Hallo? Jemand zu Hause?

Die Lehrer in den bayerischen Gymnasien tippen schon fleißig an ihren Zeugnissen, da fällt dem Kultusministerium Mitte Juli ein, dass man die Schüler im Gymnasium noch mehr schonen muss. In den 10. Klassen wird der Notenausgleich wieder eingeführt:

§ 63a
Notenausgleich
1 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10, die nach § 62 Abs. 1 Satz 2 vom Vorrücken ausgeschlossen sind, kann unter folgenden Voraussetzungen Notenausgleich gewährt werden:
1. Sie weisen nicht in einem weiteren Vorrückungsfach Note 5 oder 6 auf.
2. Sie haben Note 1 in einem oder Note 2 in zwei Vorrückungsfächern, wobei Kernfächer nur durch Kernfächer ausgeglichen werden können, oder haben in mindestens drei Kernfächern keine schlechtere Note als 3.
3. § 63 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2 und Satz 3 gelten entsprechend.
2 Wird einer Schülerin oder einem Schüler Notenausgleich gewährt, so wird in das Jahreszeugnis eine entsprechende Bemerkung aufgenommen.

Und in der 9. Klasse darf man jetzt – wie bisher schon in den Jahrgangsstufen 5–8 – auf Probe vorrücken, egal wieviele 5er oder 6er man hat, wenn die Lehrerkonferenz der Meinung ist, dass das Sinn macht.

Ein bisschen früher hätte man das nicht sagen können, oder? Die letztere Regelung ist halbwegs sinnvoll, solange kein Druck auf das Lehrerkollegium ausgeübt wird. Die erste – not so much. Kann oder muss Notenausgleich gewährt werden?

11 Antworten auf „Hallo? Jemand zu Hause?“

  1. Vorrückungsfächer sind alle Fächer, wegen denen man ein Jahr wiederholen müsste, wenn man zu schlecht war. Das sind eigentlich alle Fächer – außer Sport, und außer Musik in der 5. und 6. Klasse. (Am musischen Gymnasium auch da.) Also Religion, Kunst, und die üblichen anderen Verdächtigen.

  2. Ich seh’ schon. Regeln über Regeln.

    FInde ich übrigens schön, dass du zur Zeit so viel bloggst. :)

  3. > Die letztere Regelung ist halbwegs sinnvoll, solange kein Druck auf das Lehrerkollegium ausgeübt wird.

    Natürlich wird Druck ausgeübt, denn Lehrer sollen die Zukunft prophezeien: Trauen wir es dem Maxl zu die Lücken zu füllen, dem Sebastian aber nicht? Wir wissen, dass es mit dem entsprechenden Arbeitseinsatz eigentlich ALLE schaffen könnten. Diese Kaffeesatzlesen finde ich zynisch. Dann soll man ehrlich sein, und das Durchfallen abschaffen.

  4. Solange die Lehrer da durchblicken, ist alles gut :-)
    Sonst aber gut, dass Schüler eher die Chancen bekommen versetzt zu werden. Aber gerade vor dem Abi sollte man sich überlegen, ob das Wiederholen einer Stufe nicht vieleicht besser ist. Ich kenne Leute denen in der 12. Klasse eine extra Runde von den Noten her sehr gut getan hat.

  5. Einspruch @jochen: Warum trauen wir uns das NICHT zu? Wir sind im höheren Dienst in einer Besoldung, bei der außerhalb der Schule ein vielfaches an Verantwortung zu tragen ist. Und wir verweigern in unserer ureigensten Domäne – dem Pädagogischen – deren Übernahme. Zeig Eier! ;-))
    Was wär den gewonnen, wenn das Durchfallen abgeschafft würde? Wir wären wieder ein Stück verletzlicher gegen jedweden Angriff, unsere Jobs besser durch angestellte, angelernte Hilfskräfte erledigen zu lassen.

  6. Ein gewisser Druck ist schon da, jedenfalls solange das Kultusministerium den Erfolg des Schulsystems daran misst, wie viele Schüler den gewünschten Abschluss machen und wie wenige durchfallen. Aber an unserer Schule fühlen sich die Lehrer da durchaus frei.

  7. Interssieren würde mich, inwieweit positive/negative Erfahrungen mit diesem Vorrücken auf Probe (in 5–8) gemacht wurde, weil man kann ja auch noch im Dezember zurückverwiesen werden, dann wäre eine sofortige Wiederholung sinnvoller.
    Kann man eigentlich 2 Schuljahre in Folge auf Probe vorrücken?

  8. Ja, man kann auch in zwei aufeinander folgenden Jahren auf Probe vorrücken.

    Wenn man die Probezeit aber nicht besteht und Mitte Dezember zurück muss in die Jahrgangsstufe, die man beim ersten Mal nicht bestanden hat, hat man ein Problem, weil man dann als Wiederholungsschüler gilt, bereits ein Drittel des Jahres verpasst hat und im Fall des nochmaligen Nichtbestehens das Gymnasium verlassen muss. (Ausnahme: Vorrücken auf Probe z.B. infolge Krankheit.)

    Erfahrungen… ich kenne nur die einzelner Schulen. Eine Statistik würde mich auch interessieren.

  9. > Wenn man die Probezeit aber nicht besteht und Mitte Dezember zurück muss

    Man kann aber auch (wie bei uns geschehen) Mitte Dezember feststellen, dass man das alles noch nicht so richtig beurteilen kann und verlängert deshalb die Probezeit bis zum Zwischenzeugnis. Dann stellt man fest, dass der Schüler die Probezeit leider doch nicht bestanden hat, und schickt ihn nach einem halben Jahr (!) wieder zurück …

  10. @ Steff

    > Einspruch @jochen: Warum trauen wir uns das NICHT zu?

    Weil es, so wie es derzeit läuft, überhaupt nichts mit Pädagogik zu tun hat. Über zwei Schüler mit identischem Notenbild wird (bei der Klassenkonferenz) in zwei verschiedenen Zimmern beraten. Der eine darf auf Probe vorrücken, weil er ein netter Kerl ist und eine Fürsprecher hat, der andere nicht, weil er ein schwieriger Kerl ist und es sich mit ein paar Kollegen verdorben hat. Hallo, geht’s noch???

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.