Sprechstunden auf der Schulhomepage

Auf Twitter klagte ich neulich – nicht ganz ernsthaft – über das, was mich bei Lehrersprechstunden auf der Schulhomepage stört: dass ich alle Naslang eine neue Version kriege, die ich online stellen soll. Können die sich nicht mal auf einen Termin festlegen?

Eine Reaktion bei Twitter bestand aus der Frage, warum die Lehrer denn nicht eigentlich selber ihre Sprechstunde in ein System eintragen. Im Moment geht das noch nicht. Zum wenigsten liegt das daran, dass ich die Sprechstunden als Grafik auf die Homepage stelle – aus historischen Gründen, damit das Ausdrucken auf einem A4-Blatt leichter fällt, und damit die Daten weniger leicht weiterverarbeitbar sind. Denn eigentlich, so vermute ich, und klare Aussagen darüber kenne ich nicht, ist das Veröffentlichung eines Sprechstundenplans im Internet datenschutzrechtlich nicht erlaubt – jedenfalls ohne schriftliche Einverständniserklärung der betroffenen Lehrkräfte. (Auch wenn der Plan passwortgeschützt ist, wie bei uns.) Vor ein paar Jahren riet das Kultusministerium aus diesen Gründen auch davon ab, Sprechstunden online zu stellen; ich weiß nicht, ob das noch so gilt.

Aber abgesehen davon: Ich könnte natürlich die Sprechstunden als Text eingeben – einspaltig, nicht zweispaltig, und deshalb nicht so für den Ausdruck auf einer A-4-Seite geeignet. Dann müsste ich bei Aktualisierungen einfach nur die Zeile ausbessern.
Könnten in diesem Fall die Lehrer nicht ihre Sprechstunden selber aktualisieren? So ein content management system sei doch so einfach zu bedienen, das würden doch schon Viertklässler können.

Einerseits denke ich mir: ja. Es würde so vieles so viel einfacher machen, wenn Lehrer mit webbasierten Werkzeugen umgehen könnten. Terminabsprachen, gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, Email.

Andererseits schlagen sich manche Kollegen erfolgreich durchs Lehrerleben und machen guten Unterricht dabei, obwohl sie nur zweimal pro Woche den Rechner anmachen und einmal pro Woche ins Internet gehen. (Unsereiner ist ja im Internet, andere gehen noch dorthin.) Warum müssen die auch noch den Umgang mit einem CMS lernen?

Wenn die Sprechstunden auf der Homepage stehen, sollten sie auch stimmen. Ich bin halbwegs zuverlässig, wenn mir eine Änderung gemeldet wird, aktualisiere ich die Daten. Wenn das jeder Lehrer selber macht, sind die Daten entweder nicht korrekt, oder jemand – also: ein Vorgesetzter – muss das verlangen und kontrollieren. Wer?

Zur Einfachkeit eines CMS: Lehrer müssen sich sowieso schon Passwörter merken für Homepage (frontend), Noteneingabeprogramm, Schulmailadresse, ein weiteres webbasiertes Werkzeug. Jetzt auch noch eines für Homepage (backend)? Leichter wäre es, wenn ein Werkzeug gäbe, dass diese Aufgaben in sich vereinte. Gibt’s aber nicht. Ein Wiki als Basis, dessen Bedienung man einmal lernen muss, und aus diesem Wiki bedienen sich Homepage und Sprechstundenplan und weitere Views. Oder eine Datenbank mit benutzerfreundlicher Schnittstelle, aus der alles weitere befüttert wird. Haben wir leider nicht.

Selbst wenn Lehrer das alles könnten: Sollten sie? Gibt es für Verwaltungsaufgaben nicht Sekretariate? Die haben zur Zeit auch genug zu tun, aber generell: Mit einem personell ordentlich ausgestatteten Sekretariat (sie sind systematisch unterbesetzt) könnten Lehrer sich viel mehr auf das Unterrichten konzentrieren, die Aufgabe, die uns – zugegeben – am meisten Spaß macht und für die wir ausgebildet sind.
Der Computer macht viele Aufgaben sehr viel leichter – Rundschreiben, Terminkalender, Notenberechnung, Gestaltung von Weihnachtskarten. Das führt zu einem Umverteilungsprozess von Aufgaben, auch zwischen Schulleitung und Sekretariat, und Sekretariat und Lehrern, der noch nicht abgeschlossen ist.

3 Antworten auf „Sprechstunden auf der Schulhomepage“

  1. Bei uns werden die Sprechstunden durch die Lehrer in eine Datenbank via WebInterface eingegeben. Klappt problemlos.

  2. Welcher Grund bei vorhandenem Passwortschutz noch gegen eine solche Veröffentlichung sprechen sollte, ist mir schleierhaft. Aber die Gründe gegen die Selbstbefüllung per CMS verstehe ich gut. Ich habe lange die Website mit Mitgliederliste eines Chors gepflegt, der ebenso aus internetaffinen und weniger -affinen Leuten bestand. Und nur verschwindend wenige haben ihre Daten dort selbst geändert. Leider. Nur zum Herunterladen oder Einsehen geschützter Daten wurde der Bereich genutzt. Also nutzen statt beitragen.

  3. Zugegeben: auch bei uns geben die Lehrer ihre Sprechstundendaten in ein Webinterface ein, aber die Daten sind für Eltern nicht erreichbar. Also bräuchten wir noch ein Interface.

    Gründe gegen eine Veröffentlichung: ich wüsste selber keine guten. Aber der Datenschutz sieht das anders und macht uns auch auf anderen Gebieten das Leben schwer.

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