Wikileaks, ganz kurz

(11 Kommentare.)

Es wird immer besser. Die USA begrüßen die Verhaftung von Assange? Begrüßen die jede Verhaftung eines der Vergewaltigung verdächtigten Menschen? Wenn nicht, halte ich das für eine Begrüßung, die ein in der Sache unbeteiligter Staat unterlassen sollte.

So spannend die Wikileaks-Veröfentlichungen als solche sind (Lila schreibt etwas zum Nahen Osten), noch spannender ist das, was danach geschieht: DDoS-Attacken auf Wikileaks, DNS-Server schmeißen Wikileaks heraus, Amazon, PayPal, Mastercard, Visa schmeißen Wikileks heraus wegen angeblicher, vielleicht tatsächlicher Verstöße gegen die AGB. (Aber wer verstößt nicht dagegen? Wie hieß es in einem Tweet neulich: der Ku Klux Klan wird von Visa und Mastercard bedient, aber Wikileaks nicht? So viel Druck kann ein Staat machen, das vergisst man leicht.) Dafür dann heute ein DDoS-Angriff auf Mastercard.

Unbedingt im Lawblog lesen: Kriegsgerät Serverplatz.

(Und ob unser Bundeswirtschaftsminister Brüderle jetzt Wikileaks oder die USA mit der Stasi verglichen hat, ist noch unklar.)

Nachtrag: beim Guardian gibt es Aktuelles, mit Live-Updates. Mastercard und PayPal geben zu, dass sie US-Regierungswünschen nachgegeben haben. Wegen… wegen illegal. Aber: wie auch immer man zu Wikileaks steht, ob irgendetwas illegal an den Veröffentlichungen ist, steht nicht fest. Allenfalls gibt es wohl Urheberrechtsverstöße, aber selbst das ist offen. (Der Verrat der Geheimnisse selber, der ist strafbar. Das Verbreiten in der Presse – und Wikileaks ist Presse – nicht. Zu schützende Persönlichkeitsrechte hat ein Staat auch nicht.)


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11 Antworten zu „Wikileaks, ganz kurz“

  1. Moe

    Werden Wikileaks-Akten oder das Thema an sich eigentlich auch im Informatik-, Geschichts-, Deutsch- oder Sozialkundeunterricht behandelt?

  2. Weiß nicht. Bietet sich natürlich in all diesen Fächern und anderen an – der Inhalt der Akten in Sozialkunde, Englisch und vielleicht Geschichte, das Thema überhaupt in Deutsch und Informatik. Wenn nicht gerade Prüfungsvorbereitung ansteht oder Vorbereitung der Weihnachtsfeier oder Zeugniskonferenz. Ich habe es in Informatik abgeschnitten, in Deutsch noch nicht. Ich könnte ja mal nächsten Montag… wieviel die Schüler davon mitkriegen, weiß ich nicht, vielleicht weniger, als man denkt.

    Mehr machen als darüber informieren, reden, Vor- und Nachteile nennen, Probleme nennen, ein paar lustige Sachen finden, könnte ich nicht. (Außer: Englischunterricht, da geht alles.) Das heißt, ich weiß noch nicht, wohin mit diesen Entwicklungen. Aber einfach mal gemeinsam recherchieren und herausfinden, welche Parteien daran beteiligt und interessiert sind, das würde ja schon reichen – aber die Zeit nimmt man sich nicht. Ich frag mal nächste Deutschstunde.

  3. Habe heute im Fach Deutsch darüber gesprochen. Mein 13er LK hat im Rahmen des Zentralabiturs Ibsens „Ein Volksfeind“ gelesen. Da Assange in der Presse auch als „Weltfeind“ benannt wurde, hielt ich es für angemessen, Parallelen und somit einen aktuellen Bezug herzustellen. Die Schüler waren tagespolitisch gut informiert, wie das kurz vorm Abitur auch sein sollte.

  4. […] Untertöne bestimmter Couleur liest man bei Herrn Rau und mir eher selten. Sein Artikel zu Wikileaks ist unbedingt lesenswert, auch weil sich Hinweise verdichten, dass Firmen wie Amazon und Visa sehr […]

  5. Moe

    Wer sich über die Beweggründe Assanges informieren möchte, die Süddeutsche hat einen der wenigen exzellent recherchierten Berichte darüber online:

    http://www.sueddeutsche.de/digital/wikileaks-gruender-julian-assange-der-gegenverschwoerer-1.1031477

  6. Schwarz

    Ich mache zur Zeit mit bei „Focus macht Schule“ und da ist Wikileaks das Thema der Woche. Meine Zugangsdaten (da ich mich angemeldet habe – ich glaube, Focus hat nichts gegen die Verbreitung, da ich sie auch meinen Schülern gab):
    Downloadbereich:
    http://www.medialine.de/deutsch/engagement/bildung/focus-macht-schule/unterrichtsmaterial-2010.html

    Gruß
    Schwarz

  7. (Entschuldigung, ich habe die Zugangsdaten entfernt, ich weiß nicht, ob Focus etwas gegen die Verbreitung hätte. Schüler sehe ich ein, Internet dagegen… aber man kann sich schnell selber anmelden, das Material ist sehr gut brauchbar.)

  8. Ich glaube, dass man generell Schüler so an Primärquellen heranführen kann. Im Moment sieht es ja ganz danach aus, dass es die einigen Quellen sind denen man noch trauen kann. Hat also eine existenzielle Bedeutung damit umgehen zu können.

  9. dowel

    Ich fühle mich beim Vorgehen gegen Wikileaks an die Spiegelkrise von 1962 erinnert – vor allem was die Bedeutung für eine freie Presse angeht. Leider scheinen unsere Totholzleitmedien die Parallelen noch nicht verstanden zu haben, weil hier kein Strauß in irgendwelche Büroräume stürmt, sondern „lediglich“ Druck auf Konzerne ausgeübt wird.

  10. Moe

    Fefe verweist zurecht (wie immer aber leider sehr .. „neutral und objektiv“) hierauf:
    http://www.amazon.co.uk/gp/product/B004EEOLIU
    „zahlbar mit Mastercard und VISA“ :D

  11. Also, wenn ich gerade Englisch unterrichten würde, ich würde mit einer Klasse in den Computerraum gehen und sagen: Leute, schnappt euch ein paar der Diplomatendepeschen und fasst den Inhalt kurz zusammen. Die meisten sind eher langweilig, aber das sollte doch trotzdem ein bisschen Spaß machen. (Hier ein Mirror: http://wikileaks.as50620.net/)

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