Noir-Box, der Rest

Vor zwei Jahren oder mehr habe ich mir eine Box mit neun Klassikern des film noir gekauft. Einige ganz wichtige Filme fehlen darin zwar – The Maltese Falcon, The Big Sleep, vielleicht sogar Kiss Me Deadly – aber die hatte ich ohnehin schon. Vor einigen Sommerferien hatte ich die erste Hälfte dieser Filme gesehen und verbloggt, hier der Rest.

Weil gerade Winterferien sind, im tatsächlichen Sprachgebrauch besser bekannt als Faschingsferien.

 

6. The Glass Key
Regie: Stuart Heisler
Drehbuch: Jonathan Latimer
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, Brian Donleavy
Jahr: 1942
Romanvorlage: Dashiell Hammett

Motive: Treue, Loyalität, femme fatale (ein bisschen). Korrupte Politiker und Presse. Nach, Regen, Treppen.
Frauen: Mehrere, aber Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: Äußerst linear, der linearste Film in der Box bisher.
Plot: Ein mäßig korrupter politischer Strippenzieher will ein bisschen ehrlicher werden, weil er sich in die Tochter eines Kandidaten verguckt hat. Sein Freund und Assistent hilft ihm, als er des Mordes an ihrem Bruder verdächtigt wird, obwohl er selber das Mädchen will. Die Handlung ist so wenig komplex wie kein anderer film noir, den ich kenne, und dabei ist das ein Klassiker. Ich war dann auch nur mäßig beeindruckt. Aber Alan Ladd als treuer Freund ist hervorragend, ebenso der Gangsterboss Joseph Calleia und sein Unterling William Bendix.


7. This Gun For Hire
Regie: Frank Tuttle
Drehbuch: Albert Maltz & W.R: Burnett
Darsteller: Veronica Lake, Alan Ladd
Jahr: 1942
Romanvorlage: Graham Greene

Motive: Treppen, ein bisschen Korruption, aber keine besonders typischen Noir-ELemente, vom Trenchcoat Alan Ladds abgesehen
Frauen: nur eine, kein femme fatale, Bechdel-Test nicht bestanden
Erzählperspektive: vollkommen linear; es geht nicht mal darum, herauszufinden, was passiert ist, sondern nur darum, was passieren wird
Plot: Auftragskiller wird von Auftraggeber betrogen und will sich rächen. Der Auftraggeber ist Leiter eines Chemiekonzerns, der Giftgasformel an den Kriegsfeind Japan verkaufen will. Veronica Lake ist eine Varieté-Künstlerin mit zwei Musiknummern im Film: einmal singt sie und führt gleichzeitig Zaubertricks vor, das andere mal singt sie in schwarzem Lackleder und mit hohen Fischerstiefeln vom Männerfangen. Beide Nummern eher unerwartet in so einem Film. Ihr Freund ist Polizist, sie selber soll verdeckt ermitteln gegen den Chemiekonzern. Der Schurke wurde als Kind geschlagen und würde gerne eine Therapie machen. Nahc einer halbwegs spannenden Nacht auf der Flucht vor der Polizei gelingt Ladd, sich in die Chemiefabrik zu schleichen – weil da gerade ein Gasmaskenübung stattfindet. Der Oberböse versucht am Schluss noch, mit einem Schieß-Füller Alan Ladd zu töten, der stirbt dann aber doch im Kugelhagel der Polzei. Bei der Verfilmung des Romans musste wohl zu viel gestrafft werden. Herausgekommen ist ein Thriller, bei dem es ein bisschen um das Seelenheil des Killers geht, aber kein besonders typischer film noir.


8. Out of the Past
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Daniel Mainwaring
Darsteller: Robert Mitchum, Jane Greer, Kirk Douglas
Jahr: 1947
Romanvorlage: Daniel Mainwaring

Motive: Liebe, Gefahr, Gangster, Verrat, Treue, Vergangenheit.
Frauen: zwei noir-typische femmes fatales, und eine brave Frau; Bechdel-Test nicht bestanden
Erzählperspektive: verschachtelt. Ein Teil der Handlung ist Rückblende.
Plot: Robert Mitchum, Tankstellenbesitzer in einer Kleinstadt, wird von der Vergangenheit eingeholt. Ehemaliger Privatdetektiv, hat sich zurückgezogen vor einem alten Auftraggeber (dessen Auftrag er nicht ausführte), einer alten Flamme (die der Auftrag betraf) und seinem ehemaligen Partner (weil der dabei ums Leben kam). Der ursprüngliche Auftraggeber Kirk Douglas hat sich die Frau zurückgeholt und will nun Robert Mitchum, den er als Sündenbock für einen Mord brauchen kann, büßen lassen.
Toller Film. Kein Regen, keine Großstadt, dafür sonniges Mexiko, viel Natur und eine Tankstelle auf dem Dorf – trotzdem ein astreiner film noir. Wegen der Vergangenheit, die den Helden einholt, vielen Nachtszenen, der moralischen Ambivalenz, dem Verrat, dem Ausgang eben nicht als klassisches Liebespaar. Und wegen des Sprechers auf dem Off – ein Topos des klassischen Kriminalromans dieser Form. Und der kommt eben genau von dessen verschachtelter Erzählweise: Gerne wird die Geschichte aus dem Rückblick erzählt (der Polizei, wie in D.O.A. oder Murder, My Sweet, oder einer Frau, wie in Out of the Past), und an diese Erzählsituation erinnert der gelegentlich Off-Sprecher den Zuschauer.


9. The Blue Dahlia
Regie: George Marshall
Drehbuch: Raymond Chandler
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix, Howard Da Silva
Jahr: 1946

Motive: Unschuldig verdächtigt. Nachtclubs. Unterwelt.
Frauen: zwei, Bechdel-Test nicht bestanden; keine der Frauen besonders fatale
Erzählperspektive: linear
Plot: Alan Ladd kommt mit zwei Freunden aus dem Krieg zurück; seine Frau betrügt ihn und ist auch nicht mehr an ihm interessiert. Als sie ermordet gefunden wird, gerät Ladd unter Verdacht. Held und Heldin sind beide verheiratet (wenn auch nicht miteinander); Held hat zwei Freunde, die zu ihm halten. Nicht sehr typisch, aber in Ordnung. Die Handlung hat ein paar Twists, Howard da Silva als Schurke ist interessant, William Bendix sehe ich immer gern. Sehr viel mehr fällt mir leider nicht ein. Die Alan-Ladd-Filme sind irgendwie nicht das meine.

– Fazit: Ich mag noir immer noch. Die besten dabei sind The Maltese Falcon, The Big Sleep, Out of the Past, Touch of Evil, Gilda. Vielleicht noch The Killers. Und von den zweitbesten sind immer noch viele sehr gut.

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