Design-Fähigkeiten in der Oberstufe

Um manche Fähigkeiten kümmert sich am Gymnasium kein Fach so richtig. Design- und Geschmacksfragen etwa, dabei ist “Geschmacksbildung” ein erklärtes Ziel der Schule und Teil der Bildung. Vielleicht sind Schüler auch in einer Entwicklungsphase, in der sie noch nicht so empfänglich für Design sind. Oder es gehört einfach zur Entwicklung, dass jede Generation Comic Sans für sich neu entdecken und die gleichen lahmen Witze lustig finden muss. Nur so lässt sich das Design und der Text mancher Schulflyer und Ankündigungen erklären. Obwohl: vielleicht liegt es auch daran, dass die Lehrer da nicht immer die besten Vorbilder sind. Wer immer nur schief kopierte Arbeitsblätter in Times Roman kriegt, der kommt nicht auf die Idee, dass es auch anders gehen könnte.

Um so mehr hat mir der Flyer der aktuellen Q12 gefallen, der für eine Facharbeitsparty wirbt:

Format DIN A6, hochglanz, Gewicht vielleicht 110g/qm?, durch die versiegelte Oberfläche sehr stabil. Nicht handkopiert und ‑geschnitten, sondern in einer Druckerei gemacht. “Externe Partner” heißt das. Ansprechendes Design, schlicht, wenig Text. Korrekte Rechtschreibung. Bei der Typo könnte man nur an Winzigkeiten mäkeln, die man auf der Verkleinerung gar nicht erkennt.

Ich frage mich jetzt, ob das nur ein Zufall ist (Schülerin mit Sinn für Design, die diesen Sinn in der Schule einsetzt), oder ob das etwas mit dem G8 zu tun hat: externe Partner, P‑Seminare, Fach Informatik. Ich bin schon mal gespannt, wie sich die Abizeitungen G8 und G9 unterscheiden werden.

11 Antworten auf „Design-Fähigkeiten in der Oberstufe“

  1. Das größte Übel, das Microsoft der Welt gebracht hat ist Comic Sans. Selbst auf Titelblättern universitärer Abschlussarbeiten findet sich dieser typografische Unfall mittlerweile.

    Ich finde, Lehrer dürfen durchaus Vorbilder sein, auch im Gestalterischen. Und wenn nur die selbst erstellen Unterrichtsmaterialien gute aussehen. Es muss ja nicht hypergut sein, aber so ohne Comic Sans und ohne grobe Schnitzer. Die Times ist halt eine Zeitungsschrift und wirkt andernorts oft altbacken. Linux Libertine oder SIL Gentium gehen eher in Richtung Schriften für Bücher (wie die Garamond) und sind kostenlos erhältlich. Immer mal nen Test wert. :-)

  2. Wo wir gerade beim Thema “Design” sind – gibt’s irgendwann einen ausführlichen Bericht über Einsatz und Nützlichkeit des iPads im Unterricht?
    Einige meiner Kollegen denken darüber nach und ich versprach ihnen, dass an dieser Stelle irgendwann darüber berichtet würde. :-)

  3. Comic Sans ist kein typographischer Unfall. Für ihren Zweck ist sie gut und es steht ja im Titel welcher das ist. Ursprünglich war sie für das Hilfecomic von Windows 95? 3.11 (weiss nicht mehr) gedacht, dafür wurde sie aber nie verwendet, da sie nicht Termingerecht fertig war.

  4. Comic Sans: hier eine schöne Replik der Schrift, in der sie ihren Kritikern mal sagt, was wirklich Sache ist.

    Jan, Eintrag zum iPad kommt dann wohl bald. (Deine Kommentare habe ich übrigens umgezogen.) Inzwischen gibt es bei Herrn Larbig zwei Einträge dazu.

  5. zur iPad-Thematik:
    am Freitag bei nem Poetry Slam. Ein Engländer hat seine Gedichte auf der Bühne vom iPad abgelesen. Gab am Anfang ganz kurz den Vampireffekt (“oh, ein iPad…welches gedicht!?”), wurde dann aber recht schnell akzeptiert. War auf alle fälle interessant, wie schnell das als selbstverständlich gesehen wurde.

  6. Hallo zusammen,

    “Ich finde, Lehrer dürfen durchaus Vorbilder sein, auch im Gestalterischen.”

    Sind sie aber leider nicht. Weil Lehrer ebenso wenig wie Schüler hier eine Ausbildung erhalten. Das Comic Sans Problem ist auch bei einem ganzen Haufen Lehrer noch nicht angekommen, das würde ich nicht nur auf die Schüler schieben. Aber es scheint als gäbe es auf jeder Schule zumindest einen Schüler der sich mit Photoshop auskennt – und die Partys mit angemessener Werbung versieht. Und das freut mich: Wer das lernen möchte, der bringt es sich selbst bei – nur so entstehen echte Talente.

  7. Wann sollen Schüler im Gymnasium denn Zeit haben, um über Design und Geschmack nachzudenken? Früher gab es wenigstens noch Unterricht in handwerklicher Gestaltung und dafür keine Computer, die alles mundgerecht servieren. Und im Kunstunterricht zählen auch nur Noten und damit der persönliche Geschmack des Lehrers. Die Designer in spe gehen übrigens nicht aufs Gymnasium, sondern auf die FOS für Gestaltung.

  8. Ich denke, der Computer serviert genauso mundgerecht wie Buntstifte, Schere und Papier – also appetitlich und zum Arbeiten anregend. Damit etwas Schönes herauskommt, muss man aber üben und Regeln beachten. Geschmacksentwicklung versuche ich sicher im Literaturunterricht, und ein bisschen in Deutsch und Informatik – zumindest bei der Typographie.

  9. Vielleicht lag’s ja an unserer Abizeitungsvorlage?! ;) Obwohl man da sicher auch noch was rausholen könnte…
    Ich habe übrigens noch so ca. 30 Stück übrig. Hat in der Schule noch irgendjemand Bedarf oder soll ich sie wegwerfen?

  10. Ich fürchte, die Halbwertszeit von Schulpublikationen aller Art ist sehr gering. Ich habe eine (obwohl ich nur die wenigsten aufhebe), und die reicht mir. Aber ich frage mal herum.

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