Entschuldigung

Heute im Informatikunterricht hat sich eine Zehntklässlerin nach der Stunde bei mir entschuldigt. Ich hatte ihr eine Fünf gegeben; in der Woche zuvor war sie bereits blank gewesen. Ganz leichte Fragen. Sie hat es als unhöflich mir gegenüber empfunden, schon wieder nichts gewusst zu haben.

Das hat mich überrascht, aber auch gefreut. Es deckt sich mit meinem Begriff von Höflichkeit und Unhöflichkeit.

(Das geht natürlich nur, wenn man die Ursache für die nicht erbrachte Leistung bei sich sucht, und zwar nicht mangelndem Können, sondern mangelndem Einsatz zuschreibt. War ja auch so.)

20 Antworten auf „Entschuldigung“

  1. Wofür hat sie sich entschuldigt, was heißt. sie ist blank gewesen?
    Welcher Begriff von Höflichkeit bzw. Unhöflichkeit legt hier vor? Ich hoffe, der Unterricht ist verständlicher, sonst könnte ich mir schon vorstellen, woran es liegt, dass die Schülerin “blank” gewesen ist.

  2. Ich kann kein Latein. AUch wenn ich es schon 3 Jahre lerne. :) Wer weiß. Dem Weissen genügt ein Wort.

  3. An Herrn G.

    Das macht gar nichts. Notfalls: “google” anklicken “sapienti sat” eingeben. Unter “Latein für Angeber” findet man die Auflösung und denkt sich seinen Teil.

  4. Bei einem ersten Besuch in einem Blog sollte man mit Kommentaren vorsichtig sein, weil man oft im Ton oder Inhalt daneben liegt. Wofür sich die Schülerin entschuldigt hat, geht aus dem Text hervor, welcher Begriff von Höflichkeit vorliegt, auch – nämlich der der Schülerin und der meine, die sich decken. Mehr müssen Sie eigentlich nicht wissen; ich schreibe mein Blog nicht speziell für Sie. Wenn Sie eine Erklärung wollen, müssen Sie höflich fragen. Wenn Sie keine wollen, dann wissen Sie eh schon alles. Den Eindruck macht ihr Kommentar jedenfalls.
    Blog und Unterricht sind verschiedene Sachen, vom einen auf das andere schließen zu wollen zeugt von Kurzsichtigkeit. Ihren frommer Wunsch nach verständlicherem Unterricht meinerseits empfinde ich als unhöflich und an der Grenze zur Frechheit. Das sehen Sie doch wohl ein?

  5. Tja, ich denke es ist für die Leser hier bestimmt ganz interessant, die Situation aus meiner Sicht zu lesen (wenn auch verspätet).
    Wie kommt man dazu erst unhöflich zu handeln und sich dann dafür zu entschuldigen?? Könnten sie sich fragen. Am besten schreib ich’s einfach von vorne.

    Nachdem ich das erste mal “blank” gewesen bin, war ich eigentlich nur erleichtert, dass die Note nicht gezählt hat und habe diese unangenehme Situation “verdrängt”. Außerdem hatte ich ja Glück gehabt. Wozu noch drüber nachdenken… (FEHLER!!)
    Am Tag vor der nächsten Informatikstunde dachte ich schon nicht mehr an die Ausfrage (FEHLER!!) sondern erinnerte mich nur noch an eine praktische Aufgabe, weshalb ich dachte ich müsste nicht lernen(FEHLER!!).
    Als ich dann ausgefragt wurde, war ich erstmal überrascht und verwirrt. Was ich wusste (war nicht viel aber) verwechstelte ich und den Rest wusste ich sowieso nicht. Ich habe diese Ausfrage nicht als ungerecht gesehen, im Gegenteil. Ich machte mir danach Vorwürfe und hatte ein schlechtes Gewissen Ihnen, Herr Rau, gegenüber. Desshalb entschuldigte ich mich auch.

