Mein schönstes Ferienerlebnis

Heute bin ich in der ersten Stunde in der Schule, Unterricht halten, mache mich dann aber gleich auf zur Lehrerakademie Dillingen zur Fortbildung. Gepackt ist alles, ich kann mir nur nie merken, ob man Handtücher mitnimmt oder nicht. (Man nimmt nicht.) Danach zwei normale Schultage (mit Fachsitzung), am Wochenende bin ich dann im Siebengebirge auf der Jahresversammlung der ZUM (Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V.). Danach muss aber erst mal Schluss sein mit den Projekten, also, bis auf eine Fachbetreuertagung im Dezember, gehalten an unserer Schule.

Die dreieinhalb letzten Ferientage war ich nämlich auch nicht da, sondern beim jährlichen Rollenspielen. Es ist 1933, der amerikanische Präsident F. D. Roosevelt hat uns ins Weiße Haus eingeladen – als Anerkennung der Rolle, die wir beim letzten Mal gespielt hatten. Dachten wir jedenfalls: tatsächlich wartete schon die nächste Aufgabe auf uns. Der Bundespolizist Greenwood – ein Bekannter von uns – war während eines Einsatzes in Zentralasien verschwunden, sein letztes Lebenszeichen ein kryptisches Telegramm mit der Bitte, unsere Gruppe nach ihm suchen zu lassen.

Also los, informieren und ausrüsten. Agent Greenwood war der Spur eines gestohlenen Kartenfragments auf die Philippinen gefolgt, von dort nach Taiwan und schließlich aufs chinesische Festland, wo sich seine Spur verliert.
Wir hinterher. Nach San Francisco,von dort mit dem Jungfernflug eines China Clippers über Honolulu, Midway und Wake Island auf eine Manila vorgelagerte Militärbasis. In Manila war das Artefakt gestohlen worden; wir befragten den bestochenenen Wachmann und den Hafenmeister und folgten Greenwoods Spur in ein abgelegenes Kloster auf Taiwan. Nach einer Begegnung mit Piraten dort angekommen, erfuhren wir im Kloster von einer Sage im Zusammenhang mit der verschwundenen Karte und konnten einen Blick auf etwas werfen, das letztlich die zweite Hälfte des Kartenfragments war.

Über Port Arthur fuhren wir nach Harbin. Port Arthur war von den Russen gegründet als Basis für ihre transsibirische Eisenbahn, inzwischen gehört die ganze Gegend wieder zu China – das heißt, eigentlich zum Kaiserreich Mandschuko, einem japanischen Marionettenstaat.
In Harbin gelang es uns, Agent Greenwood zu befreien und mehr über die Karten herauszufinden: wir waren auf der Spur des Dschingis Khan. Einen Vorsprung uns gegenüber hatten allerdings japanische Agenten (von Deutschland aus unterstützt), die Dschingis Khans Grab suchten. Wir fandes es schließlich (östlich des Baikalsees), zusammen mit unaussprechlichen Dingen (war ja auch Call of Cthulhu) und auf der Rückfahrt mit dem Zug gelang es uns schließlich, den Japanern das gefundene Artefakt abzunehmen.

Der Spieltisch war voller Handouts. Die Gästeliste beim Empfang im Weißen Haus, Flug- und Bahnrouten, Fotos aller Strecken, Wikipedia sei Dank. Ein historischer Atlas lag auch auf dem Tisch – die meisten von uns hatten immerhin noch nie zuvor von Mandschuko gehört. Alle Personen waren säuberlich recherchiert, bis hin zu den Eigennamen der Besatzung des China Clippers. Daneben Telegramme, Briefe, andere Schnipsel. Sehr stimmungsvoll, diese Fülle an Material – und außerdem ist es so leichter, wirklich wichtige Informationen so an die Spieler zu bringen, dass die das nicht gleich erkennen. Und gelernt habe ich auch viel, werde nie wieder vergessen, wo Irkutsk liegt.

– Inzwischen bin ich in Dillingen an der Lehrerakademie, wo es vermutlich weniger aufregend zugehen wird. Die Zahnpasta habe ich zu Hause vergessen, werde schnell noch mal aus dem Haus springen.

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3 Thoughts to “Mein schönstes Ferienerlebnis

  1. Kauf eine Tube in kleiner Reisegröße, die du gleich in deinem Kulturbeutel wohnen lassen kannst!
    (Sollte uns jetzt etwas zustoßen, werden sich die Ausräumer unserer Wohnung wundern, was wir bitte mit fünf angebrochenen Tuben Zahnpaste gemacht haben.)

  2. Tschuldigung. Ich frage mal in der Schule herum, ob da jemand welche braucht. Ich meine, Kuchen und so bringt auch immer wieder jemand mit.

  3. Aha, Zahncreme. Ähnlich gelagerte Fälle gibt’s bestimmt zuhauf. (Grade höre ich auch davon, wie’s mal die Zahnbürste war.) Und wir Einheimischen fragten uns immer, wie sich /dieser/ Laden da an /dieser/ Stelle halten kann… :)

    (Ah, ein Szenario also, das /wirklich/ aus dem Hintergrund schöpfte. Wohl dem, der solchen Spielleiter hat. Bei Cthulhu ist sowas ja eigentlich einfacher als in anderen Hintergründen, passiert aber offenbar trotzdem eher selten.)

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