Ferien!!! Also fast jedenfalls.

Gestern und heute fanden an meiner Schule die Projekttage statt, die sich an Bayerns Schulen zum Schuljahresende etabliert haben. Diesmal sollte es etwas anders werden, wurde es auch, liebevoll letztlich von den Verbindungslehrern zusammen mit Schülern vorbereitet: Schule als Staat, wenn auch als zweitägige Schwundstufe. Dazu gehören eine eigene Währung (mit festem Wechselkurs), ein paar Regeln und Gesetze und Staatsangestellte (Polizei, Gericht), aus Pro-Kopf-Steuern finanziert.

Aus Zeitgründen gab es keine Legislative und keine gewählte Regierung, die in anderen Formen dieses Projekts, für das mehr Tage zur Verfügung stehen, sehr wohl vorgesehen sind. Ansonsten waren alle Klassen aufgefordert, sich zu überlegen, was für Dienstleistungen oder Produkte sie anbieten könnten – gegen Geld. Diese eigene Währung war dann wohl auch der Motor des Projekttags, möglicherweise mehr, als das mit echtem Geld der Fall gewesen wäre. Zu den Angeboten zählten natürlich wie immer Kaffee und Kuchen und Säfte und Gegrilltes in der Semmel, was ich alles immer etwas phantasielos finde. Aber diesmal war immerhin klarer als sonst, dass man sich auch gegen Konkurrenz behaupten musste, Werbung treiben musste, sich um Kunden bemühen musste. Und natürlich gab es auch Agenturen, die Werbung anboten; Lautsprecherdurchsagen und Einblendungen auf dem Beamer in der Aula konnten gekauft werden. Kunden waren die anderen Schüler, Lehrer und Eltern, die alle eingeladen waren zu kommen.

Von Anfang an gab es natürlich auch Rebellen. Pläne von Falschgeld und Banküberfällen, das Aussteigen aus dem System, im Verlauf des Projekts dann auch Kritik an der Schüler-Polizei, die selbst bei als harmlos erachteten Verstößen (Trinken an verbotenen Orten; bei Facebook scherzhaft angekündigte Banküberfälle) eingriff und die möglichen Täter vor den Richter brachte.

So sah das in der Aula aus:

Drei Projekte gab es (neben Werbung, Gerichtswesen und ähnlicher Infrastruktur), die mir besonders gefallen haben. Zum einen das Reinigen von Autos. Fensterwaschen und Aussaugen mit dem Staubsauger, glaube ich – ich habe das selber nicht mitgekriegt, da ich kein Auto habe. Aber von den Kollegen hat man nur Gutes gehört, und der Preis für diese Dienstleistung stieg im Lauf der beiden Tage auch kontinuierlich an.

Ganz toll fand ich selber das Schuhputzen. In der Luxusvariante gab es eine Tasse Kaffee oder Wasser dazu, einen Keks, man bekam Luft zugefächelt und natürlich auch die Schuhe geputzt. Währenddessen konnte man in den Magazinen neben dem Stuhl blättern (Spiegel, MAD) oder Konversation mit dem Schuhputzer treiben. Was soll ich sagen – meine Schuhe konnten tatsächlich eine Reinigung gebrauchen, und danach waren sie ganz hervorragend geputzt.

Für ein Foto von mir im Sessel hätte ich Geld gezahlt, es war aber kein Fotograf da – auch eine Geschäftsidee für die Zukunft. Vielleicht kommt trotzdem noch eines; eine Schülermutter wollte mir eines mailen, dafür gab ich den Schülern auch besonders viel Trinkgeld.

Hier das Team bei einer kurzen Pause:

Ja, und dann kam mir auch das Taxi zupass, als ich im hintersten Winkel des Schulgebäudes war, nicht zum ersten Mal an diesem heißen, heißen Tag, und ins Lehrerzimmer wollte – im weitestmöglich entfernten Fleckchen Schule. Das Taxi: ein Stuhl mit Rollen unten dran, geschoben von einem Schüler mit Schlüssel zum Aufzug. Geringe Investitionskosten und viel Kundschaft.

War das jetzt Kinderarbeit? Ausnutzen von Schülern? Ich glaube nicht. Es waren jedenfalls Dienste, die angeboten und gerne angenommen wurden, und damit himmelweit entfernt von den Kuchen, die regelmäßig im Lehrerzimmer auftauchen mit der Bitte, sich zu bedienen und dafür einen Euro in die Kasse für dieses oder jenes P‑Seminar zu legen. Das sind Almosen. Bei uns steht ständig so viel Kuchen im Lehrerzimmer, dass wir das nicht brauchen und dafür zahlen, weil es da steht und wir nett sind. Almosen halt.

– Danach wurden die scheidenden Kollegen verabschiedet, Referendare zum Großteil, aber auch die eine oder andere Pensionierung und Versetzung auf eine andere Stelle. Das sah so aus:

Und war schön. Üblicherweise findet so eine Feier bei uns am letzten Schultag statt, das wäre nächsten Dienstag gewesen. Diesmal, uh, war das nicht so.

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