  6. Das Wort “Ausfrage” sollte meiner Meinung nach nicht in einem Satz vorkommen, der einen Schulunterricht beschreibt. Oder ist das ein regional geprägter Begriff? Ich sehe gerade, der Blogbetreiber kommt aus Bayern, da redet man ja etwas anders. “Blank” habe ich in dem Zusammenhang auch noch nicht gehört. Hoffentlich ist die “Ausfrage” dann auch nicht so hart, wie es das Wort vermuten lässt.
    Ein Lehrer sollte sich nicht persönlich angegriffen fühlen, wenn ein Schüler keine Lust (oder was auch immer) auf den Unterricht hat, insofern wäre, so sehe ich das, auch keine Entschuldigung nötig. Nimmt ein Lehrer so etwas persönlich kann es leicht passieren, dass spätere beurteilungen der Schüler von früherem verhalten beeinflusst werden. Das passiert leider viel zu häufig.
    Vielleicht hat die Schülerin auch genau das gedacht und sich vorsorglich entschuldigt, damit spätere Leistungen, vielleicht sogar im nächsten Schuljahr oder gar in einem anderen Kurs, davon nicht beeinträchtigt werden?!

    Ganz nebenbei: Im Gegenteil zu Ihrer eigenen Aussage oben finde ich Ihr Verhalten unhöflich, nicht andersherum. Jemanden mit “Sapienti sat” abzuspeisen, wirkt schon recht arrogant. Denken Sie doch mal darüber nach, welchen Zweck üblicherweise so ein Blog hat und schauen Sie sich doch mal andere Blogs, insbesondere die kommunikation zwischen Autor und Besucher. Dies hier ist auch das erste Blog, indem sich Autor und Besucher siezen, aber nun gut, ich habe einfach mal mitgemacht.

  7. David, Ausfrage und blank sind in Bayern normale Ausdrücke, die Vorgänge beschreiben, die es in anderen Bundesländern sicher ebenso gibt. “Ausfrage” ist in Bayern ein harmloser, gebräuchlicher Begriff. Offiziell heißt das “Rechenschaftsablage”, ist dir das wirklich lieber?
    In der Situation habe ich übrigens mitnichten eine Enstchuldigung erwartet, überhaupt nicht. Das ist auch nicht üblich. Ich hätte als Schüler vermutlich auch nicht das Bedürfnis gefühlt, eine abzugeben. Aber ich hätte mich nicht gut dabei gefühlt, blank erwischt worden zu sein, und die Schuld dafür sicher auch bei mir gesucht und nicht anderswo. Dieses Entschuldigen ist überhaupt nicht üblich und wird auch nicht erwartet; deshalb glaube ich nicht, dass die Schülerin berechnend gehandelt hat, zumal es um ein Nebenfach geht. Manchmal sind Leute einfach nur ehrlich.

    Wissen Sie, David, wenn ich unhöflich angesprochen werde, darf ich als Privatmensch – und das Blog ist privat – reagieren wie ich will. Ich habe hier nicht die Verpflichtung, allen Kommentatoren gegenüber nachsichtig zu sein. Vielleicht war ich auch zu harsch, weil ich verkannt habe, dass andere Menschen mit dem Konzept Rechenschaftsablage so gar nicht vertraut sind.

    Hm. Ich bin eigentlich eher ein Duzer. In den meisten Blogs wird gesiezt. Hm. Ja. Tatsächlich. Schauen Sie sich mal um. Mal von den Schülerblogs abgesehen.

    Ergänzung: Für die, die nur wenig über Schule in Bayern wissen: In einem zweistündigen Fach muss ich pro Halbjahr mindestens zwei sogenannte mündliche Noten machen. Auch wenn wenn es 34 Schüler sind und das Fach doppelstündig einmal in der Woche stattfindet. Mündliche Noten entstehen durch unangekündigte schriftliche Tests über Grundwissen und den Inhalt der letzten Stunde, durch Rechenschaftsablage über Grundwissen und den Inhalt der letzten Stunde, und durch Unterrichtsbeobachtung über einen Zeitraum von nicht mehr als einer Woche. Schriftliche Hausaufgaben gibt es in nebenfächern nicht. Zu jeder Note muss es ein eindeutiges Datum geben. Am besten notiert man auch die Fragen, die man gestellt hat, obwohl wir dazu noch nicht verpflichtete sind.

