Inception

Im Kino gewesen, Inception gesehen. Eine halbe Stunde zu lang, mindestens. Die Geschichte: Spezialisten können Traumwelten konstruieren und sich und andere im Schlaf in diese versetzen. Das Opfer dieser Aktionen weiß nicht, dass es sich in einer Traumwelt befindet; es bevölkert die Welt mit Personen aus dem Unterbewusstsein, die allerdings um so aggressiver reagieren, je länger sich das Spezialistenteam in dieser Traumwelt befindet. Genutzt wird diese Technik für Industriespionage: Man entreißt den so Träumenden ihre Geheimnisse.

(Spoiler folgen.)

So weit, so gut. Formelhaft ist das Zusammentrommeln des Spezialistenteams, wie in jedem Einbruchsfilm seit Rififi oder Topkapi. Mäßig spannend, aber trotzdem waren alle Nebenfiguren interessanter als die Hauptfigur, unser Held. Die dunkle Heldenvergangenheit, überflüssig wie ein Kropf: unschuldig vom Gesetz verfolgt, wenn auch moralisch schuldig, will er nur wieder nach Amerika zurück, um bei seinen Kindern zu sein. Meh. Matrix hat auf dieses Klischee verzichtet und das war eine gute Idee. (TV Tropes: Dark and Troubled Past.)

Sehr schön war aber die Science-Fiction-Grundidee. (Man hätte mehr herausholen können. Die Traum-Architektin demonstriert vorbildlich in der Trainingssequenz, dass sie ein Traum-Paris zusammenfalten kann. Solche Techniken werden im Einsatz aber nie angewendet.)
Der Knackpunkt: Fünf Minuten Schlaf- und Traumzeit in der Realität geben einem, sagen wir, zwei Stunden Einsatzzeit in der Traumwelt. Man kann aber auch in dieser Traumwelt wieder schlafen, und wieder in einen manipulierten Traum einsteigen. Fünf Minuten Schlafzeit in der Realität geben einem zwei Stunden in der ersten Traumebene, und fünf Minuten dort geben einem wieder zwei Stunden in der nächsten Ebene. Das Einsatzteam ist auf mehrere Ebenen verteilt, hat auf der einen noch zehn Sekunden Zeit, auf der anderen noch fünf Minuten, auf einer weiteren einige Stunden. Das ist nachvollziehbar und spannend geschnitten. Schade nur, dass auf allen Ebenen immer nur geprügelt und geschossen wird, dass die Synchronisation von Ereignissen und das kaskadierende Wiederaufsteigen aus den Traumebenen recht blauäugig gehandhabt werden, wie auch sonst die Regeln dieses Systems nicht völlig durchdacht sind.

Dieser laxe Umgang mit den Regeln führt allerdings zu zwei ausgezeichneten, aufeinander folgenden Szenen: eine Prügelei in einem Hotelgang bei ständig wechselnder Schwerkraft, also mal oben, mal unten, mal an der Seite. Schon sehr gut, wenn auch immer noch nicht so beeindruckend wie Fred Astaire, der an der Decke tanzt:

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Danach der gleiche Kampf im gleichen Hotelgang bei völliger Schwerelosigkeit. Ebenfalls exzellent gemacht.

Gelangweilt habe ich mich trotzdem zwischendurch, einfach weil mich die Personen – allen voran der Held – nicht interessiert haben.

Dann lieber gleich:

  • „Das geheime Wunder“ von Jorge Luis Borges, in der ein Autor vor einem Erschießungskommando noch ein (subjektives) Jahr erhält, um sein dramatisches Lebenswerk zu vollenden, während objektiv die Kugeln schon auf ihn zufliegen.
  • Der Traum ein Leben von Franz Grillparzer, nach Calderón-Vorlage.
  • Totel Recall oder Geschichten von Philip K. Dick

2 Antworten auf „Inception“

  1. Hm… die Philip-K.-Dick-Filme, die ich kenne (Bladerunner, Totale Erinnerung, Minority report) und alle auch für gut befand, haben mich dann doch nicht so beeindruckt wie dieser hier. Ihre oben angesprochene Langeweile stellte sich bei mir eher (Schande über mich) im Verlaufe von Bladerunner ein.
    Was ich noch ganz wichtig finde: Bei Inception bis fast zum Schluss nicht zu wissen, was noch kommt, was der Regisseur noch draufpackt, hat bei mir Spannung und Faszination erhöht. So hab ich bsw. eine (optische) Ähnlichkeit zwischen der jungen Architektin und der geliebten Mal gesehen und ständig damit gerechnet, dass das noch handlungstragend wird…

  2. Philip K. Dick hatte sehr viel Glück mit seinen Filmen, finde ich. Die Kurzgeschichten-Vorlagen für Total Recall und Minority Report enthalten weniger, oder zumindest anderes, als die Filmversionen. Und bei Blade Runner ist relativ wenig von der paranoiden Stimmung drin, die ich von anderen Dick-Romanen kenne und an die mich Inception erinnert hat.

    Blade Runner habe ich lange nicht mehr gesehen, es ist sicher ein ruhiger Film, und ich kann nicht ausschließen, dass er mir inzwischen zu ruhig ist. Ich glaube es aber nicht, zu sehr passen Design, Filmmusik und Handlung zusammen. Und die Zitate, die die Zitate – der Vergleich ist nicht ganz fair, aber ist irgendeine Textstelle aus Inception merkenswert?

    Ich fand die Stelle in Total Recall, als Sharon Stone Schwarzenegger davon zu überzeugen versucht, dass er in einem Traum steckt, viel interessanter und überzeugender als die ähnlichen Stellen in Inception. (Vielleicht deshalb, weil Total Recall sich nicht ernst nimmt.) Vermutlich liegt das auch daran, dass mir Schwarzeneggers Figur sympathisch war, dieser brave kleine Mann, der nur einmal Urlaub machen wollte. Cobb dagegen blieb mir bis zum Ende des Films egal. Da war mir dann eben auch egal, was noch kommt, zumal schon die Schneefestungsebene nach reinem Füllmaterial aussah. („Wir brauchen noch eine Ebene, damit es beeindruckend wird, egal was für eine.“)

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