Bernhard Hennen: Die Nacht der Schlange

Untertitel: „Ein aventurischer Kriminalroman“

Ein mitfahrender Referendar in der S-Bahn fragte mich, was ich denn da läse. Die Antwort war ausführlich, hier die Kurzfassung. (1) Das Buch ist ein Fantasy-Roman. (2) Es spielt in der Welt des Fantasy-Rollenspiels Das Schwarze Auge. (3) Die Handlung ist die gleiche wie die von Friedrich Dürrenmatts Schullektürenkrimi Der Richter und sein Henker, nur eben transportiert in eine Fantasywelt: Ein Mitglied der Stadtwache wird ermordet gefunden, er war im Auftrag seiner Vorgesetzten (erfahren, todkrank) einem hochangesehenen Kaufmann auf der Spur, mit dem die Vorgesetzte eine gemeinsame Geschichte verbindet. Ein junges Mitglied der Stadtwache wird als neuer Assistent herangezogen. Auch sonst entwickelt sich die Geschichte bis in Details wie die von Dürrenmatt. Dazu kommen ein politisches Komplott in der Stadt, zusammen mit dem Ausbruch einer Seuche, und zwei eher uninteressante Nebenhandlungsstränge (Feldwebel der Stadtwache mit rauer Schale und Herz aus Gold; anderes Stadtwachenmitglied soll Pestkranke bewachen und verliebt sich in ein Opfer).

Die Nebenhandlungen braucht es vermutlich, da die Charakterisierung der Personen weniger spannend ist als die bei Dürrenmatt. Sprache und Erzählperspektive sind vorhersehbar und nicht sehr interessant. Trotzdem freue ich mich über das Buch. Es sollte viel öfter Remakes von Büchern geben. Bei Filmen gibt es das häufiger, bei Fernsehserien gibt es immer wieder mal Rashomon-Folgen. Bei Büchern sind es meistens nur die Stoffe, die aufgegriffen werden, aber stets so, dass sich die neue Behandlung von ursprünglicheren Fassungen unterscheidet. Dass man ein gegebenes Buch nimmt und sich sagt: das erzähle ich jetzt noch einmal, das gibt es bei moderner Literatur selten.

(Darauf gekommen bin ich über ein anderes Buch von Bernhard Hennen, Nebenan, das ich vor Jahren mal gelesen habe. So eine Art Matt Ruff, Fool on the Hill, nur in Köln, aber bei weitem nicht so gut.)

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9 Thoughts to “Bernhard Hennen: Die Nacht der Schlange

  1. Prinzipiell stimme ich zu, allerdings fand ich, dass Bernhard Hennen hier zu wenig Eigenleistung eingebracht hat.

  2. Da stimme ich wiederum zu. Bei der Handlugn erwarte ich allerdings keien Eigenleistung, da find eich die genaue Übernahme in Ordnung. Die Nebenhandlungen, vor allem: das Erzählen hätten interessanter sein sollen.

  3. Das ist schön, dass eure Generation das noch kennt. Uhm, auch mit Pen&Paper-Rollenspiel oder nur Bücher und Computerspiele?

  4. Bis jetzt habe ich nur ein paar Computerspiele gespielt und ich freu mich grad sehr auf „Satinavs Ketten“ und „Demonicon“. Für die Bücher war bis jetzt (noch) nicht sehr viel Zeit. Können sie noch ein paar besonders gutes empfehlen?

  5. Ich habe außerdem dem Hennen kein einziges DSA-Buch gelesen. Nur mal eine Facharbeit darüber, im Deutsch-Leistungskurs, als es noch Facharbeiten gab.

    Empfehlen kann ich natürlich, mit ein paar Leuten das DSA-Rollenspiel zu spielen, auch wenn man die Leute nicht gar so leicht findet und die Regeln heute wohl etwas komplizierter sind als damals, Anfang 1984 auf Burg Frankenstein bei Darmstadt, mit Karl-Heinz, Jan, Udo und ein paar anderen Gestalten:

    Der mit den langen Haaren und dem blauen gestreiften Pullover, das bin ich. DSA-Abenteuer #4, „Die sieben magischen Kelche“. Karl-Heinz hat sich noch jahrelang bitter beklagt über den Zwerg aus der eigenen Abenteurergruppe, der ihn heimtückisch um Schatz und Leben gebracht hat. Lange Geschichte.

  6. ..was eine Zeit :-D
    Empfehlen kann ich „Das Jahr des Greifen“. Von Bernhard Hennen und Wolfgang Hohlbein. Das war, auch literarisch, kein schlechtes Buch. :-)

  7. @Jan Danke für den Tipp, hab von Hohlbein schon einiges gelesen und hat mir immer gefallen. Wenn ich mal Zeit hab schau ich mich nach den Büchern um, aber für P&P kann man mich nicht begeistern, dazu fehlt mir die Geduld^^

  8. Naja, ein paar Rollenspieler (P&P) gibt es doch noch. Und man findet sie sogar in der eigenen Umgebung recht leicht über die Spielerzentrale http://www.spielerzentrale.de
    So hab ich sogar meinen Mann kennengelernt! Da sag noch einer was wegen Flucht in die Fantasie! ;)
    @DSA-Romane: Ich habe in letzter Zeit keinen mehr gelesen, die von sagen wir vor 10 Jahren, waren schon eher gruselig.

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