  8. Tja, die Bayern sind schon ein merkwürdiges Volk, sie siezen sich in Blogs (wo wir doch alle so unheimlich gleich sind), sie werfen mit lateinischen Ausdrücken um sich (wo doch mancher nie Latein gelernt hat) und wenn sie Deutsch sprechen ist ihre Ausdruckweise entweder originell oder steht unter Totalitarismus-Verdacht. Quod agricola nescit… (Adhoc-Angeber-Zitat, wer wissen will, was es bedeutet kann ja Latein lernen.)

  9. zu Beelzebub Bruck: In Bayern lernt glaube ich fast jeder Latein, oder? Ich weiß es nicht. Ich habe auch mein Latinum, ich hatte aber die Wahl.
    Ist das wirklich ein Angeber-Zitat? Hört sich eher selbst ausgedacht an. Bist Du sicher, dass es im Rahmen Deines Comments Sinn macht? Wie auch immer.
    Ja, in Bayern ist alles anders. “Mündliche Noten entstehen durch unangekündigte schriftliche Tests” Ich weiß, ist aus dem Kontext gegriffen, aber ich fand es einfach toll.

    An den Autor des Blogs: Sie besuchen vielleicht nur Blogs aus Bayern? Ich kenne wirklich viele Blogs und keinen einzigen, auf dem gesiezt wird. Und der Begriff “Schülerblog” ist mir noch nie untergekommen. Das hat jetzt aber auch nichts mehr mit dem ursprünglichen Thema zu tun, lassen wir das also.

    Btw, mal duzen Sie mich, dann siezen Sie mich wieder. Mir egal, was Sie besser finden, es sollte nur einheitlich sein.

  10. Ziemlich viele lernen in Bayern Latein, wenn sie aufs Gymnasium gehen. Manche, weil sie tatsächlich einen Sinn darin sehen, andere, weil sie damit die Notwendigkeit Französisch lernen zu müssen, mit schwieriger Aussprache und Orthographie, umgehen können. Die Wahl haben alle, auch in Bayern.
    Natürlich handelt es sich um ein Angeberzitat, weil dem Gebrauch lateinischer Spruchweisheiten außerhalb Bayerns anscheinend nur mit Suchmaschinen beizukommen ist, dieses angegebene Zitat aber bei der Eingabe in der Suchmaschine zu nichts führt, jedenfalls nicht zur Angabe. Übersetzen muss man es möglicherweise trotzdem nicht, wenn man die Kommentare im Zusammenhang liest. Und ob man dem einen Sinn beimessen kann oder nicht hängt vom jeweiligen Leser ab. Für Nichtlateiner die vollständige Aussage: Landwirtschaftliche Erwerbspersonen nehmen keine ihnen unbekannte Nahrung zu sich.
    Das mit den Stegreifaufgaben, die mündliche Noten sein sollen, die schriftlich erhoben werden, ist eine der Widersprüchlichkeiten, die man erst ertragen lernen muss. Allerdings ist man nicht verpflichtet derartige Tests abzuhalten. Mir fällt dazu ein anderes fremdkontextuelles Beispiel ein: Ein Sozialarbeiter in Niedersachsen bezeichnete im Gespräch verhaltensgestörte, gewaltbereite Jugendliche als “verhaltensoriginell”, weil die Bezeichnungen verhaltensgestört und gewaltbereit, die Jugendlichen stigmatisieren würden. Das fand ich wiederum sehr originell. Mir würde aber nicht im Traum einfallen, das als typisch niedersächsische Idiosynkrasie zu bezeichnen. Und warum müssen sich in sozial abgegrenzten Kontexten eigentlich alle an einen IKEA-Arbeitsvertrag halten? Und wo steht, dass mich jeder ungefragt duzen darf? Und ja, die Grenze der meisten Demokratien befindet sich da wo der (digitale) Vorgarten beginnt. Und es wäre schon schön, wenn man Unterschiede respektieren gelernt hätte, statt verbal erst den Zaun nieder und dann die Tür einzutreten.

