Über juhudo im Spiegel gefunden: Null Blog. Dort steht, was ich schon seit Jahren sage: die jungen Leute benutzen das Internet rege, aber sie bloggen nicht und machen auch sonst nicht mit, Mitmachweb hin oder her. Ganz genauso wie alle anderen Leute übrigens auch. Es gibt keine digitale Generation, die sich außer in einem ganz trivialen Sinn von einer vorhergehenden unterscheidet. Da ändert auch die „kleine Industrie von Autoren, Beratern und findigen Therapeuten“ nichts, die stets betont, „der herkömmliche Unterricht erreiche diese Jugend gar nicht mehr.“
Überhaupt, das mit den digital natives und digital immigrants. Diese Begriffe führte Marc Prensky im Jahr 2001 ein, also schon vor einiger Zeit. Gemeint sind damit Muttersprachler, die fließend Web sprechen. (Mehr als das Web ist das Internet für diese Gruppe ja eh nicht.) Sie sind inzwischen nicht sehr hilfreich. Besserer Vorschlag: visitors vs. residents, der zum einen keine neue Generation einführt und zum anderen viel deutlicher macht, dass es schlicht Typsache ist: der eine baut eine Rolle im Web auf, der andere halt nicht. Diese Einteilung bildet das Nutzerverhalten, so wie ich es erlebe, besser ab.
Schief an dem ursprünglichen Bild ist auch, dass die immigrants zeitlich ja eigentlich vor den natives da waren. Wie soll sich da eine neue Muttersprache entwickeln? Was herauskommt, ist dann bestenfalls ein Pidgin. Dazu passt allerdings die reduzierte Sprache, der ich in den Facebook- und Foreneinträgen meiner Schüler begegne.
Öfter wird native/immigrant aber nicht auf die Sprache bezogen, sondern auf das Land Digitalien. Auch hier wären die immigrants vor den natives im Lande gewesen, aber wie beim Gründungsmythos der USA wäre aus dieser Nation von Immigranten ein neues Land geschaffen worden. Dann wäre es allerdings höchste Zeit, einen Aufsatz über die Gentrifizierung des Internets zu schreiben, denn das ist es, was zur Zeit etwa durch Facebook geschieht.
Apropos Facebook. Heike Burkhard verlinkt in ihrem Blog „The 8 Things Teachers Should NEVER Do On Facebook.“ (Und daneben 8 Sachen, die man tun sollte.) „Don’t comment on a student’s non-school-related post“ ist das einzige, bei dem ich mich ab und zu zusammenreißen muss. Klar kann man wirklich krank sein und trotzdem munter genug für Facebook, aber das erregt trotzdem mein Misstrauen. Und der Einblick in das, was die jungen Leute so tun – den möchte ich eigentlich gar nicht haben. Grauslich und faszinierend zugleich. Für ein Remake von Das Fenster zum Hof braucht man heute gar kein Fenster mehr, da reicht ein Monitor.
Die meisten Kollegen halten es so, dass sie eben keine Freundschaftsangebote annehmen von Schülern, die sie gerade unterrichten. Bei mir ist es andersherum, ich nehme fast nur Angebote von genau diesen an, und natürlich von Ehemaligen, die die Schule verlassen haben. Aber ich denke oft darüber nach, Facebook ganz zu verlassen. Der Gewinn ist gering, das Konzept gefällt mir nicht, die Benutzer werden von technischen Entwicklungen abgeschirmt: Warum braucht man noch einen Mailclient oder wenigstens einen Webclient, wenn alle Kommunikation über Facebook abläuft?
Lesenswert auch das Experiment im Halbtagsblog: Wie sehr verschreckt man seine Freunde, wenn man als verheirateter Erwachsener den Beziehungsstatus auf „It’s complicated“ setzt?
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