klappt, weil sich die Persönlichkeit dagegen sperrt, vorgehalten zu bekommen, dass der x und der y ja doch Karriere gemacht haben, obwohl sie in der Schule nichts gelernt haben sollen.
    If you can read this, thank a teacher…

  6. Steuerberater hin oder her: Die interessanteren Menschen in meinem Umfeld haben sich alle nach der Schule noch mehrmals verändert und neu orientiert und tun das zum Teil (oder hoffentlich?!) auch weiterhin immer noch. Die langweiligen Typen haben ihr Dasein kurz nach dem Abi in einer Bankkauf(frau|mann)-Laufbahn eingefroren und ich habe ihre Namen auch schon irgendwie vergessen.

    Gute Lehrer müssen meiner persönlichen, fachlich unfundierten Meinung nach keine Hellseher sein. Es genügt, wenn sie etwa ein bis zwei Jahre in die Zukunft blinzeln können: Wie kann ich meine Schüler so fördern, dass alles hinhaut (in der Zeit, in der ich sie habe)? Das könnte eine Frage sein, die Antwort wird vermutlich immer ein Kompromiss sein. Aber wer die Antwort auf diese Frage immer auf’s Neue sucht verdient meinen Respekt.

  7. @ DrNI “Wie kann ich meine Schüler so fördern, dass alles hinhaut (in der Zeit, in der ich sie habe)? “.. wer die Antwort auf diese Frage immer auf’s Neue sucht verdient meinen Respekt.”

    Oder aus der anderen Perspektive formuliert: Wie lasse ich mich von meinem Lehrer so fördern, dass alles hinhaut (in der Zeit, in der er mich hat)?.….

  8. Hallo liebe Leser,

    ich habe eine Frage die nicht unbedingt hier rein passt, jedoch finde ich nichts wo ich das schreiben könnte.

    Also meine Frage lautet, dürfen Schulen von Kindern wegen einen Regelverstoß als Strafe geld verlangen ??? es geht eigentlich darum das Schüler keine Handys mitführen dürfen, jedoch hat jeder dritte ein Handy in der Tasche was auch in den Pausen genutzt wird.

    Wenn von jedem dritten Schüler 1,50 Euro genommen wird als Strafe, dann kommt ja im Monat eine hübsche Summe zusammen ! ist ja für die Schule oder wer auch immer dies bekommt, ein netter Nebenverdienst.

    Muss das dem Finanzamt gemeldet werden oder ist das erlaubt ?

    Ich hoffe ich bekomme hier eine Antwort, und danke auch schon mal im Voraus.

  9. Die Frage gehört in der Tat nicht hierher. Schon mal in der Schule gefragt? Alternative: schulthemen.de, ein Forum für Lehrer, Eltern und Schüler.

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