  11. Ich bin hier nur zufällig, weil ich schon mal über Herrn Raus Blog gestolpert bin. Jedenfalls habe ich eben dieses Gespräch gelesen und muss sagen: Seid höflich zueinander!! Ich finde es bemerkenswert und eine tolle Sache, dass es einige (wenige) Lehrer gibt, die einem Einblick in das tägliche Tun, in den Austausch mit ihren Schülern und in ihre Gedanken geben. Es ist auch schön, wenn Kommentare kommen – aber doch bitte mit gegenseitigem Respekt!

    Was anderes: Ich muss im März (oh je das ist schon bald) einen Vortrag über Lehrerbildung und Web 2.0 halten; Herr Rau, wenn ich darf, komme ich auf Sie zurück. ;-)

  12. Das Du darf man jetzt wieder groß schreiben, man muss aber nicht. Ich habe mich inzwischen ans Kleinschreiben gewöhnt. Ich glaube, wir duzen uns, ja. Das “Herr Rau” hat mir aber schon öfter Schwierigkeiten gemacht, von wegen: “Wer so ein Pseudonym wählt, über den ist schon alles gesagt.” Ich werde nun mal jeden Tag so angesprochen, gerne auch mal im Chor. (Bayern: Die Schüler stehen je nach Alter meist zum Stundenanfang auf und begrüßen den Lehrer, nachdem der sie begrüßt hat.)

  13. Sehr gut – dann bleibe ich im zweifachen Sinne beim du – kleingeschrieben (weil ich mich auch schon dran gewöhnt habe). Ich sitze also gerade an einem Vortrag zum Thema Lehrerbildung und Web 2.0 und ich möchte dein weblog quasi zu einem Aufhänger und einer begleitenden Story machen (und hoffe jetzt, dass nicht schon alle Teilnehmer dieser Veranstaltung mitlesen). Ich werde dir den Beitrag vorher schicken und “absegnen” lassen – das ist klar! Aber dann doch lieber per E‑Mail. ;-)

    Gabi

    PS: Mein Sohn besucht auch ein bayerisches Gymnasium – südlich von München – leider ist da kein einziger Lehrer per E‑Mail erreichbar . Statt dessen muss ich mühsam Telefonate mit Sekretärinnen führen und kleine Zettelchen schreiben und ca. drei Tage einplanen, bis ich mit einem Lehrer bei Bedarf in Kontakt treten kann. Wäre ich an unserer Uni für die Lehrerbildung zuständig (was ich aber leider nicht bin, denn dafür machen wir offensichtlich zu wenig konforme Dinge), würde ich das persönlich mit jedem Lehramststudierenden eintrainieren ;-).

  14. Au ja, gerne. Und E‑Mails… bei uns sieht es etwas besser aus. E‑Mails werden leichter rausgerückt als Telefonnummern. Es gibt zwar keine Liste, aber etliche Lehrer verteilen ihre MAiladresse an die Schüler. Ich auch, und gelegentlich nutzen das Eltern auch zum Kontakt. Aber noch nicht oft.

  15. Mein Kompliment für den Eintrag und dazu, dass er so ein vielschichtiges Gespräch angeregt hat.
    Mein Kompliment auch der Schülerin und – ihrem sozialen Umfeld. Dass ein Konflikt (in diesem Fall allerdings ein minimaler rollenverständnisbedingter) statt zu Aggressionen zum Ausdruck von Verständnis für die Position der Gegenseite führen kann, das zu verstehen, hat man nicht in die Wiege gelegt bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.