Disingenuous

(Nachtrag: peinlichen Schreibfehler korrigiert.)

“Disingenuous” ist ein sehr schönes englische Wort. Es bedeutet ungefähr, sich dümmer zu stellen, als man ist, um dadurch eigene Ziele zu erreichen.

Das Wort ist mir spontan eingefallen bei der Pressemitteilung des Kultusministeriums heute:

Kultusministerium zum eigenverantwortlichen Unterricht der Referendare an den Schulen – Zur Eingabe des Bayerischen Philologenverbandes an den Landtag

MÜNCHEN. Die Lehrerausbildung gliedert sich in Bayern in zwei Phasen:
1. Eine erste, stark fachtheoretische Ausbildung an den Hochschulen, die mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen wird. Diese umfasst allerdings bereits Praxisanteile – je nach Schulart – in einem Umfang von etwa einem halben Jahr.
2. Und eine zweite stark berufspraktische Phase, in der die angehenden Lehrkräfte – betreut von erfahrenen Seminarlehrern und ‑leitern – auch eigenverantwortlichen Unterricht halten. Dieser ist für eine qualifizierte und berufsorientierte Ausbildung unverzichtbar. Die Mindeststundenzahl für die zweite Ausbildungsphase an Realschulen und Gymnasien an der jeweiligen Einsatzschule beträgt 10 Unterrichtsstunden pro Woche, die Höchstgrenze 17. Die Stunden, die die Referendare über die Mindestanzahl von 10 pro Woche unterrichten, werden ihnen zusätzlich zu den Bezügen als Referendar bezahlt.

Ich weiß nicht genau, wie die Anfrage des bpv lautete. Die Antwort geht jedenfalls an den Fragen vorbei, die sich Lehrer an den Schulen stellen. Den eigenverantwortlichen Unterricht von Referendaren an sich stellt wohl niemand in Frage. Eigenverantworlich unterrichten Referendare in der Phase der Einsatzschule (was so viel heißt wie: ohne größere Betreuung durch erfahrene Seminarlehrer und ‑leiter). Zu meiner Zeit war die Obergrenze 14 Stunden, erweiterbar auf 16, wenn dringende Gründe dafür sprachen, also wenn ansonsten Unterricht ausfallen würde. De facto hieß das 16 Stunden, weil das mit den dringenden Gründen nie so genau gesehen wurde. Inzwischen sind es 17 Stunden. Das müsste nicht so sein.

Vor und nach dem Arbeiten in der Einsatzschule befinden sich Referendare in der Seminarschule. Dort findet die Betreuung durch erfahrene Seminarlehrer und ‑leiter statt. Und da gab es früher gar keinen eigenverantwortlichen Unterricht. Inzwischen – es mag etwas mit Lehrermangel und Finanzierungsproblemen zu tun haben – unterrichten Referendare dort sehr oft eigenverantwortlich, so dass man weniger Lehrer einstellen muss. Zu dieser Praxis hätte ich lieber Antworten vom Kultusministerium gehabt.

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